Longji – Dragon’s Backbone Rice Terraces

Eine Sehenswürdigkeit, die etwas Reiseaufwand erfordert, ist die Kulturlandschaft um Longji, wo traditionell und seit Jahrhunderten Reis angebaut wird. Nicht einfach so, sondern auf Flächen, die stufenförmig in die Berghänge hinein konstruiert sind und das Gefälle der Hügel einbezieht. Diese seit fast 700 Jahren bestehenden Reisterrassen sind ein landwirtschaftliches Meisterwerk und sind auch unter dem Namen Dragon’s Backbone Rice Terraces bekannt. Sie verschaffen den Bauern optimale Ausbeute auf schwierigem Terrain und – schöner Nebeneffekt – sind grandios anzusehen, weil sie die Landschaft auf eine ganz typische Art und Weise optisch prägen. Nicht zuletzt deswegen gilt diese Gegend seit ihrer Entdeckung vor fast 30 Jahren als eine Art Gesamtkunstwerk. Ein touristischer Magnet, vielleicht auch deswegen, weil hier noch indigene Bevölkerung lebt, die eigene Lebensweisen erhalten hat, die Yao und Zhuang. Erkennbar sind viele noch an ihren traditionellen Trachten, die sie auch im Alltag tragen.

Viele Besucher steuern die Longji Reisterrassen als Tagesausflug von Yangshuo aus an, aber wir empfehlen, sich auf dieses Gebiet tiefer einzulassen und sich schon einige Tage dafür zu reservieren. Die Region bietet in einigen Dörfern gute Unterkünfte. Wir übernachten in Tiantou, das sich gut von Dazhai aus erreichen lässt, wo auch die gelben Busse ankommen, die in der Longsheng Service Area starten. Zu den umliegenden Unterkünften gelangt man übrigens nicht mehr ausschließlich zu Fuß, wie einige Guide Books noch immer verbreiten, es geht auch bequemer. Bei unserer Ankunft in Dazhai erfahren wir, dass geländegängige SUVs gegen eine Gebühr von 150 Yuan uns Besucher bis an den Rand des Dorfes fahren, wo wir unterkommen.

Das erspart uns 40 Minuten Wanderung und vor allem den Transport des Gepäcks, das wir wohl von Trägern hätten hochschleppen lassen. Überraschenderweise ist Tiantou bereits stärker besiedelt, als wir uns vorstellen konnten. Gegenüber der Reisterrassen stapeln sich kleine Hotels, Läden und die üblichen gewerblichen Lokalitäten, die der Tourismus hervorbringt , dazwischen kleine Gehöfte und Wohnhäuser.

Wichtig für den Besucher: Essen, Schlafen und Versorgung sind kein Problem und sogar das Geldabheben geht inzwischen, nämlich am ATM, der in Dazhai eingerichtet wurde, direkt neben dem Terminal der Seilbahn.

Unsere Unterkunft liegt direkt am Rand der Reisterrassen. So haben wir schon beim Aufwachen grandiose Ausblicke. Das Wetter ist schlecht, trotzdem bietet die Landschaft unglaubliche Bilder.

Wer hier in Tiantou übernachtet, braucht eigentlich gar nicht weit zu gehen, drei berühmte Aussichtspunkte liegen direkt vor der Nase, nämlich „Thousand Layers to the Heaven“ und „Music from Paradise“.

Zusätzlich kann man natürlich wandernd die Region erkunden; passende Wege gibt es mehr als genug. Schwierigkeit dabei, das sagt jeder, ist die Orientierung, da leider Wegweiser so rar sind wie gerade der Sonnenschein. Wir planen eine Route, die uns über das Dorf Zhongliu zum Ausichtspunkt „Nine Draggons and Five Tigers“ führt, danach in den Ort Ping‘an. Dafür kalkulieren wir um die 3 Stunden. Unsere ursprüngliche Idee, die gleiche Strecke zurück zu wandern, geben wir unterwegs auf, da wir am selben Tag noch eine andere Sehenswürdigkeit besuchen wollen und die Zeit sonst nicht ausreichen würde.

Irgendwie fragen wir uns durch das kleine Straßengewirr und stoßen tatsächlich auf den Weg, der aus Tiantou herausführt, dann leitet uns maps.me weiter. Zur Sicherheit hängen wir uns für eine kurze Strecke an ein kleines Wanderteam mit einem Guide, von dem wir annehmen, dass er Ortskenntnisse besitzt. Der Weg durchs üppige Grün ist schmal, aber gut begehbar, da meist mit flachen Felssteinen gepflastert, so dass wir trockenen Fusses durch die Reisterrassen kommen. Es sind tolle Anblicke, die uns umgeben und das grafische Design der Landschaft, das durch die wellenförmig geschwungenen Reisfelder erzeugt wird, ist vor allem für Fotografen ein optischer Leckerbissen. Natürlich auch für uns Laien.

Zhongliu, das rund 4 km entfernt ist, erreichen wir nach 1,5 Stunden, aber natürlich nicht ohne Tribut. 3 Yao Frauen lauern an einer strategisch günstigen Stelle allen Wanderern auf. Keiner kommt an ihnen vorbei. Ihr Geschäftsmodell präsentieren sie kurz und knackig: „Kamera – Picture – Longhair Woman“. Das Honorar für die Fotosession beträgt pro Dame 10 Yuan. Dabei nehmen sie die Kopfbedeckungen ab und lassen wie chinesische Rapunzel ihr Haar herab. Bodenlang und aufgehübscht durch einige Schöpfe, die sie irgendwann einmal abgetrennt haben. Es ist Tradition, dass Yao-Frauen Zeit ihres Lebens das Haupthaar nicht kürzen, so wie es die Sikhs in Indien tun.

Voller Stolz und mit sichtlichem Vergnügen zeigen sie ihre Pracht, aber natürlich können wir auf unserem Weg nicht jede Longhair Woman ablichten und antworten bei weiteren Begegnungen mit dem Angebot: „ Picture with Nohair Man, 20 Yuan“. Damit werden wir in Ruhe gelassen.

Hinter Zhongliu heißt es noch einmal genau den Weg zu erfragen, da die Kartenansicht etwas diffus ist. Trotzdem klappt es, irgendein Auskunftgeber findet sich immer. Bis Ping‘an sind es dann noch 3,5 km über Wege, die ähnlich beschaffen sind wie am Anfang unserer Tour: Es geht bergauf, dann wieder abwärts. Für die schlüpfrigen Stellen sind wir inzwischen mit einem Bambusstab ausgerüstet, der einer Yao-Frau abgekauft wurde. Mit Sorgfalt und Trittsicherheit schaffen wir die Pfade ohne Ausrutscher. Dann taucht unser Zielort auf, der bombastische Aussichtspunkt „Nine Draggons and Five Tigers“. Solche Stellen sind in China meist gut ausgebaut, in diesem Fall mit viel Gastronomie und einem Shuttleservice, da viele ältere Besucher sich die Mühe des Auf- und Abstieges vom Dorf Ping’an zu den Reisterrassen ersparen.

Wir genießen die Aussicht, die wir im Vergleich nicht ganz so spektakulär wie in Tiantou finden, von wo wir hergewandert sind, und steigen über gut ausgebaute Treppen durch die spektakulären Reisfelder hinab in den Ort.

Unsere Idee ist, nun mit dem Taxi von Ping‘an nach Dazhai zu fahren. Nicht so einfach, wir sehen nur Privatwagen. In solchen Situationen ist es das Klügste, man spricht die lokalen Frauen an, die hier Verkaufsstände haben und einfach genial agieren, wenn es gilt, etwas zu organisieren. Tatsächlich schafft es so ein Weiblein, für uns einen Fahrer mit einem brandneuem SUV herbeizulotsen. Wir verabreden den Transfer für sagenhaft günstige 150 Yuan, da die Verbindung zum Zielpunkt über die Straße nur in einem langen Bogen zu machen ist. Den gelben öffentlichen Bus zu benutzen, raten wir ab, das würde nur mit Buswechsel funktionieren und nicht unter 2 Stunden zu machen sein.

Wir kommen nach 30 Minuten in Dazhai an und besorgen uns umgehend Tickets für die Seilbahn, zum Aussichtspunkt „Three Golden Buddha Peak“, Kosten pro Person 55 Yuan. Dort oben zeigt sich die ganze Pracht der Reisterrassen, die sich sogar vom schlechten Wetter nicht dämpfen lässt. Dass wir das nicht als Einzige so sehen, beweisen die vielen Besucher, die sich dort oben tummeln und natürlich der Lieblingsbeschäftigung aller Chinesen auf Reisen widmen, also Selfies und Gruppenfotos produzieren.

Von hier aus machen wir uns auf den Rückweg. Anfänglich gut ausgeschildert, fehlen mit einem Mal die Wegweiser und sogar maps.me scheint irritiert. Wir orientieren uns nun an der groben Richtung, wissen, dass wir genau gegenüber ankommen müssen. Tatsächlich schaffen wir es, vor Einbruch der Dunkelheit wieder in unserem Hostel zu sein, wo die Belohnung für diesen Aktivtag in Form eines eiskalten, einheimischen Bieres wartet, gefolgt von schmackhaftem chinesischen Essen.

Wer es „light“ will in den Reisterrassen, sollte überlegen, nicht in den hoch gelegenen Dörfern unterzukommen, sondern stattdessen eine Unterkunft in Dazhai zu buchen, von wo aus sich ohne Probleme Unternehmungen in alle Richtungen durchführen lassen, jederzeit Busse starten und das gastronomische Angebot noch ein bisschen breiter ist.

2 Gedanken zu „Longji – Dragon’s Backbone Rice Terraces

    • Hallo Ulrike,

      Danke für Deinen Besuch unserer Seite. Bei diesen Reisterrassen waren wir Ende Oktober, das Wetter war zwar suboptimal, aber diese Gegend ist eigentlich immer eine Attraktion, auch wenn der Betrachter in Regenjacke unterwegs ist. Wir schauen gleich mal in Deinen Bericht. So ein Vergleich über die Jahre hinweg hat was.

      Gruss Christiane und Aras

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