Sulawesi

Sulawesi, wer es nicht kennt, wird vielleicht die Meldung erinnern, die im März 2017 um die Welt ging: „Python verschlingt Mann mit Haut und Haar, samt Gummistiefeln“. Die Nachricht gilt als gesichert, unklar ist lediglich die Länge der Schlange. Einige Zeitungen berichten von 7 m und andere von 4 m – die Wahrheit liegt wie immer in der Mitte, denken wir. Stolze 5,5 m wird das Tier gemessen haben. Ob uns das beunruhigt hat? Nun, die Tickets nach Sulawesi waren schon gebucht und bezahlt, das hielt die Beunruhigung aus ökonomische Erwägungen in Grenzen. Wir beschließen zu fliegen, aber die Lieblingsspeise des Python, die Gummistiefel, zuhause zu lassen.

Von der Insel selbst wissen wir vor unserem Besuch wenig. Informationen zur Lage, Größe und Bevölkerungsstruktur lassen sich zwar leicht recherchieren, vieles auch zum alles überragenden Thema des Totenkultes der Toraja. Aber wieviel verrät das über den Charakter Sulawesis? Wir haben knappe 3 Wochen Zeit, was natürlich für die gesamte Insel nicht ausreicht. Mit dem Mut zur Lücke entscheiden wir uns, den Norden auszulassen, der vorwiegend für Tauchsportler interessant ist. Süd- und Westsulawesi detaillierter kennenzulernen, ist ambitioniert, aber zu schaffen.

Sicher, wir wollen es nicht verschweigen, auch den Totenkult der Toraja auf Sulawesi möchten wir vor Ort erleben. Wer weiß, wann die Globalisierung solche Traditionen weghaut und stattdessen ein Sarg-Discounter sich um alles kümmert. Also hin, mit etwas Glück erleben wir eine Zeremonie mit, gestorben wird ja immer. Wir wissen natürlich, dass der Kult vorwiegend von der Elite des Landes praktiziert wird und schon deswegen anachronistisch ist. 70% der Bevölkerung sind wirtschaftlich gar nicht in der Lage, die Zeremonien zu bedienen, geschweige denn sich einen Büffel anzuschaffen. Diese soziale Ungerechtigkeit wird sich historisch auflösen, was verbleiben wird, lässt sich schwer prognostizieren. Wir sind nur Beobachter, nicht Beteiligte.

Was uns während der Reise auffällt: Wo sind eigentlich die Backpacker? Okay, wir bewegen uns nicht in der Hauptsaison, trotzdem haben wir in Südostasien sogar während der sogenannten Nebenmonate meist mehr Rucksacktouristen angetroffen. Hier sind befremdlich wenig von ihnen, auch andere Touristen sind selten. Viele kommen wohl zum Tauchen her und lassen sich schnurstracks in ihr Resort bringen. Da kann die Zeit schon knapp werden, um sich noch auf Land, Leute oder Kultur einzulassen, wo unsere Schwerpunkte liegen.

Das „Hello Mister“, welches einem mindestens 200 mal täglich zugerufen wird, ist übrigens eine genderübergreifende Floskel. Frauen und die anderen 117 Geschlechter, die unterwegs sind, müssen sich eben mit dem „Mister“ abfinden, was ganz sicher nicht böse gemeint, wohl aber authentisch ist.

Mehr als auf den anderen Inseln werden wir auf Sulawesi von wildfremden Einheimischen angesprochen, für ein gemeinsames Foto zu posieren. Auch die sonst eher zurückhaltenden Muslimas wagen zu fragen. Wir rätseln, ist das eine neue Generation von Panini-Fans, die sich ihre Bildchen selbst basteln? Gibt es gar Tauschbörsen, nach dem Motto: biete 1 Selfie mit deutschem Mann gegen 3 Engländerinnen? Können wir Gebühren verlangen und so unsere Reisekasse aufbessern? Fragen über Fragen, die Antwort weiß wohl nur der Celebes-Wind.

Wir lernen viel über Sulawesi in den 3 Wochen, haben tatsächlich einen Urlaub, der uns in seiner Vielfalt lange in Erinnerung bleiben wird. Auch die passenden Souvenirs finden wir, nämlich Kaffee der Sorte Arabica, der im Hochland angebaut wird und weltweit einen vorzüglichen Ruf genießt.

Auf Dauer eher ein Störfaktor ist das Klima. Obwohl laut Kalender die nasse Jahreszeit eigentlich bereits vorbei sein sollte, setzen regelmäßig jeden Nachmittag heftige Niederschläge ein, die oft den ganzen Abend und die Nacht hindurch andauern. Wir gehören nicht zu den ausgesprochenen Regenfreunden, schaffen mit Glück unser Programm während der sonnigen Vormittage. Wer keine Lust hat, im Regenponcho durch die Gegend zu streifen, muss sich eben einschränken. Oder die Gummistiefel im Gepäck haben – und hoffen, keinem Python über den Weg zu laufen.

Unsere Reise über einen Teil der Insel führt uns zu folgenden Orten:

Makassar, Bira, Sengkang, Tana Toraja und beschert uns sogar eine Trekking-Tour bei den Torajas.

Wie wir zur Insel kamen, könnt Ihr hier nachlesen.

Makassar, Bira, Sengkang, Tana Toraja, Trekking in Tana Toraja