Palenque

Palenque Stadt

Manchmal sollten Berichte zu Städten besser erst gelesen werden, nachdem man selbst einmal dort war. Damit relativieren sich nämlich Erwartungen oder Befürchtungen, die sich gerne nach der Lektüre einstellen. Nach Palenque Stadt fahren wir mit gemischten Gefühlen, ist doch die Beschreibung im Reiseführer eher kaum ein Anlass, sich zu freuen. Was soll man wohl von einer Stadt halten, zu der es heißt, sie tauge zwar gerade noch als Basis für Ausflüge, sei aber ansonsten beliebig und keine Reise wert; und das nur, weil sie kein spanisches Kolonialerbe vorweisen kann. Schnell wird uns klar, dass wir einer krassen Fehleinschätzung aufgesessen sind. Entweder waren die Autoren selbst nie hier oder sie sind im falschen Viertel abgestiegen.

Wir treffen es in Palenque ausgesprochen gut. Unser Hotel lässt keinen Wunsch offen. Es ist stilvoll mexikanisch und praktisch eingerichtet, sauber, preisgünstig und besitzt eine perfekte Lage. Einfach erreichbar vom Busbahnhof und fußnah zum Zocalo. Von dort entdecken wir die gefühlt wichtigste Straße Palenques, die Central Poniente Benito Juarez. Eine Straße nach unserem Geschmack, wo es sich prächtig bummeln und gucken lässt.

Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten sind im Viertel hervorragend vertreten. Bäckereien finden wir in jeder Straße, ebenso kleine sympathische Kneipen, wo die Mariachos aufspielen. Ein Tipp für den kleinen Hunger zwischendurch sei erlaubt: Der Kiosk „Pollos à la Nena“, im unteren Bereich der Straße „20 de Noviembro“. Er serviert die knusprigsten Brathähnchen. Dazu ein Bier, mit einem Augenzwinkern bestellbar. Gemütlich ist Palenque auf jeden Fall und überhaupt nicht langweilig.

Palenque, die Maya-Ruinen

Gut vom Stadtzentrum erreichbar sind die Ruinen der antiken Maya-Metropole, die seit den 1980er Jahren als UNESCO Weltkulturerbe aufgeführt sind. Die Fundstätte ist mit dem Colectivo gut erreichbar. 20 Pesos zahlen wir pro Person für die einfache Fahrt. Einsteigen kann man etwa an der Kreuzung vor dem ADO Busbahnhof oder man winkt den Wagen einfach an den Straßenrand.

Die archäologische Zone um die Ausgrabungen liegt in einem geschützten, dschungelartigen Schutzgebiet, für das separater Eintritt in Höhe von 38 Pesos fällig wird. Etwa 2 km höher befindet sich der eigentliche Zugang zum musealen Bereich und der obligatorische Ticketschalter. Mit 80 Pesos pro Person sind wir dabei. Übrigens, am Platz vor dem Eingang warten auch die Kleinbusse für die Rückfahrt.

Die Ruinen von Palenque, gelegen auf einem riesigen Gelände, überraschen durch die Vollständigkeit ihrer Strukturen. Endlich einmal mehr als nur rudimentäre Steinhügel, die unsere Phantasie strapazieren. Gut erhalten und recht eindrucksvoll präsentiert, bekommt der Besucher eine Vorstellung, wie die Stätte angelegt war. Um die 1.400 Bauten soll es hier geben; die größten und eindrucksvollsten dürfen auch bestiegen werden. Mit Wasser und Zwischenverpflegung, die man natürlich mitbringt, lassen sich einige Stunden hier verbringen. Es entsteht nie der Eindruck, alles sei überlaufen. Und schattige Ruheplätzchen lassen sich ebenfalls finden.

Wir verlassen das Gelände über den unteren Zugang. Der Weg ist erkennbar ausgeschildert und führt uns vorbei an kleinen Wasserfällen, über kleine Brücken zum antiken Spa-Bereich. Warum die Mayas sich trotz hoher Temperaturen noch Schwitzbäder einrichteten, wissen wohl nur ihre Götter. Wie auch immer, dieser Teil der Anlage vermittelt authentisches, fast romantisches Jungle-Feeling. Wer nicht mehr zum Haupteingang hochsteigen möchte, auch an diesem Ausgang stoppen Colectivos für die Rückfahrt.

Will man es noch abenteuerlicher und wilder, fährt man von Palenque Richtung Guatemala. Dort im Dschungel locken Yaxchilán und Bonampak. Touren dorthin können überall gebucht werden. Entweder als Tagesausflug oder kombiniert mit einer Übernachtung in einem Camp vor Ort.

Yaxchilán und Bonampak

Egal, bei wem eine Tour eingekauft wird, landen alle Touristen bei einer Handvoll Unternehmen, die das Geschäft organisieren. Die Preise schwanken für solche Gruppenfahrten um die 800 – 850 Pesos pro Person. Die Broschüren preisen die gleichen Sehenswürdigkeiten an, mit ähnlichen Fotos. Doch am Schluss fahren alle zum gleichen Ziel. Egal, in welchem Bus du sitzt. Wegen der Entfernung ist ein ganzer Tag einzuplanen. Und der beginnt früh, nämlich gegen 6.00 Uhr. Und er kann lange dauern, in unserem Fall bis 21.00 Uhr. Im Preis ist alles eingeschlossen: Transfer, Frühstück, frugales Mittagsmahl, Eintrittsgelder. Außerdem der Reisebegleiter, von dem man allerdings nicht zu viel erwarten sollte und auf keinen Fall Englischkenntnisse.

Der frühe Fahrtbeginn über die Ruta der 10.000 Topes (Bodenschwelle), der berüchtigten Carretera Fronteriza, die den mexikanischen Bundesstaat Chiapas mit Guatemala verbindet, lässt uns kurz nach 10.00 Uhr den Bootsanleger am Rio Usumacinta in Frontera Corozal erreichen. Der bildet die Grenze zwischen Chiapas/Mexiko und Guatemala. Dann geht’s weiter auf einem der kleinen Lanchas über den schönen Fluss. Nach halben Stunde erreichen wir die Maya-Ruinen von Yaxchilán. Bis Anfang der 1990er war es für Normalreisende unmöglich, hierher zu kommen. Der Bau der Straße hat die Situation verändert, Touristen treffen jeden Tag ein, meist auf dem Weg, den wir gekommen sind. Von hier aus kann man übrigens auch problemlos nach Guatemala einreisen und beispielsweise weiter nach Floris fahren.

Gleichwohl fühlen wir uns noch wie Entdecker, denn im Vergleich zu den von Menschenmassen belagerten Maya-Stätten, etwa auf Yukatan, ist Yaxchilán eine museale Einöde. Der Dschungel, durch den wir gehen, ist eindrucksvoll. Was sich dann vor uns auftut, übertrifft viele andere Sehenswürdigkeiten. Zwischen Baumriesen gruppieren sich alte Bauwerke und Überbleibsel von Steinbildern auf Stelen. Es geht durch Gänge und labyrinthartige Gewölbe zum Hauptplatz. Toll gemacht, sogar die Schülergruppen, die mit uns angekommen sind, scheinen beeindruckt. Später erwachen auch die Brüllaffen, turnen in den Wipfeln über uns und setzen zu einem Ständchen an. Wir haben eine Stunde Zeit, die eindrucksvolle Atmosphäre in uns aufzusaugen.

Nach der Rückfahrt mit unserem Boot fahren wir weiter bis zu den Ruinen von Bonampak. Bautechnisch eher weniger imposant ist dieser Ort wegen seiner Wandmalereien sehenswert. Die sind, glaubt man Experten, herausragend. Die Bewohner der angrenzenden Ortschaft machen keine halben Sachen. Wenn schon verdienen, dann aber richtig. Zur Anfahrt muss auf ihre Autos umgestiegen werden, die natürlich extra Gebühr kosten, dazu wird noch Eintritt fällig. Ein wahrhaft umfassendes Geschäftsmodell, in einer Region, die kaum andere Erwerbsquellen bietet. Egal, schon mal hier, bestaunen wir die Artefakte und freuen uns auf Mexiko City, wo wahrscheinlich die eigentlichen Sahnestücke präsentiert werden. Leider belässt man die beweglichen Schaustücke der Mayas fast nie an ihren Fundorten, sondern schleppt sie in die Hauptstadt. Immerhin verbleiben sie damit im Land, was ja keine Selbstverständlichkeit ist. Siehe Ägypten, siehe Troya.

Der Rückweg, den wir am frühen Abend antreten, ist übrigens noch um einige Grad anstrengender als die Hinfahrt. Kein Wunder, der bereits ermüdete Chauffeur überfährt jetzt noch mehr der unseligen Topes mit kühnem Schwung. Was das mit uns Passagieren und dem Kleinbus macht, ist jetzt zweitrangig. Endlich zurück. Das Restaurant neben unserem Hotel serviert noch: Eine leckere Guacamole, Salat und eine Flasche Indio Bier. Das haben wir uns verdient.

Mehr von unserem Mexiko findet Ihr hier: Yukatan, San Cristobal, Puebla, Oaxaca, Oaxaca-Umgebung, Mexico-City, Puerto Escondido,Morelia, Guanajuato

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