Aqaba

Es gibt Orte, die erst im Halbdunkel ansehnlich wirken und ihren eigentlichen Charakter entfalten. Aqaba ist einer davon. Gelegen im Süden Jordaniens, am Roten Meer, dort, wo die der Sinai angrenzt, Israel und Saudi Arabien. Mit dem Bus legt man die Distanz nach Amman in 5 Stunden zurück, das Flugzeug braucht dafür nur schlappe 40 Minuten.

Der Anblick Aqabas frühmorgens ist etwa so, als beobachte man einen übernächtigten Schläfer, der widerwillig in den Alltag einsteigen muss, weil wieder einmal Montag ist und kein Feiertag.

Teure Taxis, jedenfalls, wenn man vom Flughafen ins Zentrum will, und ein Stadtbild, das eher etwas verlottert wirkt. Wenn irgendmöglich sollte man mit seinem Hotel einen Abholservice vereinbaren, das Feilschen mit den Taxifahrern bringt nichts, die treten auf eine verschworene Bruderschaft der Abzocker. Am besten öffnet man erst in seinem Hotelzimmer wieder die Augen und lässt sich dann auf die Umgebung ein.

Stadtgebiet

Der Hafen hat in einer Stadt wie dieser natürlich eine zentrale Bedeutung. Die erste Besichtigung führt uns, wie wahrscheinlich jeden anderen Besucher auch, zum Meer. Die Armada der Tanker und Frachter ist beeindruckend. Vor klarem, blauen Himmel und dem erstaunlicherweise blaugrün glitzernden Meer. Es gibt parallel zur Promenade, die um diese Zeit diese Bezeichnung gar nicht verdient, einen öffentlichen Strand.

Fast ausschließlich Einheimische sind hier; die Frauen, auch wenn sie im Wasser plätschern, züchtig ganzkörperbedeckt. Die Männer schon mal ein wenig freizügiger mit Trägerunterhemd. Kinder und Jugendliche gestalten sich irgendwie ihren Tag, jeder scheint zufrieden mit sich und der Welt.

Eigentlich, so denkt man, hätte eine Stadt mit dieser Lage doch viel mehr aus sich machen können. Hafenstädte in Europa fallen einem ein, aber auch Izmir oder Antalya in der Türkei.

Alles, was bis hierher geschrieben wurde, kann der Leser schlagartig vergessen, betrachtet er am späten Nachmittag die Stadt. Dann, wenn der Tag sich neigt, das Halbdunkel den Abend ankündigt, die Sonne tiefer steht und ein warmes Rot Häuser und Landschaft färbt. Aqaba ist ein Ort, der für die Dämmerung geschaffen scheint und wie ein urbanes Dornröschen zu bestimmten Zeiten erwacht.

Am öffentlichen Strand ist immer noch Leben. Aber anders. Der Strand ist jetzt ein soziales Ereignis. Stühle stehen am Wasser, darauf ältere Paar, die Füße in den kleinen Wellen badend, plauschend, heiter.

Familien haben sich locker um Decken gruppiert, auf denen Teegläser stehen, auch Teller mit Essbarem. Überall ist der süßliche Duft aus den Shisha-Pfeifen, die auch ein ganz organischer Ausdruck der Lebensfreude sind. Gegenüber, auf israelischer Seite leuchten die Lichter Eilats. Auch die im Hafen ankernden Schiffe sind bereits hell beleuchtet.

Die Stadt wirkt jetzt lebendig. Es ist angenehm warm, die drückende Hitze des Tages ist bereits abgezogen, auch jetzt noch haben wir Kurze-Hosen-Wetter.

Alle Läden sind noch geöffnet. Bunte Auslagen und Dekorationen locken die Kundschaft an. Familien sind unterwegs, Gruppen, Paare wie wir oder einzelne Spaziergänger. Alle wirken entspannt. Hektik ist ein Wort, das an anderen Orten dieser Welt erfunden worden ist und sich wahrscheinlich gar nicht in die Begriffswelt der Menschen aus Aqaba übertragen lässt.

Was auffällt, sind die Spirituosenläden. Alkoholika jeglicher Provinienz, Gin, Whisky, Wodka, Weine Champagner, alles wir angeboten und offensichtlich auch nachgefragt. In den Straßenrestaurants stehen neben den Fleischplatten Halbliterkrüge mit Bier. Und wenn man den Berichten glaubt, dann ist es auch in Zeiten des Ramadans kein Problem, sein Essen mit einem guten Schluck zu genießen, dann allerdings, soviel Pietät wird verlangt, in den ersten Etagen der Lokale. Die gesunde Nachfrage nach westlicher Lebensart hat sicher auch etwas mit der nahen Grenze zu Saudi Arabien zu tun. Wie es heißt, sind die Saudis nur zu Hause bei sich ein Inbegriff an Frömmigkeit, aber sonst durchaus nicht weltlichen – vor allem westlichen – Genüssen abgeneigt. Für uns kein Problem, leben und leben lassen, dieses Motto ist auch das unsere.

Am Roten Meer

Wenn wir es schon mal schaffen, so nah am Meer zu sein wie hier, dann baden wir auch darin. In weiser Voraussicht haben wir Taucherbrille und Schnorchel im Gepäck und – kein Zufall – natürlich auch Badezeug. Um den Menschen am öffentlichen Stadtstrand den skandalösen Anblick westlicher Badender zu ersparen, fahren wir einer Empfehlung folgend zum Südstrand. Auch dort gibt einen städtischen Strandabschnitt. Und einen Bereich, an dem es sich schnorcheln lässt, das Korallenriff Japanischer Garten.

Wir finden einen Taxifahrer, der bereit ist, uns für jeweils 7JOD hin- und zurückzubringen. Feilschen lohnt sich. Der Strand liegt ca. 20 Fahrminuten vom Zentrum Aqabas entfernt, ist einigermaßen sauber und ist mit festen Sonnenschirmen ausgestattet. Was aber fehlt sind Liegen. Ohne gepolsterte Handtücher, wer hätte so was schon dabei, liegt es sich ungemütlich. Aber wir wollen schorcheln. Ein Jordanier spricht uns an, Ali. Sein Geschäftsmodell ist clever und für uns passend. Gegen einen Obolus von 5 JOD pro Person werden geschwommene Führungen durch die Korallenriffs angeboten. Machen wir!

Der Eigentümer des kleinen Ladens am Strand ist unser Schwimmführer. Unserer Rucksäcke bleiben in Verwahrung bei Ali und zwei anderen, Palästinensern, wie sich später herausstellt. Das Deponieren bei uns Wildfremden scheint riskant, allerdings haben wir uns versichert, dass Ali and Friends bei den anderen Badegästen bekannt sind. Entweder liegt hier eine Mafia von 20 Personen, dann haben wir mit Zitronen gehandelt, oder die Sache ist koscher.

Mit dem Führer latschen wir einige hundert Meter am Strand entlang zur Einstiegsstelle des Japanischen Gartens, wir stülpen unsere Masken und Schnorchel über und hoppeln Barfuß ziemlich unbeholfen über spitze Steine ins Meer. Eine Stunde dauert unser Ausflug und er geht, wenn wir unserem Guide glauben sollen, über eine Gesamtdistanz von 1.500 Metern – wir sind ganz schön geschafft. Für uns ein Beginn der uns zeigt, was wir können, und was wir noch lernen müssen. Etwa den Umgang mit der kleinen Unterwasserkamera. Irgendwie sind wir nur suboptimal vorbereitet, das wird beim nächsten Mal besser.

Gute Nachricht bei Rückkehr, Ali sowie unsere Rucksäcke sind dort, wo wir sie zurück gelassen haben. Die Palästinenser sind freundlich; wir plaudern noch ein wenig, dann gehts zurück. Fazit: Die Korallenwelt ist schön, teilweise wie ein Unterwasser-Irrgarten, aber wir haben zuviel in zu wenig Zeit gesehen und der kurze Kontakt mit dem Seeigel hätte auch nicht sein müssen.

Südstrand zweiter Akt. Im Hotel entdecken wir ein Plakat des Ressorts “Berenice Beach Club”, der auch von den Reiseführern empfohlen wird. Als Hotelgäste bekommen wir einen Rabatt von 50% sowie Gratisfahrten im Shuttle. Wir zahlen für 2 Personen insgesamt 20 JOD, bekommen aber alles inklusive, nämlich neben dem Transfer, Swimmingpool, Strand, Liegen, Sonnenschirme, Handtücher, Duschen und ein Schnorchelrevier. Die Anlage ist modern und unter der Woche nur wenig besucht. Am Wochenende, heißt es, tobt hier der Bär.

Wir haben einen wunderschönen Nachmittag, entspannen, faulenzen, schwimmen, schnorcheln und schaffen sogar einige gute Bilder unter Wasser.

Wir genießen es, den Strand fast für uns alleine zu haben. Die Atmosphäre ist entspannt, Bikini schlägt Burkini, das Ressort ist westlich organisiert.

Nach der Rückfahrt überlassen wir uns am Abend wieder dem Charme der Dämmerung in Aqaba: Familienidyll am öffentlichen Strand, ein wahabistischer Prediger, der auch einen Atheisten auf die Wange küsst, selbst wenn der das Werbematerial für den einzig wahren Glauben dankend zurückweist. Jordanien ist entspannt und Respekt gegenüber den Mitmenschen gehört hier zur Etikette.

Unser Tipp für Aqaba: Wir haben im Al Marsa Hotel übernachtet!

Was uns auffiel und wie wir hierher kamen. Wie es weitergeht.

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