Von Undeloh zum Wilseder Berg

Wieder einmal ruft der Berg und zwar der Wilseder. Mit seinen 169 Metern Höhe nicht nur markanter Aussichtspunkt, sondern für viele auch das, was heute gerne als Kraftort bezeichnet wird. Wir kennen bereits verschiedene Routen, sich dem Wilseder Berg anzunähern, heute starten wir von Undeloh, einem Heidedorf, das zurecht als Liebling der Touristen gilt. Der Ort besitzt alles, was Gäste suchen: Eine ansprechende Kulisse mit heidetypischen Häusern, eine historische Kirche, Gasthäuser, Restaurants, Andenkenläden und Unterkünfte sowie eine stolze Flotte an Kutschen. Dazu kommt die nahezu ideale Lage als Ausgangspunkt für Ausflüge zu Fuß oder mit dem Rad und natürlich die legendären Kutschfahrten.

Wir starten vom Kutschenparkplatz, wo die Reisebusse und die meisten Wagen der Besucher parken. Ein kleiner Hinweis für motorisierte Individualanreisende: Der Parkplatz ist gebührenpflichtig. Den Automaten für die Parkscheine entdecken wir erst nach einer Suche auf der Hauptzufahrt und ziehen unser Ticket. Die Stunde kostet 1 € , das ist noch moderat im Vergleich zu anderen Feriengebieten, aber keine Frage, es gibt auch freies Parkplätze in der Lüneburger Heide, die muss man halt ein wenig suchen.

Den Einstieg in unsere Wanderroute finden wir schnell an der Waldseite. Der Weg, dem wir nach links folgen, ist mit einem weißen X markiert. Das ist eigentlich nur zum Einstieg von Bedeutung, da die Runde, die wir gehen, bald ausreichend mit namentlichen Wegweisern beschildert ist, also klassischen Richtungsangaben sowie Entfernungshinweisen auf Holztafeln oder Findlingen. Und nein, weder suchen wir danach, noch achten wir im weiteren Verlauf auf das große, gelbe N, das, glaubt man Gerüchten, einen Naturistenweg markiert. Es soll ihn geben, den Nacktwanderpfad, wir vermuten Insidern ist er hinreichend bekannt. Tatsächlich begegnen wir übrigens während unserer gesamten Tour nur vollständig bekleideten Wanderern, wobei heute Shorts, T-Shirts und Röcke das Bild bestimmen, wir haben einen sonnigen Tag erwischt.

Nach einem kurzen Weg durch Wald erreichen wir schnell die offene Heidefläche. Ein wahres Postkartenidyll empfängt uns, mit Wacholdern, Birken und kleinem Gehölz bewachsen, dazwischen Heide, soweit das Auge reicht. Obwohl wir eigentlich zum richtigen Zeitpunkt hier sind, fehlt jedoch der ausgeprägte lila Schimmer, der sich sonst in dieser Jahreszeit über die Landschaft legt. Die Hitze und Trockenheit der letzten Wochen hat der Blüte nicht gutgetan. Gleichwohl haben wir keinen Grund uns zu beklagen, weil die Umgebung zwischen Undeloh und dem Wilseder Berg alles andere als langweilig ist. Wenn die Symphonie in Lila zu einer Rhapsodie in grün-beige-bläulich mutiert, dann ist das eine natürliche Erscheinung, die wir akzeptieren. Nicht auszudenken was hier los wäre, käme jemand auf die abstruse Idee, genetisch auf immer-lila getrimmte Sorten anzupflanzen, was theoretisch ja machbar wäre.

Unsere Wanderung führt über Wege, die trotz Hochsaison nicht überfüllt sind. Nur wenig Wanderer kommen uns entgegen und ebenso wenige überholen wir. Und wie es hier üblich ist, erkennt man sich gegenseitig als Gleichgesinnte und grüßt freundlich.

Etwa 1 Stunde brauchen wir bis zum Etappenziel Wilseder Berg. Aus vorherigen Besuchen bereits vertraut mit diesem Ort, genießen wir einen klaren Rundblick, der an Tagen wie diesem recht weit reicht. Hier oben auf der Kuppe rasten viele Wanderer, entweder auf Bänken, die idealerweise so aufgestellt sind, dass man während der Brotzeit in die Ferne schauen kann, oder lagert am Hang, im Schatten von Bäumen. Ein schönes Motiv ist immer auch der Gipfelstein. Ein Fels, gekrönt mit einem Metallkegel, die sogenannte Gauß-Säule, auf der Richtungs- und Entfernungsangaben eingraviert sind. Erinnert wird damit an den Mathematiker Carl Friedrich Gauß (ja, der mit der Normalverteilung), der im 19. Jhdt. den Auftrag hatte, das Königreich Hannover zu vermessen und dafür den Wilseder Berg als Triangulationspunkt nutzte.

Weiter geht es für uns abwärts durch vertraute Heidelandschaft, dem Wegweiser folgend, der nach Wilsede weist.

Im Dorf, das wir kurze Zeit später erreichen, lässt es sich einkehren, bei Heidekuchen und Kaffee pausieren und der Interessierte kann sogar mehr über das Gebiet erfahren, nämlich im Heide-Museum. Das kleine schmucke Wilsede nutzen wir heute nur als Passage und schwenken, bevor es zum Totengrund geht, nach links auf den Wirtschaftsweg, der aus dem Ort herausführt.

Nun befinden wir uns bereits auf dem Pastor-Bode-Weg. Sein Name ist übrigens aus der Lüneburger Heide schlichtweg nicht wegzudenken. Denn ohne diesen streitbaren Mann gäbe es vielleicht diese Landschaft, in der wir gerade wandern, überhaupt nicht mehr. Die Einrichtung der Heide als Schutzzone war nämlich kein Selbstgänger und wurde seinerzeit von Landbesitzern und Spekulanten heftig bekämpft, mit Methoden, die weder fair noch ehrenhaft waren. Bode, der nie aufgab und wusste, wo und wie er sich Rückendeckung verschaffen konnte, wurde wegen seines Engagements angefeindet und sogar mit zwielichtigen Anschuldigungen aus dem Kirchendienst entfernt. Aber er hat am Ende gewonnen und mit ihm der Naturschutz. Seine spannende Lebensgeschichte wird in der Heide nicht vergessen und eine Reihe von Denkmälern hält das Andenken an den Heidepastor aus Egestorf hoch. So auch der Weg, auf dem wir nun wandern, gesäumt mit Bänken in abwechslungsreicher Landschaft, die viel bietet, mit Heide, Schafställen, Wiesen und Koppeln.

Leicht abwärts folgen wir dem Pastor-Bode-Weg in einem leichten Bogen. Er führt uns über sandigen Untergrund durch verträumte Heidelandschaft, vorbei an Schafställen bis wir nach einer weiteren guten Stunde, vor Erreichen der Waldgrenze, auf eine Kreuzung stoßen, wo es links zum Radebachtal abgeht.

Nach Undeloh kommt man von hier aus über zwei Wege, die beide ungefähr gleichlang sind, also noch rund 4,5 km. Mehr spontan, als tief über unsere restliche Route nachdenkend, wählen wir den unteren Weg, entlang des Radebachs, und sind nicht enttäuscht.

Wieder einmal staunen wir, welche Vielfalt dem Wanderer gerade auf dieser Strecke geboten wird. Die Region Lüneburger Heide ist ja keineswegs ein monotones Gebilde, sondern eine Kulturlandschaft, die aus komplexen landschaftlichen Versatzstücken besteht, die ineinandergreifen und mit einigem Aufwand in einer harmonischen Balance gehalten werden.

Was wir zu sehen hofften auf dieser Wanderung, finden wir. Gar Unverhofftes, das wir gar nicht hier vermutet hätten, wie etwa einen stillen Seerosenteich, der inmitten eines bewaldeten Abschnitts unserer Wanderung auftaucht. Ein kleines, stilles Gewässer, das ein wenig verwunschen aussieht.

Wir kommen nun langsam zum Ende unserer Wanderung, folgen dem Weg, der hier wieder breiter wird, bis wir die Abzweigung nach Undeloh erreichen. Hier verkehren wieder mehr Pferdekutschen, der Weg verbindet über eine Abkürzung das Dorf Wilsede mit dem Kutschenparkplatz in Undeloh.

Etwa dreieinhalb Stunden brauchen wir für unseren 14 km langen Rundweg, eine Wanderung, die Spaß macht und einige der spektakulärsten Anlaufpunkte der Heide bereithält. Wer Zeit hat, kann die Wanderung verlängern, indem er in Wilsede einen Abstecher zum Totengrund einbezieht, aber das ist fast schon wieder eine andere Wandergeschichte.

Über unsere regionalen Touren berichten wir in lockerer Folge auf den folgenden Seiten:

Rund um den Wilseder Berg  –  Behringer Heide  – Zurück in der Heide – Zum Wümmequelltal  –  Zum Töps – Bispingen  –  Weseler Heide/Pastorenteiche – Pietzmoor  –Jagd nach dem Lila  –  Büsenbachtal  –  Totengrund  –  Brunsberg

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