Singapur 2017

Singapur steuern wir an, weil wir es als Drehscheibe nutzen, für günstige Flüge in andere asiatische Länder oder preiswerte Verbindungen nach Europa. Aber die imposante Stadt beeindruckt uns, ein guter Grund, Zwischenstopps auf Kurzurlaube zu verlängern. Beim 2. Besuch übernachten wir zentral in Downtown, nahe beim Clarke Quay. Das verschafft uns eine bequeme Basis, mit kurzen Wegen nach Chinatown, Marina Bay sowie eine gute Anbindung an die Gourmet-Viertel in der City.

Unser Hotel – gute Mittelklasse – sprengt eigentlich die Reisekasse. Aber wir übernachten anderswo sparsamer, erwirtschaften dadurch einen kleinen Überschuss, den wir hier verbrauchen. Es ist entsprechend seiner Kategorie komfortabel eingerichtet, hat sogar genügend Steckdosen. Leider nutzen die uns nichts. Der Reise-Adapter zur Kopplung der in Singapur üblichen Norm G mit unseren Steckern Typ F liegt zuhause. Und Anschlüsse, an denen andere Leute so lange herumgefummelt haben, dass unsere Standardkabel irgendwie passen, finden wir gerade mal einen.

Viele Ziele erreichen wir zu Fuß. Für längere Distanzen nutzen wir öffentliche Verkehrsmittel. Bereits am Flughafen kaufen wir aufladbare Tageskarten für die MRT für knapp 8 € das Stück. Das Metronetz mit seinen verschiedenen Linien erschließt sich schnell, U-Bahnfahren ist selbsterklärend, Informationen gibt’s meist zweisprachig, auch auf Englisch. Sogar die Logik des Umsteigens an bestimmten Knotenpunkten ist denkbar simpel. Genauso wie die strikten Verhaltensregeln in Singapur, die durch einfache Symbole vermittelt werden: Rauchen und Essen im Zug wird teuer geahndet, Sitzplätze sollen frei gemacht werden für Schwangere, Senioren, Behinderte und Leute mit einer Puppe auf dem Schoß.

Unser erster Besuch gilt Marina Bay. Wir checken, ob wir im Makansutra Food Court noch Essen bekommen und vergewissern uns, dass die Wege um die Bay belaufbar sind.

Alles klar, Dinner nehmen wir bei den Hawkers nahe der Promenade ein. Die Lokalität kann zwar nicht ganz mit dem mithalten, was wir die nächsten Tagen entdecken, aber Aussicht und Atmosphäre sind großartig.

Noch bessere Aussicht haben wir am nächsten Morgen. Kurz nach Sonnenaufgang sind wir bereit für ein „Sightjogging“. Die Laufstrecke führt uns einmal um die Marina. Natürlich mit Kamera; was wir vorhaben, hat weniger mit reiner Fitness zu tun, als der Idee, einmal in dieser Superkulisse zu laufen und das Ereignis für uns zu dokumentieren. Alternativ lässt sich das alles auch mit einer Biketour gut erleben.

Schon um kurz vor 7 Uhr ist es bullig warm und extrem schwül – kein ideales Laufwetter. Aber die Umgebung ist genial. Nicht wenig Läufer sind unterwegs, Singapur zeigt sich sportlich, Einwohner und Besucher ebenso.

Es ist keine Schande, Verschnaufpausen einzulegen, langsamer zu traben als sonst. Nicht Bestleistung zählt, eher das olympische Motto „Dabeisein ist alles“. Wir genießen morgens absolut freie Sicht auf alles, was tagsüber umlagert ist und erleben einen heiteren Sonnenaufgang, ohne Wetterunbillen.

Die erleben wir etwas später, im Botanischen Garten. Die Anlage ist prachtvoll, kein Wunder, die klimatischen Bedingungen für üppige Flora sind ideal. Man merkt, die Stadt knausert nicht bei Hege und Pflege. Der Eintritt ist frei, nur der spezielle Orchideengarten ist gebührenpflichtig. Für Ältere ab 60 gilt ein Seniorentarif zu umgerechnet 65 Cent, Jüngere bezahlen etwa 3,30€, das ist günstig für ein teures Pflaster wie Singapur. Selbst wer kein ausgemachter Orchideenfan ist, wird beeindruckt sein, die Vielfalt, Formen und Farben in diesem Garten sind wohl einzigartig – auch bei heftigen Gewitterschauern, auf die man in Singapur immer gefasst sein muss.

Fließend ist der Übergang vom Park zurück in die City. Über den Zugang Tanglin Gate kommen wir zu Fuß zur Prachtstraße Orchard Road. Wenn Asiatische Shopping Malls tendenziell schon leicht ins Gigantische spielen, dann setzt Singapur immer noch einen drauf. Architektur, Größe und Ausstattung kennen keine Grenzen. Was technisch und organisatorisch machbar ist, wird umgesetzt – und zwar immer mit Air Condition.

Wir entern eine dieser heruntergekühlten Einkaufswelten, schaffen es auch die Orientierung wieder aufzunehmen, nachdem wir uns zeitweilig im Gewirr von Läden und Restaurants verloren haben. Die Überflutung mit optischen und akustischen Werbebotschaften ist eine echte Herausforderung für die Sinne, davon waren wir wochenlang verschont. Gleichwohl gelingt es uns, mit der coolen Grandezza von Großstädtern, die in der Lage sind, jeden Kaufrausch abzufedern, den beeindruckenden Komplex unbeschadet wieder zu verlassen.

Der eigentliche Charme Singapurs liegt für uns im Zusammenspiel der verschiedenen Ethnien, die nach unseren Beobachtungen im Alltag gut miteinander zurecht kommen, gleichzeitig aber auch ihre speziellen Quartiere besetzen, wo sie sich voll entfalten. Die Viertel der Inder, Chinesen und Muslime sind nur die augenfälligsten und für den Singapur-Besucher touristisch am ergiebigsten.

Auf der violetten Linie der Metro fahren wir direkt zur Station „Little India“. Szenenwechsel beim Aussteigen: Publikum und Straßenbild sind eine authentische Hommage einer beliebigen indischen Stadt. Es fehlt vielleicht am typischen Grundgeruch, einer Mischung aus organischen und menschengemachten Aromen, umherschlendernden Kühen. Auch der Hintergrundlärm aus dem allen indischen Ortschaften immanenten Dröhnen der Hupen von Autos, Rikschas und Motorrädern ist gedämpft. Der Rest ist stimmig: Restaurants, das Warenangebot, die ermunternden Händler und die Insence-Düfte, aus kleinen Schreinen, die Krishna, Shiva oder Ganesha gewidmet sind, indish as indish can be.

Unwiderstehliche Anziehungskräfte entwickeln Geschäfte mit indischen Süßigkeiten. Mit einem süßen Happen gestärkt, lassen wir uns durch das Gewimmel treiben, die Syed Alwi Road hinab, bis zum Kaufhaus Mustafa Center, dem Universalanbieter für original indische Produkte. Zeit für ein Shopping.

Von den vielen Foodcourts, die es in Singapur zu entdecken gilt, will man gut und günstig essen, empfehlen wir unbedingt den „Essenspalast“ Lau Pa Sat, zwischen Waterfront und Chinatown.

Dort werden wir mit einem reichhaltiges Angebot von Spezialitäten Südostasiens konfrontiert, dass einem schwindelig werden kann. Jedes Land ist mit typischen Spezialitäten vertreten, die selbst wir nicht umfassend benennen können, obwohl wir schon einiges bereist haben. Du nimmst Dir vor, systematisch vorzugehen, filterst weg, was gar nicht geht und fühlst Dich wie in Hawkers‘ Schlaraffenland. Zeit sollte man mitbringen, um sich nicht vom großen Hunger zu vorschnellen Entscheidungen treiben zu lassen. Das mutet an wie Überforderung, aber bitte vergesst nicht: Eine Stadt, die sich so offen zum Biergenuss bekennt, kann nicht schlecht sein.

Was Singapur für uns attraktiv macht, ist die gelungene Synthese zwischen Alt und Neu. Wo andere Städte schneller die Abrissbirne einsetzen wird hier aufwändig renoviert. Ganze Straßenzüge, mit Fassaden, die ahnen lassen, aus welchen Wurzeln diese Stadt gewachsen ist, sind erhalten.

Frisch aufpoliert schmiegen sie sich oftmals unter ausladenden Dächern zwischen hypermodernen Wolkenkratzern.

Solche klugen Konstrukte erlauben sogar bei Regen ein Bummeln im Freien mit einem Durchnässungsfaktor von Null. Überhaupt, Singapur ist eine fußgängerfreundliche Stadt. Chinatown finden wir leicht, der Weg dahin ist pures Sightseeing. An Stadthäusern vorbei, mit vielen Restaurants und Läden, taucht bald ein buddhistischer Tempel im chinesischen Stil auf.

Ein Zahn des Erleuchteten soll sich hier befinden, heißt es. Besichtigungen sind möglich, ohne sich wie in Myanmar einem „No Shoe“-Gebot unterwerfen zu müssen. Interessant, wenn man schon Tempel aus anderen Regionen kennt, ist die innere Gestaltung. Auch hier dominieren prächtige Dekorationen. Eine Besonderheit sind die an jeder Seite eingearbeiteten Schreine, die jeweils 100 Buddha-Statuen aufnehmen. Wer es schafft, die hundert heiligen Namen des Buddhas zu murmeln, dem soll das Glück gewogen sein. Weder das eine schaffen wir, noch fühlen wir uns mystisch berührt, wo der Zahn verwahrt wird. Aber da heißt es wohl warten; der Erleuchtete ist mit den wahrhaft Geduldigen.

Dafür versöhnt uns Chinatown mit einem Produkt, dessen Existenz wir seit Jahren vergessen haben: Sago. Hier gibt es sie noch oder schon wieder, Obstsuppen mit Froschaugen. Die Deserts, angerichtet mit Früchten, Nüssen und knallig bunt gefärbten Kügelchen fallen sofort auf, wollen getestet werden. Geschmacklich zwar nicht die größte Offenbarung, sind die Schüsselchen immerhin erfrischend, 80% der Speise besteht aus Wassereis.

Nicht weniger traditionell als Inder und Chinesen, präsentieren sich die Muslime Singapurs im arabischen Viertel rund um die Haji Lane. Wer eine Moschee im 1001-Stil bewundern will, findet sie hier. Viel aufregender für uns sind die psychedelisch gestalteten Läden in den kleinen Gässchen.

Graffitis und Dekorationen, die eher an die Flower Power Bewegung der Hippies erinnern als an Asien. Sogar die Musik, die aus den kleinen Cafés herüber weht, ist authentisch, späte 1960er Jahre stellt der Kenner fest. Passend bekommst Du hier türkische Kebaps und Baklawa, wie einst im Puddingshop in Istanbul.

Dass Singapur mehr ist, als nur die Drehscheibe für günstige Flugverbindungen, merkst Du spätestens, wenn Du recherchierst, wie sich der Zwischenstopp interessant gestalten lässt. Und dann ist es zur Entscheidung, an die Reise noch 1 oder 2 Tage dranzuhängen, nur noch ein winziger Schritt. Einer, der sich lohnt, finden wir.

Unser besonderer Tipp für Reisende, die nur einen Zwischenaufenthalt in Singapur haben und einige Stunden Zeit mitbringen: Die Gratis-Sightseeing Touren, die vom Flughafen Changi angeboten werden. Wie es funktioniert könnt Ihr hier nachlesen. Wichtig: Die Anmeldung muss noch, vor der formalen Einreise, an einem Schalter im Transitbereich erfolgen. 

Wie es uns bei unserem ersten Besuch in Singapur erging, lest Ihr hier.

So ging es für uns weiter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.