Mt. Kelimutu

Wer zum Kelimutu will, muss in jedem Fall nach Moni. Man kommt entweder aus Maumere oder – wie wir – aus dem Westen, über Ende.

Ende an der Südküste von Flores als Stadt zu bezeichnen, fällt schwer, obwohl hier 60.000 Menschen leben und sie damit als größte Stadt der Insel gilt. Bei der Anreise lassen sich schon aus der Ferne die beiden Vulkane erkennen, die typisch sind für die Silhouette des Ortes.

Wir passieren dunkle Strände, wo die bekannten grünblauen Steine, systematisch aufgelesen und in Säcke verpackt, auf ihren Abtransport zur Weiterverarbeitung warten. Bei einem Halt sammeln wir eine Handvoll der farbigen Kiesel als Souvenir ein. Mit den Muscheln, die wir an anderen Stränden finden, läppert sich das übrigens zu einem ganz ordentlichen Gewicht zusammen. Wer das trägt? Natürlich der Mann.

Zu den Sehenswürdigkeiten zählt die Kathedrale. Ende ist für die katholische Kirche immerhin so bedeutend, dass sie dem Standort einen Bischofssitz widmet. Ein eher bescheidener Bau, größer zwar als normale Kirchen auf Flores, aber ansonsten mehr ein Symbol schlichter Demut als der Opulenz, die solchen Sakralbauten oft eigen ist.

Was bietet Ende sonst noch? „Geht zum Markt“, heißt es in den Informationen über Ende, der ist besuchenswert. Mag sein, dass hier die unglaublichsten Schätze, die Flores an Textilien und Kunsthandwerk aufbieten kann, lagern. Wir können das weder bestätigen noch widerlegen. Da wir am 1. Mai in Ende sind, schauen wir auf verschlossene Läden. Arbeit ist heute tabu. Nur nicht für die Fischhändler, die preisen ihre Waren auch an solchen Tagen an.

Ende erleben wir als Dorf, das breitgetreten eine riesige Fläche bedeckt und deswegen logistische Schwierigkeiten bereiten kann. Wir hatten Glück, unsere Unterkunft lag an der Bemo-Route und so sind wir problemlos von einem Ende zum anderen gekommen. Ende gut, alles gut, sagen wir, zurück im Hotel. Und freuen uns, nur den Zwischenstopp und nicht mehr eingelegt zu haben.

Moni, wo wir nach einer bequemen, sehr kurvenreichen Anreise ankommen, ist für die nächsten Tage unser Basiscamp für die Erkundung des Vulkans und der Umgebung. Das Örtchen, von Bergen und Reisfeldern umgeben, besteht aus einer Handvoll Pensionen, Restaurants und Verkaufsbuden zwischen einfachen Wohnhäusern, die an der Durchgangsstraße aufgereiht sind. Eine Schule gibt es hier, die Kirche und eine Ecke, wo an einigen Tagen ein Markt abgehalten wird. Moni besitzt eine Attraktion, nämlich eine stabil konstruierte Asphaltpiste, die über 1 km schnurgerade verläuft und 4-spurig ist. Gäbe es die umgrenzenden Berge nicht, wäre das bestimmt eine ideale Landebahn. So aber dient die Strecke als kurze Beschleunigungspiste; andere Freizeitvergnügen gibt es für Machos hier kaum.

Wir nächtigen in der Bintang Lodge. Freundlich ist es dort und die Bleibe hat sogar das Zeug zum Backpacker-Hotspot. Tobias und sein Team, wer Kumpel ist und wer Familie, erschließt sich kaum, sind cool drauf und von einer jamaikanischen Gelassenheit. Wir fühlen uns wohl. Zum Essen gehen wir allerdings lieber ins 1,5 km entfernte, hinter einer Kurve liegende Santiago. Dort ist die Küche nicht nur cool sondern sogar schmackhaft. Wenn Tobias unsere Koch-Tipps umsetzt, wird er aber aufschließen und bald einen Michelin Stern wert sein.

Alle reden vom Sunrise auf dem Kelimutu. Entgegen aller Logik lassen wir uns auf den Frühbesuch ein. Wir verabreden uns mit Tobias für 4:00 Uhr morgens. Er erwartet uns pünktlich vor seinem Wagen, locker eingewickelt in einen Schlafsack, ein Kopfkissen vor dem Bauch. Vom Hotel bekommen wir Frühstückspakete und lassen uns in 40 Minuten zum Gipfel des Vulkans fahren. Unterwegs entrichten unseren Obulus am Tickethäuschen, rund 10 € pro Person. Vom Parkplatz haben wir noch eine Reststrecke, die wir zu Fuß zurücklegen. Übrigens, wir sind zu früh hier oben, die Abfahrt um 4:30 Uhr hätte gelangt.

Vom Parkplatz gehts in stockdunkler Nacht unter einem prächtigen Sternenhimmel nach links. Treppen hoch und dann dem Weg folgen. Wir passieren als ersten Kratersee, den Tiwu Ata Polo, folgen dem Weg der weiter zum Gipfel führt. Vorbei am Klohäuschen erreichen wir wieder einem Treppenanstieg. Dass wir jetzt am höchsten Punkt, knapp 1.700 Meter überm Meeresspiegel angelangt sind, lässt sich an einem gemauerten, pyramidenartigen Bau ausmachen. Händler sitzen dort auf den Stufen, bieten bereits Kaffee, Tee, Instant-Süppchen und Verzehrbares an. Wir haben Glück. Zum einen, weil es nicht sehr kalt ist, zum anderen, weil sich die Zahl der Besucher heute in Grenzen hält. Schätzungsweise 40 Leute kommen bis zum Sonnenaufgang an. Das passt noch. Wahrscheinlich herrscht hier oben während der Hauptsaison ein unsagbares Gedrängel, wie es bei asiatischen Sunrise-Spots üblich ist.

Der Kelimutu ist weltweit ein Unikum, mit seinen 3 verschiedenfarbigen Kraterseen, die dicht beisammen liegen. Jeder See hat seine eigene Grundfärbung. Für uns Laien genügt die Erklärung, dass die Krater Wasser enthalten, das durch unterschiedliche Gesteinsschichten nachfließt und durch verschiedene Mineralien seine spezifische Farbe bekommt. Da aus bestimmten Perspektiven die Krater TAP und TIN gemeinsam betrachtet werden können, ergeben sich tolle optische Effekte. Der See TAM liegt auf einer anderen Achse. TAP, TIN und TAM gleichzeitig ins Sichtfeld zu bekommen, schaffen nur Chamäleons mit ihren Drehaugen und vielleicht noch Drohnenkameras. Die Abkürzungen für die Kraterseen haben übrigens Geologen erfunden. Leute wie ich hätten sie wohl Tick, Trick und Track getauft, das lässt sich besser merken.

Die Wartezeit überbrücken wir mit einer Tasse Ingwerkaffee und dem mitgebrachten Frühstückspaket. Der Sonnenaufgang ist nicht besonders. Zu viele Wolken am Himmel und irgendwann ist die Sonne eben da. Aber auch ein spektakulärer Aufgang kann nichts daran ändern, dass die Effekte der kolorierten Seen erst viel später sichtbar sind. Gegen 8:00 Uhr werden TAP und TIN vom Sonnenlicht erfasst und entfalten ihre spektakuläre Wirkung. Wer diesen Moment nicht abwartet, versäumt das Beste.

Noch länger dauert es, bis der etwas tiefer liegende TAM illuminiert wird. Wir beobachten, wie der Nebel, der den See versteckt hat, langsam verdunstet und die Wasseroberfläche zum Vorschein kommt. Das wirkt märchenhaft und ist spannend. Die Dramatik wird gesteigert durch eine Bande Affen, die im entscheidenden Moment aus der Tiefe auftauchen, wie Gorillas im Nebel. Zwergiger zwar, aber unerwartet.

Jetzt erst treten wir den Rückweg an. Mit dem aufkommenden Tageslicht nehmen wir zum ersten Mal die bizarre, karge Landschaft hier oben wahr und nehmen den langen Treppenweg zum unteren Viewpoint.

Nun ist auch der richtige Zeitpunkt den Aussichtspunkt vor dem TAP zu besteigen. Die satte Färbung der spiegelglatten Oberfläche setzt sich gegen den schroffen Kraterrand ab und erzeugt vor unseren Augen ein fast surreales Bild.

Wir möchten den Rückweg nach Moni zu Fuß zu gehen. Tobias brauchte daher nicht auf uns zu warten. Die Trekkingroute, die wir wählen, beginnt ca. 500 Meter unterhalb des Parkplatzes und kann nicht verfehlt werden, da die Wegweiser im Nationalpark präzise postiert sind. Unser Abstieg führt uns über einen Trampelpfad, leicht abschüssig ins Dorf Pemo. Nach etwa 40 Minuten passieren wir den winzigen Ort, folgen einfach der kleinen Straße weiter. Richtig verlaufen kann man sich hier kaum, entweder landet man auf dem Abstieg, der später zum Wasserfall führt, oder am Übergang zur Rennpiste von Moni.

Schönste Natur erleben wir auf dem Weg und fröhliche Momente in kleinen Siedlungen. Aus einer Schule stürmen Kinder, um uns zu begrüßen und gruppieren sich mit ihrem Lehrer zum Foto. Eine Wegbiegung weiter, bitten uns Kinder, ihr Haus zu besuchen. Die Großeltern, Pius und seine Frau Paula, warten dort, servieren uns Kaffee aus eigenem Anbau und einen Snack aus Süsskartoffeln. Auch hier versammelt sich die kleine Familie vor unserer Kamera und wir bekommen eine Adresse, zum Zuschicken der Bilder.

Verschwitzt, dem immer drohenden Regen während der Wanderung gut entkommen, erreichen wir nach rund 3 Stunden unsere Unterkunft.

Unser Basiscamp Moni ist auch ein guter Startpunkt für weitere Exkursionen. Ein Strandbesuch wird uns empfohlen. Mit einem Fahrer machen wir die Tour und sehen mit dem Koka Beach einen der spektakulärsten Strände auf Flores. Zwei Buchten, getrennt durch eine Sandbrücke und einen hochaufragenden Felsen. Einige Hütten gibt es unter hohen Palmen. Davor einige Fischerboote. Der Sand ist fein, die Buchten sauber, kein Müll, keine Plastikabfälle trüben das Vergnügen, hier zu sein. Das Meer ist glasklar. Wellen schlagen an den Strand, spritzen hoch und klatschen als schneeweiße Gischt ans Ufer. Wir finden unter einem schattigen Baum Platz und lassen es uns gut gehen.

Kaum andere Besucher finden her, obwohl es am Koka Beach sogar einen vereinsamten Homestay gibt, der von Blasius, dem Wirt der Fischkneipe, und seiner Frau betrieben wird. Bevor wir zurück fahren, lassen wir uns von ihm 2 Kokosnüsse öffnen, versprechen ihn zu erwähnen, wenn wir über unseren Besuch berichten.

Möge der Strand noch lange so erhalten bleiben, wie wir ihn heute erlebt haben. Möge Herr Blasius seinen Homestay auf ewig betreiben und möge er niemals nie das Grundstück an der Bucht, Investoren zum Kauf anbieten.

Unser Tipp für Moni: Wir haben in der Bintang Lodge by Tobias übernachtet!

Was uns aufgefallen ist, wie wir hierher kamen und wie es für uns weiter ging.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.