Galiläa

Eine der größten Regionen in Israel ist Galiläa. Faktisch der gesamte Norden rechnet dazu. Wer hier unterwegs ist, hat in aller Regel einen der gängigen Reiseführer im Gepäck und sucht sich seine Höhepunkte gezielt aus, oder fährt locker umher, um sich intuitiv von Landschaft und Sehenswürdigkeiten überraschen zu lassen – irgendwas Besuchenswertes findet sich garantiert immer.

Es gibt aber auch Besucher, die Galiläa auf ihre sehr spezielle Weise erkunden. Ihr Reiseführer ist die Bibel und ihre Route generiert sich aus den Erzählungen der Evangelisten. Ob wir wollen oder nicht, Begegnungen mit diesen Touristen können wir kaum vermeiden, es sind einfach zu viele von ihnen hier. Busladungen von Besuchergruppen, meistens in der Stärke einer römischen Legion, besetzen die Orte, die man gesehen haben sollte, wenn man von einer Israelreise erzählt.

Wir sind mobil mit unserem Mietwagen und möchten uns natürlich die schönsten Strecken aussuchen, um Landschaften und Region zu genießen. Das ist oft leichter gesagt, als umgesetzt. Das moderne Israel hat sich nämlich vorgenommen, alle Punkte des Landes mit einem Netz von gut gestylten, schnellen Highways zu durchziehen (den Begriff “Autobahn” vermeiden wir lieber in diesem Kontext). Highways vermitteln leider nur eine Art McDonalds-Erlebnis für den Reisenden: Beim Durchfahren wirkt alles genormt uniform, regionale Spezialitäten sind ausgeblendet. Nur manchmal – und dann in der Ferne – blitzt beim Durchsausen des Landes mal ein verträumtes Dorf am Horizont auf, ein romantischer Wald oder eine verlassene Wüste.

Gezielt steuern wir die Orte an, die in Israel als Highlights gelten, wir müssen den Tourismus ja nicht neu erfinden:

Berg der Seligpreisungen

Landschaftlich schön gelegen, am Nordrand des Sees Genezareth auf einem Hügel, ist die Anlage leicht zu finden.

Klar, den klerikalen Hintergrund kennen wir. Hier soll “ER”, wie ihn die Besucher um uns herum nennen, die Bergpredigt gehalten haben (selig sind die … denn das Himmelreich …). Eine Kirche, ein Nonnenkloster gibt es hier oben, weiß gekleidete Schwestern verwalten den Ort und sie achten streng darauf dass alles, ja wirklich alles, seine heilige Ordnung hat. Frauen in ärmellosen T-Shirts wird resolut der Eintritt in das Bethaus verweigert, während ganz nebenbei religiöser Andenkenkitsch verkauft wird. Ob “ER” wohl diese Atmosphäre gut geheißen hätte? Egal, auch für Nichtchristen ist der Ort jedenfalls sehenswert: Gepflegte Gärten, eine wunderbare Aussicht hinunter ins weite Galiläa, der See, all das lohnt schon die Fahrt herauf und auch die 3 Schekel Eintritt.

Brotvermehrungskirche

Zu jeder Geschichte aus dem Neuen Testament findet sich hier die entsprechende Lokalität. Unter römisch-katholischer Aufsicht steht die Stätte in Taghba, wo die angebliche Speisung der angeblich Fünftausend stattfand. Wir sind am Vortag des nahenden Shabbats hier, der Ort erinnert uns, dass wir als Selbstversorger noch unbedingt Brot fürs Frühstück besorgen wollen. Hier gibt es allerdings nur eine Kirche, ohne angeschlossenen Bäckerei. Letztere wäre vielleicht eine gute Geschäftsidee, denn es kommen immer wieder Busladungen voller Touristen an. Wissenshungrig, sich von der Stimme eines Vorlesers leiten lassend, wären sie bestimmt bereit, Gebäck zu erwerben.

Wir schauen uns die Kirche an, entdecken hier tolle Mosaiken aus dem 5. Jahrhundert, die in die Andachtsstätte integriert sind. Die Kirche hat eine ideale Lage, nah am See. Schön ist es hier, am schönsten allerdings, solange keine Besuchermassen auftauchen.

Kapernaum

Heimat von Jüngern, die hier ihren Beruf als Fischer hinwarfen, Heimat auch der Schwiegermutter des Petrus und einer Reihe anderer Figuren, die in den Geschichten um den Heiland eine Rolle gespielt haben sollen. Kapernaum ist archäologisch gut betreut, Ausgrabungen haben Ruinen aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. zutage gefördert, Reste einer frühen Synagoge und einige römische Bauten, sowie dem achteckigen Grundriss einer byzantinischen Kirche. Garniert ist der Ort außerdem mit einer kleinen orthodoxen Kirche, die noch keine 100 Jahre alt ist. Kapernaum liegt etwa 2,5 km von der Brotvermehrungskirche entfernt und ist gut zu erreichen.

Es bietet nicht nur den Fans des Altertums etwas, auch Naturliebhaber kommen hier auf ihre Kosten: Klippschliefer gibt es hier, die nächsten Verwandten des Elefanten. Die putzigen Rüsselhündchen tollen ganz unchristlich ungezwungen zwischen den Ruinen oder chillen einfach nur herum.

Tiberias

Die Stadt am See Genezareth wirkt mächtiger als sie nach der Anzahl ihrer Anwohner ist; um die 40.000 Einwohner hat sie. Um den älteren Stadtkern, der ufernah ist, sind viele neue Wohnbezirke entstanden, viele sind in den Berg hinein gebaut. Wer hier wohnt, hat einen grandiosen Ausblick über die Unterstadt und natürlich den See. Für uns wirkt dieser Ort weniger attraktiv; Städte, die in kurzer Zeit so ein Wachstum verkraften müssen wie Tiberias, erscheinen steril.

Vielleicht sind wir auch einfach zur falschen Zeit unterwegs. Eine Behörde in Israel hat entschieden, dass am 31.10. des Jahres die Besuchersaison endet. Mit der Folge, dass alle Strände auf Null geschaltet werden. Keine Liegen, keine Sonnenschirme, und das heftigste: Gitter mit verschlossenen Türen, die den Besuchern den Zugang zum Ufer verwehren.

Das alles, obwohl hier immer noch ein sommerliches Klima herrscht, das zum Baden und Draußensein einlädt. Tiberias zu mögen, ist etwas schwierig. Ergänzt um die Faktoren Shabbat und Nachsaison, fällt uns der Entschluss, den Ort zu wechseln, ganz leicht.

Die Weiterfahrt erleben wir ambivalent. Palmen und Bougainville, lassen die Landschaft schön wirken. Erschreckend ist, dass der gesamte See Genezareth umzäunt scheint. Freie Zugänge, wenn man sie überhaupt findet, wirken schmuddelig und wenig einladend.

Bet She’an

Eine gewaltige Ausgrabungsstätte, sollte man besuchen, auch wenn es einen kleinen Umweg bedeutet, es lohnt sich. Die Anlage, vieles was hier zu sehen ist, entstammt aus der Römerzeit, hat sehenswerte Höhepunkte und ist daher natürlich auch ein Besuchermagnet. Individualreisende werden kaum registriert, man will keinen Eintritt von uns, weil gerade mit uns zusammen wieder ein Bus eingetroffen ist. Was hier vor etlichen hundert Jahren (749 n. Chr.) durch Erdbeben zerstört wurde, lässt sich erahnen; die Archäologen haben fleißig gearbeitet. Das Theater von Bet She’an ist eines der besterhaltenen im Nahen Osten.

Auch ohne Vortrag aus einem der Informationsautomaten wird klar, wie das einmal ausgesehen hat. Badehäuser gibt es zu bestaunen, in der Antike übrigens mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Wie so etwas angelegt war, hier in Bet She’an kann man es sehen.

An den Säulen der Prachtstraße vorbei kommen wir zu weiteren Tempelresten und dem Nymphäum. Dahinter ein Hügel mit steiler Treppe. Von oben können wir die Landschaft gut überblicken, können bis ins nahe Jordanien hinein sehen.

Zippori

Diese Ruinenstadt liegt in einem geschützten Waldgebiet, gut über eine Zufahrt vom Highway Richtung Haifa zu erreichen. Noch eine Anlage, hören wir vielleicht manchen stöhnen. Diese hier ist wirklich eine ganz besondere Sehenswürdigkeit. Nicht nur, weil sie von einem Naturschutzgebiet umgeben ist. Der Clou sind hier die vielen, gut erhaltenen Mosaiken. Viele sind in mühevoller Kleinarbeit erst wieder restauriert worden. Wie die Forscher das vollbracht haben, ist dokumentiert und in einer Bilderserie festgehalten. Auf dem Bauch liegend mussten tausende von winzigen, farbigen Steinchen genau vermessen und wie riesige Puzzles neu zusammen gesetzt werden. Die Ergebnisse bestaunen wir bei unserem Rundgang.

Das Nilhaus mit Jagdszenen und Tierbildern, das kleine Kastell, dessen Grundmauern aus der Kreuzritterzeit stammen, das Dionysoshaus, wo sich das Mosaik einer Frau befindet, die als Mona Lisa von Galiläa in die Kulturgeschichte eingegangen ist. Allein das zu sehen, hat den Zwischenstopp gelohnt.

Wie wir hierher kamen und wie es weitergeht findet ihr hier.

Unser nächstes Ziel ist Haifa, das zwar auch in Galiläa liegt, aber durchaus eine eigene Seite verdient.

Eilat  –  Jerusalem  –  Tel Aviv  –  Akko  –  Haifa und Caesarea

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