Cameron Highlands

Reisetipps Malaysia, begleitet uns in die Cameron Highlands

Mitten in den Tropen ein Gebiet finden, das Abkühlung verspricht? Überdies eine Gelegenheit zum Wandern, ohne im eigenen Schweiß zu ertrinken? Ja, so etwa gibt es in Malaysia, wo wir gerade unsere Aktivitäten nach dem Stand der Sonne ausrichten. Es ist heiß, schwül und feucht. Im Grunde genommen kaum ideal für lange Besichtigungen, die oft in Regenschauern enden. Trotzdem machen wir die Touren durch Städte wie George Town, denn wer weiß, ob und wann wir das wiederholen können.

Die Idee, Malaysia außerhalb seiner urbanen Regionen kennenzulernen gefällt uns beiden. Und natürlich ist es kein Zufall, dass wir in Ipoh halt machen. Schon deshalb, weil sich dort eine ideale Verbindung zu den Cameron Highlands ergibt, die wir nutzen wollen.

In Erwartung, eine Hillstation vorzufinden, wie wir sie aus Indien kennen, beschließen wir, einige Tage in Tanah Rata zu verbringen. Wir müssen dazu sagen, dass unser Aufenthalt in die Zeit des chinesischen Neujahrsfestes fällt und damit von vorne herein klar ist: Es wird nicht beschaulich werden.

Tatsächlich ist bereits die Anfahrt alles andere als normal. Nicht länger als 2, höchstens 2,5 Stunden braucht der Bus von Ipoh, sagt man uns. Heute sind wir 5 Stunden unterwegs. Die Landschaft in den Hügeln entspricht unseren Erwartungen, mit viel Grün und bergigen Panoramen. Enttäuschend ist die dichte Bebauung. Zu viele Ferienanlagen reihen sich an der Zufahrtsstraße auf und immer wieder gewerbliche, bombastische Komplexe: Garten- und Obstbetriebe, Schmetterlingsfarmen. Eigentlich kaum überraschend, weil die Highlands im Grunde genommen der Gemüsegarten Malaysias sind. Das Klima ist ideal um alles, was sich für den menschlichen Verzehr eignet, anzubauen. Und weil es so praktisch ist, versorgt sich jeder Besucher beim Erzeuger mit Obst und Gemüse. Bis sich schließlich vor den Verkaufszentren der Verkehr staut und nichts mehr geht.

Tanah Rata, ein fast indisch anmutender Ort

Unser Zielort Tanah Rata liegt rund 1.500 Meter hoch und entpuppt sich als ein typisch kommerzialisierter Ferienort. Entlang einer langen Hauptstraße reihen sich Restaurants und Kitschläden. Dazwischen drängeln Touristen. Erste Zweifel kommen auf, ob es gut war, herzukommen. Immerhin waren wir clever genug, unsere Unterkunft etwas abseits der Hauptstraße zu buchen. So bekommen wir den Hardcore-Rummel nicht direkt mit. Tatsächlich ist unser Hostel trotz Vollbelegung recht gemütlich und obendrein in professionellen Händen. Wie viele der Einwohner in dieser Region haben die Eigentümer indische Wurzeln. Keine Sorge, das sorgt nicht etwa für Chaos. Im Gegenteil. Wir lernen die indischen Geschäftsleute in diesen Tagen als kompetent, fleißig und vor allem als effizient zu schätzen. Sie halten während des Neujahrsfestes die Dinge am Laufen. In ihren Restaurants produzieren sie schnell und gut Mahlzeiten, halten immer eisgekühltes Bier bereit und backen wie am Fließband Rotis und Naan-Brote. Das Gebäck ist so gut, dass wir sogar beim Inder frühstücken. Vorzugsweise in einem günstigen Lokal in der zweiten Reihe.

Auch unser Hostel-Wirt ist indischer Abkunft und kennt die Gegend, in der er ja aufgewachsen ist, wie seine Westentasche. Nützlich für uns, denn wir haben vor, die Hills zu erkunden. Er empfiehlt uns eine Tour und kann mit vielen praktischen Wandertipps aufwarten.

Empfehlenswerte Aktivitäten in der Region

Die bekannteste touristische Attraktion sind der Mossey Forest und in seinem Schlepptau der Besuch einer Teeplantage. Jeder zweite Laden bietet dieses Paket an. Die Preise mögen unterschiedlich sein, aber am Ende bekommt jeder das gleiche. Nuancen ergeben sich etwa bei der Gruppengröße, beim Komfort der eingesetzten Fahrzeuge, der Dauer einer Tour und schließlich bei der Qualität des Guides. Keine Frage, die sprachkundigen Führer bekommen ein höheres Honorar. Unser Rat: Erwartet nicht zu viel, wählt einen Anbieter, der sympathisch auftritt, vergleicht die Preise und wählt die Mittelklasse. Wer mehr erleben will, macht es ohnehin anders, aber dazu später mehr.

Die Teilnehmer einer Tour werden in aller Regel vom Hotel abgeholt. Die Jeeps kommen morgens kurz vor 8:00 Uhr zu den Unterkünften, wo man abfahrbereit wartet. Trinkwasser sollte man dabei haben. Vielleicht auch einen Snack für mittags. Aber eigentlich braucht es den nicht. Wie immer, wenn man in den Hills unterwegs ist, macht eine Regenjacke im Tagespack viel Sinn.

Im Mooswald

Begleitet werden wir von Raju, einem sprachgewandten Guide, der eine Menge über Botanik weiß. Denn das ist das Hauptthema bei diesen Touren. Es geht um einen besonderen Regenwald, der hier im Hochland noch in seiner ursprünglichen Form erhalten ist. Der Mooswald liegt ein gutes Stück entfernt und etwas höher als Tanah Rata, nämlich auf knapp 2.000 Metern über dem Meeresspiegel. Was dann zu Fuß erkundet wird, ist für uns zwar körperlich kaum eine Herausforderung, intellektuell dagegen umso mehr. Ehrlich, wir bringen kaum Wissen über diese Form des Regenwaldes mit und was uns Raju darüber erzählt klingt recht ambitioniert. Er erklärt alles, zeigt uns die Gewächse des Dschungels und benennt sie. Dazu hat er interessante Details zu erzählen.

Kurzum der Rundgang ist recht anspruchsvoll. Dann entlässt er uns auf den cirka 600 Meter langen Bohlenweg, der durch ein Teilstück des Mooswaldes führt. Von hier haben wir noch einmal prächtige Ausblicke. Sogar eine Perspektive mit Blick auf Ost und West Malaysia, zu beiden Seiten des Grats, der hier die geografische Grenze darstellt.

Abwarten, Tee trinken und loswandern

Nach diesem Besuch hätte die Tour thematisch eigentlich beendet sein können. Allerdings schließt sich wohl jedesmal der Ausflug zur Teeplantage an. Keine Frage, der Anblick von Anpflanzungen ist immer eine Besichtigung wert. Was es bringt die Fabrikationsanlagen von BOH zu erkunden, wird sich zeigen. Die Firma Best Of Highlands ist größter und bekanntester Produzent von malaysischem Schwarztee, ein Traditionsunternehmen, das vor rund 90 Jahren gegründet wurde. Bereits bei der Anfahrt wird deutlich: Heute wird es eng. Parken, aussteigen und erst mal anstellen. Und zwar in einer Warteschlange, die in einem großen Aussichtsraum endet. Sie führt vorbei an einer Theke, dort gibt man seine Bestellung auf. Hauptgetränk ist Tee, dazu eine Auswahl von Kuchen. Wer nun denkt, die Verköstigung sei umsonst irrt. Jeder bezahlt seinen Obolus selbst. Das ist weder in den Gebühren für die Tour enthalten, noch als Einladung des Teeherstellers zu verstehen. Egal, wir machen mit, was hier offenbar zur Standardprozedur gehört, genießen den Ausblick und finden uns wieder beim Jeep ein.

Deutlich unterfordert, weil wir unter dem Programmtitel “Trekking” mehr Bewegung erhofft haben, als abgefordert wird, beschließt unsere kleine Gruppe, einen Teil des Weges zurückzuwandern. Sogar die Australo-Inderin Indira und ihre Tochter schließen sich an. Dazu bitten wir unseren Guide, uns kurz nach Brinchang am Golfplatz abzusetzen. Jeder Fahrer kennt diese Stelle. Von dort aus wandern wir den Trail No. 4 und  folgen wir den Wegweisern und sind nach 45 Gehminuten zurück in Tanah Rata.

Diese schöne Wanderung lässt den Entschluss reifen, ein längere und anspruchsvollere Tour zu versuchen.

Über Trails in den Dschungel

Wandertouren in die Umgebung heißen hier Trail. Mit Papa, unserem Wirt, besprechen wir die Alternativen und wählen den Trail No. 9.

Der Startpunkt lässt sich leicht finden, er ist ausgeschildert. Dann folgen dem Fluss über die Straße “Persiaran Dayang Indah”, vorbei am Parkplatz “Mardi”. Dort, wo der Fluss nach rechts biegt, sehen wir auch schon einen Wegweiser zu den „Robinson Falls“, der liegt auf unserer Strecke. Achtung, nun muss der Fluss über den Weg vor der Pflanzenhandlung überquert werden. Dann stehen wir unvermittelt im Dschungel. Wir sind baff, wie schnell man hier die Zivilisation hinter sich lässt. Bei der Planung unserer Wanderung hat man uns übrigens vor Hunden gewarnt. Tatsächlich begegnen wir nun einem alten Mann mit 2 größeren Mischlingshunden und einem Welpen. Offenbar gehört er zu den Ureinwohnern, den Orang Asli. Er wirkt anders als die Menschen die wir bisher gesehen haben. Die Tiere agieren angriffslustig und wir bewaffnen uns mit einem großen Ast. Dem einzigen übrigens weit und breit, denn Holz, das hier herum liegt, beginnt sofort zu modern und zerbröselt leicht. Der Alte hält einen der Hunde fest, der andere verpieselt sich, als er den Stock sieht. Im respektvollen Abstand passieren wir uns.

Dann sind wir allein. Wir lassen die Pflanzenwildnis auf uns wirken und kommen immer tiefer in den Urwald. Nach 30 Minuten erreichen wir den Wasserfall. Nicht spektakulär, aber trotzdem sehr schön anzusehen. Nun folgen wir bei einer Gabelung dem linken Pfad, Trail No. 9a. Die Abzweigung 9b ignorieren wir. Es wird abenteuerlicher, der Weg schmaler und umgestürzte Baumstämme behindern das Vorankommen. Wir müssen über modriges Holz klettern oder drunter durch kriechen. Wilde Bananenstauden, Riesenfarne und mächtige Bäume um uns herum. Ab und zu versuchen wir, mit maps.me die Richtung zu bestimmen. Aber es gibt keine Abzweigungen mehr, nur den Pfad.

Pfade, nicht immer ganz einfach

Wir sind wohl 1,5 Stunden unterwegs, als die Warnung auftaucht. Auf ein Stück Plastikfolie gekritzelt, in einen Baum gehängt: „Achtung, ab jetzt wird der Abstieg recht schwierig.“ Wir versuchen es trotzdem. Jetzt umkehren, wäre keine gute Lösung. Es wird schwierig und abschüssig und rutschig, Bäume liegen quer über dem immer schmaler werdenden Pfad, das Dickicht wird dicker. Gut, dass der Hundeabwehrstock noch dabei ist, zum Abstützen ist der ideal. Irgendwie schaffen wir es und landen ziemlich verdreckt und zerzaust nach einer gefühlten Ewigkeit in einer Plantage.

Geschafft! Pech nun aber: Im Eifer der Orientierungssuche ist maps.me verschwunden. Über google.maps finden wir immerhin heraus, dass die Autostraße, die wir nach einer halben Stunde Fußmarsch auf kleinen Wegen erreichen, knapp 10 km Umweg bringt. Natürlich könnten wir wieder in den Dschungel, vielleicht sogar einen Einstieg über den Abzweig zum Pfad No. 9b finden. Aber, ob das Wetter halten wird? Und was wird aus den Wegen bei Starkregen?

Auf gut Glück stellen wir uns an den Straßenrand und versuchen zu trampen und tatsächlich stoppt ein schäbiger Kleinbus, der uns mitnimmt. Ausgerechnet ein Durian-Lieferant, der seine Ware zustellt. Egal, nur weg. Der Fahrer ein 69-jähriger Muslim, berichtet stolz von seinen beiden Frauen, während aus den schrottigen Lautsprechern Techno dröhnt und von der Ladefläche hinter uns das Aroma der Stinkfrucht unsere Nasen erobert. Alles ist seltsam und wird wohl seinen Sinn haben. Wohlbehalten zurück in Tanah Rata denken wir noch lange über diesen Ausflug der Dritten Art nach.

Einige Tage später verabschieden wir uns von den Cameron Highlands. Ganz positiv behalten wir übrigens die tollen Kontakte im Gedächtnis, die sich im Hostel ergeben haben. Auch das muss erwähnt werden.

George Town, Ipoh,  Kuala Lumpur, Malakka,

oder zur Insel Pulau Langkawi

in 2 Wochen durch Malaysia

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