Südliche Tanintharyi Region

Die Tanintharyi Region kennen wir ein wenig von einem ersten Besuch Myanmars. Jedenfalls die Ye, Dawei, den Ort Maungmagan und einige Strände auf der Halbinsel. Ebenso den abenteuerlichen, strapaziösen Weg zur Grenzstation Htee Kee. Die Region hat aber noch mehr zu bieten und – Glückes Geschick – sie ist immer noch offiziell besuchbar. Unsere Anreise mit dem Flugzeug ist trotz des bereits im Pass dokumentierten Overstays kein Problem, selbst die formale Sichtkontrolle der Pässe am kleinen Flughafen in Myeik verläuft undramatisch.

Myeik

Die Stadt am Mergui-Archipel ist überschaubar. Aber schon die Fahrt zum Hotel auf der Ladefläche eines rustikalen Lasten-Tuktuks verrät: das Leben hier wird getaktet vom Geschehen am Hafen. Und wer die Nase in den Wind hält weiß, dass Fischerei ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor im maritimen Myeik ist.

Der Hafen fesselt uns in jeder Hinsicht. Unzählige abenteuerlich wirkende Schiffe ankern hier oder dümpeln bei Ebbe auf dem Schlick. Der Anblick fasziniert. Da sind keine schmucken Jachten oder strahlend weiße Motorboote, sondern brachiale Konstrukte. Behangen mit einem Gewirt von Takelage und hunderten von Scheinwerfern, Schiffe wie vom Klabautermann heimgesucht. Rostig die meisten, einige scheinbar kurz davor abgewrackt zu werden und dennoch trotzig verkündend, dass sie noch lange nicht mit ihrem Dasein abgeschlossen haben. Dazwischen die Besatzungen, kleine drahtige Männer, die ihre Jobs erledigen, an Bord oder auf der Mole. Es gibt immer Kisten und Fässer, die verladen werden und alles zusammen verbindet sich zu einer Szenerie, die nicht aus einem Reiseprospekt, wohl aber aus einem Piratenfilm stammen könnte.

Der kilometerlange Versuch einer Promenade bietet beste Aussichten. Jeder, der nach Myeik kommt, sollte die Strecke einmal zu Fuß machen. Mit Glück gibt es dann einen wahnsinnigen Sonnenuntergang zur Belohnung. Oder man landet – geht man die Straße in nördlicher Richtung hinauf – bei einer der besten Fischkneipen, die ganz Myanmar zu bieten hat. Eigentlich geben wir ja kaum Empfehlungen für Gastronomie, aber das Fischlokal “Shwe Yar Su” nicht zu erwähnen, wäre ein Sakrileg. Hier gibts den besten Fisch, tolles authentisches Publikum und Bier bis zum Abwinken. Alles zu anständigen Preisen.

Der Hafen ist natürlich auch Ausgangspunkt für Ausflüge mit dem Speedboat in die schöne Inselwelt des Archipels. In unzähligen Agenturen in Hafennähe werden immer die gleichen, völlig überteuerten Tagestouren angeboten, die uns wenig reizen und eher auf den standardisierten Massentourismus zugeschnitten sind. Individualtouren sind aufgrund staatlicher Restriktionen noch nicht möglich. Wir verzichten schweren Herzens und begnügen uns stattdessen mit einem kleinen Trip zur Insel mit dem liegenden Buddha. Dafür chartern wir ein rustikales hölzernes Longboat, so wie es auch von den Einheimischen gemietet wird, die zur Pagode übersetzen. Einmal drüben finden wir auch den Aufstieg zu den Tempeln auf der Spitze des Hügels. Seltsam, dass hier kaum jemand herfindet. Immerhin hat man von oben einen guten Ausblick auf das gegenüberliegende Myeik und ja, irgendwie wirkt er Ort wie ein Lost Place. Als wir zum Pier zurückkommen sehen wir, dass unser Fährmann auf uns gewartet hat. Das ist eben Myanmar!

Myeik selbst hat noch viel mehr zu bieten. Dazu gehören auf jeden Fall die Kolonialhäuser in den Straßen und Gassen, die parallel zum Hafen verlaufen und nicht dem großen Brand von 1989 zum Opfer fielen. Vielen würden eine Restaurierung guttun, andere sind gut instand gesetzt, aber alle wirken pittoresk und typisch. Das Bummeln macht Spaß, schon deshalb, weil die Atmosphäre hier so schön und unverfälscht ist.

Das Zentrum Myeiks erstreckt sich gut erreichbar, rund um den Clock Tower. Dort ist auch der größere, überdachte Markt, den wir natürlich nicht auslassen.

Nicht übersehbar erhebt sich hinter dem Markt der Berg mit der Thein Daw Gyi Pagoda. Sie ist eines der Wahrzeichen der Stadt und gut besucht, von Einheimischen und Fremden, weil der Ausblick über die Stadt von dort natürlich immer beeindruckt, besonders am späten Nachmittag, wenn die Sonne über dem Meer untergeht.

Lohnend ist auch ein Spaziergang rund um den kleinen See Yay Kan Baung, wo es einen buddhistischen Schrein mit Kloster gibt.

Ein Tipp, für besondere Mitbringsel aus der Region, ist “Royal Pearl”. Ein eingesessenes Geschäft nahe beim Hotel Green Eyes. Der Händler bietet gesuchte birmanische Spezialitäten an, die wir so nicht überall finden, nämlich echte Perlen in bester Qualität zu fairen Preisen.

Ein schöner Zufall, der uns Myeik noch näher bringt, ist der Zeitpunkt unseres Besuches, der auf das Tazaungdaing Festival fällt. Also den Vollmondtag im 8. Monat des burmesischen Kalenders. Ende der Regenzeit. Wir genießen die farbenfrohe Atmosphäre mit den Bewohnern, die ihre Umzüge feiern und Essen verteilen, und staunen über die Lebensfreude.

Wir wundern uns, dass wir hier so wenig auf andere westliche Touristen stoßen. Uns hat es in diesem schönen Küstenort ausgesprochen gut gefallen. Es ist so authentisch hier und voller Exotik.

Ein Tipp zu guter Letzt, weil das in Myeik angebracht scheint: Geldautomaten und gute Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Gebrauch finden sich in der Einkaufspassage des Grand Jade Hotels und in den unmittelbaren Geschäften drum herum.

Ein Ausflug nach Tanintharyi

Die Anregung, von Myeik aus einen Ausflug in den Ort zu unternehmen, der einst Hauptstadt dieser Region war und dann namensgebend für die gesamte Region wurde, stammt aus dem Reiseführer, der uns in digitaler Form begleitet. Alte Strukturen soll es dort geben, ganze Straßenzüge von betagten Holzhäusern. Die Empfehlung, den im Süden von Myeik gelegenen Ort über den Taninthary River zu erreichen, was angeblich mit einer Flussfähre für den Preis von 3.000 Kyat pro Person möglich sein soll, verwerfen wir nach einem Blick auf die Landkarte. Die Passage, so rechnen wir aus, dürfte an die 6 Stunden dauern und eine Rückfahrt noch am gleichen Tag ist ausgeschlossen. Da außerdem das Angebot an Unterkünften in Taninthyari äußerst begrenzt ist, entschließen wir uns, den Ausflug mit einem Wagen + Fahrer zu machen. Und weil es so empfohlen wird, buchen wir auch gleich eine Flussfahrt dazu. Kosten insgesamt 75.000 Kyat.

Nach fast 1,5 Stunden Anfahrt erreichen wir den Ort. Auf den ersten Blick erwartet uns nichts Spektakuläres. Auch ein zweiter Blick fördert nicht viel mehr zutage. Aber gut, nun sind wir schon mal hier und steigen in das bereitgestellte Boot. Eine Art Einbaum, mit einer 2-Mann-Besatzung, von denen einer die nächsten Stunden pausenlos Wasser aus dem Boot schöpft, das durch irgendwelche Lecks ins Innere dringt. Die Philosophie des bequemen Reisens hat zwar noch nicht die Region erreicht, trotzdem erkennt unser Bootsführer, dass wir uns mit dem Sitzen auf eisenhartem Holz schwer tun. Er verschiebt eine der Sitzplanken, so dass wenigstens einer von uns, die Fahrt halb liegend ertragen kann. Nett sind sie ja, diese beiden Burmesen, und viel mehr lässt sich auch nicht verändern, am kargen Einbaum.

Die lange Fahrt hat wenig Höhepunkte. Immerhin dürfen wir an einer Stelle an Land und finden nach einem Marsch durch den Wald eine kleine, bescheidene Pagode, die gerade ausgebaut wird und schon soweit im Bau fortgeschritten ist, dass man für einen Blick aus der Nähe die Schuhe ablegen muss.

Nach unserer Rückkehr vertreten wir uns die Beine erneut in Tanintharyi, umrunden es einmal, freuen uns an den freundlichen Menschen, den vielen Häusern aus Holz, immer noch ohne dahinter zu kommen, warum der Reiseführer diese Tour empfiehlt. Ob die Redakteure jemals selbst hier waren? Wir werden es niemals erfahren.

Kawthaung, die Grenzstadt

Wir sind in der letzten Stadt am südlichsten Zipfel, dort, wo das heutige Mynamar endet.

Kawthaung liegt am nordwestlichen Ufer der Mündung des Kyan-Flusses gegenüber von Ranong. Unser erster Eindruck: Kawthaung, seine Menschen und das Meer sind eine lebendige, freundliche Verbindung eingegangen, obwohl die Tsunami-Katastrophe von 2004 den Ort doch verheerend getroffen hatte. Aber davon ist jetzt nichts zu spüren. Die Lage ist toll, der Ort erstreckt sich über Hügel, gibt den Blick frei auf die See und die nächstgelegenen Inseln. Am alten Hafen wuselt es.

Dort, wo das Gassengewirr ans Meer stößt, wo Häuser auf Stelzen noch das Flair eines Fischerdorfes vermitteln, liegen die Boote der Fischer. Eigentlich ist diese Kulisse ein Anachronismus, denn Quartiere wie diese bieten sich förmlich an, von Investoren aufgekauft zu werden. Hier lassen sich sicher beste Renditen erzielen. Nicht nur im Großen, auch im Kleinen. Du kaufst etwas und der Händler oder Dienstleister nennt seinen Preis in Baht. Dann beginnst du zu rechnen, mit der Erfahrung deines mehrwöchigen Aufenthalts in Myanmar. Und ganz schnell merkst Du, jemand versucht dich gerade abzuzocken. Das mag bei Neuankömmlingen aus Thailand klappen, wir winken ab und lassen die dreisten Anbieter stehen, kein Sinn zu feilschen oder zu diskutieren.

Irgendwie gelingt es uns doch noch, einen Tuktuk-Fahrer zu finden, der uns zu einem vernünftigen Preis zur alten Holzbrücke bei Pulo Ton Ton fährt. Ja, es gibt sie noch, aber eine neue, stabile, zweckmäßige und unromantische Betonversion entsteht zur Zeit parallel und ist fast vollendet. Ob die alte Holzkonstruktion dann einfach weiter besteht? Wir finden es nicht heraus.

Kawthaung ist für den Touristen, der Stadtbesichtigungen mag, eher der falsche Ort. Die Pagode, Teile des Hafens und das Marktviertel sind schnell erkundet und eigentlich genügt uns das bereits.

Wir vermuten, dass es hier noch Möglichkeiten gibt, in die nahe Inselwelt der Andamanensee einzutauchen. Vielleicht sogar zu günstigeren Preisen als in Myeik, wo so ein kleines Abenteuer recht hochpreisig angeboten wird. Aber wir ergeben uns der Gewissheit, dass unsere Myanmar-Reise hier enden wird. Also machen wir es kurz und schmerzlos.

Der Grenzübertritt – wie es geht, kann man hier nachlesen – offenbart jedoch noch einmal den Charme des Landes, das wir jetzt hinter uns lassen. Die Beamten in der kleinen Zollstation gehen locker und freundlich damit um, dass wir die Visa-Bestimmungen nicht ganz eingehalten haben und deutlich im Overstay-Status sind. Wozu Stress, wenn es mit einem Lächeln geht. Bye Myanmar.

Yangon, Kalaw und Pindaya, Inle See, Mandalay, Monywa, Bagan, Bago, Golden Rock,   Hpa-an, Mawlamyine, Ye / Dawei / Loikaw, Pyin Oo Lwin, Chin State, Shan State

Der zweite Besuch im Herbst 2019

 

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