Département Vaucluse

151 Gemeinden zählt das Département Vaucluse und in einer davon, nämlich Lioux, die gerade mal 262 Bewohner zählt, kommen wir für einige Tage unter. Demografischer Nebeneffekt, wir erhöhen die Einwohnerzahl immerhin temporär um satte 0,75%.

Lioux verkörpert den Zeitgeist der Miniatur-Ortschaften in der Provence: Bäcker, Krämer und Schuster gibt es hier nicht mehr, selbst Bürgermeister und Gendarmen haben ihre Residenzen geräumt. Der Postbote kommt zwar noch vorbei, aber Verwaltung und Versorgung zentralisieren sich auf der Ebene in der nächst größeren Ortschaft. Bist Du hier, ist ein Fahrzeug obligatorisch, dann lassen sich die Wege bewältigen und für kurze Zeiten können auch Stadtmenschen hier ganz gut leben, wenn sie sich clever organisieren.

Bereits die Anreise macht Lust, mehr von der Region zu sehen. Die Landstraßen abseits der Autobahn führen zum Teil mitten durch die Orte; das lädt ein, in einem Bistro oder Café Pause zu machen. Die Atmosphäre ist so entspannt und typisch französisch, wie wir es aus Filmen, Büchern oder persönlichen Aufenthalten, die lange her sind, erinnern.

Schön anzuschauen sind die Orte und viele haben eine lange Geschichte. Was wir heute sehen ist über Jahrhunderte gewachsen, Farben und Fassaden präsentieren sich als schmuckes Bild. Die Häuser verschachtelt, kreuz und quer wirken ineinander verbaut. Mal mit Mauern umgeben und Türmen geschmückt, mal auf kleinsten Flächen skurril konstruiert. Altes neben nicht ganz so Altem, aufgereiht an Gässchen und Wegen, die sich wie in einem Labyrinth verknoten. Proper sieht das aus, dem Auge des Betrachters gefällt es.

Die Ortschaften, die wir hier zeigen, sind eher zufällig gewählt, so wie sie uns auf der Fahrt durch die Umgebung unterkommen. Manchmal stoppen wir nur kurz für ein paar Fotos, zu anderen Gelegenheiten streifen wir ziellos durch die Straßen, folgen spontanen Eindrücken. Dann wieder suchen wir einen Laden, oder lassen uns von einem Aussichtspunkt locken, das strenge planvolle Besichtigen ist nicht unser Ding, lieber sind wir flexibel. Dabei fällt uns auf, dass sich viele Ortschaften herausgeputzt wie aus einem Katalog präsentieren. Viel lieber sind uns aber die ursprünglicheren, noch nicht ganz veredelten Dörfer.

Malaucène, ein Städtchen im Westen der Provence, das wir einige Male durchqueren, hat es uns angetan. Kulturhistorisch eher in der zweiten Reihe angesiedelt, versprüht es doch einen gewissen Charme, der uns die Fahrt unterbrechen lässt. Wir bleiben auf einen Kaffee in einem kleinen Restaurant an der zentralen Straße, mit Blick auf knorrige Baumriesen, die in den blauen Himmel ragen, entschlossen nichts zu tun, als zu schauen und zu plaudern.

In Roussillon verblüfft uns der Anblick von ockerfarbigen Felswänden, die einen fantastischen Kontrast zum strahlenblauen Himmel bilden. Mit dem Grün der Pinien und immergrünen Sträucher präsentiert sich der Ort, mit den pittoresken, ebenfalls ockerfarbenen Häusern wie ein impressionistisches Gemälde. Typisch sind die Ockerfarben für viele Orte, ist doch das Material für die Farbherstellung ein Produkt der Provence. Sogenannte Ockerbrüche, die sich auch besichtigen lassen, gibt es an mehreren Stellen.

Nicht zu übersehen sind die prächtigen Anwesen, die zwischen den Orten liegen. Eingebettet in Weinberge, Ostplantagen, Felder oder exponiert auf kleinen Hügeln. Oft sind sie umgeben von mächtigen, dichtgewachsenen Hecken, an die 3 Meter hoch. Wer sich fragt, was wohl hinter dem Sichtschutz verborgen ist, dem sei geantwortet: oftmals riesige Swimminpools. Woher wir das wissen? Nicht von Besichtigungen, dazu fehlen uns leider die richtigen Connections. Einblicke ergeben sich aber von den Aussichtspunkten der höher gelegenen Ortschaften.

Es gibt Städtchen, die im Ruf stehen, besonders mondän zu sein, so wie Gordes. Gelegen auf einer Anhöhe ist hier jede Ecke und jede Mauer sorgfältig restauriert. Orte wie diese verlangen gerne saftige Parkgebühren, die auch für Kurzparker nicht unter 4 € liegen. Da kommt schnell einiges zusammen, aber für die Klientel, die hier Straßen, Gastronomie und Boutiquen beleben, sind solche Ausgaben eher Peanuts, über die nicht einmal geredet wird. Gleichwohl tut das der Elegance von Gordes keinen Abbruch.

Lieber als für Parkgebühren, geben wir unser Geld für die Spezialitäten der Region aus. Sault ist einer jener Orte, wo man viele der Leckereien findet, für die Frankreich und die Provence berühmt sind. Diese besonderen Läden sind es, wo wir am liebsten stöbern – und auch fündig werden. Etwa die rustikalen Schweinewürste, Mandelkuchen, filigranes Kleingebäck.

Sault beherbergt, so wie andere Orte der Region, an bestimmten Tagen einen Markt, wo Erzeuger der Umgebung und Kleinhändler ihre Waren anbieten. Solche Märkte sollte man besuchen, bummeln, sich durchkosten und einfach die Vielfalt der Waren genießen. Die Märkte organisieren sich natürlich nach festen Plänen, etwa jeden

Montag: Forcalquier
Dienstag: Gordes, Saint-Saturnin
Mittwoch: Sault, Viens
Donnerstag: Roussillon, Goult, Ménerbes, Saignon
Freitag: Bonnieux, Lourmarin
Sonnabend: Apt
Sonntag: Coustellet, L’Isle-sur-la-Sorgue

 

Ja, auch der Sonntag wird nicht ausgespart; die lebensfrohen Franzosen lassen sich das Vergnügen eines vormittäglichen Marktbesuches nicht entgehen. Wir auch nicht. Wo wir schon mal hier sind, fahren wir zum Markt an der Sorgue.

Dort ist bereits die halbe Umgebung auf den Beinen, Familien mit Kindern, Hausmänner und -frauen. Und es gibt viel zu sehen und noch mehr zum Kaufen. Wir finden beim Käsemann eine Spezialität, die in Deutschland nicht überall angeboten wird: reinen Schafskäse. Auch frische Waren, wie den ersten Spargel, Forellen und das Stückchen Nougat, das ein gutes Essen krönt, auch eine Leckerei, die hier hergestellt wird. Und was wäre die Provence ohne Lavendel… der ist hier natürlich allgegenwärtig, in jeder Form, sei es als Sträußchen, Säckchen, als Duftwasser oder Seife.

Jede Fahrt wird zum Ausflug. Der Reiseführer empfiehlt die Tour durch die Gorges de la Nesque, eine der größeren Schluchten. Ein Natur-Highlight, die Fahrt entlang der 20 km langen Schlucht durch die typische Garrigue-Landschaft das reinste Vergnügen.

Wir fahren an diesem Tag noch weiter, vorbei am alles überragenden, höchsten der Berg der Provence, dem 1.909 m hohen Mont Ventoux. Leider können wir ihn nur aus der Ferne bestaunen, weil der Schnee auf dem Gipfel eine Überquerung in dieser Jahreszeit nicht zulässt.

Dafür genießen wir die Fahrt durch die berühmten Weinanbaugebiete auf der Südseite bis nach Vaison-la-Romaine. Der Name sagt es eigentlich schon, hier lassen sich römische Ausgrabungen besichtigen. Leider zu recht stattlichen Preisen. Wir zahlen zwar gerne Eintrittsgelder, weil in aller Regel die Erträge direkt den Objekten zugute kommen, aber einen Obolus von 9 € pro Person finden wir überzogen. Wir beschränken uns auf einen Blick von außen und ziehen einen Rundgang durch die Oberstadt vor, die gegenüber, am anderen Ufer des Flusses Ouvèze liegt. Dort ziehen wir durch mittelalterlich anmutende Gassen bis hinauf zur Burgruine und erfreuen uns an den malerischen Häusern und dem Blick, hinüber in die Unterstadt. 

Zu den Orten, die wir besuchen, gehört Fontaine-de-Vaucluse. Dort entspringt aus über 300 m Tiefe die berühmte Sorgue Quelle, aus einem Felsen, wie es heißt. Leider ist der Zugang bei unserem Besuch gesperrt, wegen Steinschlaggefahr. Schade eigentlich, damit drängt die übertriebene Andenken- und Imbissbudenkultur, die eigentlich eine Abzockergemeinschaft ist, zu sehr in den Vordergrund. Natürlich entdecken wir die Zwischentöne, nämlich das kristallklare, tobende Wasser des Flusses und die romantischen Anlagen, an den Ufern. Aber es ist klar, zur Hauptsaison tanzt hier der touristische Bär.

Sehr viel bescheidener nehmen sich die kleinen runden Steinhäuschen aus, die manchmal unvermittelt in der Landschaft auftauchen, die Bories. Seit Jahrtausenden, so heißt es, werden diese Hütten angeblich gebaut, aus Steinen und ohne Mörtel, zu welchem Zweck auch immer. Es gibt sogar ein Museumsdorf in der Nähe von Gordes, wo etliche dieser Minibauten versammelt sind.

Jeder Tag spornt uns an, weiter durch die schöne Gegend zu fahren, neue Dörfer zu entdecken und die Ansichten für unser Album festzuhalten. Die Orte, die wir Euch nicht vorenthalten wollen, sind zum Beispiel Venasque, die Abbaye de Senanque, Goult oder St. Saturnin-lès-Apt.

Wer gerne wandert, findet dazu natürlich auch interessante Touren, die wir hier vorstellen

Weiter geht es mit unserem Bericht über die Provence unter dem Stichwort Luberon, einem Gebiet, das an den Vaucluse angrenzt.

Übernachtet haben wir übrigens in Lioux-le-Château in einem sehr gemütlichen und urigen Appartement bei Catherine und Niko. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt und können die Unterkunft sehr empfehlen.

Wie wir hierher gekommen sind und wie wir von hier aus für uns weiter ging, könnt Ihr hier nachlesen.

2 Gedanken zu „Département Vaucluse

  1. Ich finde die Provence wunderschön und genau richtig, wenn man entspannen möchte. Wir waren mal mit dem Wohnmobil in In Roussillon. Ein schönes und romantisches kleines Städchen, man denkt dort ist die Zeit stehen geblieben.
    Liebe Grüße und noch schöne Ostertage

    • Stimmt,

      Wir haben uns ebenfalls in eine Zeit versetzt gefühlt, die gemütlicher ist, als unser Alltag.

      Gruss zurück und fröhliche Ostern
      Christiane & Aras

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