Bispingen

Von Schnucken, Pferden und Eulen, einem Snow Dome und künstlerischem Gomorrha und natürlich einer wunderbaren Naturlandschaft namens Heide

„Wie kommt man überhaupt auf Bispingen“, fragt Ihr Euch vielleicht. Wir dagegen fragen uns, wie kommt der Heideort eigentlich auf uns, als wir vor einiger Zeit eingeladen werden, bei einem Bloggertreffen unter der Schirmherrschaft des Bispingen Touristik e.V., mitzumachen. Natürlich wollen wir dabei sein, kennen wir doch solche Veranstaltungen überhaupt nicht. Neugier ist eben immer ein ausgezeichneter Motivator.

Dass unser Aufenthalt gesponsert wird, ist eine neue Erfahrung. Unsere Skepsis, ob dafür eine Gefälligkeitsreportage erwartet wird, löst sich schnell auf. Was und wie wir berichten, ist uns freigestellt; kein Eingeladener ist hier als bezahlter Jubler. Bispingen stellt sich uns Bloggern vor, ohne einschränkende Auflagen. Das ist mutig und ehrenwert, dafür bedanken wir uns.

Bispingen hängt die Latte hoch, tritt selbstbewusst als Heide- und Erlebnisort auf, mit einem umfassenden und attraktiven Angebot an Natur und Kultur, Freizeitaktivitäten und Services. Wie Anspruch und Wirklichkeit zusammenpassen, wollen wir in den zweieinhalb Tagen unseres Aufenthaltes selbst herausfinden.

Bispingen Freizeit- und Ferienregion:

Die Idee, neben die natürliche Erlebniswelt des Naturschutzgebiets Lüneburger Heide eine künstliche zu stellen geht auf. Die dafür notwendige Infrastruktur ist vorhanden und wird von den Besuchern angenommen.

Zum Auftakt bringt uns Thomas Griemsmann von der Leitung des Center Parcs die Philosophie eines Ferienparks näher. Auch bei so einem Objekt hat Nachhaltigkeit eine ganz hohe Priorität. Die 100 Hektar Fläche sind nur zu 10% bebaut und bieten unterschiedliche Übernachtungskonzepte, wie wohnen in Baumhäusern, Apartments in der Natur, ja sogar in Hausbooten auf einem See. Supermärkte finden sich hier, Restaurants, ein Café, Aktivitäten für Jung und Alt sowie – als Herzstück mit Aqua Mundo – ein modernes Erlebnisbad. Das Angebot ist riesig und bei geschickter Terminierung lassen sich interessante Rabatte nutzen. Nicht nur für Kinder, auch für Senioren. Alles macht einen einladenden Eindruck. Vor allem Familien oder Reisegruppen dürfen sich hier gut aufgehoben fühlen und können sich wetterunabhängig erholen. Unser Eindruck: Center Parc passt zu Bispingen und Umgebung; das eine stört das andere nicht, bei Ferien unter dem Motto „alles kann – nichts muss“.

Etwas spezieller, dafür aber durchaus eine Attraktion in bayerischem Weiß-Blau, ist der Snow DomeSki und Rodel zu jeder Jahreszeit, so viel bieten nicht mal die Berge im Allgäu. Die Sinnfrage, was so eine Einrichtung in der Heide zu suchen hat, beantwortet uns Ulrike Prigge aus der kaufmännischen Leitung: Die Norddeutschen lieben einfach den Wintersport. Weil die natürlichen Gegebenheiten dort eher karg gesät und Pisten mit Seilbahnen im Norden so selten sind, wie eine Eisbahn in der Sahara, hat man das Skigebiet zu den Menschen gebracht. Eigentlich eine klasse Idee, die Ökobilanz fühlt sich besser an, muss man nicht erst 1.000 Kilometer fahren, um zünftig wedeln zu können. Auf jeden Fall hat Bispingen damit etwas im Portfolio, was Spaßurlauber nicht überall finden.

Ähnlich verhält es sich mit dem Ralf Schumacher Kartcenter (RSK). Schön, freuen sich die Motorsport-Fans „Hier darf ich knatternd Runden drehn‘, schwupps die Polizei hat’s nicht gesehn‘, ich will Spaß!“ Natürlich gibts hier auch Regeln und vor dem Losbrettern eine ausführliche Einweisung. Wie im großen Rennsport steht für die Leute vom RSK-Team Sicherheit an erster Stelle. Und weil es thematisch zu fröhlichen Runden in der angeschlossenen Gastronomie passt, können Urlauber im Center auch bowlen oder Darts werfen.

Klein aber fein und vielleicht ein bisschen gemein ist das „Verrückte Haus“, das direkt und unübersehbar am Kreisverkehr von der Autobahnabfahrt 47 nach Bispingen aufgebaut ist. Eine verkehrte Welt, mit ungewöhnlichen Perspektiven und genialen Motiven für Eure Fotos. Ehrlich, wo sonst kann man sich im Handstand über einer Kloschüssel aufnehmen lassen, ohne sich dabei nass zu machen.

Puristische Wanderfreaks mögen einwenden, dass diese Freizeitangebote so gar nichts mit der Heide zu tun haben, vergessen dabei aber, dass Erholung für Menschen, mit unterschiedlichen Vorlieben und Gewohnheiten gemacht ist. Kindern und Jugendlichen, die sich beim „jeden-Tag-Wandern“ langweilen, ein Alternativprogramm zu bieten, ist nichts Schlechtes. Vielleicht sogar eine Chance, ihnen die andere Seite der Region mit ihren fantastischen Landschaften näher zu bringen.

Bispingen, hat auch eine Kunststätte

Wanderer, bist Du in der Heide, wundere Dich nicht, wenn vor Dir ein Vulkan ausbricht. Dann bist Du nur noch wenige Schritte entfernt von der Iserhatsche, wo Uwe Schulz-Ebschbach gerade mit seiner Fernbedienung spielt und den Berg Montagnetto speien lässt. Seit 30 Jahren gibt es das Neuschwanstein des Nordens und wahrscheinlich braucht man genauso viele Jahre, um die Botschaft zu verstehen, die sein Schöpfer uns verkündet. Ignorieren wäre zu einfach, dazu ist die skurrile Fantasiewelt zu präsent, also besichtigen wir sie. Haus, Garten und Gewölbe. Was wir sehen, überlastet die Sinne, auch intellektuell fühlen wir uns gerade total überfordert. Zu Materie geronnene Hyperaktivität konfrontiert den Besucher, impertinent wie ein Tourette-Syndrom, aber faszinierend, weil jedes Artefakt für sich betrachtet Qualität verkörpert. Wahrscheinlich werden erst spätere Generationen die Bewertung wagen, ob Uwe Schulz-Eschenbach vom Teufel geritten oder von der Muse geküsst wurde. Genie oder Wahn, Kunst oder Kitsch, wir mögen es nicht entscheiden.

Der nachvollziehbarste Teil ist die Messie-Syndrom-Abteilung, dort, wo Sammler ihre Stücke präsentieren. Wir wandern unter ungezählten Pümpeln, zwischen tausenden von Streichholzbriefchen, entdecken in der gewaltigen Biersammlung ein Beer Lao und fühlen uns ein wenig zuhause. Bitte kneif‘ mich, ich muss wissen, ob ich gerade die Hauptrolle in einem Albtraum spiele. Oder ist die Iserhatsche nur eine geträumte Vision, die verschwindet, wenn wir aufwachen? Nothing is real, nur hier in diesem Theater, Iserhatsche Bispingen.

Bispingen, klassischer Heideort

Die Natur ist die eigentliche Hauptattraktion der Region. Tatsächlich gilt ja die Heide, eines der ältesten und größten Naturschutzgebiete unseres Landes, traditionell als Ausflugs- und Wanderregion. Wer meint, das sei verstaubt oder gar spießig, hat verpasst, dass Wandern inzwischen „Trekking“ heißt und Wanderwege „Walking Routen“ sind. Für den modernen Menschen in seiner industrialisierten Arbeits- und urbanisierten Wohnwelt ist die aktive Zuwendung zur Natur der Königsweg zur körperlichen und mentalen Gesundheit. Immer öfter suchen wir deshalb Gebiete auf, die uns genau das vermitteln können. Bispingen bietet uns hier ideale Möglichkeiten.

Einige der Routen haben wir bereits ausprobiert (Rund um den Wilseder Berg  –  Behringer Heide  –  Zum Wümmequelltal  –  Zum Töps) und freuen uns, jetzt noch weitere Eindrücke zu bekommen. Die Kutsche voller Blogger rumpelt von einem der Haverbecker-Parkplätze Richtung Wilsede. Vorne, die Pferde lenkend, sitzt Hans Jürgen Bartels, neben uns Gästeführer Dieter Rademacher. Die beiden haben viel zu erzählen, lassen uns die Heide in Bild und Ton erleben. Es gibt nichts, was sie nicht wissen. Der Rest ist großes Kino; Bilder, die wir versuchen festzuhalten. In der Tat erzeugt die Gegend bei jedem Besuch neue Eindrücke. Jahreszeiten, Zustand der Pflanzen, die Lichtverhältnisse des Augenblicks, veränderte Stimmungen… Wie wandelbar Natur sein kann, erleben wir am liebsten hier.

Zu den fleißigsten Gestaltern dieser Kulturlandschaft gehören die Heidschnucken. Sie beißen in der Heide weg, was dort nicht hingehört. Außerdem liefern sie einen guten Braten. Aber das will der Schnuckenschäfer Lippschus, den wir mit Herde und Hütehunden erblicken, wohl nicht hören. Dass allerdings das Auftauchen dieser prächtigen Tiere eine Kutsche stoppen kann und eine Horde kamerabewehrte Blogger wie die Berserker auf den Hügel mit den Tieren schwappen, wird ihm gefallen haben.

Um das Erleben auf höchstem Niveau abzurunden, legen wir einen Champagner-Stopp ein. Ideal der Platz, die Aussicht auf den sanfthügeligen Horizont ist göttlich. Fast überirdisch und mit einem Einschlag Dekadenz sind auch die lukullischen Köstlichkeiten (etwa Schinken vom Bentheimer Schwein, leckerste Buchweizentorte) die Sven und Tino Rieckmann für uns auffahren. Die Show ist perfekt. Wir erleben zum ersten Mal aus nächster Nähe, wie eine Schampusflasche splitterfrei mit dem Schwert geköpft wird. Was die beiden Brüder sonst noch gastronomisch drauf haben, werden wir abends erfahren.

Die Erkundungsfahrt durch Heide macht Lust auf mehr. Am nächsten Morgen begleitet uns Dieter Rademacher bei einer Wanderung zum Totengrund, einem der schönsten Hotspots für Sonnenaufgänge in der Heide. Urlaubern, die einige Tage in der Gegend sind, empfehlen wir so eine Tour, die unvergessliche Eindrücke garantiert. Alles, was es braucht, ist frühes Aufstehen. Ihr startet am Parkplatz Sellhorner Weg, beim Friedwald Bispingen-Behringen. Von da aus sind es noch etwa 3 km zum Aussichtspunkt. Dort setzt Ihr Euch, denn der Anblick reißt Dich von den Beinen: Nebel im Märchental, schmelzend in der Sonne.

Ob das jeder weiß? Das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide bietet vielen Tierarten Schutz und Heimat. Zu Lande und in der Luft. Zwar sind wir ornithologisch nur wenig bewandert, aber dass es echte gefiederte Raritäten gibt, ist uns bekannt. Um mehr zu erfahren, kommt das Greifvogelgehege Bispingen gerade recht. Und Frigga Steinmann-Laage, die uns durch ihre Anlage führt. Die Tochter eines Zoologen engagiert sich seit 1976 in der Betreuung und Hege von Adlern, Falken, Habichten, Bussarden und Eulen und weiß schlichtweg alles über sie. Ihr ganz spezieller, persönlicher Kontakt zu den Greifvögeln ist übrigens ein Ereignis für sich. Mit Kompetenz und lebendigem Vortrag bringt sie Besuchern ihre Lieblinge ganz nah. Uns haben es besonders die Eulen angetan; immer irgendwie erstaunt unter fedrigen Brauen schauend, mit riesigen Augen im plusterigem Federkleid.

Da die Führungen außerordentlich gut besucht sind, macht es Sinn, vorher anzufragen, ob sich gerade eine Schulklasse angemeldet hat, und einen Ausweichtermin zu wählen. Und mit etwas Glück sieht man dann vielleicht ein Eulenküken.

Bispingen, Gastronomie und Unterkünfte

Der Restaurantführer von Bispingen präsentiert Dutzende von Lokalitäten für jeden Geschmack. Wir haben das Vergnügen, bei den Rieckmann Brüdern, die uns bereits in der Heide aufgewartet haben, in der Grünen Eiche in Behringen Gäste zu sein. Am Abend im Hotel zur Grünen Eiche zeigen sie, was sie als kulinarische Gastgeber können. Ob die Küche bereits Sterne hat, wissen wir nicht, aber was wir bekommen, ist erstklassiges Schlemmeressen.

Keine Frage, hier ist der Koch engagiert und mit Begeisterung bei der Sache. Das 4-Gänge-Menü mit regionalen Köstlichkeiten überzeugt in jeder Hinsicht als lukullisches Gesamtkunstwerk und schmeckt uns hervorragend. Süßer Höhepunkt ist Speiseeis, das mit flüssigem Stickstoff und leckeren Zutaten vor unseren Augen frisch hergestellt wird. Schon das Zuschauen ist ein Ereignis.

Weniger sternig, aber ebenso lecker, ist ein Besuch auf Kaffee mit Kuchen von Albers Rosenhof, der eigentlich ein gestandener Reiterhof ist mit allem, was dazu gehört. Natürlich auch Pferden, schließlich sind wir in Niedersachsen. Wunderschön, die Terrasse und viele Gästezimmer direkt auf die Koppeln, wo munter getrabt und gegrast wird.

Das Bloggertreffen dauert zweieinhalb Tage, wir übernachten in Bispingen. Kein Problem, in einer Region, die tausende von Betten in Pensionen, Hotels und Ferienhäusern bereithält.

Glückes Geschick, unsere Unterkunft ist der Marleenenhof. Unsere Gastgeber, Marleen Klein und Henning Stürmer, erwarten uns bereits. Die Begrüßung ist ausgesprochen herzlich, wir fühlen uns sofort wohl. Die Beschreibung des Anwesens auf der Website des Marleenenhofs hat nicht zu viel versprochen.Tatsächlich ist es in Wirklichkeit noch schöner. Ideal für uns, das großzügige Raumangebot, die herrliche Lage des liebevoll gestalteten 10 Hektar Grundstücks und die 5-Sterne-Ausstattung der Unterkunft.

Unsere Gastgeber begleiten uns bei einem ausgiebigen Rundgang über ihr Grundstück. Der private Weg ist um die 2 km lang, eignet sich bestens für Spaziergänge oder Laufrunden. Die Philosophie des Marleenenhofs ist schnell erklärt: „Alles für das Wohlergehen des Gastes.“ Sei es Beratung zu Wanderungen oder Tipps, was gerade in Bispingen und Umgebung ansteht, hier werden wir unterstützt. Sogar eine eigene, von einem Trecker gezogene Kutsche gibt es für spezielle Ausflüge. Ein ganz besonderes Schmuckstück ist das „Chalet“, ein Heidehaus das 1777 entstanden ist und geschmackvoll zu einem Ferienhaus umgebaut wurde. Wer dazu noch das Frühstücksgedeck genießen darf, wird sich fragen, was Gott eigentlich in Frankreich gesucht hat. Hier, in Bispingen lässt es sich leben! Danke Marleen Klein, danke Henning Stürmer.

Bispingen, ein Fazit

Die Quadratur des touristischen Kreises, nämlich individuelles Reisen mit modernem, familiengerechten Ferientourismus zu verbinden, wurde für Bispingen hervorragend gelöst. So etwas fällt nicht vom Himmel, die Touristeninfo hat hier einen tollen Job gemacht. Praktische und nützliche Angebote, wie die Bispingen Card sowie eine Fülle von Karten und Materialen für die Besucher, sind hier selbstverständlich. Das Team selbst ist bestens aufgestellt: unaufdringlich präsent, kompetent, freundlich und engagiert. Für eine gelungene Veranstaltung möchten wir uns stellvertretend für alle Mitarbeiter/-innen bei Waltraud Giese und Robin Sedha bedanken. Wir kommen gerne wieder!

Wie unsere Mitblogger Bispingen und Umgebung erlebt haben, seht Ihr hier: 

Hier noch die Nachbetrachtung der Bispingen Touristik in der Heidezeitung „Wir in Bispingen“:
Noch mehr Ziele in der Heide:

Rund um den Wilseder Berg  –  Behringer Heide  –  Zum Wümmequelltal  –  Zum Töps  – Lüneburg

 

5 Gedanken zu „Bispingen

    • Eddy,
      danke für Deinen Besuch. Was wir ausserdem aus Bispingen mitgenommen haben, hat eine ganze Menge mit Trusted Blogs und Deinem Auftritt zu tun. Darauf werden wir noch einmal zurückkommen.

      Gruss Christiane und Aras

    • Danke, Kerstin

      wir haben sogar schon im Kalender eingetragen, wann Du wieder in der Heide sein wirst. Dann freuen wir uns, gemeinsam etwas zu unternehmen.

      Gruss Christiane und Aras

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