George Town

Reisetipps George Town , Weltkulturerbe Malaysias

Eine malaysische Stadt, die ganz oben auf unserer Agenda steht. Unser Reisetipp George Town auf der Insel Penang. Immerhin teilt sich die Stadt auf der Insel einen Eintrag als UNESCO Weltkulturerbe mit Melaka im Süden des Landes. Das macht uns neugierig. Außerdem reisen wir über Land, von Thailand kommend ein. Das passt hervorragend zu unserer Reiseroute. Um das Fazit gleich vorwegzunehmen: George Town ist eine Stadt, die man sehen muss, weilt man in Malaysia, und 2 Tage sollte man schon an Zeit für sie einplanen.

Was sich sofort einprägt ist die Fahrt über die beeindruckend 13,5 km lange Penang Bridge, eine von zwei Brücken, die Penang mit dem Festland verbinden. Die längste Brücke Deutschlands misst übrigens gerade mal ein Drittel davon. Mit Reisetipp George Town haben wir zum ersten Mal seit Wochen wieder Großstadtboden unter den Füßen. Uns erwartet: moderne Infrastruktur, kunterbunte Kultur und ehrwürdige Traditionen, eben all das, was malaysische Städte zu bieten haben. Und mancherorts kommt als Sahnehäubchen sogar ein gutes Stück Natur dazu.

Unser Hotel in der Chulia Street liegt ganz nah an „Little India“ und „China Town“, den Quartieren, die uns am meisten interessieren. Sehenswürdigkeit sind hier nicht herausragende Monumente sondern das gesamte Paket aus urbaner Kultur, ausgeprägten ethnischen Einflüssen und Streetlife, mit einer Atmosphäre die einfach fesselt: lässige Unordnung, Geschäftigkeit von Garküchen, gebettet in eine Geräuschkulisse wie in Dehli, und den gewissen Mix aus globalen und lokalen Spezialitäten.

Wenn man durch die Stadt schlendert ..

… findet man zahlreiche wirklich gut erhaltene Bauwerke aus der Zeit der britischen Herrschaft. Doch das kulturelle Erbe der Stadt hat noch mehr zu bieten. Moscheen, hinduistische Tempel und christliche Gotteshäuser sind nur ein Beleg der bewegenden und eindrucksvollen Vergangenheit dieser Stadt.

Dank der Registrierung als Weltkulturerbe darf die Bausubstanz in den historisch erhaltenswerten Vierteln nicht mehr verändert, sondern nur noch restauriert werden. Ein Schutz, der im Fall unseres Reisetipps George Town verhindert hat, dass Altes plattgemacht und die Grundstücke für den Bau von Hochhäusern aufbereitet werden. Anstelle von Neubauten werden nun die maroden Gebäude sorgfältig wieder hergerichtet. Wieweit es dabei gelingt, den jetzigen Charme des Viertels zu erhalten, wird sich zeigen. Wo heute noch Handwerker arbeiten oder alteingesessene Händler ihre Geschäfte machen, könnte vielleicht morgen schon ein Hotel oder ein Andenkenladen einziehen.

Aber wir wollen nicht über die Zukunft spekulieren, sondern Gegenwart beschreiben. Über kurz oder lang macht die nämlich aus allen Besuchern das gleiche: Jäger von Wandbildern. Die Murals, wie sie auch genannt werden, sind inzwischen über die Grenzen von George Town bekannt. Nicht nur geduldet, sondern gezielt gefördert, sind ihre Standorte sogar im Stadtplan vermerkt. Zuerst eher zufällig, dann im Rahmen einer einstündigen Rikshawfahrt, für die wir gerne 40 Ringgit bezahlen, und weiteren vertiefenden Exkursionen, stöbern wir sie auf. Nach einigen der Straßengemälde muss man lange suchen und es fühlt sich an wie eine Schnitzeljagd.

Streetart in George Town

Wie eingefleischte Sammler freuen wir uns, wenn wir Werke von „Zach“ entdecken. Dahinter steckt Ernest Zacharevic, ein junger Künstler aus Litauen, der mit der Straßenkunst in George Town im Jahr 2012 begann und seine Kreationen mit diesem Tag signiert. Interessant ist seine Technik. Die meisten Werke enthalten neben der bildhaften Darstellung konkrete Objekte und beziehen so den Raum als 3. Dimension mit ein. Bei dieser brillanten Street Art, wie beispielsweise “Brother and Sister on a Swing” oder “Boy on Motorcycle” kann man dann selbst als Teil des Werkes stattfinden und sich mit auf die Schaukel oder das Motorrad setzen. Eines der beliebtesten Fotomotive in George Town ist “Kids on Bicycle”, das täglich viele Besucher anzieht

Einige seiner Murals sind so bekannt, dass sie auf T-Shirts, Postkarten, Taschen gedruckt werden und natürlich auf die unvermeidbaren Kühlschrankmagneten. Das schafft eine gewisse Erinnerungskultur, denn die Originale, an denen bereits sichtbar Zeit, Klima und unzählige Berührungen Spuren hinterlassen haben, sind nicht für die Ewigkeit angelegt. Straßen sind eben keine musealen Schutzräume.

Auf längere Halbwertzeiten deuten dagegen die unzähligen geschweißten Metallskulpturen hin, die an bestimmten Orten angebracht sind, zusammen mit einer passenden Beschreibung die zweisprachig Antwort gibt auf das Warum, Wieso, Weshalb des Werkes.

Little India und China-Town, koloniale Quartiere in der Altstadt

Die farbenfrohe Präsenz, mit der George Town alle Sinne anspringt, lässt sich schwerer beschreiben als erleben; sie findet einfach statt. Idealer Anlaufpunkt um einzutauchen, ist die Gegend um die Armenian Street. Dort lässt man sich am besten treiben, erforscht die kleinen Nebenstraßen oder stöbert sich durch die Läden.

Kaum zu verfehlen ist die “Love Lane“, die angeblich so heißt, weil früher reiche chinesische Geschäftsmänner dort ihre Konkubinen unterbrachten. Heute beherbergen die alten chinesischen Shophouses viele Backpacker Hotels, trendige Cafés und Bars.

Nicht in dieser Form erwartet, aber gerne erlebt, ist die freundliche Offenheit, der Menschen. Und was den Glauben angeht: Religion, ja, die ist öffentlich gegenwärtig. Aber genau so real sind Hot Pants und der Bierausschank neben der Moschee. Während der Muezzin palavert, zischen etwas weiter in den Foodcourts die Kronkorken, ohne dass es zum Crash mit Fundamentalisten kommt. Und das ist gut so.

Es gibt natürlich auch außerhalb der Altstadt interessante Anlaufpunkte,

… die Touristen sehen sollten. Etwa die ehrwürdige Town Hall George Towns und die City Hall. Prächtige Gebäude im Kolonialstil. Von hier aus gehen wir weiter an der Uferseite bis zum Fort Cornwallis und weiter ins Bankenviertel.

Dann einfach dem Verlauf der Straße folgend, vorbei an den Piers der Fähren gelangt man zu den Jetties, lange Holzstege, die ins Meer hineinragen. Das sind gute Aussichtspunkte, die jeden Fotografen erfreuen oder einfach Spaß machen, weil dort immer etwas los ist und am Eingang auch Märkte stattfinden. Schon mal dort, sollte man auch die weniger spektakulären Stege besuchen, die aus kleinen, pittoresken Wohnvierteln mit Stelzenhäusern herausführen.

Gleich gegenüber der Jetties befindet sich mit dem CF Night Foodcourt eine der größten Ansammlungen heimischer Gastronomie unter einem Dach. Essen ist durchaus preiswert, teurer ist nur das Bier, das in Malaysia höher besteuert wird, als in den Nachbarländern.

Kek Lok Si,  größte buddhistische Tempelanlage Malaysias

Eine Stadt in Asien ohne Tempel ist kaum vorstellbar. Natürlich hat auch George Town seine sakrale Sehenswürdigkeit, den „Kek Lok Si“, eine chinesisch-buddhistische Kultstätte, die größte ihrer Art in Malaysia. Begonnen wurde mit ihrem Bau im Jahr 1890, als der Staat Malaysia noch nicht existierte. Aber gebaut wird eigentlich immer noch und zurzeit sind Erweiterungen in Arbeit, mit dem Motto: höher, größer, weiter. Man will den Besuchern offenbar immer mehr bieten. Mit dem Taxi lassen wir uns zur Anlage bringen, die etwa 7 Kilometer außerhalb liegt. Dafür bezahlen wir 35 Ringgit. Billiger wird es mit Grab sein, das wir erst später installiert haben. Schon am frühen Vormittag ist der Andrang stark; die Straßen um den Tempelbezirk sind verstopft. Wir steigen aus, gehen den Rest zu Fuß. Der Zugang zum Komplex ist problemlos zu finden. Noch simpler ist es, einfach jemand zu folgen, von 1.000 Leuten, die hier unterwegs sind, wollen 999 zum Tempel.

Wer will, kann mit einer Gondel in die höheren Etagen des Tempelkomplexes fahren.

Wir wählen den interessanteren Aufstieg zu Fuß, der durch Einkaufspassagen führt und natürlich in einen Shopping-Bereich mündet. Dort werden mit dem üblichen Sammelsurium an Devotionalien Umsätze generiert. Die Standmieten bilden wohl neben den Spenden eine Haupteinnahme der Gemeinde und finanzieren u.a. die baulichen Erweiterungen des Tempels. Über mehrere Etagen erstrecken sich im Inneren der Anlage Schreine und Nischen mit geschmückten Buddhas und Darstellungen aus der chinesischen/buddhistischen Geisterwelt. Dazwischen Gärten, frische Blumen und Bäumchen, behängt mit bunten Bändern, die Glück, Wohlstand, Gesundheit und Erfolg bringen sollen. Aberglaube hin oder her, wir befestigen auch einige Bändchen… Wer weiß wofür es gut ist und schaden wird es kaum.

Ob der Kek Lok Si Tempel für Schönheit oder sakralen Kitsch steht, mag jeder für sich entscheiden. Aber keine Frage, die Aussichten von den oberen Ebenen sind ein säkularer Augenschmaus und recht spektakulär.

George Town? Gerne wieder. Man darf gespannt sein, wie es dort weitergeht.

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2 thoughts on “George Town

  1. Wieder sehr schön und ausführlich beschrieben. Reich bebildert was Lust auf selbst anzuschauen macht. Ihr ward deutlich akribischer was die streetart angeht. Denn manche Sachen die im Bericht erwähnt sind habe ich nicht gesehen.

    P.S. Hoffentlich war mein Kommentar über die Toiletten in Goa nicht zu unappetitlich. Sorry wenn das doch so gewesen sein sollte. Lg

    • hallo Wolfgang,

      Du hast doch das unappetitliche Verhalten recht subtil beschrieben, einen wohlwollenderen Kommentator können sich die Säue doch gar nicht wünschen.

      Gruss

      Christiane & Aras

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