Hua Hin

Wenn wir in einem Ort sind, fragen wir uns oft, ob wir es aushalten würden, uns hier auf Dauer niederzulassen. Hier in Hua Hin haben sich offenbar eine Menge Senioren aus der westlichen Welt das auch schon gefragt und offenbar entschieden, zu bleiben. Ob nur im Winter oder ganzjährig wissen wir nicht.

Die Stadt ist verkehrstechnisch gut zu erreichen, ist sie doch die älteste Ferienstadt Thailands und seit den 1920er Jahren beliebte Sommerresidenz des Königshauses, dessen Mitglieder natürlich nicht popelig und voller Beschwernisse reisen, sondern herrschaftlich. Also wurde eine Eisenbahnlinie gebaut, die Südbahn, die wir heute noch nutzen. In gut 4 Stunden ist man von Bangkok aus mit dem Bummelzug hier. Das erste, was der Tourist in Hua Hin erblickt, ist der Bahnhof, ein Gebäude, das man sich ruhig etwas näher anschauen sollte. Gemütliche Eisenbahneratmosphäre wabert hier, nichts vom Stress oder der Effizienz moderner Highspeed-Mobilität ist spürbar. Kein Wunder, dass der Bahnhof ein gesuchtes Fotomotiv ist, auch bei den Insta-Travelern.

Hua Hin war ein Seebad und ist heute ein effizientes Touristenzentrum am Meer. Was macht den Unterschied, mag man sich fragen. Für die Alteingesessenen auf jeden Fall die Bebauung und Nutzung ihrer Stadt. Es gibt noch das alte Hua Hin, mit seinen typischen Holzhäusern, nur 1 oder 2 Stockwerke hoch, aber große Teile dieser Baustruktur sind im Rahmen einer umfassenden Gentrifizierung von Hua Hin geopfert worden.

Mächtige Hotelbauten wurden errichtet, natürlich dicht am Strand. Touristen schauen ja gerne vom Zimmer aufs Meer. Aber da ist Widerstand. In der Straße am Meer weisen viele Poster auf die Gegenbewegung, die Originales erhalten will. Dort hängen auch Bilder mit Ansichten von Hua Hin aus der Zeit vor der Invasion der Investoren. Als Besucher haben wir nicht die Rolle, uns aktiv einzumischen, aber wir nehmen die Situation zur Kenntnis.

Versteckt zwischen Pier und Hotelanlagen finden wir eher zufällig das alte Fischerdorf und sind erstaunt, zwischen all dem Massentourismus diesen kleinen Hafen überhaupt noch vorzufinden.

Natürlich erfreuen wir uns an der angenehmen Seite der Stadt und das ist immer noch der schöne, lange Strand. Dass wir gerade jetzt über den feinen Sand schlendern, möchten wir nicht missen. Über uns die strahlende Sonne, zur einen Seite das blaue Meer und zur anderen leider viel zu viele Resorts, einige davon unverschämt hoch. Egal, in Europa herrscht ein brutaler Winter und wir sind am Golf von Thailand.

Der Strand ist voll ohne überlaufen zu sein und gepflegt, ohne die üblichen Plastikabfälle, die zu oft leider Asiens Strände überschwemmen. Wir finden Bereiche mit Liegen und Sonnenschirmen, die gibt es für 100 Baht den ganzen Tag. Bewirtung gehört dazu, schließlich sind wir im Land der Thai. Wer will, kann sein Essen an Tischlein direkt an der Wasserkante, einnehmen oder nur seinen Drink schlürfen und die Umgebung auf sich wirken lassen. Klar, die negativen Seiten des Strandlebens lassen sich nicht vermeiden, auch wenn es mitunter lästig wird, sich auf die üblichen ambulanten Händler einlassen zu müssen. Und natürlich grübeln wir, warum ausgerechnet hier Pferdereiten angeboten wird oder man unbedingt hoch zu Ross den Beach im Galopp nehmen muss.

Wer nicht am Strand chillen möchte, findet in Hua Hin genau die Abwechslung, für die touristische Hochburgen in Thailand bekannt sind. Also Essen, Trinken und Massagen. Die Straßen sind eindeutig in der Hand von Gastronomen und Massagesalons, jedenfalls in den Bezirken direkt hinter der Strandzone. Der eine oder ander 7/11 Market durchbricht diese Routine und natürlich genügend Apotheken.

Wer mehr und anders einkaufen will, geht auf die andere Seite der großen Durchgangsstraße, die den Ort teilt. Dort finden wir einige interessante Märkte, etwa den „Chatsila Market“, ein Fest für alle Sinne. Im Angebot nahezu jedes Gemüse und Obst, jeder Fisch, jedes Fleisch und allerlei essbares Getier, das Thailand zu bieten hat. Auch wenn man kein Selbstversorger ist, naschen geht immer, etwa bei der Mangofrau, bei der sich alles um diese wunderbaren Früchte dreht, die wir in Europa nur als Abklatsch bekommen.

Abends wachsen in vielen Straßen die grellen Nachtmärkte aus dem Boden. Hauptsächlich geht es dort ums Essen und selbstverständlich auch um den Handel mit buntem Kitsch, der aus China herüber schwemmt. Wer noch mehr Unterhaltung braucht, vielleicht der einschlägigen Art als Fortsetzung der Massagebetriebe, begibt sich in das Amüsier- und Rotlichtviertel, nahe beim Hilton, hinter der Naresdamri Road. Tagsüber eher harmlos anzusehen, tummeln sich in diesen Revieren nach Einbruch der Dunkelheit die Protagonisten der finanziell motivierten, zwischenmenschlichen Kontakte. Anbieterinnen und Kunden, verbunden über den gemeinsamen Nenner Geld. Es funktioniert, sicher nicht besser oder schlechter als im Rest der Welt.

Ein Ort sich auf Dauer niederzulassen? So mancher Alter Falter, von denen wir überproportional viele in Hua Hin ausmachen, hat die Frage für sich beantwortet. Sie finden einfach statt, die Alten. Ausgestattet mit massig Zeit in der Gegenwart und einem Budget, das kleine oder größere Sprünge aushält, bestimmen sie das Stadtbild. Tagsüber am Strand und abends dort, wo oftmals mehr das rote, als das gelbe Licht flackert. Wir ziehen weiter, langweilig ist es nicht in Hua Hin, in gewisser Hinsicht sogar bequem, weil sich alles findet, was der Mensch braucht, aber für unseren Geschmack kein besonderer Grund, viel länger zu verweilen. Und natürlich fahren wir wieder mit dem Zug.

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