Nouvelle-Aquitaine

Im neuen Aquitanien

Von der Dordogne kommend, zieht es uns Richtung Meer in die Region Nouvelle-Aquitaine. Sie erstreckt sich im Süden bis zu den Pyrenäen und im Westen bis an den Atlantik mit dem Golf von Biskaya. Im Landesinneren liegen die Weinberge von Bordeaux. Nouvelle-Aquitaine ist seit einer Neuordnung vor wenigen Jahren die größte Region Frankreichs. Nicht dass uns das vor unserem Besuch bekannt wäre. Aber wer Erinnerungen aufschreibt, findet solche Fakten.

Als Quartier buchen wir eine airbnb-Wohnung, im kleinen Dorf Cavignac. Die Wohnung ist perfekt eingerichtet und sauber. Leider ist der Online-Zugang erbärmlich. Das erhoffte bärenstarke Wlan ist so ausgelutscht wie eine Flasche Bordeaux nach einem geselligen Abend und für guten Netzempfang bräuchten wir eine Leiter aufs Dach. Das ist leider oft Alltag in Europa, obwohl wir beim Buchen von Unterkünften explizit auf dieses Ausstattungsmerkmal Wert legen. Abgesehen davon ist Cavignac ideal für uns Selbstversorger. Es besitzt zwei Bäckereien und einen U-Supermarkt, nur 5 Minuten entfernt. Noch besser, von unserem Standort können wir alle Sehenswürdigkeiten der Region gut erreichen. Sogar über mautfreie Autobahnverbindungen.

Gefragt, was man unbedingt sehen sollte, hier unsere Tipps:

Bordeaux, das Herz der Region

Die Verwaltungshauptstadt trägt nicht nur diesen großen Namen, den jeder sofort mit den hochwertigen Weinen der Region verbindet. Sie ist auch gelistet als Weltkulturerbe. Historisch entwickelte sich Bordeaux über die Jahrhunderte zum wirtschaftlichen und politischen Zentrum des Südwestens und galt einst sogar als heimliche Hauptstadt Frankreichs. Gründe genug also, sich Zeit für einen Besuch zu nehmen.

Stadtbesichtigungen versuchen wir – wann immer es möglich ist – zu Fuß zu absolvieren. Wir besorgen uns dafür im Tourist Information Office am 12 Cours du 30 juillet, einen Stadtplan, der alle wichtigen Informationen enthält. Folgt man der vorgeschlagenen UNESCO HERITAGE TOUR, darf man sicher sein, alles gesehen zu haben, was man kennen sollte. 15 Stationen empfiehlt der Plan. Natürlich ist der Einstieg bei der Nummer 1 nicht zwingend, die Runde lässt sich problemlos von jedem Punkt durchziehen. Aber dann hat man am Ende alles gesehen. Zeitlich empfiehlt sich, dafür mindestens einen halben Tag zu veranschlagen und Zwischenverpflegung nach Gusto findet man in dieser Stadt allemal.

Hier eine Fotostrecke unserer Highlights:

Blaye

Parken wie das Herz es begehrt, bei unserem Ausflug nach Blaye. Das ist nicht selbstverständlich in Frankreich und wo es möglich ist, erwähnen wir gerne.

Etwas nördlich von Bordeaux, am östlichen Ufer der Gironde, liegt die kleine Stadt Blaye. Ihr vorgelagert ist die riesige Festungsanlage „Verrou Vauban“ aus dem 17. Jahrhundert, die seit 2008 als Weltkulturerbe gelistet ist. Zurecht! Die Zitadelle und das angeschlossene Fort Médoc erheben sich eindrucksvolle 45 Meter hoch am Ostufer des großen Flusses über eine Fläche von 40 Hektar.

Es gibt also einiges zu entdecken und tolle Motive, da Mauern, Wälle und Türme der Anlage sich in einem Top-Zustand befinden. Auch die Bauten im Inneren sind spannend anzusehen und im Originalzustand erhalten. Das sind Bilder fürs Kopfkino: Wie ein Festungskommandant übers Wasser Ausschau zu halten, nach anrückenden feindlichen Schiffen. Aber außer der Fähre nach Lamarque, die natürlich nicht dem Feind gehört, ist heute wenig los, auf der Gironde.

Was die gegenüberliegende Stadt angeht, genügt es fast, sie aus der Perspektive der Festung zu betrachten. Wir gehen trotzdem hinüber, die Kulisse des Ortes wirkt ja irgendwie einladend. Aber manchmal sollte man es besser beim Blick aus der Ferne belassen. Jetzt, wo wir uns den Gassen umschauen wird klar: Hier verödet eine Stadt. Kaum Menschen sind unterwegs, viele Häuser scheinen unbewohnt. Die wenigen Läden, die noch den Anschein erwecken, dass sie bewirtschaftet werden, sind geschlossen. Schade, denn eigentlich erzählt vieles, Blaye hat schon bessere Zeiten erlebt. In einer Kneipe am Hafenrand, die auf ihre Weise authentisch den Zustand des heutigen Blaye repräsentiert, lässt es sich gut sitzen. Nirgendwo anders auf unserer langen Reise ist übrigens der frisch gebrühte Espresso so aromatisch und günstig wie hier.

Saint-Émilion

Typischer kann eine Region, bei der sich alles um den Weinanbau dreht, nicht sein, als die malerische Umgebung rund um Saint-Emilion. Dieses dem Wein gewidmete, kulturelle Gesamtkunstwerk ist selbstredend ein Weltkulturerbe. Und das darf es, wenn es nach uns geht, gerne auf ewig bleiben. Wir passieren ungezählte Felder mit Reben, Winzerbetriebe, prächtige Gutshöfe. Davor dekorative Reklametafeln, die meist nur den Namen eines Weingutes enthalten, der wohl bei wahren Kennern ekstatische Sensationen auslöst. Nicht auszumalen, was hier abläuft, wenn es zur Verkostung geht. Unser Ziel ist der Ort, der dem Gebiet seinen Namen gab. Selbst jetzt in der Vorsaison wimmelt es von Besuchern, die sich ins mittelalterliche Saint-Emilion begeben. Da ist nichts von einer Landflucht zu merken, wie in Orten, die weniger im Fokus von Touristen liegen.

Bevor wir in den Ort hinunter spazieren, gibt es bereits Gelegenheit, historische Relikte zu bestaunen, eine Kirche mit angrenzendem Klosterbau der Augustiner. Dann folgt man einfach dem Besucherstrom um zunächst über einen Weg, der oberhalb von Saint-Emilion liegt, eine gute Aussicht über die Gassen und Struktur des Ortes zu bekommen.

Das macht Lust drauf, schließlich hinabzusteigen, um alles aus der Nähe anzusehen. Neben Restaurants finden wir schmucke Boutiquen, jede Menge Kunstgewerbe und natürlich Weinstuben. Und Geschäfte, sich mit dem bekanntesten Produkt der Region – also edlem Wein – einzudecken. Trotz des Andrangs lassen sich immer noch gemütliche Ecken finden, wo man das besondere Flair des Ortes genießen kann. Wer möchte, schließt sich einer organisierten Sightseeing-Tour an, die mit einem zur Dampfeisenbahn stilisierten Vehikel durch den Ort führt. Alles ist schön, sehr sehenswert, aber auch hochpreisig und fremdenverkehrstechnisch professionell. Wo sonst, wenn nicht hier, denn schließlich finden sich in Saint-Emilion die Besucher ein, bei denen die größte Kaufkraft vermutet werden darf.

Arcachon

Wir stoßen vor bis zur Küste, zum Badeort Arcachon an der Biskaya. Einst ein einfacher Fischerort, hat sich Arcachon im 19. Jahrhundert zu einem mondänen Städtchen entwickelt. Die Architektur gefällt uns. Überhaupt, es macht Spaß durch die Straßen zu bummeln, oder an der Strandpromenade zu flanieren. Einkaufen oder irgendwo einzukehren ist übrigens durchaus erschwinglich. Arcachon gehört noch nicht zu den Luxusorten in Frankreich, wo einem der Blick auf die Speisekarte das Blut gefrieren lässt und man sich deplatziert oder irgendwie als ganz arme Socke fühlen muss. Der Badeort selbst liegt im Naturpark Landes de Gascogne und ist ein idealer Einstieg, um die Küstenabschnitte am Atlantik zu erkunden. Oder um umgekehrt nach einem Strandbesuch entspannt und stilvoll abzuhängen.

Unser Aktueller Tipp fürs Einkaufen: Findet den Sardinenladen! Die kleinen Konserven sind ein besonderes kulinarisches Mitbringsel. Der Laden führt nur dieses Produkt, allerdings in einer Qualität und mit Geschmacksvarianten, die wir so noch nirgends gesehen haben.

Einen Hauch vergangener Zeiten spürt man im Quartier de la Ville d’Hiver, wo Gründerzeitvillen, eine schöner als die andere, nebeneinander stehen.

Dune du Pilat

Südlich von Arcachon liegt sie – die größte Wanderdüne Europas – und dieses Naturschauspiel ist tatsächlich grandios. Die Düne ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Region. Aber keine Angst, die geschätzten 60 Millonen Kubikmeter Sand, die hier aufgetürmt sind, scheinen so gewaltig, dass wohl alle Besucher darauf Platz finden, die ihren Wagen auf einem der vielen Parkplätze abstellen konnten. Schon die Zahlen sind beeindruckend: Der Sandberg ist bis zu 110 Meter hoch, 500 Meter breit und rund 2.700 Meter lang. Zum Meer hin sanft sich neigend, beträgt die Steigung zur Landseite zwischen 30 und 40 Grad. Das ist wahrlich steil und verspricht ein sportliches Vergnügen, denn hier gibt es keinen Touristenzug, der einen nach oben fährt. Der Aufstieg ist nur zu Fuß möglich. Nach einem kurzen Weg steht man am Sockel der Düne. Das Gefühl, jetzt die Schuhe ausziehen zu müssen, scheint eine kollektiver Zwangshandlung, die wortlos jeden Besucher erfasst.

Natürlich ist der Kontakt mit der Düne ein Vergnügen, dass man barfuß genießen will. Hinauf geht es entweder über eine in die Düne hineingebaute Treppe oder – viel verlockender – man stapft einfach durch feinsten Sand im Freistil nach oben. Das Erklettern lohnt sich und einmal oben, lässt es sich wunderbar entspannen. Ein Liegeplatz auf weißem Sand findet sich garantiert immer und dann einfach nur noch den Blick schweifen lassen und genießen. Der Abstieg, der irgendwann ansteht, ist dann eine besondere Gaudi. Einfach runter, der Schwerkraft folgend. Wer mag schlendernd, wer mutiger ist, tobend, wie die Kinder. Im schlimmsten Fall fällt, schliddert oder rutscht man auf dem Hosenboden – über reinen, rieselnden Sand.

Schon einmal an der Atlantikküste sollte man durchaus auf der Straße weiterfahren. Die Gegend ist waldreich und bietet viele Zugänge zum Meer, wo man – ohne Dünen überwinden zu müssen – tolle Strände findet. Es ist einfach ein herrliches Gebiet, mit super Freizeitangeboten.

Wir verbringen fast eine Woche in der Region, haben Glück mit dem Wetter und eine Menge Spaß. Dann geht es weiter, zu den nördlicheren Küsten rund um La Rochelle und die vorgelagerten Atlantikinseln. Verwaltungstechnisch gehören diese Departements zwar auch zu Nouvelle-Aquitaine, sind aber eine Welt für sich, der wir einen speziellen Bericht widmen.

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