Bhubaneswar

Herrliches Indien, sonniges Indien! So unsere Erwartung, die bei Ankunft in der Hauptstadt Odishas voll ins Wasser fällt, genauer gesagt ins Regenwasser. Bhubaneswar hüllt sich in Wolken, die sich gerade ausschütten wollen über unseren Optimismus. Der Monsun ist eben auch nicht mehr das, was er einst war, er wirkt noch nach. Für eine erste Stadterkundung mag das nicht die beste Voraussetzung sein, uns hält es trotzdem nicht im Hotelzimmer.

Was bietet sich mehr an, als den hiesigen Zoo Nandankanan zu besuchen. Er ist berühmt über die Grenzen des Staates und bezeichnet sich selbst übrigens als „Biological Park“. Wie wir später feststellen, ist diese Bezeichnung tatsächlich treffender, Tierpark wäre zu kurz gesprungen.

Wir finden ein Tuktuk. Der Fahrer bekommt für Hin- und Rückfahrt (je 17 km) sowie 90 Minuten Wartezeit von uns umgerechnet insgesamt angemessene 9 €. Gehüllt in unsere Regenjacken erreichen wir den Zoo. Der Eintritt für Ausländer ist zwar – wie so oft in Indien – höher als für die Einheimischen, aber mit gerade mal 1,30 € pro Person moderat.

Was wir dafür bekommen, ist seinen Preis wert. Nandankanan ist angelegt als tropische Landschaft. Viel üppiges Grün, Bäume, Sträucher, bewachsene Lichtungen, Seen und Wasserläufe, das alles könnte auch Kulisse für das Dschungelbuch sein. Die meisten Tiere sind untergebracht in großzügigen Freigehegen, also kein klaustrophober Tier-Knast ,sondern moderne, artgerechte Haltung. Komplettiert wird das Ensemble aus Flora und Fauna durch sinnvolle Unterhaltungsangebote für die Besucher, besonders für Kinder, unaufdringlich und so gehalten, dass Tiere nicht gestört werden.

Der Regen scheint den Tieren zu gefallen. Großkatzen sind offenbar nicht wasserscheu, keine sucht den Unterschlupf auf. Die Ansammlung von Tigern beeindruckt. Mächtige Exemplare, wie man sie in europäischen Zoos kaum sieht: Gelbe sowie weiße Tiger, majestätisch wie es sich für die Könige des Dschungels gehört. Dass es noch vorzeigbare, asiatische Löwen gibt, lernen wir erst hier. Leoparden, große Bären, Gaurs, Elefanten, Affen, Rhinos, Reptilien, Amphibien und viele andere Arten, die vormals in freier Wildbahn Indien belebten, finden sich hier im Park, aber auch Exoten wie Giraffen. Sie alle aufzuzählen, würde unseren Bericht sprengen.

Die Zeit vergeht wie im Fluge und wir freuen uns, heute nicht selbst als jene Attraktionen identifiziert zu werden, mit denen Inder gerne für Selfies posieren. Noch ein Wort zu diesen Besuchern, jungen wie älteren: Keiner belästigt die Tiere, „respektvolle Neugier“ beschreibt das Verhalten besser.

Ab dem 2. Tag begleitet uns Sonnenschein; Gelegenheit, uns den Tempeln von Bhubaneswar zu widmen. Etwa 35 historische Bauten und einige hundert jüngeren Datums soll es geben. Besessenes Tempelspotting liegt uns fern, wir wählen daher einige der interessantesten und überlassen dem Zufall, auf welche wir sonst noch treffen.

Wir starten mit Anlagen, die im Umfeld der Stadt liegen. Wieder chartern wir ein Tuktuk, das wir an diesem Tag etwa 6 Stunden brauchen, eingerechnet vieler Wartezeiten für Besichtigungen und privater Erledigungen. Kosten ca. 20 €. Wer mit spitzen Stift rechnet, kann es auch preisgünstiger gestalten.

Erstes Ziel sind die Udayagiri und Khandagiri Caves, rund 10 km entfernt von Bhubaneswar. Sie gehören mit zu den ältesten Höhlenanlagen Indiens und sind vergleichbar mit den in Felsen hinein gehauenen, buddhistischen und hinduistischen Klöstern in Ellora und Ajanta, werden aber dem Jainismus zugeschrieben. Die Verbindung von natürlichen Strukturen und sakraler Baukunst hat hier eindrucksvolle Anlagen hervorgebracht, die wir uns nicht entgehen lassen. Anders, als bei den meisten anderen Tempeln der Region wird für die Höhlen Eintritt fällig, etwa 2,60 € pro Person.

Nächste Station auf unserer Rundfahrt ist eine Tempelanlage umgeben von Reisfeldern, Chausathi Yogini von Hirapur, auch bezeichnet als Tempel der 64 Gottheiten. Die Stätte, malerisch gelegen am Rande eines kleinen Dorfs und umgeben von Reisfeldern, ist etwas ganz besonderes. Der Tempel ist einem matriarchalischen Kult gewidmet und obwohl sie in der Vergangenheit mehrmals zerstört wurden, lassen die erhaltenen Figuren noch deutlich erkennen, wie kunstvoll sie gearbeitet wurden.

Auf unserer Fahrt zu weiteren Sehenswürdigkeiten passieren wir unzählige Tempel, darunter den imposanten Brahmeswara Tempel, der zu den wichtigsten sakralen Bauten des Landes zählt.

Letzte Station ist Dhauli, in tiefer Vorzeit Schlachtfeld der Truppen des legendären Kaisers Ashoka, die hier das Kalinga Reich vernichtend besiegten. Wir steigen, wie die meisten anderen Besucher, zur Shanti-Stupa, der Friedenspagode, hinauf und belohnen uns mit einem prächtigen Rundblick über das Land.

Für die Besichtigung der Tempel im Altstadtbereich lassen wir uns an Tag 3 für 1,00 € in der Nähe des Lingaraja Tempels absetzen und erkunden das Gebiet zu Fuß. Da der Lingaraja für Hindus die Rolle eines Haupttempels hat, dürfen wir ihn als Ausländer nur von außen betrachten.

Zufall oder Gnade, an einer Außenmauer gibt es eine Plattform, von der aus man eine gute Sicht in den Innenbereich hat. Die Plattform zu besteigen ist umsonst, trotzdem haben einige Schlitzohren dazu ein Geschäftsmodell entwickelt. Es funktioniert wie folgt: Kaum macht der Touri Anstalten, die Plattform zu erklimmen, nähert sich ein seriös gekleideter Inder mit wichtiger Miene und einem wichtig wirkenden Notizbuch. Er erklärt, dass Gebühren fällig sind. Damit es offiziell wirkt, muss der Betrag im Buch notiert werden. Bitte nicht einschüchtern lassen, hier gibt es keinerlei Gebühr oder Eintrittsgeld, ein kleiner Schwindel, der seinen Erfindern etwas einbringt, wenn man einknickt. Not macht eben erfinderisch.

Hier einige Impressionen von Tempeln, die wie die Pilze hinter jeder Ecke zu sprießen scheinen und zwischen dem 7. und 12. Jahrhundert entstanden sind:

Bhubaneswar ist eine Stadt, in der sich auch der Fußgänger wohl aufgehoben fühlen darf. Sehr stimmungsvoll ist die Gegend um den Bindu Sagar Lake im Tempelviertel und wie wir meinen, ein Muss für jeden, der Lust hat, in diese Welt einzutauchen. Viel zu gucken gibt es in den Straßen und Gassen, die zum Schlendern einladen, weil dort nur wenig Verkehr unterwegs ist.

Dafür trifft man des öfteren auf Kühe und Stiere, stämmige Buckelrinder, die stoisch ihre Bahn ziehen, irgendwo lagern und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Mit Glück trifft man sogar auf tierische Mutanten, die Auffälligkeiten besitzen, mit denen sie im indischen Olymp quasi göttlich sein sollten: Ein 5. Bein oder den Ansatz eines Doppelkopfes, irgendwo aus dem Leib herausgewachsen.

Was wir in diesen drei Tagen in Bhubaneswar erleben, macht einen sehr sympathischen Eindruck auf uns. Die Stadt ist touristenfreundlich angelegt. Die Straßen sind bezeichnet und vor jedem Tempel findet sich eine Tafel, die wenigstens über seinen Namen informiert, oft auch über das Alter und die Bedeutung.

Bhubaneswar ist betriebsam, ohne hektisch zu erscheinen, die Menschen wirken gelassen und freundlich, helfen gerne, wenn man Fragen hat, so gut sie können. Mit dem Tuktuk lässt sich alles gut erreichen, die Preise sind ok, aber ein bisschen feilschen nutzt. So können wir für unsere Hauptstrecke, den Weg zum Tempelbezirk, den ursprünglich geforderten Preis von 100 Rupien auf 60 reduzieren.

Wie wir hergekommen sind, könnt Ihr hier finden… und wo es danach hinging, lest Ihr hier.

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