W.E.G. Sightseeing Bali

Auf einer Insel, die gerade mal von Nord nach Süd 95 km und in der Ost-West-Ausdehnung 145 km lang ist, kann quasi jeder Punkt von überall aus locker in ein paar Stunden erreicht werden. Um unseren Lesern die Orientierung zu erleichtern, versuchen wir, immer unsere Etappen möglichst den größeren Orten zuzuordnen. Hier macht das mitunter keinen Sinn, deswegen haben wir unserer Ausflüge auf einer speziellen Seite zusammengefasst.

Bunut Bolong

Kommend von Ubud auf dem Weg zum Medewi Beach, es hätte genauso gut auch aus der anderen Richtung sein können, dicht an der Ortschaft Pekutatan, lässt sich eine der besonderen Natursehenswürdigkeiten Balis bestaunen. Ein gigantischer Banyanbaum, der sich eindrucksvoll über die Fahrbahn erhebt. Durch eine Lücke in den Wurzeln führt die Durchgangsstraße und wohl jeder, der hierher kommt, hält erst einmal an, um das Prachtstück zu betrachten. Auf der Westseite sind kleine Tempelteile zu sehen, wie üblich in Bali mit Blumen und Obst geschmückt und mit Tuch bedeckt. Keine Frage, solche Naturdenkmäler sind den Hindus heilig und immer Gegenstand von Verehrung.

Wer will – und wir wollten natürlich – nimmt sich Zeit für eine Rast, am besten in einem der kleinen Warungs zu beiden Seiten des Baumriesen, um das Geschehen zu beobachten. Autofahrer, die aussteigen, sich mit Familie um die Durchfahrt drapieren, um Bilder zu machen, Jungendliche aus der Umgebung, die samt Moped und Freunden hier Fotoshootings veranstalten… es wird nie langweilig um den Baum. Übrigens, wenn kurz vor der Weiterfahrt ein Einheimischer vor dem Auto auftaucht und einen Gebührenblock zückt, darf das ruhig ignoriert werden, kaum jemand entrichtet den Obulus, sondern fährt freundlich lächelnd weiter. Wir auch.

Medewi Beach

Einer der Strände im Westen der Inseln, wo die See rauher und die Küsten wilder sind, ist der Medewi Beach. Entfernung zu Pekutatan etwa 5 Km. Der Strand lässt sich leicht finden und mit dem Auto direkt ansteuern. Wir konnten vor einer kleinen Bude parken, die für die Surfer Getränke und Snacks anbietet. Monsterwellen konnten wir bei unserem Besuch nicht erkennen, gleichwohl haben einheimische und ausländische Surfbegeisterte hier ganz offensichtlich eine Menge Spaß. Sogar ältere Semester konnten wir entdecken, die sich hier in die Flut warfen. Auch Nichtsurfer kommen hier auf ihre Kosten und wenn man genug hat vom Zusehen, macht man sich auf den Weg und spaziert den langen, breiten Strand hinunter.

Nur Wasser, Wellen, Steine und ab und zu Gruppen von Strandläufern. Putzige Vögel und irre flink, mit einer Schrittfrequenz die das Auge des Betrachters verwirren kann und die Frage aufwirft, ob diese Bewegungsform schon einmal wissenschaftlich untersucht wurde. Falls nicht, hier wäre noch der ideale Ort für Feldversuche. Noch, will sagen, alles ist im Fluss, auch auf Bali. Am langen Strand entstehen bereits prächtige Ressorts, wer weiß, wie lange das Idyll noch erhalten bleibt.

Reisterrassen von Jatiluwih

„In the ricefields of Bali …“ diese Zeile hätte gut in Ian Dury’s Song „hit me with your rhythm stick“ gepasst. Leider scheint Ian zur Zeit, als der das Stück komponierte, in anderen Teilen der Welt unterwegs gewesen zu sein. Thematisch hätte es auf jeden Fall gepasst.

Die Reisterrassen von Bali sind agrarische Kunstwerke und als solche, richtigerweise 2012 ins UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. Es gibt viele Orte auf Bali, wo diese Anlagen zu bestaunen sind. Mit die schönsten können in den Tälern um den Ort Jatiluwih besichtigt werden. Die Bauern haben in ihrem Stolz sogar eine Art Geschäftsmodell entwickelt und lassen die Besucher Tickets kaufen. Dafür bekommt man eine befestigte Route durch die Bewässerungskanäle und Parzellen geliefert. Gastronomie ist angeschlossen (vermutlich alles, was sich aus Reis kochen lässt) und wer will, kann hier sogar übernachten, in zum Teil recht hochpreisigen Ressorts. Hinfahren, genießen, ansehen hat für uns genügt und natürlich gibt so ein Reistal eine prächtige Kulisse für Bilder, grün in grün.

Pura Ulun Danu Bratan

Auf der Nordsüdroute, in der Nähe der Ortshaft Bedugul liegt eine der schönsten sakralen Anlagen Balis, der Wassertemwpel Pura Ulun Danu Bratan, der Shiva geweiht ist. Der See, an dem der Tempel vor rund 350 Jahren gebaut wurde, ist vulkanischen Ursprungs und wahrlich ein Bild für die Götter. Keine Frage, Tempel und See sind heilig und damit ein Besuchermagnet erster Güte. Bestimmte Ansichten zählen zu den meist fotografierten der Insel. Zu bestaunen sind natürlich auch die Busladungen voller Touristen, die hier ein- und ausgeladen werden. Pura Ulun Danu Bratan ist unbetritten einer der wichtigen Meilensteine, die bei einer Reise durch die Insel der tausend Tempel nicht ausgelassen werden sollte. Wann bekommt das Gemüt schon mal soviel Romantik pur.

Gunung Batur

Vulkanberge wie der Gunung Batur gelten den hinduistischen Bewohnern Balis oft als heilig und werden von den Gläubigen aufgesucht und verehrt. Wir Touristen pflegen einen prosaischeren Umgang und suchen die Nähe solcher Orte, weil sie eindrucksvoll sind und die Natur von ihrer besten Seiten präsentieren. Die Anfahrt, ob von Norden kommend, wie wir, oder vom Süden liefert in der Tat tolle Ansichten des Berges, der 1717 Meter in die Höhe ragt.

Idealerweise sollte der Himmel dann wolkenfrei sein, um den See, der unter dem Berg liegt in die Komposition der Fotos zu integrieren. Aber wann hat man schon mal ideale Bedingungen. Wie auch immer, wir können gerne bestätigen, dass auch ein grauer, stürmisch dreinblickender Himmel dem Anblick des Berges nicht schadet. Im Gegenteil, er unterstreicht die Unberechenbarkeit, denn wie es die Natur von Vulkanen ist, in diesem Teil der Welt, sie können gerne einmal überkochen. Vielleicht ist es das, was ihren Anblick für uns so faszinierend macht, oder die schlichte Tatsache, dass auf einer relativ kleinen Insel so mächtige Erhebungen zu finden sind.

Wer sich traut, kann vom See aus eine Exkursion zu den Ureinwohnern der Insel unternehmen, die noch prähinduistische Bräuche zelebrieren. Reiseführer raten von Besuchen ab, es sei denn, man ist frustrationsfest und weiss sich mit Menschen zu arrangieren, die dem Besucher deutlich machen, dass er nicht willkommen sei.

Ob wir uns getraut hätten? Nun ja, die gastfreundliche herzliche Art der Neuzeit-Balinesen liegt uns mehr. Wir haben das Panorama genossen und unseren Weg fortsetzt.

Pura Besakih

Die Mutter aller hinduistischen Tempel auf Bali ist der Pura Besakih, angeblich bereits gegründet im 8. Jahrhundert und idyllisch gelegen am Südhang des Gunung Agung, der immer schon als heilig galt und für Hindus sogar das Zentrum der Welt darstellt. Wir haben es nicht vermessen und bis zum Beweis des Gegenteils denken wir, dass das schon stimmen wird.

1963/1964 kam es zu heftigen Ausbrüchen, dem über 1.000 Menschen, über 500 Quadratkilometer landwirtschaftlich genutzte Fläche, Ortschaften und Wälder zum Opfer fielen. Dass just zur Zeit des Ausbruches ein wichtiges religiöses Fest anstand, das nur alle hundert Jahre begangen wird, verzögerte damals die Evakuierungen und liess die Opferzahlen nach oben schnellen.

Der 3.142 Meter Riese Agung ist besteigbar, allerdings darf aus der heiligen Quelle am Gipfel nicht getrunken werden, dafür soll man dort auf Wasserverkäufer treffen. Sag mal einer, dass die Balinesen nicht findig seien, wenn es um die Erfindung von Geschäftsmodellen geht.

Aber wir waren hier, um den Tempel zu sehen. Reiseführer warnen vor dem fordernden Auftreten von Führern und Verkäufern, aber davon blieben wir an diesem Tag verschont, vermutlich konzentrieren diese Geschäftsleute ihre Aktivitäten auf die Hauptsaison, wenn wirkliche Menschenmassen zur Besichtigung heran gekarrt werden.

Die Anlage ist nach Bezirken gegliedert, Adel, Handwerker und Bauern und Dorfgemeinschaften haben ihre speziellen Bereiche, die fein säuberlich mit Mauern abgegrenzt sind und für Touristen nicht zugänglich sind. Was uns aber nicht hindert, wie die anderen Besucher, erhöhte Positionen aufzusuchen, um wenigstens hineinblicken zu können. Ansonsten sind die Besucherregeln recht moderat; es genügt, sich den obligatorischen Sarong umzubinden und den Eintritt zu entrichten.

Wir haben nicht gezählt; es sollen aber über 200 Gebäude sein, die die Anlage ausmachen. Vieles von dem, was während des Vulkan-Ausbruchs von 1963 zerstört wurde, konnte in den Jahren darauf wieder restauriert werden. Und das, was wir erblickten, ist ausgesprochen sehenswert. Schade, dass wir wahrscheinlich bei der nächsten Hundertjahrfeier, die nach unserer Zählung in 2063 stattfinden wird, wohl nicht anwesend sein werden. Es muss ein toller Anblick sein, hier zehntausende von Gläubigen zu erleben.

Pura Goa Lawah

An der Ostküste Balis, nicht weit von Klungkung entfernt, findet sich ein Tempel, dem auch Freunde der Comicfigur Batman etwas abgewinnen könnten. Der Pura Goa Lawah, so heißt dieses hinduistische Heiligtum, ist nämlich direkt vor einer Fledemaushöhle gebaut. Es war wieder einmal Sarong-Zeit angesagt, alles hier ist heilig.

Den Eingang zum Tempel ziert übrigens ein Wappen, das durchaus nach Gotham City passen würde. Ein Novum, so etwas findet man nicht oft. Die Fledermäuse in der Höhle, es müssen hunderte sein, sind zwar vorwiegend nachtaktiv, aber auch tagsüber wimmelt und zischelt es und ab und zu flattert so eine Maus umher, um sich dann wieder einen Platz zum Abhängen zu suchen. Es riecht im näheren Umkreis des Tempels recht heilig, fast schon indisch möchte man meinen.

Wie tief die Höhle in den Berg hineinragt, ist offenbar unbekannt; Menschen ist es untersagt, die Höhle zu betreten, geschweige denn zu erforschen. Außerdem sollen der Legende nach dort auch Riesenschlangen hausen. Wenn’s stimmt, findet sich in Pura Goa Lawah jedenfalls ein reiches Nahrungsangebot.

Denpasar / Tanah Lot, Ubud, Pemuteran, Sidemen, Amed, Kuta,