Ellora und Ajanta

Eigentlicher Anlass für unseren Besuch Aurangabads, war nicht etwa die Kleinausgabe des Taj Mahals, die es hier geben soll, sondern ein Tipp aus dem Reiseführer. Empfohlen wird ein Besuch der Höhlen von Ajanta und Ellora und, weil sie auf dem Weg liegt und tatsächlich ein imposantes Bollwerk ist, die Festung Daulatabad. Interessant schon deshalb, weil sie zu ihrer Zeit als uneinnehmbar galt. Alles ist mit den staatlichen Bussen von Aurangabad aus gut erreichbar.

Chronologisch sinnvoll wäre es gewesen, sich zunächst das bauältere Ajanta anzusehen; wir haben aus logistischen Gründen mit Ellora angefangen.

Warum hat man uns davon nichts in der Schule erzählt, war unsere spontane erste Reaktion, als wir das riesige Gelände betraten. Übrigens für gerade mal 1/3 des Eintritts, den wir für das Taj Mahal abdrücken mussten.

Ellora kann man sich etwa so vorstellen: Über eine lange Felswand sind 29 Tempel in den Stein hineingebaut. Anders, als bei konventioneller Bauweise, wurde hier jeder sichtbare Teil aus dem Berg heraus geschnitzt, ausgehöhlt und mit Hammer und Meissel aus dem massiven Gestein gehauen. Nebeneinander wurde diese Technik von Buddhisten, Hindus und Jains angewendet, alles friedlich und in erkennbarer Eintracht vereint.

Entstanden sind in mühsamer Arbeit, die sich über mehrere Generationen von Baummeistern hinzog, große Höhlen mit Säulen, Figuren, Reliefen, zum Teil über bis zu 3 Stockwerke hoch, alles in höchster Präzision gearbeitet. Es müssen tausende von begnadeten Künstlern am Werk gewesen sein, die zum einen über das Wissen, Stollen zu graben, zum anderen über komplexe architektonische und statische Fähigkeiten verfügt haben. Auch die Logistik, bei der es darum ging, den Abtransport von hunderttausenden von Tonnen Schutt zu organisieren, ist heute noch erstaunlich.

Der Rundgang beginnt in den buddhistischen Tempeln, die durch eine Klarheit und Bildsprache bestechen, die sich auf das Wesentliche beschränkt. Sie zeigen Buddha begleitet von weiteren Figuren, die der Kenner (wir sind nur bescheidene Laien) natürlich zuordnen kann. Alles ist großzügig und flächig angelegt, mit Höhlen, an die 15 Meter hoch und bis zu mehreren hundert Quadratmetern groß. Diese Tempel werden auch heute noch aktiv von den Gläubigen genutzt.

Die sich anschließenden hinduistischen Höhlen sind ähnlich, wirken in den Darstellungen aber psychedelischer. Ihre Götterwelt ist fantastischer und soll möglicherweise auch andere Wirkungen erzeugen. Die größte hinduistische Höhle ist ein freistehender Bau, der riesige, monolithische Kailasa-Tempel, der sich über einige Stockwerke erstreckt, mit komplexen Strukturen, von innen begehbar und einfach umwerfend. Auch ohne Führer waren wir über 2 Stunden intensiv am Besichtigen und am Ende schlichtweg überfordert, noch die Höhlen der Jains anzuschauen. Was die können, hatten wir ja bereits in Jaisalmer und Ranakpur bestaunt.

Noch ein paar Worte zum Publikum. Wir haben nur wenig westliche Besucher entdeckt, dafür aber Inder aus allen Teilen des Landes, darunter ausgesprochene Bildungsreisende, bewaffnet mit Literatur und ernster Mine. Alle durchweg freundlich. Sogar das übliche “Please, can we have one photo with you” kam wieder zum Vorschein.

Den 2. Tag hatten wir Ajanta gewidmet. Die kulturhistorisch etwas ältere Anlage ist bereits im 3. Jhd v Ch begonnen und über mehrere Epochen weiter ausgebaut worden, bis sie schliesslich vergessen wurde und in einen Dornröschenschlaf verfiel. Der Prinz, der es schließlich wieder aufweckte, war ein englischer Offizier, der den Ort 1819 während eines Jagdausflugs zufällig entdeckte: John Smith, ein Name, den man sich merken sollte.

Unsere Erwartung war hoch, wurde aber noch übertroffen. Wer es schafft, die unvermeidbare Pufferzone der Shopping Plaza – gruselige Buden mit noch gruseligerem Souvenir-Kitsch – zu überwinden, dem tut sich ein wunderbarer Ort auf. Eingebettet in eine tolle Landschaft ist eine Anlage, die sich über ein weites Tal erstreckt. Annähernd 30, ausschließlich buddhistische Tempelhöhlen sind hier zu besichtigen. Für den kranken, alten oder faulen Besucher für 15 Euro sogar mit Sänfte.

Bei älteren Anlagen denkt man spontan, dass die Meister hier erst einmal geübt hätten. Weit gefehlt. Ajanta ist perfekt. Schon deshalb, weil hier die Tempel zusätzlich mit wunderschönen, farbigen Fresken ausgemalt sind, die ihresgleichen suchen.

Die Konstruktion erinnert an Ellora, allerdings verleihen die Malereien den Höhlen eine ganz besondere Wirkung. Raum, Strukturen, Farben und Bildsprache sind in dieser Form wohl einzigartig. Meist ist bereits vom Eingang aus das Allerheiligste zu sehen, in Form einer riesigen Buddha-Figur, in sanftem, mystischen Licht.

Von allen Höhlen muss die Nummer 10 besonders erwähnt werden. Aus einem ganz profanen Grund, auf den uns der Höhlenwärter hinwies. Er zeigte uns, wo der legendäre Ajanta-Entdecker John Smith sich mit einem Graffiti verewigt hatte. Naja, der Mann war Offizier und kein Kunsthistoriker, sonst hätte er sein Signum nicht mitten in ein Heiligenbild eingeritzt.

Ein Lob für die indische Administration, die die Anlage betreut. Alle Höhlen werden mit Klimaanlagen konstant auf einer Temperatur gehalten, um einen Verfall der Bilder zu verhindern und allenthalben sind Restauratoren am Werk, um kleine Schäden auszubessern. Ajanta und Ellora sind übrigens seit 1983 als Weltkulturerbe verzeichnet?

Was uns unterwegs auffiel und wie wir hierher gekommen sind.

Unser Tipp für Ellora und Ajanta: Wir haben in Aurangabad, im Hotel Green Olive übernachtet!

 

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