Makassar

Makassar hat auch nach internationalen Kriterien alles, was eine Metropole ausmacht: Eine funktionierende Infrastruktur, genügend Einwohner um bedeutsam zu sein (1,7 Mio Menschen leben hier), Hafen, Flughafen, politischen sowie wirtschaftlichen Einfluss und vor allem das gewisse Flair, das unverwechselbar macht. Letzteres interessiert uns als touristische Besucher natürlich am meisten. Seinen Charme entfaltet Makassar im urbanen Küstenstreifen an der Jl. Penghibur und Jl. Nusantara, die parallel zum Meer verlaufen, auch Losari Beach genannt. Dort, quasi an der maritimen Hauptachse, verbringen wir die meiste Zeit unseres Aufenthaltes.

Losari Beach ist eigentlich eine betonierte Uferpromenade, die sich über einige Kilometer von Nord nach Süd zieht, aber kein Strand. Wer baden, tauchen oder Strandburgen bauen will, sucht deshalb andere Stellen auf. Die Gestaltung der Promenade wird zwar kaum einen Architektenpreis gewinnen, dafür ist sie zu unorthodox, aber sie ist sauber und erfüllt voll ihren eigentlichen Zweck, nämlich ein sozialer Hotspot zu sein.

Morgens trifft sich hier, wer sportlich ist: Läufer, Walker, Radfahrer, alte und junge Menschen, Männer wie Frauen, Amateure und Profis. Wir sind überrascht, wie intensiv hier Sport getrieben wird, auch von sittsam bekleideten Frauen und Mädchen mit Kopftuch. Mittags ist die Promenade eher ein Ort zum Chillen und Schlendern, ein Treffpunkt für das Schwätzchen Freunden.

Abends tobt hier der lukullische Bär. Dann werden Tische, Bänke und Buden aufgebaut und das landesübliche Streetfood präsentiert. Das Angebot kann sich sehen lassen. Die Preise sind ausgesprochen volksnah, der Unterhaltungswert ebenso, aus allen Ecken tönt Musik. Wer es gediegener mag und vielleicht auch ein kühles Bier zum Essen verträgt, findet sein passendes Restaurant in den kleinen Nebenstraßen, die parallel zur Promenade abzweigen.

Was uns wichtig ist, hier finden wir gute, auch günstige Hotels, mit gnadenlos gutem Meerblick, Läden mit exotischen Souvenirs und tollen Seidenstoffen und die nicht mehr wegzudenkenden Bankautomaten.

Der Promenade folgend treffen wir auf das Fort Rotterdam, ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit. In diesem Gebäudekomplex, der gepflegt wirkt und auch als Museum dient, lässt sich nachempfinden, wie die holländischen Besatzer gelebt haben. Proper und wohlgeordnet. So niederländisch wirkt das Ganze, dass sich, gräbt man tiefer, ganz sicher noch Stellplätze der ersten Camper finden lassen.

Folgt man der maritimen Achse bis an die Nordspitze, vorbei am modernen Containerterminal, riecht es bald nach echtem, traditionellen Hafen. Wir sind in Paotere.

Etwas abenteuerlicher wirkt das Treiben in den Gassen, etwas rustikaler sind Gastronomie und Geschäfte. Hier ankern am Kai immer noch die urigen Lastensegler aus Holz, die jahrzehntelang auf den Handelsrouten Südostasiens eingesetzt waren. Die Kähne sind immer noch im Betrieb, und tatsächlich herrscht hier alles andere als die Atmosphäre eines Schiffsfriedhofs.

Inselausflüge

Das warme Wetter und die Nähe zum Meer weckt das Bedürfnis nach Strand, Sand und Schwimmen. Idealerweise sind Makassar eine Reihe von Inseln vorgelagert, die das gesamte Holiday-Feeling abdecken. Kleine Schiffe steuern die Inseln an, es genügt sich formlos mit einem Bootsmann zu verabreden, Badezeug einzupacken und auf das Vergnügen einzulassen. Eine Tour ist für umgerechnet 28 € zu bekommen. Billiger wird es, wenn sich eine Gruppe (bis 8 Personen passen aufs Boot) organisieren lässt. Wir entscheiden uns für einen Besuch der Insel Samalona, die etwa 30 Minuten entfernt liegt und tatsächlich viel verkörpert, was man sich unter einer Trauminsel, im warmen, klaren Meer vorstellt. Palmen, weißer Strand, kristallklares Wasser. Leider haben die Korallenbänke in Strandnähe bereits das Zeitliche gesegnet. Ihre Überreste finden wir zuhauf am Ufer.

Das Träumen kann leider zum Alptraum werden, schaut man sich näher um. Wir entdecken Müllecken, vorwiegend Plastik, das angeschwemmt und kaum entsorgt wird. Die Wirte auf der Insel schaffen es gerade, die eigenen Strandabschnitte sauber zu halten, aber das reicht nicht. Der Dreck in den Ozeanen vermehrt sich sprunghaft und lässt das Schlimmste befürchten. Wie jeder Besucher, wenden wir uns heute ab, flüchten uns in die noch schönen Abschnitte der Insel.

Ausflug nach Rammang-Rammang und Leang-Leang

Die Fahrt in die Umgebung Makassars ist ein absolutes Muss. Zwar lässt sich so ein Ausflug auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln organisieren, aber das ist uns zu aufwändig. Da wir Land, Leute und Wege noch nicht besser kennen, finden wir stattdessen einen Wagen samt wegekundigen Chauffeur. Natürlich hat das seinen Preis, denn alles in allem werden wir 8 – 10 Stunden unterwegs sein. Dafür bezahlen wir insgesamt rund 70 €. Enthalten sind darin alle Ausgaben für Fahrt, eine Bootstour samt Guide sowie diverse Eintrittsgelder. Die pro-Kopf-Kosten rechnen sich natürlich günstiger, wenn 3 oder 4 Leute so eine Tour zusammen machen.

Wir starten kurz vor 9 Uhr und gelangen nach etwa 1 Stunde zu unserem ersten Zielpunkt, den Schiffsanleger im Rammang-Rammang-Tal. Der Ort liegt am Fluss Sungai Pute, der sich durch eine malerische Landschaft schlängelt. Schon während der Anfahrt können wir die tiefgrün bewachsenen Karstfelsen bewundern, die zwischen Feldern hoch aufragen. Es heißt, dass es Karstlandschaften in solcher Ausprägung noch einmal nur in Südchina in Yunnan gibt, wir kannten bisher nur die von Vang Vieng in Laos. Hier im Rammang-Rammang-Tal ist die Landschaft noch urtümlicher, ein dichter Dschungel bedeckt die Ufer. Am Anleger steigen wir in ein flaches, kleines, motorisiertes Kanu um. Per PKW und selbst zu Fuß wäre hier kein Weiterkommen möglich. Wir nehmen uns einen Guide, Ridwan. Er kennt die Gegend und vor allem kann er uns in gutem Englisch erklären, was wir wissen wollen. Die Fahrt entspannt uns. Das Grün der Pflanzen dominiert, der Wasserlauf fließt gemütlich. Vorbei tuckern wir an Felsformationen, tiefer hinein in den Palmdschungel, der bis ins Wasser hinein reicht, und tuckern unter felsigen Überhängen hindurch.

Bei einem Minidorf steigen wir aus. Nach einem kurzen Spaziergang durch eine idyllische Landschaft und vorbei an mehreren, kleinen Höfen, erwartet uns vor einer Felswand und auf einem Podest ein altes Weiblein, die Schlüsselherrin zu einer Felsgrotte. Für umgerechnet 35 Cent dürfen wir hinein und mieten gleich noch Stirnlampen, die wir dringend brauchen werden.

Über steile Leitern und glitschige Steine gelangen wir in eine Tropfsteinhöhle. Voll ist es hier, mit glitzernden Stalagmiten. Klar, mit einer künstlichen Beleuchtung würde das noch gewinnen, aber wenn die einmal installiert ist, wird auch der hochpreisige Turbotourismus hier angekommen sein und das Idyll ist Vergangenheit. Verschwitzt und durchfeuchtet verlassen wir die Höhle, finden unser Boot und lassen uns weiter durch die erstaunliche Landschaft schiffern.

Wir stoppen bei dem aufgeräumten Dorf Berua, das von Fischzucht und Landwirtschaft lebt.

Zeit für einen starken Kaffee haben wir noch, dann kündigt sich Regen an. Nicht ungewöhnlich in dieser Jahreszeit, trotzdem sei es besser aufzubrechen und Unterschlupf zu finden, meint Ridwan. Tatsächlich trifft uns der Regen. Ein kurzer, kräftiger, aber warmer Schauer. Ein Gefühl, wie unter der Dusche, mit dem Unterschied, dass wir dabei angezogen bleiben.

Auf einem Bootsanleger können wir uns unterstellen. Auch das wird kurzweilig, 2 junge Indonesierinnen aus Java, Mona und ihre Freundin, haben den gleichen Gedanken wie wir gehabt und das Trockene gefunden. Wir kommen schnell ins Gespräch, verstehen uns auf Anhieb und das ist gut so. Denn was bringt es unterwegs zu sein, wenn man nie über den eigenen Tellerrand schaut. Dann endet der Regen so abrupt wie er begonnen hat. Ein herzlicher Abschied, kurz darauf sind wir wieder am Ausgangspunkt unserer Tour.

Wir gönnen uns noch einen Imbiss und fahren dann weiter zu den Leang-Leang Höhlen. Wer kulturhistorische Sensationen sammelt, ist hier richtig. In den Höhlen finden sich Felsmalereien, die vor etwa 5.000 Jahren entstanden sind. Stark verwittert sind sie nur noch schwach zu erkennen. Aber immerhin, ein holländischer Professor hat sie erst im Jahr 1950 entdeckt.

Wem weniger nach Altertum zumute ist, kann natürlich die Umgebung für einen Rundgang nutzen, wir sind ja noch mitten im Karstgebiet.

Was wir auslassen, ist ein Besuch des Nationalparks Bantimurung. Inzwischen müssen ausländische Besucher dafür rund 18 € Eintritt bezahlen. Bei solch außergewöhnlichen Preisen fragen wir uns natürlich, ob wir dort tatsächlich Außergewöhnliches erleben können. Da die Auskünfte im Ergebnis eher nicht überzeugend waren, fiel uns der Mut zur Lücke nicht schwer.