Mexiko-Tagebuch Teil 2

Wie es nach Yukatan weitergeht

Yukatan war der sanfte Einstieg in unser Abenteuer Mexiko. Die Rundfahrt über die Halbinsel ist wie eine Tour durch einen Themenpark. Dank Mietwagen brauchen wir uns nicht um öffentliche Verkehrsmittel zu kümmern. Das wird von nun an anders. Bereits für die Fahrt vom Flughafen Villahermosa, zu dem wir von Cancun herüber gejettet sind, nehmen wir den Bus. Tickets gibts am ADO-Schalter im Ankunftsbereich. Wir wollen nach Palenque, zahlen dafür 350 Pesos pro Person. Die Fahrt dauert etwa 2 Stunden.

Palenque. Die Stadt selbst, wird in Reiseführern gerne unterschätzt, dabei ist sie auf ihre Art gemütlich. Mit einem lebendigen Zocalo, dem Einkaufsviertel, voll bunter Geschäfte, schmucken Hotels, Bierstuben und Restaurants. Gut erreichbar ist die zu Palenque gehörende eindrucksvolle Maya-Ausgrabungsstätte. Wer es abenteuerlicher will, gönnt sich einen Ausflug Richtung Guatemala. Dort im Dschungel locken die Ruinen von Yaxchilán und Bonampak. All das beschreiben wir ausführlich in unserem speziellen Bericht zu Palenque, den Ihr hier findet.

Zur nächsten Etappe geht es mit dem ADO-(Früh-)Bus nach San Cristobal de las Casas. Die Tickets buchen wir übers Internet. Das funktioniert in Mexiko recht einfach, sogar mit marginalen Spanischkenntnissen, die Buchungstools sind selbsterklärend. 

Eigentlich sind die 200 km zwischen Palenque und San Cristobal gut in 3 Stunden zu schaffen. Allerdings meiden die großen Busgesellschaften den direkten Weg. Es heißt, die Gegend sei unsicher und Reisende müssten Schutzgeld zahlen. Über sichere Umleitungen verlängert sich die Fahrt auf knapp 10 Stunden. Wir erfahren später, dass Colectivos die Strecke in der halben Zeit schaffen und sich einen sicheren Transfer wohl erkaufen. Allerdings darf man auf diesen Nebenstrecken keinen Komfort erwarten, die Wege sind mit Topes und Schlaglöchern gepflastert

Die Landschaften, die wir durchfahren, sind fantastisch: Berge, Täler, grüne Auen, weidendes Vieh und glitzernde Flüsse. Soweit der Blick reicht. Schade, Stopps sind leider nicht vorgesehen. Jetzt fehlt uns der Mietwagen.

San Cristobal de las Casas. Unser erster Gedanke bei der Ankunft in San Cristobal: Wie tief im Gepäck sind Steppjacke und Strümpfe verpackt? Die letzten 3 Wochen waren sie überflüssiger Ballast, jetzt werden sie zur Hauptsache. Wir frieren! Die Stadt im Hochland von Chiapas liegt 2.100 Meter über dem Meeresspiegel, ist als Pueblo Magico ausgezeichnet und in dieser Jahreszeit noch bitter kalt. Das Zentrum der Stadt ist eine Ansammlung touristischer Impressionen: Kirchen und knallbunte Straßenfronten. Jedes Haus signalisiert geballte mexikanische Kultur. Auch die Umgebung hat Highlights. Einiges davon sehen wir bei einer Tour zu atemberaubenden Schluchten und einem Dorf, das uns mit einem Festival überrascht. Mehr dazu findet Ihr hier.

Weiter geht es mit dem Bus nach Oaxaca, eine Nachtfahrt. Gute 620 km Straße liegen vor uns. Da es mit dem Tiefschlaf so eine Sache ist bei Überlandfahrten, erleben wir hellwach um 7:00 einen grandiosen Sonnenaufgang. Es strahlt golden in den Hügeln, der Tag wacht auf und verspricht, ein schöner Tag zu werden. In dieser Landschaft fallen großflächige Agavenpflanzungen auf. Wir sind in der Heimat von Mescal und Tequila.

Oaxaca de Juarez. Da wir erst nachmittags ins Hotelzimmer dürfen ist der Plan einfach: Gepäck abstellen – Frühstück – Sonntagsmarkt von Tlacolula. Genau in dieser Reihenfolge. Wir zahlen wieder einmal Lehrgeld. Bestellen in einem Restaurant Omelette. Erschütternd, was Menschen mit Eiern anstellen können, wenn sie kulinarisch kreativ sein wollen. Das eine Gedeck wirkt optisch wie bereits verdaut. Das andere, als hätte ein Magen revoltiert und seinen Inhalt frei gegeben. Gut, dass der kleine Mercado Sanchez Pascuas ganz nah ist, mit frischen Backwaren. Wir sind gespannt, was die Altstadt und die Mayastätten von Monte Alban, die beide zum UNESCO Weltkulturerbe zählen, zu bieten haben. Wir sind immer noch im Hochland aber runter auf 1.500 Meter und erwarten mildere Tage. Natürlich erkunden wir Stadt und Umgebung, dabei finden wir auch grandiose Natur und Kultur. Unsere ambivalente Geschichte der Annäherung an Oaxaca beschreiben wir ausführlich hier.

Weiter fahren wir per Bus, ganze 5 Stunden nach Puebla. Die Strecke führt durch bergige Landschaften, zwischen endlosen Hügeln, die mit tausenden von hochgewachsenen Kakteen bedeckt sind. Auch hier hätten wir jetzt gern unser eigenes Auto, um anzuhalten und zu genießen. Wir erreichen die Großstadt in der Rushhour. Die letzten 5 km ziehen sich endlos hin. Endlich, die Ankunft großen zentralen Busbahnhof, der weit außerhalb liegt. Von dort geht’s mit einem Prepaid Taxi Seguro zum Hotel.

Puebla. Wir entdecken eine interessante Großstadt im Schatten des Popocatepetl. Dem Schicksal sei Dank, der Vulkan ist nicht in Aktion. Er versteckt sich aber leider die meiste Zeit hinter Wolken und Nebel. Unserem Besichtigungsprogramm tut das keinen Abbruch. Architektonisch hat Puebla, mit seiner Altstadt, die 1987 als Weltkulturerbe gelistet wurde, ja eine Menge zu bieten. Auch kulinarisch gilt die Stadt als führend in Mexiko, nicht zuletzt wegen seiner “mole poblano”. Das ist eine dicke, dunkelbraune Sauce, die zu allem und jedem gereicht wird. Eine Substanz, die man lieben kann, aber nicht muss. Alles zu unserem Aufenthalt haben wir in unserem Bericht zu Puebla zusammen gefasst, den Ihr hier findet.

Weiterfahrt nach Morelia.Gebucht haben wir die Tickets beim Busunternehmen „Futura“; das als einziger Premiumanbieter diese Strecke im Programm hat. Der Preis für die knapp 7-stündige Fahrt beträgt 795 Pesos. Die Fahrt führt uns wieder durch grandiose Landschaften und wenn wir schon nicht anhalten können, so sind wir doch sehr froh, dass wenigstens die Scheiben so sauber sind.

Morelia. Die Stadt mit vielen guterhaltenen Gebäuden aus der Kolonialzeit ist bei Touristen recht beliebt. Gelistet als UNESCO-Weltkulturerbe ist sie eine der meist besuchten Städte Mexikos.

Tatsächlich ist nahezu die gesamte Innenstadt eine Ansammlung prächtiger Steinhäuser mit eindrucksvollen Fassaden und Arkaden. In den 3 Tagen unseres Aufenthaltes legen wir weite Strecken zu Fuß zurück, unsere Schrittzähler registrieren neue Höchstwerte. Schon einmal hier, gönnen wir uns einen Ausflug nach Patzcuaro. Im Nachhinein überlegen wir, dass es sich gelohnt hätte, auch dort eine Übernachtung einzulegen und Morelia zu verkürzen. Unseren ausführlichen Bericht dazu findet Ihr hier.

Für die Weiterfahrt nach Guanajuato reservieren wir keine Tickets sondern steigen einfach am Busbahnhof in den nächsten Bus. Es gibt kaum Wartezeiten, die Strecke wird von allen Busgesellschaften bedient, einen Platz bekommt man immer.

Guanajuato. Die einst legendäre Silberstadt ist heute ein touristischer Magnet und natürlich ein registriertes UNESCO-Weltkulturerbe. Man sollte sich nicht abschrecken lassen, durch die vielen Besucher, auf die man besonders im spektakulären Zentrum der Stadt trifft. Guanajuato ist den Aufenthalt wert und es gibt genügend Möglichkeiten, abseits der Hotspots in den gemütlichen und kunterbunten Mexican Way of Life einzutauchen. Einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten sowie einige Tipps für Aktivitäten in und um die Stadt herum haben wir hier für euch zusammengestellt.

Unsere Weiterfahrt zum nächsten, größerem Ort reichern wir mit einem Zwischenstopp im 50 km entfernten Dolores Hidalgo an. Dafür müssen wir nicht zum großen Busbahnhof außerhalb der Stadt, sondern zu einer Haltestelle von „Unebus“ innerhalb des Stadtbereichs. Die Taxifahrer wissen Bescheid und setzen einen richtig ab.

Beim Zwischenstopp deponieren wir unsere Reisetaschen in der Gepäckaufbewahrung am Busbahnhof und schauen uns die kleine, propere Stadt an, wo der Aufstand gegen die Kolonialherren begann. Am späten Nachmittag setzen wir unsere Fahrt fort, nach San Miguel de Allende.

San Miguel de Allende. Eine tolle Stadt, die seit 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört und ihrem Ruf gerecht wird: Wirklich prächtige Kirchen, beeindruckende Häuser in malerischen Straßen. Viele der Innenhöfe und Plätze sind geschmackvoll dekoriert und es gibt unendlich viele Läden, voll mit Kunst und Kunstgewerbe, die zum Schauen und Einkaufen animieren. Kurzum, die Klassifizierung der Stadt als architektonisches Weltkulturerbe ist hoch verdient. Alles ist gepflegt und präsentiert sich grandios.

Aber heute ist Sonntag und an so einemTag sollte man hier nicht sein. Vermutlich sollte man auch Samstags einen Bogen um San Miguel de Allende machen. Das Schicksal oder Pech, das manchmal auch den besten Reiseplaner auf falschem Fuß erwischt, führt uns nämlich ausgerechnet an einem Wochenende her. Dann dominieren die wohlhabenden amerikanischen Gringos und protzige mexikanische Wochenendtouristen die Szenerie. Vor jeder Sehenswürdigkeit stauen sich die Massen und in den überteuerten Restaurants heißt es anstehen, um einen Platz zu ergattern. Die Anwesenheit dieser Besucher versetzt die Stadt in einen hysterischen Zustand der Hochpreisigkeit und uns in die Stimmung, das alles erst einmal aus einer gewissen Distanz zu betrachten.

Zu Fuß machen wir uns auf zum Aussichtspunkt über San Miguel de Allende, am Scheitelpunkt der Straße 111. Der Reiseführer schwärmt von dem Ort. Unser Eindruck ist profaner. Fährt man mit dem Auto vorbei, lohnt sich ein Stopp und der Blick auf die Stadt. Aber aus dem Zentrum kommend ist der Punkt schwer erreichbar. Wir verbuchen den Gang über schlecht gepflasterte, steile Gassen schließlich als urbanes Trekking. Und um die letzen steilen 50 Meter zum Viewpoint hochzukraxeln braucht es stabile Schuhe und feste Kleidung. Es geht durch dornenreiches Gestrüpp.

Froh, die Stadt gesehen zu haben ohne noch länger dort bleiben zu müssen, setzen wir unsere Fahrt am nächsten Morgen mit dem Bus fort, nach Querétaro. Das wartet zwar mit Dauerregen auf, bietet gleichwohl aber eine solide mexikanische Atmosphäre zum Wohlfühlen und interessante Besichtigungen.

Santiago de Querétaro. Eine von vielen Städten Mexikos, die das Prädikat UNESCO-Weltkulturerbe tragen und eine Stadt, die für geschichtsbewusste Mexikaner besonders wichtig ist. Der Unabhängigkeitskampf gegen die Kolonisatoren startete hier, der demütigende Friedensvertrag mit den USA wurde in Querétaro unterzeichnet, der Kaiser Maximilian exekutiert. All das wird mit Denkmälern, Erinnerungstafeln und Statuen gewürdigt. Die Altstadt mit ihrer intakten kolonialen Kultur hat es uns angetan. Selbst der Regen, der nicht enden will, hält uns nicht ab, die umliegenden Viertel zu erkunden.

Besichtigungen werden uns Besuchern übrigens leicht gemacht, da weite Teile des Zentrums als Fußgängerbereiche eingerichtet sind. Dort lässt es sich trefflich und bequem zwischen den einzelnen Plazas flanieren. Auffällig, es sind weniger die gutbetuchten ausländischen Touristen, die nach Querétaro finden, sondern eher Normalreisende. Fast schon Standard in mexikanischen Städten sind sakrale Bauten: Kirchen, Kathedralen und Klöster. Mehr als 200 davon soll es in Querétaro geben, darunter auch so eindrucksvolle wie die große St. Philip Neri Kathedrale.

Alle Sehenswürdigkeiten sind fußnah erreichbar. Etwas weiter entfernt vom Zentrum ist nur das Mausoleo de la Corregidora, die Gedenkstätte der Unabhängigkeitskämpfer. Dahinter befindet sich ein Aussichtspunkt, von wo aus man einen tollen Blick über die Stadt genießen kann. Dicht daneben findet sich, inzwischen verkehrsumflutet, das historische Aquädukt, das einst für die Wasserversorgung der Stadt wichtig war. Was uns ausgesprochen gut gefällt sind die diversen Mercados sowie viele kleinere Cafés und Restaurants, die zu akzeptablen Preisen eine breite Palette von Köstlichkeiten anbieten. Querétaro, so unser Fazit, ist ein angenehmer, gemütlicher Ort, in dem es sich gut einige Tage urlauben lässt.

Für den nächsten Abschnitt unserer Reise müssen wir zum Flughafen in Mexico City. Leider fällt uns zu spät auf, dass es eine Direktverbindung zum Aeroport gibt. Stattdessen nehmen wir den Frühbus zum Terminal del Norte, wo wir umsteigen wollen. Der Verkehr, der vormittags in die Stadt hinein führt ist zähflüssig. Das ist Stress pur. Gerade noch rechtzeitig bekommen wir aber in Norte ein Taxi zum Flughafen für 140 Pesos. Das braucht zwar eine weitere halbe Stunde, aber es reicht fürs Einchecken für unseren Flug nach Puerto Escondido.

Puerto Escondido. Einen Urlaub am Strand der mexikanischen Pazifikküste, mit viel Sonne, haben wir uns verdient. Unter all den in Frage kommenden Küstenorten haben wir uns für Puerto Escondido entschieden. Da die Anfahrt über Land schwierig und gefährlich sein soll, fliegen wir die Strecke.Tatsächlich hält Puerto Escondido, was die Berichte von anderen Besuchern versprochen haben. Entdeckt und stark frequentiert von Surfern, bietet die kleine Hafenstadt alles, was wir suchen und noch viel mehr. Wie wir den Aufenthalt erleben, könnt Ihr hier nachlesen.

Nach einigen erholsamen, sonnigen Tagen, die viel zu schnell enden, steuern wir die vorläugig letzte Station unserer Mexiko-Reise an. Wieder mit dem Flugzeug geht es zum Flughafen, den wir bereits kennen und von dort mit einem regulären Taxi in unsere Unterkunft.

Mexico City. Ein 20 Millionen-Einwohner-Moloch, größer als manches Land und mit mehr als 350 Stadtvierteln, ist auf jeden Fall für Besucher eine gigantische Herausforderung. Es ist unmöglich, so eine Stadt in kurzer Zeit systematisch und umfassend kennenzulernen. Einige obligatorische Sehenswürdigkeiten notieren wir: Den Nationalpalast, wegen der Wandbilder von Diego Rivera, einen Besuch im Nationalmuseum für Anthropologie, wegen seiner immensen kulturellen Bedeutung und das Haus von Frida Kahlo, weil wir sehr neugierig sind, wie sie gelebt hat. Außerdem einen Ausflug zu den Pyramiden von Teotihuacan. Den Rest, so nehmen wir uns vor, werden wir situativ entscheiden. Wie wir die sympathische Hauptstadt Mexikos erlebt haben, vor der oft gewarnt wird, findet ihr in unserem Bericht zu Mexico-City.

Flug zurück… in die Krise

Die Zeit in Mexiko vergeht, wie immer, wenn wir unterwegs sind, schnell. Uns bleiben noch einige Tage, wir schauen schon wieder interessierter in die Nachrichten aus der Heimat. Wie wird das Wetter sein, gibt es politische Neuigkeiten, was steht an. Die Medien berichten von einer Viruserkrankung, die gerade in China wütet „Covid-19“. Die könnte in einer Pandemie münden, heißt es, aber man brauche sich nicht weiter zu sorgen. Deutschland sei gut aufgestellt, mit seinem hervorragenden Gesundheitssystem. Deswegen: Keine Panik auf der Titanic! Die Nachrichten vor Ort in Mexiko geben ebenfalls nichts her. Einzelfälle von Infektionen seien irgendwo im Lande identifiziert worden. Aber das ist in dieser Jahreszeit, in der es immer mal Grippe geben kann, normal. Der Rückflug von Mexico City verläuft, wie sollte es anders sein, ohne besondere Vorfälle. Auch die Ankunft im kühlen Hamburg lässt nicht ahnen, welches Unheil nur wenige Wochen später hereinbrechen wird. Die Pandemie und der globale Lockdown. Zustände wie sie nur ein Weltkrieg hervorbringen vermag. Aber ohne Knall, ohne Getöse oder Schusswechsel. Dafür schleichend, lautlos, heimtückisch. Eine bleierne Zeit wird anbrechen, die uns für Wochen und Monate zu Gefangenen im eigenen Umkreis machen soll.

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