Reisen im Tal des Lot

Der Lot, einst wirtschaftlich genutzt, heute Urlaubsziel

So wie ein Körper ohne Venen und Adern nicht lebensfähig ist, scheint es in Frankreich mit den Flüssen zu sein. Der Lot, an dem wir jetzt entlang reisen, ist so eine Lebensader. Er hat eine große Vergangenheit als Wasserstraße für die Binnenschiffer und wurde bereits im 17. Jahrhundert mit Schleusen und Wehren aufwändig domestiziert. Diese Ära endete nach dem ersten Weltkrieg. Sie war nicht mehr lukrativ. Heute erlebt der Lot eine Renaissance vor allem als Region, die viel für Freizeitsportler, Urlauber und Naturliebhaber zu bieten hat.

Unser entschleunigter Roadtrip hat das Potenzial für interessante Abstecher, die wir gerne einlegen. Schließlich wollen wir ja gemütlich so viel als möglich kennenlernen und nicht Kilometer fressen. Kleiner Tipp: Es ist kein Risiko, die Blitzer App schlummern zu lassen. Irgendwie haben die Anwohner es geschafft, dafür zu sorgen, dass kaum Radarfallen installiert sind. Auch das trägt zur Entspannung bei.

Wo wir unterkommen 

Es bleibt in diesem Urlaub bei airbnb, was manchmal mit Überraschungen verbunden ist. Etwa in der Unterkunft, die wir in in La Toulzanie buchen. Die kleine Gemeinde liegt idyllisch am Fluss Lot. Dort wohnen wir auf einem typisch südfranzösischen Gehöft. Und zwar in einem umgebauten Taubenhaus. Mitten in den Feldern. Das klingt extravagant und ist tatsächlich ungewöhnlich.

In dem Apartment, das sich über mehrere Stockwerke erstreckt, gibt es oben im Schlafbereich eine tolle Aussicht über das Land. Und unten, vor der Küche im Erdgeschoss, eine gemütliche Terrasse. Etwas schwierig ist es für uns Selbstversorger. Der Ort selbst ist nämlich winzig und ohne Geschäfte. Aber was wir brauchen, finden wir in der Umgebung. Auf jeden Fall ist La Toulzanie ein guter Ausgangspunkt für Exkursionen und Wanderungen. Eine davon beschreiben wir hier. 

Touristische Highlights 

Unbestritten ist die Landschaft um den Fluss das Pfund, mit dem die Region wuchern kann. Industrie ist kaum zu finden. Dafür aber landwirtschaftliche Flächen. Weiden, Felder und Wälder mit viel Grün und fast überall Zugang zum Wasser. Dazwischen kulturelle Sehenswürdigkeiten, die einen Besuch lohnen. 

Rocamadour

Diese wohl bekannteste touristische Attraktion sehen wir zuerst aus bergiger Höhe. Der Anblick von oben ist imposant. Ja, diese Anlage zählt zurecht zu den 5 wichtigsten Sehenswürdigkeiten Frankreichs. Der Ort liegt übrigens am Jakobsweg, gilt aber selbst auch als Wallfahrtstätte.

Gegründet von den Benediktinern vor rund 1.000 Jahren ist Rocamadour heute eine Art historische Wundertüte, für die wir gerne unsere Fahrt unterbrechen. Wir wählen den Anmarsch von einem naheliegenden Parkplatz, der tatsächlich gebührenfrei ist. Schon das ist eigentlich ein Wunder im modernen Frankreich.   

Der Komplex ist übrigens eintrittsfrei. Er erstreckt sich über drei Ebenen. Hinter dem Zugang entfaltet sich ein mittelalterlich anmutendes Dorf. In den malerischen Häusern sind Läden und Gastronomie untergebracht. Neben touristischem Schnickschnack gibt es sogar gute Bäckereien und Lebensmittelläden mit den Spezialitäten der Region. Die Ebene über dem Dorf gehört den Kapellen und Andachtsstätten. Von dort geht es über Kopfsteinpflaster und Treppen bis zur Spitze, die von der Burg eingenommen ist. Der Weg ist unterhaltsam und gut zu bewältigen, aber man sollte sich schon eine gute Stunde nehmen, um alles zu sehen.

Troglodyten-Häuser

Nach den prähistorischen Offenbarungen in der nachbarlichen Dordogne, meinen wir eigentlich alles über die Urzeit zu wissen. Unverhofft treffen wir wieder auf “Troglodyten”. Aber der Begriff “Höhlenmenschen” wird von den Franzosen auch in anderen Zusammenhängen genutzt.

Tatsächlich hat ja der moderne Mensch dort, wo es möglich war, Löcher in Felsen gehauen und bewohnt. Entweder in Form von Galerien, Kellern oder künstlich angelegten Hohlräumen, vor die ein gemauertes Haus gesetzt sind. Der Effekt ist ein ausgeglichenes Wohnklima: Im Winter warm, im Sommer kühl. Solche Wohnformen finden wir beim Lot und die Gebäude werden ausdrücklich als Troglodyten-Häuser gepriesen. Der Besucher staunt und freut sich, etwas neues gelernt zu haben. Ein typisches, sehr hübsches Troglodyten-Dorf ist La Toulzanie, dessen Häuser sich in die Kalksteinfelsen am Ufer des Lot einfügen.

Natur und Aktivitäten

Ohne uns extra motivieren zu müssen, entstehen Aktivitäten aus unserem Urlaubsalltag. Etwa wenn wir spontan unsere Taubenschlagunterkunft verlassen, weil die Stimmung gerade verlangt, sich nach draußen zu begeben. Keine zwei Schritte und wir befinden uns inmitten von Raps- und Mohnfeldern, die im Licht des sich neigenden Tages fast überirdisch wirken. In der klaren Luft haben wir einen weiten Rundblick, bis hinüber auf Calvignac.

Bei Fahrten und Wanderungen treffen wir immer wieder auf Fahrradfahrer, die allein oder in fröhlicher Gruppe durch die Gegend cruisen. Es sind weniger die beinharten Rennradler, sondern eher die Radwanderer, die sich hier tummeln. Sie finden ihr Pendant in den Kanuten auf dem Fluss, die einzeln, als Familie oder in Gruppen von Gleichgesinnten vorbeiziehen.

Wanderung nach Saint-Cirq-Lapopie

Wir gönnen uns trotz schlechten Wetters eine Wanderung entlang des Lot zum märchenhaft schönen Saint-Cirq-Lapopie, einem der schönsten Dörfer Frankreichs. Dafür fahren wir von Larnagol zunächst zum Bootsanleger in Bouzies. Wir starten bei dem aus dem Fels gehauenen Galerieweg und wandern bis zu den fantastischen Aussichtspunken beim Château de Cardaillac. Für die Interessierten beschreiben wir alle Details dieses Rundwegs ausführlich im Kapitel Wanderungen in Frankreich.

Saint Cirq-Lapopie selbst liegt hoch über dem Lot und bietet von den Ruinen einer verfallenen Festung aus herrliche Blicke auf die umliegende Landschaft und auf das idyllische Dorf, das komplett unter Denkmalschutz steht. Die kleinen Gassen mit ihren renovierten Häusern und den vielen Kunsthandwerksläden und gemütlichen Restaurants laden zum Bummeln und Verweilen ein.

Fahrt entlang der Célé

Auch kleinere Touren mit dem Wagen durch die Umgebung bringen Spaß. Etwa entlang der Célé, einem Nebenfluss des Lot, an dem einige propere Gemeinden liegen. Die meisten recht übersichtlich. Aber immer authentisch und oft mit schönen Märkten und Geschäften.

Städte, Dörfer und Gemeinden

Lieber in ein Dorf reinfahren, als die Umgehungsstraße nutzen, ist unser Motto. Frankreichs Charme basiert auch auf dem typischen Leben in der Provinz. Obwohl erbaut nach dem gleichen Muster: Kirche – Rathaus – Marktplatz besitzt eigentlich jeder Ort noch einen eigenen Charakter. Betonung liegt auf “noch”, denn was erschreckend auffällt ist die Landflucht. Sie führt zur Verödung von Ortschaften, die früher Arbeit boten, aber heute erwerbswirtschaftlich kaum Bedeutung haben. Die speziellen Maschinen, die in der industriellen Landwirtschaft eingesetzt werden, kommen ohne viele Menschen aus. Ob die abwanderten, weil sie überflüssig wurden, oder ob automatisiert wurde, weil niemand mehr auf den Feldern arbeiten wollte, nimmt sich eigentlich nichts. Lichtblicke sind heute eher der Tourismus und das Kleingewerbe, das sich um diese Branche drapiert. Mit Campingplätzen, Hotellerie und Gastronomie. Möge es Bestand haben.

Autoire

Orte, die nicht auf der Liste der schönsten Dörfer Frankreichs Platz finden, müsste man am Lot schon mit der Lupe suchen. Autoire jedenfalls hat das Prädikat. Attraktiv sind seine typischen Steinhäuser, mit schön anzuschauenden Fachwerkfassaden. Auch ein Château aus dem 11. Jahrhundert, das unter Denkmalschutz steht, gehört dazu sowie eine eindrucksvolle Kirche. Autoire ist als Ortschaft ein Hingucker. Wie es so in seinem Tal liegt, eignet sich das Panorama für ein klassisches Postkartenmotiv.

Loubressac

Nicht in einem Tal, aber zur Abwechslung auf der Kuppe eines Berges liegend, hält Loubressac, was bereits die übrigen Gemeinden Umgebung versprechen. Mittelalterliche Häuser versammeln sich um das kleine, feine Ortszentrum. Keine Überraschung, auch hier prangt der Titel “schönstes Dorf Frankreichs” an der Einfahrt.

Die Aussicht übers Land macht wirklich Lust, einfach hinein zu wandern. Vielleicht sogar zur Burg, die man vom Hügel aus gut sehen kann. Kleiner Tropfen Wermut: Der Parkplatz am Dorf ist einer zum Bezahlen. Der gebührenfreie Parkplatz liegt ca. 1 km entfernt, an der Zufahrtsstraße. Kein Riesenproblem, wenn man gut zu Fuß ist.

Marcilhac-sur-Célé

Das Dorf mit kaum 200 Einwohnern, gehört zu den Ortschaften, die wir bei der Fahrt durch die ockerfarbenen Klippen des Célé-Tales finden. Ein altes Kloster, von dem noch imposante Reste erhalten sind, weckt unsere Neugier. Ohne gestört zu werden, darf der Besucher dort herumlaufen und staunend fotografieren. Das Innere der Abtei bietet wirklich interessante Perspektiven und gut erhaltene Details im Mauerwerk.

Leider wird das kleine Café am Parkplatz gerade nicht bewirtschaftet. Es steht zum Verkauf. Wir hätten gerne etwas eingenommen. So bleibt es beim einem Besuch der Bäckerei um die Ecke, die recht leckere, frische Kuchen zum Mitnehmen anbietet

Espagnac-Sainte-Eulalie

Dicht bei einem beliebten Fernwanderweg liegt dieses Dorf, das vor allem durch das prächtige Augustinerkloster von sich reden macht. Der Glockenturm mit dem 8-eckigen Dach soll in Frankreich einzigartig sein. Wir nutzen die Gelegenheit nach Besichtigung des Geländes um die Klosterkirche für einen Spaziergang durch die Umgebung. Auf eine längere Wanderung sind wir heute zwar nicht eingestellt, aber der Rundgang macht Spaß. Man sieht dort alte, rustikale Gehöfte, die noch bewohnt werden und bewirtschaftete Felder. Viele Häuser wirken wie Ferienwohnungen oder von Pensionären bewohnt. Auch eine Grotte soll es in Sainte-Eulalie geben, mit Darstellungen die über 10.000 Jahre zurückdatieren. Doch leider ist diese Fundstelle nicht für Besucher geöffnet.

Figeac

Die Stadt, in der fast 10.00 Menschen leben, überrascht uns. Unverhofft treffen wir auf günstige Parkgebühren, was nicht üblich ist für Orte, die überzeugt sind, dass sie eine Menge zu bieten haben. Aber Figeac ist keineswegs verödet. Vor allem die charmante Altstadt mit ihren belebten Plätzen, malerischen Gassen und prächtigen, mittelalterlichen Gebäuden hat es uns angetan. Alle Sehenswürdigkeiten lassen sich gut finden, folgt man dem nummerierten Rundgang durch das historische Zentrum. Dass dabei auch attraktive, moderne Läden passiert werden, erhöht den Reiz sogar noch.

Cahors

Mit rund 20.000 Einwohnern eine der größten Städte der Region. Berühmt ist die im 14. Jahrhundert entstandene Valentre Brücke. Dieses imposante Bauwerk mit seinen 3 Türmen suchen wir zuerst auf, um von dort weiter ins Stadtzentrum zu spazieren.

Spektakulär ist auf jeden Fall auch die Kathedrale, mit deren Bau im 11. Jahrhundert begonnen wurde. Sie ist, wie die Brücke, sogar Teil des Weltkulturerbes. Ansonsten wirkt Cahors eher mittelprächtig auf uns; wir hatten uns irgendwie mehr versprochen.

Eine Region, an die wir uns gerne erinnern

Roadtrips haben ihre eigene Dynamik und natürlich wächst mit jedem Stück, das man erkundet hat, die Neugier auf weitere Ziele. Die gute zentrale Lage der Region Dordogne/Lot erlaubt quasi eine 360 Grad Planung in jede Himmelsrichtung und so stehen wir bald vor der Qual der Wahl,wohin es weiter geht. Was wir hinter uns lassen, wissen wir. Nämlich eine Region, in der wir uns wohl fühlen, weil auch unsere kulinarischen Ansprüche erfüllt werden. Da erinnern wir gerne die Märkte, mit frischen Produkten, besonders auch die ungezählten Variationen von Ziegen- und Schafskäse und den erstklassigen Wein. Aber wir sind guten Mutes. Wenn den Franzosen etwas wichtig ist, dann ihre Küche und der leibliche Genuss. Deswegen gibts zum Abschied ein frohes „au revoir“, es hat Spaß gemacht.

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Ein Gedanke zu „Reisen im Tal des Lot

  1. Da wird Erinnerung an viele schöne Urlaube mit Zelt lebendig, beim Lesen der Städtenamen und der wunderbaren Bilder die ihr gepostet habt. Danke!

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