Ipoh

Ipoh liegt auf unserem Weg

Manche Stadt besuchen wir, weil sie gerade günstig auf unserem Weg liegt, ohne dass wir höchste Erwartungen mit einem Besuch verknüpfen. Im Zweifel nutzen wir dann den Aufenthalt, um zu entspannen. So halten wir es auch mit Ipoh. Die Stadt, rund 200 km nördlich von Kuala Lumpur, war einst wegen ihrer reichen Zinnvorkommen ein malayisches Boomtown, bis der Markt einbrach und viele Menschen abwanderten. Immerhin, es blieben genug, so dass Ipoh mit fast 700.000 Einwohnern auch heute zu den bedeutenden Metropolen des Landes zählt. Wir möchten dort ein authentisches Malaysia erleben, immerhin gilt die Stadt ja als touristisch nicht überlaufen und sehen, was es dort zu entdecken gibt.

Entspannt wirkt es hier. Die modernen Stadtteile mit breiten Straßen überraschen mit einer eher unasiatischen Verkehrsdichte: keine Staus, keine Motorradhorden, kein Dauerhupen, dafür funktionierende Ampeln und einige Uniformierte, deren Anwesenheit wohl reicht, ein ziviles Verkehrsgeschehen zu gewährleisten. Das klingt langweilig und für Besucher, die Aufregenderes erwarten ist die Altstadt natürlich die bessere Adresse.

Die Altstadt Ipohs

Ähnlich wie George Town hat Ipoh einen gut erhaltenen historischen Kern, für den es lohnt, sein Hotelzimmer zu verlassen. Er erstreckt sich zwischen dem Kinta Sungai Fluss – Hugh Low Street – Club Road und dem Ipoh Padang Sportgelände. Das Viertel ist recht überschaubar, so dass man für die reine Besichtigung mit einem halben Tag gut auskommt.

Typische Bauwerke aus kolonialen Zeiten bestimmen hier das Straßenbild. Ein-, höchstens zweistöckige Häuser, die schmal gebaut sind, dafür aber tief nach hinten ragen. Die Fassaden präsentieren sich prächtig und verziert mit bunten, nostalgisch anmutenden Werbetafeln, die wie eine dekorative Patina dem Viertel seinen besonderen Charme verleihen. Das alles ist weit entfernt davon, museal zu wirken, denn was diesen Ort über Jahrhunderte geformt hat, ist heute noch lebendig, besonders natürlich In Little India und Chinatown.

Quirliger Mittelpunkt des Geschehens ist die schmale Konkubinengasse. Reiche Kaufleute hatten hier einst in eigenen Stadthäusern Nebenfrauen und Geliebte einquartiert und niemand hat sich daran gestört. Heute, im sittenstrengen Malaysia, ist die Konkubinengasse ein touristischer Hotspot aus Andenkenläden und Stationen, die zum Verzehr exotischer Snacks einladen. Oder zu einem guten Kaffee, auch den gibt’s fast überall. Weil jeder Besucher Ipohs wenigstens einmal hier auftaucht, herrscht fast ständig ein wuseliges Gedränge, das sich aber an beiden Enden der Gasse wieder auflöst.

Street-Art in Ipoh

Wie George Town pflegt auch Ipoh eine Street Art Kultur. Einige bemerkenswerte Murals fallen spontan auf, andere muss man suchen. Es lohnt sich also, hinter jede Ecke zu schauen. Dieser ungezwungene Mix aus Tradition und Modernität, eingebettet in einen kosmopolitischen Schmelztiegel aus Ethnien, Sprachen und Religionen, den so wohl nur Malaysia hervorbringt, lohnt auf jeden Fall den Besuch. Hinzu kommt die lockere Atmosphäre sowie eine natürliche Freundlichkeit, auf die wir in diesem Land immer wieder treffen.

Die kleine Altstadt ist schnell erkundet, da bietet es sich an, den Radius ein wenig auszuweiten und das Viertel in Richtung Bahnhof zu durchwandern. Dazu schlendern wir die Post Office Road hinauf und passieren auf der einen Seite die große Negeri Moschee, auf der anderen den Birch Clocktower. Noch ein kurzes Stück weiter und wir treffen auf die prächtige Club Road. Hier findet sich eine andere Art kolonialer Architektur. Bauten, die beeindrucken wollen und Macht demonstrieren: City Hall und High Court, schneeweiße Bauwerke im neoklassizistischen Stil des viktorianischen Zeitalters.

Gegenüber auf der anderen Straßenseite liegt hinter einem kleinen Park der imposante Bahnhof, zu alten Zeiten wohl eine der wichtigsten Adressen des alten Ipoh. Sogar ein Hotel ist dort untergebracht. Das ist leider zum Zeitpunkt unseres Besuches noch nicht vollständig renoviert, lässt aber ahnen, wie feudal es früher hier war, als die Zinnbarone noch ein- und ausgingen.

Der Höhlentempel Perak Cave

Wir haben noch einen weiteren Tag in Ipoh und nutzen den klimatisch angenehmeren Vormittag für einen kleinen Ausflug. Mit einem Grab-Taxi, das bei Fahrten innerhalb der Stadtgrenzen übrigens erstaunlich preiswert ist, lassen wir uns zum Perak Cave Temple bringen. Ungerechnet 2 € bezahlen wir, um zu dieser Sehenswürdigkeit zu kommen, die etwa 6 km nördlich vom Zentrum entfernt ist. Schon von der Straße aus ist erkennbar, dass dieser Ort etwas Besonderes ist. Ein Karstberg mit einer Höhle, in die man über einen tempelartig gebauten Eingang hinein kommt.

Erst nach dem Betreten offenbart die Höhle uns ihre wahren Ausmaße und ihre ganze Pracht. Wir stehen in einem riesigen Felsendom, ausgebaut und dekoriert als sakrales Gesamtkunstwerk. Mehr erfahren wir aus dem Text einer Tafel am Eingang. Die Perak-Höhle, so heißt es da, wurde 1926 von chinesischen Einwanderern entdeckt und zu einem Tempel ausgebaut. Ein Nachfahre vollendete den Bau und fügte weitere Teile dazu. Heute beherbergt die Anlage mehr als 40 Buddha Statuen und einen fast 13 Meter hohen sitzenden Buddha.

Um den Höhlentempel zu besichtigen sollte man wenigstens eineinhalb Stunden Zeit mitbringen. Es lohnt sich. Die Ausgestaltung ist geschmackvoll und stilsicher, ohne kitschig zu wirken und passt harmonisch zur natürlichen Umgebung des schroffen Felsens. Sogar die Wände sind mit meisterlichen Fresken dekoriert, die in dem besonderen Licht der Höhle hervorragend zur Geltung kommen.

Im hinteren Teil des Felsendomes windet sich eine steile Treppe nach oben.

Folgt man dem Aufstieg, kommt man bald ins Freie und von dort über weitere Etagen bis zur Spitze des Berges. 385 Stufen sollen es sein bis ganz nach oben. Wir brauchen nicht mitzuzählen, die Beine bestätigen, dass es ziemlich hoch hinausgeht. Und natürlich auch der Ausblick, den man von ganz oben hat, über die Umgebung bis hinein nach Ipoh.

Nach dem Abstieg stellt sich spontan die Frage, wie man wohl zurück ins Zentrum kommt. Unser Tipp: Auf dem rechten Zugang zum Höhlentempel, gesehen von der Straße aus, befindet sich ein kleines Lokal. Dort gibt es nicht nur leckere Kokosnüsse, sondern auch eine clevere Chefin, die den Gast fragt, ob er ein Taxi zurück in die Stadt braucht. Wer das bejaht, bekommt eine Fahrt mit dem Methusalem des Fahrgewerbes: Ein Auto, Baujahr letztes Jahrtausend samt greisen Fahrer, der wahrscheinlich bereits bei Entdeckung des Höhlentempels dabei war. Die Tour zurück in die Altstadt, zu einem Fahrpreis aus dem letzten Jahrhundert, ist selbstredend ein Erlebnis der gemütlichen Art.

Verkehrsanbindung

Die für Reisende nicht unwichtige Frage, wie es eigentlich mit der Verkehrsanbindung Ipohs steht, lässt sich schnell beantworten: Zum einen gibt es die Eisenbahn, sowohl nach Kuala Lumpur als auch weiter in den Norden nach George Town. Sauber, pünktlich und erfrischend, die Klimaanlage kühlt die Waggons auf gefühlte nordeuropäische Temperaturen im Winter herunter. Alternativ dazu die Busse am zentralen Busbahnhof, der allerdings rund 10 km außerhalb der Stadt liegt. Von dort aus gibt es übrigens auch eine bequeme Verbindung in die Cameron Highlands.

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