Petra

Reisender, kommst Du nach Jordanien, dann lasse einen Besuch der Felsenstadt Petra nicht aus, weil Dir sonst eine der wichtigsten kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten entgeht.

Man fährt ja auch nicht nach Kambodscha, um einen Bogen um Angkor Wat zu machen. Selbst wer mit dem Altertum wenig im Sinn hat, sollte bedenken, dass sogar Teile von Indiana Jones hier gedreht wurden. Hollywood verlässt nicht ohne Grund die Kulissen in Kalifornien. Und ist man unterwegs, die Liste der 7 neuen Weltwunder abzureisen, führt ohnehin kein Weg an Petra vorbei. Keine Frage, Petra gehört zum Weltkulturerbe, durch die UNESCO fein säuberlich dokumentiert.

Von Aqaba kommend sind wir 2 Stunden unterwegs, bis wir Wadi Musa erreichen, das Tal, das nach Moses heißt und vor langer Zeit Hauptstadt des Volks der Nabatäer war.

Die Archäologen wissen, nachdem Petra 1812 aus Jahrhunderte langer Vergessenheit erlöst wurde, inzwischen viel über die nabatäische Hochkultur. Was sie zusammengetragen haben, präsentieren sie im Museum, das dem archäologischen Park angeschlossen ist. Wir gönnen uns einen Rundgang und staunen, was vor 2.500 Jahren bereits zivilisatorisch, aber auch technisch möglich war. Und, soviel man weiß, auch soziologisch. Die Kultur der Nabatäer war in mancher Hinsicht fortschrittlicher als gegenwärtig manch anderer Staat in dieser Region.

Mit unserem Jordanpass betreten wir das Gelände mehrmals, ohne Tickets lösen zu müssen. Das spart pro Tag und Person rund 65 €. Rechnet man die Anschaffungskosten des Passes gegen seinen Nutzen, schreiben wir inzwischen sogar schwarze Zahlen. Abgesehen davon, Unterkünfte in Wadi Musa/Petra sind nicht billig. Wir übernachten an der Peripherie des Ortes, da Hotels im Zentrum, preislich betrachtet jenseits des Jordans liegen. Belohnt werden wir dennoch mit einem fantastischen Blick über die Stadt und den musealen Distrikt.

Von außen wirkt Petra wie eine große Steinformation. Nichts deutet darauf hin, was sich in den Felsen verbirgt. Vielleicht war genau das auch Absicht der Gründer, um damit relativ sicher vor Feinden zu leben und zu wirtschaften. Trotzdem blieben Konflikte mit Rom nicht aus, das sich schließlich die gesamte Region samt Petra einverleibte. Baulich hat das Petra nicht geschadet; die Römer haben vorhandene bauliche Substanzen erweitert und selbst genutzt. Als alles am schönsten war, kam hoher Besuch aus der Hauptstadt des Imperiums: Hadrian schaute in Petra vorbei.

Von außen wirkt Petra wie eine große Steinformation. Nichts deutet darauf hin, was sich in den Felsen verbirgt. Vielleicht war genau das auch Absicht der Gründer, um damit relativ sicher vor Feinden zu leben und zu wirtschaften. Trotzdem blieben Konflikte mit Rom nicht aus, das sich schließlich die gesamte Region samt Petra einverleibte. Baulich hat das Petra nicht geschadet; die Römer haben vorhandene bauliche Substanzen erweitert und selbst genutzt. Als alles am schönsten war, kam hoher Besuch aus der Hauptstadt des Imperiums: Hadrian schaute in Petra vorbei.

Von dem, was ursprünglich hier entstanden war, sind heute fast nur noch die in den Felsen gehauenen Konstrukte übrig geblieben. Viele Tempel und Wohngebäude wurden durch verheerende Erdbeben zerstört. Aber auch das, was heute noch zu sehen ist, ist immer noch höchst beeindruckend.

Das Besucherzentrum ist gut organisiert. Moderne Gebäude mit Ticketschaltern, Museum und Zugängen, die auch einen Andrang gut bewältigen. Wir sind mehrmals hier, setzen bei jedem Besuch spezielle Schwerpunkte, weil es recht ambitioniert ist, ganz Petra in einem eintägigen Durchrutsch erleben zu wollen.

Das Gelände ist weitläufig; bereits der Weg zur berühmten Schlucht beträgt 800 Meter. Man muss gut zu Fuß sein für die Besichtigung. Oder gut betucht, weil die langen Wege auch per Pferdekutsche oder auf dem Rücken eines Kamels oder Esels bewältigt werden können. Gegen Bares, versteht sich.

Händler sowie Kamel- und Eselsführer dominieren das gesamte Gelände. Besser wäre es, ließe sich das permanente Angequatsche mit einem einzigen prinzipiellen „NEIN“ kollektiv beenden. So aber müssen wir jedem, der uns seine Dienste aufdrängen will, freundlich erklären, dass wir sie nicht brauchen. Die Anmachsprüche, Lonely Planet nennt sie „humorvoll“, klingen nach geschätzten 500 mal anhören müssen eher abgeschmackt. Tatsächlich sind sie nachweisbar über die Jahre unverändert und werden wohl über Generationen vom Beduinenvater an den Erstgeborenen weitergereicht: „Want a taxi? Here is my Mercedes, Ferrari, with aircondition“… gleichzeitig deutet der erigierte Zeigefinger auf das Reittier oder die kleine Kutsche.

Dabei sind die Beduinen keine Langweiler. Viele Glamourboys sieht man, Kopien von Captain Jack Sparrow, oder war es eher umgekehrt, dass Johnny Depp sich seine Anregungen aus Jordanien geholt hat? Typen mit kunstvoll rasierten Bärten, Dreadlocks und pechschwarz geschminkten Augen, angetan mit malerischen, traditionellen Kostümen. Theatralisch wirken diese Typen, sie inszenieren ihren puppenhaften Auftritt perfekt und brauchen fürs Herausputzen sicher mehr Zeit im Beduinenbad als jede Beduinin.

Natürlich gilt unsere Hauptaufmerksamkeit der Anlage, einer genialen Synthese von unglaublich schöner Natur und genialer menschlicher Baukunst.

Der Siq, die Felsenschlucht, ist der Hauptzugang Petras. Sie ist an die 1.200 Meter lang und von hohen Felswänden umsäumt, die an manchen Stellen bis zu 80 Meter hochragen und den Himmel nur kurz durchblitzen lassen. Schattig ist es hier und man kommt aus dem Staunen nicht heraus.

Al-Khazneh, das Schatzhaus, ist die erste Station und gilt als schönstes Bauwerk der Anlage. Die riesige Fassade ist aus dem Berg gemeisselt und ausgezeichnet erhalten. Natürlich ist dies der Hauptanziehungspunkt für alle Besucher und daher herrscht auf dem Vorplatz ein reges Treiben. 

Kommt man aus den Felsengängen heraus, bietet sich als nächste Station der Hohe Opferplatz für eine Besichtigung an. Achtung, es geht steil bergaufwärts, über Treppen, die in den Felsen geschlagen sind. Einmal oben angekommen, haben wir ein tollen Ausblick auf das uns zu Füßen liegende Petra.

Die Fassadenstraße und das Theater erreicht man recht mühelos, indem man einfach dem Weg aus der Felsenschlucht heraus folgt. Die Nabatäer haben hier Gräber in den Fels gehauen, die zum Teil reich verziert sind. Auch das Theater ist nicht römischen Ursprungs, sondern nabatäische Kultur. Es soll zu seiner Zeit über bis zu 7.000 Sitzplätze verfügt haben.

Weitere Gräber, größer und noch prächtiger, einige davon mit beeindruckend großen Vorhöfen und Innenräumen, folgen. Auch hier geht es einige Stufen hoch, aber alles ist eher leicht als beschwerlich zu erklimmen.

Die Säulenstraße, die durch das Stadtzentrum von Petra verläuft, bringt uns zum Torbogen, dem Übergang zum Aufstieg ins Ad-Dier, dem am weitesten entfernten Besucherspot der Anlage.

Ad-Deir, das Kloster, ist über 800 Treppenstufen zu erreichen. Der Aufstieg dauert, je nach Kondition, zwischen 30 und 60 Minuten. Der Weg ist wunderschön und bietet prächtige Ausblicke auf das Gelände. Das Kloster, das wir am Ende erreichen, wirkt riesig und majestätisch. Wenn man noch Kraft hat, geht es weiter zu einem etwas höher liegenden Aussichtspunkt, oder man verweilt in einem der Lokale und gönnt sich einen Kardamonkaffee.

Viel haben wir in den beiden Tagen unseres Besuches sehen können. Wer sich unsere Bilder anschaut bemerkt, dass es auch Nachtaufnahmen gibt, die natürlich wie alles andere hier, von uns stammen. An manchen Abenden wird das archäologische Gelände nach Einbruch der Dunkelheit geöffnet. Nachtwanderungen sind ja auf der ganzen Welt populär, und so bewegen wir uns an einem dieser Abende zusammen mit einer limitierten Anzahl von Petra-Bewunderern vorbei an 1.500 Kerzen, die für uns aufgestellt wurden, zum Schatzhaus. Dort erwartet uns eine kleine, sehr stimmungsvolle Candlelight-Zeremonie, bevor es, noch immer im Kerzenschein, durch die nächtliche Schlucht zurückgeht.

Petra, wie wir es erlebt haben, gehört zu den großen Wundern, die man sehen sollte, wenn man die Welt bereist. Allein dieser Besuch lohnt einen Aufenthalt in Jordanien.

Thematisch gut zur großen Felsenstadt Petra passt der Besuch ihrer kleinen Schwester, Little Petra „Siq el Barid“. Den Tipp haben wir aus dem Reiseführer. Wer nach einem strengen Zeitplan unterwegs ist, braucht sich nichts vorzuwerfen, wenn er das kleine Petra auslässt, wer mehr Zeit hat, möge es besuchen. Der Ort liegt ca. 10 km entfernt vom Visitor Center und ist gut mit dem Auto zu erreichen. Die Zufahrt ist beschildert und anders als bei der großen Namensschwester braucht man sich keinen Kopf zu machen, wo man das Auto abstellt, Parkplätze gibt es dort wie Sand in der Wüste.

Felsenstadt im kleinen, trifft es wohl am besten, will man diesen Ort beschreiben. Im Prinzip folgt der Zugang ebenfalls durch eine Schlucht, die hier allerdings keine 1.200 sondern vielleicht 40 Meter lang ist. Einige Nabatäer Tempel sind zu sehen, ohne römische Ergänzungen. Die Hallen der in den Felsen gehauenen Konstruktionen sind geräumig aber leer. Eine der Decken ist mit feinen Malereien verziert und ist die einzige, noch erhaltene, bildnerische Darstellung der nabatäischen Kultur. Das begehbare Gelände ist etwa 400 Meter lang.

Am Ende führt eine steile Treppe zu einem Aussichtspunkt, der zwar nicht der spektakulärste des Nahen Ostens ist, aber dennoch ein ruhiges und durchaus schönes Panorama öffnet. Sogar in dieser Abgeschiedenheit gibt es Verkaufsstände. Wir haben zwei ältere Weiblein vorgefunden, die das übliche Sortiment anbieten: Münzen, Schmuck, Tücher. Die Besichtigung ist übrigens kostenfrei. Am Eingang wird zwar gefragt, ob man ein Ticket für Petra habe, aber kontrolliert wird nichts, das wäre denn doch zu viel des Aufwandes.

Wie wir hierher kamen und wie es weitergeht

Amman  –  Jerash  –  Aqaba  –  Wadi Rum  –  Totes Meer  –  The Kings Highway  –Östliche Wüste

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