Amman

So ist die Welt: Ein paar Hundert Kilometer nördlich von Amman herrschen Terror und Krieg, doch hier in der Hauptstadt Jordaniens ist für uns davon nichts zu spüren. Die Menschen wirken entspannt, freundlich und wir Besucher freuen uns, daran teilzuhaben. Stadt der Bruderliebe, „Philadelphia“, nannten die alten Griechen diesen Ort. Heute würde man wohl, dem Zeitgeist entsprechend, daraus eine City der „Geschwisterliebe“ machen, wie immer das auf altgriechisch auch klingen mag. Wir bleiben der Einfachheit halber beim modernen Amman.

Amman wirkt unübersichtlich, verlässt man die großzügigen Highways, die vom Flughafen in die Stadt führen, um in der Altstadt zu kommen. Tatsächlich ist das, was als Downtown bezeichnet wird, der Stadtkern, der bis vor 50 Jahren Amman ausmachte, bevor der Bauboom ausbrach. An die 2 Millionen Menschen leben heute in den neuen Vierteln, vorwiegend Zuwanderer aus Palästina, dem Irak und aktuell aus Syrien. Früher waren hier großflächig Flüchtlingslager. Heute, wie auch immer Jordanien das gestemmt haben mag, unzählige Wohnhäuser. Natürlich ist das eine deutliche Verbesserung, obwohl niemand so richtig sagen kann, wo die Bewohner dieser Häuser arbeiten und wie sie ihren Unterhalt verdienen. Das bleibt bis auf weiteres eines der Mysterien dieses Landes.

Wir bewegen uns vorwiegend in der Altstadt, denn das, was uns interessiert finden wir hier. Optisch augenfällig sind die Farben Ammans, eigentlich eine Palette aus grau, helbräunlichen Ockertönen und ab und an ein verwegenes Weiß. Dieser Anstrich bedeckt beide Teile Ammans, Alt- und Neustadt, lässt es zeitübergreifend wie aus einem Guss wirken. Niemand würde beim ersten Hinschauen auf den Gedanken kommen, das sei nicht organisch gewachsen. Die Farben entfalten besonders beim Übergang vom Tag zur Nacht ihren Zauber, Sonnenuntergänge sind hier immer ein Erlebnis, besonders für die Fotofreaks unter uns.

Amphitheater

Dicht bei unserer Unterkunft, nahe der Al Hashimi, dem erstaunlich travelerfreundlich organisierten Amman Pasha Hotel, liegt das griechisch römische Amphitheater. Gut erhalten und restauriert ist es offenbar voll in das Alltagsleben der Bewohner Ammans integriert. Was für uns ein Objekt der Besichtigung ist, wird von den Kindern als Spielplatz, den Heranwachsenden als Treffpunkt und den Familien und Älteren als Ruhezone, mitten in der Stadt genutzt. Ganz unspektakulär, obwohl das Theater natürlich höchst sehenswert ist. Wir steigen die Ränge hinauf, geniessen den Ausblick über die Stadt und freuen uns an den Menschen, die sich hier, wie wir, eine Auszeit nehmen. Einige winken zurück, wenn sie bemerken, dass sie fotografiert werden, freundlich ist es hier.

Amman vermittelt den Eindruck, dass Touristen sich hier sicher bewegen können. Auch Frauen sind allein unterwegs, ohne dass sie verängstigt oder verschreckt wirken. Das zyklische „Allahu Akbar“, das aus den allgegenwärtigen Lautsprechern der Minarette tönt, empfinden wir eher als folkloristisches Detail, denn als stramm organisierte Weltanschauung. Die Jordanier nehmens locker, können auch akzeptiern, dass auf dem Dach unseres Hotels – keine 40 Meter von der nächsten Moschee und weithin sichtbar – der Hinweis prangt „Food, Beer, Wine“.

Altstadt

Folgt man der Al Hashimi kommt man ins Einkaufsviertel, zu den Souks. Den Verkehr bewältigen Leute die Asien erprobt sind locker, die Warnungen des Reiseführers, sich nicht alleine ans Überqueren einer Straße zu wagen sind wohl eher auf Besucher gemünzt, die nur das gemächliche, wohlgeordnete Europa kennen.

Natürlich erobern wir die Altstadt zu Fuß, wie sonst nähert man sich einer Stadt, die einem noch fremd ist. 2 Stunden im Gewusel von Menschen, auf großen Straßen und durch die Souks, vorbei an Goldhändlern, Gewürzläden, den obligatorischen Bekleidungsgeschäften für Kind, Mann, Frau bringen uns die Stadt näher. Beduinen tummeln sich hier neben verhüllten Frauen, aber auch vielen westlich gekleideten Menschen. Egal ob modern oder traditionell unterwegs, schief angeschaut wird hier niemand. Es gibt einige empfohlene Adressen die wir aufsuchen.

Das legendäre Hashem Restaurant in der Nähe der Prince Mohammed Street zum Beispiel, das gepriesen wird als die Numero Uno unter den Hummus– Falafelküchen der Stadt. Gut schmeckt es, was dort in Unmengen von Portionen serviert wird an Unmengen von hungrigen Gästen um die Mittagszeit. Wir bekommen einen Tisch, bestellen, alles klappt wie am Schnürchen und kostet auch für jordanische Verhältnisse nur wenig.

Weiter gehts, zurück zur Al Hashimi dort, wo sie in die King Talal Street übergeht. Hinter der großen Moschee lockt uns der Obst- und Gemüsemarkt. Weiter gehts auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Treppe hinauf. Nach gefühlten 150 Stufen gelangen wir oben in der Rainbow Street. Von allen Guides empfohlen, sieht die Straße für uns eher gut bürgerlich aus. Wer ein Hippie- oder Backpackerviertel erwartet, wird enttäuscht sein.

Hier wohnen beschaulich und in ansehnlichen Häusern die Wohlsituierten. Klar, es gibt hier Restaurants und Boutiquen, aber unter uns, das Getümmel in den Souks, drei Etagen tiefer, gefällt uns besser.

Zitadelle

Unbestritten einer der kulturhistorischen Höhepunkte Ammans ist die Zitadelle, die 850 Meter über dem Meeresspiegel hoch über der Altstadt aufragt. Zu Fuß ist sie gut zu erreichen, Amman selbst liegt ja nicht auf dem Niveau des Meeresspiegels, sondern einige hundert Meter drüber. Am besten steigt man die Treppe hoch, die genau gegenüber demTheater zwischen den Häusern beginnt. Immer nach oben, man kann sie kaum verfehlen, in einer Viertelstunde ist man am Ziel.

Gleich im Eingangsbereich der Zitadelle ragen die mächtigen Säulen des ehemaligen Herkules-Tempels in den Himmel. Beim Rundgang wird man auf Überreste einer Skulptur stoßen, die einst gewaltig gewesen sein muss: Das Stück einer Hand und eines Ellenbogens. Die ganze Zitadelle nimmt übrigens eine nicht unbeträchtliche Fläche ein. Wer sich eine Vorstellung von den Ausmaßen machen möchte, muss sich einfach einmal vorstellen, wie lang 1.700 Meter sein können. Soviel misst nämlich die Mauer die das Gelände umgibt.

Um die historischen Dimensionen begreifen zu können, auf die wir hier treffen, machen wir einen kleinen Abstecher ins archäologische Museum, das sich auf dem Rundweg befindet. Das Museum präsentiert Fundstücke aus einer Zeitspanne von über 40.000 Jahren. Solange war dieser Ort für Menschen interessant. Hier siedelten sie schon zur Steinzeit, hier fabrizierten sie Faustkeile, hier schufen sie Artefakte, die noch heute höchst künstlerisch wirken. Um einen chronologischen Überblick über die Vergangenheit zu bekommen sollte man das Museum gegen den Uhrzeigersinn begehen, um dann am Schluss in der Gegenwart zu landen, die Besichtigung der Außenanlage fortsetzend.

Einen zentralen Platz auf dem Gelände nimmt der Umayyaden-Palast ein. Die zum Komplex gehörende Moschee aus dieser Periode ist außerordentlich gut erhalten und dient nur noch zur Besichtigung, so dass das sonst obligatorische Ablegen der Schuhe entfällt, geht man ins Innere.

Wer zum richtigen Zeitpunkt in der Zitadelle ist, wird vor allem die fast mystische Stimmung genießen. Während der Gebetszeiten etwa, wenn hier oben, die aus allen Richtungen herklingenden Muezzinrufe sich zu einem unentwirrbaren Klangteppich vereinen und die Luft zu schwirren scheint. Dann wenn die Sonne sich neigt, wechseln die Farben der Stadt und man weiß, hier ist Orient, at its best. Hier ist Amman.

Was uns auffiel und wie wir hierher kamen.

Unser Tipp für Amman: Wir haben im Amman Pasha Hotel übernachtet.

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