Mandalay und Umgebung

Rudyard Kipling, Mandalay:
By the old Moulmein Pagoda, lookin’ eastward to the sea,
There’s a Burma girl a-settin’, and I know she thinks o’ me;
On the road to Mandalay,
Where the flyin’-fishes play …..
 

Wir finden sie zwar nicht, die fliegenden Fische, spüren aber die Atmosphäre, die Kiplings Gedicht immer noch vermitteln kann. Etwas ist anders hier als in Yangon. Das herauszufinden und zu beschreiben, wollen wir versuchen. Am Ayarwaddy River, auf den wir hinunterblicken, ist die Zeit stehen geblieben. Über eine der endlosen Straßen, die 29., sind wir vom Hotel hinunter gewandert; die Distanzen dieser weitläufigen Metropole wieder einmal falsch einschätzend.

Orientalischer, ärmer, farbiger und viel geruchsintensiver wirkt die Gegend am Fluß. Obwohl Fremde, fühlen wir uns nicht wie Eindringlinge, die Menschen suchen den Blickkontakt, lassen uns wissen, dass wir willkommen sind.

Urige Lastwagen, wie aus einem Mad-Max Film, die bei uns nicht Könige der Landstraßen, sondern Barone der Schrotthalden wären, fuhrwerken herum. Grobe Kisten, unförmige Ballen werden verladen. Wir sind an einem Umschlagplatz für alle möglichen und unmöglichen Waren, stapfen durch Sand und Dreck, an räudigen Hunden vorbei, den Viewpoint suchend. Den Ort am Fluss, wo – laut Stefan Loose – die Sonne am stimmungsvollsten im Westen verschwindet. Rot glühend wie sie es nur in Mandalay vermag.

Hier am Wasser schlägt das Herz der Stadt, die sich der Symmetrie ihres Straßenplans zum Trotz als eine zerrissene präsentiert. Natürlich wollen wir alles sehen, was jemand, dem gerade einmal 5 Tage zur Verfügung stehen, kennenlernen kann. Ohne in Hektik zu verfallen und gelassen zu bleiben, wie ein Birmanen.

Die Weitläufigkeit Mandalays zwingt uns, umzudisponieren. Mal eben zu Fuß von einer Sehenswürdigkeit zur anderen zu spazieren, funktioniert hier nicht. Anfangs versuchen wir es, passen uns schließlich den Verhältnissen an. Da ist zum einen die ölige, Abgas geschwängerte Luft, traurige Realität in einer Welt, wo sich Katalysatoren und strenge Umweltauflagen für stinkende Dieselfahrzeuge nicht mal eben per Dekret umsetzen lassen. Du bist keine Stunde unterwegs, da verkrampft deine rosige, westliche Lunge. Nach 2 Stunden dieser vollen Dröhnung driftet dein Organismus in eine Zwischenwelt, die wohl dem Zustand der Betelkauer entspricht. Ein anderes Manko sind die fehlenden Bürgersteige. Die könnten, gäbe es sie, dem Fußgänger ein sicheres Reservat verschaffen, in diesem Wahnsinnsverkehr. Keine Frage, die Technik solche Straßen zu überqueren, beherrschen wir, aber den damit verbundenen Stress mögen wir nicht.

Wir sind flexibel, mutieren zu Rücksitzhockern auf kleinen Motorrädern von Boys, die Beförderung gegen geringes Geld anbieten. Damit schlagen wir jedes Taxi, solange wir in der Innenstadt unterwegs sind. Nehmen in Kauf, von betelkauenden Jungs durchs Gewimmel chauffiert zu werden und lächeln nur milde, wenn der mal seinen rechten Flipflop verliert, um das kostbare Stück vor Weiterfahrt wieder aus dem Verkehr heraus zu angeln.

Die meisten Punkte auf unserer endlosen „to see“-Liste für Mandalay lernen wir auf diesem Weg kennen.

Königspalast

Das Zentrum der Stadt besetzt der Palast. Eine Replik zwar, das Original fiel im Krieg den Bomben zum Opfer. Der quadratische Komplex 2 x 2 km , ist von einem Wassergraben und hohen Mauern umgeben. Als Ausländer, der in Downtown unterkommt, hast Du Pech. Das einzige Tor, das für Touristen geöffnet ist, liegt am entferntesten Punkt. Dort gibt es auch die 5-Tage Tickets, die zum Eintritt in diverse kulturelle Sehenswürdigkeiten berechtigen. Sinnvoll, wenn man nachrechnet, was die verschiedenen Einzeltickets kosten würden. Der Palast wird bewacht, als würde dort noch ein Potentat herrschen. Es gibt keinen Monarchen mehr in Myanmar, aber die Ernsthaftigkeit der Einlasskontrolle lässt vermuten, dass man den Soldaten diese Wahrheit verschweigt. Der Pass wird hinterlegt, Namen werden notiert, 4-Augen-Kontrolle, dann sind wir drin. Der Innenbereich hat den Charme einer Kaserne, MPs regeln den spärlichen Verkehr. In der Mitte des Komplexes erhebt sich das eigentliche Palasttor. Imposant, aber leblos. Wie alles, was sich hinter dem Eingang auftut.

Alle Gebäude sind LEER, bis auf eines, in dem ein königliches Bettgestell steht. Wer über enorme Vorstellungskräfte verfügt, sich auszumalen, wie all die properen Gebäude wohl mit birmanisch-royaler Innenausstattung einst aussahen, kommt voll auf seine Kosten. Ansonsten bleibt die Besichtigung ein harmloser Rundgang, gut gemeint, aber da geht noch mehr.

Shwenandaw Pagode

Diese Pagode besteht fast vollständig aus Teakholz, was früher eigentlich Standard war. Die Bauweise erlaubt es, ein Gebäude in alle Einzelteile zu zerlegen und wieder aufzubauen. Für Puzzlefreunde mag das die ultimative Herausforderung sein, dieser Pagode hat es jedenfalls die Existenz gesichert. Ursprünglich im Palast angesiedelt, wurde die Pagode zum richtigen Zeitpunkt auf Anordnung des Königs zerlegt, beim Kloster Shwenandaw wieder zusammengesetzt und konnte so die verheerenden Bombardements im zweiten Weltkrieg überstehen. Die kunstvollen Schnitzereien an den Wänden und im Innenbereich sind eine Besichtigung allemal wert, verschaffen sie doch einen lebendigen Eindruck, welche Pracht in den königlichen Einrichtungen früher einmal hier geherrscht haben muss.

Atumashi Pagode

Schon einmal hier, besichtigen wir auch die gegenüberliegende, große Andachtshalle des Atumashi Klosters. Die Rekonstruktion des Baus mit seinem, auf mächtigen Säulen ruhenden Dach beeindruckt hauptsächlich durch seine weiten Dimensionen. Ansonsten ist das, was wir sehen, äußerst schlicht gehalten.

Kuthodaw Pagode – größtes Buch der Welt

Erbaulich ist unser Besuch der Kuthodaw Pagode. Moderner und farbiger geht es hier zu. Um den Pagodenbau befinden sich 1774 kleine, weiße Stupas, die im Kontext das größte Buch der Welt bilden.

In jedem Stupa befindet sich nämlich eine in Marmor gravierte Seite des Kommentars zu einem buddhistischen Kanon, dem Tipitaka. Das muss man nicht wissen, wir haben es natürlich nachgeschlagen. Auch mit dem Lesen tun wir uns schwer. Die Schriftzeichen haben nicht im entferntesten Ähnlichkeit mit Schriften, die wir kennen. Schön anzusehen allemal, aber ein systematisches Lesen des“biggest book“ ist nicht unser Ding. Gleichwohl möchten wir wetten, dass sich genügend buddhistische Kundige finden lassen, die sich bereits an den Texten ergötzt haben. Zeit ist ja kein Problem in Myanmar.

Mahamuni Pagode

Nein, nicht dem Ruf des Goldes folgen wir, sondern echtes, kulturelles Interesse treibt uns, die große Mahamuni Pagode aufzusuchen. Sie ist eine der wichtigsten spirituellen Zentren für die Gläubigen Myanmars, gut frequentiert, prachtvoll ausgestattet und ja, in der Mitte befindet sich eine große Buddha-Statue, die als solche nur noch an ihrem Haupt erkennbar ist, weil der Rest unter güldenen Knubbeln verschwindet. Was wir im Kleinen am Inle See gesehen haben, hier wiederholt es sich, überdimensional. Unzählige Blättchen pures Gold wurden auf die Figur aufgebracht, die Goldumantelung wird auf wenigstens 15 cm Dicke geschätzt, an einigen Stellen sogar auf mehr. In seiner nächsten Nähe sind Frauen übrigens nicht erlaubt; sie dürfen sich den Buddha nur von der Andachtshalle aus ansehen. Es gibt Schätzungen, wieviel Tonnen des Edelmetalls hier lagern, die Zahl ist schwindelerregend. Aber das ist nur am Rande wichtig; wir neiden keinem seinen Goldschatz. 

Die Pagode beherbergt nämlich auch Bronzefiguren, die aus Angkor Wat stammen, einen gewaltigen Gong und die kreuzförmig angelegten Zugänge, die Lust machen, einzukaufen. Hier findet sich noch Kunsthandwerk, nicht touristisch verkitscht, sondern sehr authentisch und zu reellen Preisen.

Handwerker Mandalays

Die Goldblättchen fallen auch in Myanmar nicht vom Himmel. Wir besuchen eine Manufaktur, wo aus Nuggets superdünne Blättchen entstehen. Nicht gewalzt wird hier, sondern gehämmert. Die Goldklopfer machen diesen Job. Ausgerüstet mit schweren Hämmern, vergrößern sie die Oberfläche eines kleinen Goldklumpens immer mehr, bis eine Folie entsteht, die zarter nicht sein kann. Ein knochenharter Job, tak – tak – tak den ganzen Tag. Die Männer stehen in einer Reihe, haben ihren eigen Rhythmus, tagein, tagaus. Trotzdem, so heißt es, ist die Arbeit begehrt. Kräfteraubend, eintönig, aber sauber.

Und die Männer sind ein Glied in der Kette der spirituellen Wertschöpfung, denn am Ende landen die meisten Blättchen auf einer Buddha-Figur, finden dort wieder zu einem Goldklumpen zueinander, tak – tak – tak…

Alles scheint sich in diesem Land um Buddhafiguren zu drehen. Aus Holz, aus Metall, aus Bein gefertigt oder aus Stein. Kein gewöhnliches Mineral darf es sein, wenn es nicht Jade ist, dann eben Marmor. Die Steinmetze finden wir in einem eigenen Viertel, dicht bei der Mahamuni Pagode. Schon von weitem erkennbar am weißen Belag, der wie Schnee die gesamte Umgebung bedeckt. Häuser, Bäume, Autos, alles schimmert weiß. Sogar die Straßenhunde und natürlich die Steinmetze und ihre Helfer, die fleissig den Marmor bearbeiten. Maschinen kommen zum Einsatz, schleifen und fräsen die Buddhas aus dem Steinblock.

Alle Buddhas sehen am Ende identisch aus, unterscheiden sich in Größe und Gewicht, aber das entrückte Lächeln ist immer das gleiche. Wir fragen nicht nach Preisen, obwohl es verlockend wäre, eine Figur im Garten zu haben. Dann wandern wir weiter durch die weißgepuderte Welt der Figuren. Wer weiß, nichts ist unmöglich, vielleicht später einmal ….

Mandalay Hill

Der Mandalay Hill, mit seinen 236 m selbst durch die Dunstglocke über der Stadt von jedem Punkt aus sichtbar, lockt uns, weil im Umkehrschluss von oben auch ein spektakulärer Blick über Mandalay möglich ist. Wir hoffen sogar ein tolles Szenario für einen Sonnenuntergang. Der Gedanke, einen Tagesbeginn dort zu erleben, entsteht gar nicht erst. Wer möchte schon morgens um 5 Uhr die fast 1.000 Stufen hinauftigern, welche den normalen Spaziergänger vom Gipfel trennen. Der Taxifahrer warnt uns: Ganze 45 Minuten Zeit veranschlagt er für den Weg nach oben. Er möchte uns zu einem höher gelegenen Parkplatz chauffieren. Nein, das wollen wir nicht. Ehrensache, den heiligen Hügel barfuß zu erklimmen. Vor dem Nirvana steht das Leiden, sagte schon der Erleuchtete. Teil der Pein ist der Gang auf nackten Füßen durch den Eingangsbereich, der mit den Droppings von Tauben gepflastert ist. Wat mutt dat mutt, sagt man bei uns, wir lassen uns nicht vom Weg abbringen.

Jede Ebene, die im Anstieg erreicht wird, beschert ein neues spirituelles Erkennen, jedenfalls für gestandene Gläubige. Wir begnügen uns mit einem neugierigen Blick auf die Schreine und buddhistischen Artefakte. Die Statuen sind zum Teil von beeindruckenden Dimensionen, kaum vorstellbar, welche Mühe es war, sie hochzuschleppen. Die Treppengänge führen an Verkaufsständen und Garküchen vorbei. Den Gläubigen überfällt also nicht nur ein seelischer, sondern auch ein leiblicher Hunger, wenn er sich hinaufquält, so unsere Erkenntnis.

Der Anstieg ist nicht so zeitraubend wie unser Fahrer prophezeit hat; wir erreichen den Gipfel bedeutend schneller. Dort angekommen erfreut uns die fantastisch gestaltete Pagodenarchitektur. Viele Spiegel brechen das Licht, satte Farben und geschwungene Bogengänge dominieren. Dazwischen Gänge, die am Horizont den Ausblick auf Stadt und Umgebung eröffnen. Ja, es ist ausgesprochen schön hier oben.

Einen Fensterplatz mit Bank finden wir, warten geduldig in aller Ruhe den Einbruch der Dämmerung ab, genießen einfach nur die zeitlose Stille des Ortes. Natürlich inklusive Sonnenuntergang.

Inwa

Eine kleine Exkursion per Taxi in die Umgebung bringt uns nach Inwa, heute eine beschauliche Insel, vor langer Zeit Zentrum der Macht. Von Inwa aus wurde für einige hundert Jahre die Region und noch ein wenig mehr beherrscht. Solche Orte beherbergen meist antike Monumente und kulturhistorische Spezialitäten. Was hier heute speziell ist, lässt sich unter dem Begriff „ländliche Ruhe“ zusammenfassen. Unser Ziel ist seit dem Bau eines Kanals eine Insel, auf die wir per Fähre überwechseln.

Sicher, das ist keines von diesen RoRo Luxusbooten, aber so wackelig, wie es die Fremdenführerin der kleinen Touristengruppe, die mit uns übersetzt, beschreit, ist der Kahn nicht. 3 Motorräder füllen den Bug, sei es drum, der Fährmann wird wissen, wen er sich an Bord holt. Pferdekutschen warten auf der anderen Seite, für 10.000 Kyat bekommen wir die Standardroute, die etwa 2 Stunden dauert und uns zu fast allen wichtigen Punkten bringt. Dass die Insel außerhalb der Reichweite von moderner Straßenbautechnik liegt, spüren wir augenblicklich. Rumpelndes Hüpfen beschreibt die Fortbewegung besser als das Wort Fahren. Das wackere Pferdchen schafft diese Strecke, besser als ein knatterndes Moped.

Vor dem urigen, durch und durch aus Teakholz errichteten, Bagaya Kloster, steigen wir aus unserer kargen Kutsche. Fast düster wirkt der Komplex, fast tibetisch in seiner Schlichtheit. Drin findet Unterricht statt, ein Mönch kümmert sich um eine Handvoll Novizen, wie in einer Zwergschule. Nicht, weil hier jeder recht zierlich wirkt, sondern die älteren Neulinge mit den jüngeren in einer Klasse lernen. Viele der Wände bestehen aus kunstvollen Schnitzereien, erzählen für die Gläubigen Geschichten, die uns fremd bleiben.

Die Nähe zu Mandalay beschert uns einen materiellen Vorteil. Das Ticket, das wir im Palast vor ein paar Tagen gekauft hatten, gilt auch hier. Gut, es dabei zu habe; wir zücken es bei jedem Ticketschalter.

Die Inseltour führt uns zu weiteren Pagoden, nein noch erleben wir den Pagoden-Overload nicht,. Nach einer kurzen Besichtigung der idyllisch gelegenen Yadana See Mee Pagode und der großen Klosteranlage Maha Aung Mye Bonzan, belohnen uns mit frisch aufgeschlagenen Kokosnüssen, gekauft am Stand einer Landfrau.

Pisa hat einen, einige andere Städte auch, warum also nicht auch auf Inwa: ejn schiefer Turm! Größtes Plus der Insel ist die himmlische, friedliche, birmanische Natur.

Keine Autos, wenige Knattermopeds nur, entschleunigte Menschen. Beschleunigt wird erst wieder, als wir das nahe Festland erreichen; unser Fahrer befreit sich von der Erfahrung, eingeparkt gewesen zu sein, durch einen für seine Verhältnisse rasanten Abgang.

U Bein Bridge

Noch ein Rekord, von vielen, auf die wir in Myanmar stoßen, die längste Teakholzbrücke der Welt liegt vor uns. Ganze 1.200 m lang, 4 Leute breit. Soviel nämlich schaffen es, wenn sie nebeneinander gehen, den schnelleren Spaziergängern den Weg zu versperren. Wer in dieser Jahreszeit die Brücke überquert, mag an der mentalen Gesundheit ihrer Erbauer zweifeln. Unter uns sind zum größten Teil Ackerland und sandige Flächen zu sehen. Eigentlich ein ausgesprochenes Idyll, wo gerade ein Bauer mit einem Ochsengespann sein Feld bestellt. Um den schmalen Wasserarm zu passieren, hätte es eine 50 m Brücke auch getan. Da auch in Myanmar niemand aus reiner Rekordsucht längste Teakholzbrücken baut, wird die Auflösung wohl in der Regenzeit liegen. Die Äcker werden dann geflutet sein, der schmale kümmerliche Wasserarm zum Meer sich weiten.

Die Brücke ist ein echter sozialer Treffpunkt. In beide Richtungen stark von Fußgängern frequentiert und sogar Radfahrer holpern über den Bohlenweg. Waren werden hier angeboten, in den Stationshäuschen finden wir Garküchen und Mr. Owl, den Zukunftsdeuter. 3 Touristinnen lassen sich gerade erläutern, was sie demnächst erwartet. Wir hören im Vorbeigehen, dass sie ihren Mann kennenlernen und heiraten werden…

Die wichtigste Funktion der Brücke, jedenfalls unter touristischen Aspekten, ist aber immer noch ihre Lage als Sunsetpoint. In den Restaurants an den Ufern rücken die Wirte Stühle und Tische in Position, die vorher leeren Boote auf dem Wasserarm sind jetzt mit Ruderern besetzt, die nach Fahrgästen ausschauen. Wie auf ein geheimes Zeichen steuern wir mit anderen Ausländern die besten Plätze an. Zur Landzunge streben wir, direkt zu dem kleinen Lokal mit Blick durch die Brücke auf den Horizont. Die Kombination aus bequemen Plastiksesseln, einem kühlen Bier und einer frischen Kokosnuss, scheint ideal zu sein.

Dass solche Orte inzwischen zu regelrechten Auseinandersetzungen um den besten Platz für die eigene Kamera führen, kennen wir schon von anderswo. Irgendwann weicht die Aufregung, der Sonnenuntergang ist fantastisch und die Brücke spielt eine Hauptrolle.

Mingun

Ein Ausflug mit der Fähre auf dem Ayarwaddy River gehört einfach zu einem Aufenthalt in Mandalay. Wir finden uns kurz vor 9.00 Uhr morgens am Ende der 26. Straße ein, beim Fähranleger. Tickets kosten pro Person zur Zeit 5.000 Kyat, aus unerfindlichen Gründen muss beim Kauf die Ausweisnummer registriert werden. Der Fluss belebt sich mit Schiffen überwiegend betagteren. Seelenverkäufer nennt man solche Kähne, wenn sie in der Passagierschifffahrt eingesetzt werden. Malerisch wirken sie auf jeden Fall.

Die Fähren bieten auf dem Oberdeck Bambusliegestühle. Weiche Sitzpolster wären jetzt wohl ein Verkaufsschlager. Schrille Sirene, wir legen ab. Eine Entspannungsfahrt von 1 Stunde erwartet uns. Und der Fluss enttäuscht nicht: Es bleibt bei pittoresken Postkartenansichten, wohin wir schauen.

Am Anleger von Mingun warten Ochsenkarren. In so einem urtümlichen Gefährt sind wir noch nicht chauffiert worden. Trotzdem, heute wollen wir unser eigenes Tempo bestimmen, ziehen den Fußweg vor. Vor dem Zugang zum Besichtigungsareal steht der Ticketkauf. 5.000 Kyat pro Person, unser Ticket aus Mandalay gilt hier nicht. Egal, es lohnt sich.

Nicht übersehbar thronen zwei Objekte vor uns. Große, kugelförmige, gemauerte Gebilde, Wächterlöwen (Chinthe) genannt, die mit Verlaub mehr an das Hinterteil von gigantischen Elefanten erinnern.

Gegenüber die eigentliche Hauptattraktion. Einst geplant aus einem Hang zur Gigantomanie, sollte hier nach dem Willen ihres königlichen Erschaffers, der natürlich selbst nie Hand angelegt hat sondern Zwangsverpflichtete einsetzte, die GröPaZ entstehen – größte Pagode aller Zeiten. Geschafft wurde nur der gemauerte Sockel, etwa 50 m hoch. Obendrauf waren nochmal 100 m Stupa vorgesehen, aber daraus wurde nichts. Ein Erdbeben tat ein übriges dazu, dass der gewaltige Ziegelbau heute als zerborstene, aber sehr eindrucksvolle Ruine aufragt. Begehbar ist der Sockel nicht mehr, zu gefährlich sagen die Behörden – leider.

Im Wunderland von Mingun reihen sich die Superlative aneinander. Auftritt der GröGaZ (größten Glocke aller Zeiten). Wer bisher meinte, hier hätte das Abendland die Nase vorn, irrt. Tatsächlich lässt der Anblick der Monsterglocke keinen Zweifel entstehen. Was wir sehen, ist die Mutter aller Glocken. Sie hängt gerade so hoch überm Boden, dass sie begehbar ist. Wer kann schon sagen, dass er mal im Inneren einer echten Glocke war, außer den Besuchern von Mingun.

Weiterer Glanzpunkt das Prachtexemplar einer Pagode, die Hsinbyume. Im strahlendsten Weiß präsentiert sich der Bau, der es, was seine ästhetische Wirkung angeht, durchaus mit dem Taj Mahal aufnehmen darf. Die Form, so erfahren wir, bildet den buddhistischen Kosmos ab: Berg Meru und die 7 Meere. Bei strahlender Sonne und blauem Himmel besichtigen wir den Bau. Jeder Besucher, ist er nicht selbst in strahlendes Weiss gekleidet, wird hier zum Farbtupfer. Gut, denken wir uns, dass wenigstens hier drin die Betelkauer sich zurückhalten, rote Speichelspuren wären fatal.

Gute 2 Stunden reichen für die Besichtigung Minguns, sogar für Abstecher zu weiteren Pagoden im Ort und für den Besuch in den zahllosen Verkaufsständen und Garküchen. Alles an diesem Ort, Gebäude, Landschaften und Fluss ergänzen sich in nahezu perfekter Harmonie.

An einer frischen Kokosnuss suckelnd überbrücken wir die Zeit bis zur Rückfahrt, geniessen die Stille. In 40 Minuten wird uns der brodelnde Verkehr Mandalays wieder verschlucken.

Yangon, Kalaw und Pindaya, Inle SeeMonywa, Bagan, Bago, Golden Rock,   Hpa-an, Mawlamyine, Ye / Dawei / Maungmagan