Oaxaca Umgebung

Eine Stadt ohne Umgebung ist wie eine mexikanisches Lokal ohne Tortillas. Oaxaca hat natürlich ein interessantes Umfeld und ist überdies eine gute Basis, diese Sehenswürdigkeiten zu entdecken.

Ein Ausflug nach: El Tule, Mitla und Hierve el Agua

Ein Ausflug, der pro Person 200 Pesos kostet, von 10:00 – 19.00 Uhr dauert, und zu drei Highlights der Umgebung führt, muss doch einen Haken haben. Hat er! Enthalten sind nämlich zwei Stops bei Sponsoren: eine Mescal-Fabrik und eine Weberei. Das nehmen wir in Kauf, weil wir das eine ohnehin erleben möchten (die Brennerei), das andere aussitzen können (die Weberei) und es vor allem nicht hinbekommen, den Tag so zu organisieren, wie es die Profis von „Lescas“ schaffen.

Und das sind unsere Stationen:

El Tule, der Baum

Wenn alle Lebewesen dieser Erde die Fähigkeit zum Erzählen besäßen, dann hätte diese Sumpfzypresse wohl viele Zuhörer. Sie könnte von Zapoteken berichten und der Conquista durch die Spanier. Der Baum von Tule gehört zu den ältesten Organismen auf Erden, ist wenigstens 1.400 Jahre alt, oder sogar 2.000, wie die Mexikanern glauben. Nicht diskutabel ist, dass El Tule mit einem Durchmesser von über 14 Metern, dickster Baum des Globus ist. Der Umfang misst sagenhafte 46 Meter.

Der Baum des Lebens, wie er auch genannt wird, ist natürlich nicht allein. Neben ihm steht eine Kirche, die er stolz überragt. Wir beschließen einmal um den Riesen herumzugehen, das macht sich gut in Reisebiografien. Der Eintritt beträgt übrigens nur 10 Pesos.

Die Fahrt zu den Stationen unserer Tour führt durch Landschaften, wie sie typischer für Mexiko kaum sein könnten. Karges Land, bewachsen mit Agaven und Kakteen. Das erinnert an Szenen aus Speedy Gonzales Comics und niemand wäre überrascht, jetzt einen Kojoten zu entdecken.

Viel aufregender für einen Teil der Passagiere im Bus ist allerdings die Destillerie, die wir nun ansteuern.

Beim König von Matatlan und indigenen Webern

Die Gemeinde Matatlan, in Fachkreisen bekannt als Welthauptstadt des Mescal, ist Namensgeber der Brennerei, die vor uns liegt. Ein englischsprachiger Angestellter der Firma übernimmt es, uns in die Kunst der Mescal-Herstellung einzuweihen. Er wird bei der anschließenden Verköstung in Personalunion die Rolle von Mundschenk und Verkäufer übernehmen. Geduldig ertragen wir die Erklärungen der einzelnen Produktionsschritte des Schnapses. Seien wir ehrlich, keiner von uns wird jemals versuchen, dieses Wissen selbst anzuwenden. Aber eine spirituelle Annäherung an den Spiritus, der nicht nur Mexikaner verzückt, zeugt schon von Kultur. Und dann geht’s an Saufen. Vor dem Mundschenk sind auf einer Theke wenigstens 4 Sorten Mescal und an die 20 Liköre auf Mezcal-Basis aufgereiht. Dazu runden einige Spezialdestillate das Sortiment ab. Auch wenn unsere Trinkgefäße nur Fingerhutgröße haben, man sollte mit Bedacht trinken, denn jeder darf alles versuchen und Mezcal ist hochprozentig. Auch kaufen ist erlaubt, aber das muss nicht extra erwähnt werden.

Nächste obligatorische Station ist eine Weberei, die von Indios betrieben wird. Heißt es jedenfalls. Auch hier beginnt die Annäherung ans Produkt mit einem Vortrag. Der ist ohne Zweifel lehrreich, achtsam, kulturell wertvoll und im Gegensatz zur Schnapsbrennerei sogar für Kinder geeignet. Aber was soll über so einen Besuch geschrieben werden, wenn man nicht ganz bei der Sache ist? Teppiche halt, mit schönen Farben und Mustern. Und eigentlich sind wir gar nicht enttäuscht, dass es nun mit dem vorgesehenen Programm weitergeht. Wir fahren weiter nach Mitla.

Die Ruinen von Mitla

Zapoteken sind die Erbauer dieser Bauwerke, die in Mitla zu besichtigen sind. Die 75 Pesos Eintritt sind an der Kasse zahlen. Die Palastanlage gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und vermittelt gut, wie in vorkolumbianischen Zeiten Paläste angelegt wurden. Alles ist sehr minimalistisch. Ganz anders als die pompösen Prachtbauten, die zur gleichen Zeit in Europa oder im Orient entstanden. Klare Linien und abstrakte Mosaiken stehen für den zapotekischen Stil. Ihre Bildersprache beruht auf einer gänzlich anderen Ästhetik. Interessant diese Ruinen.

Aber zum Gesamtbild gehört natürlich noch mehr. Etwa verständliche Informationen, wie damals gelebt wurde. Das fehlt vor Ort. Natürlich ließen sich durch intensive Vorbereitungen bereits vor der Reise viele Wissenslücken schließen. Aber so wie der Appetit erst beim Essen kommt, entsteht unser tieferes Interesse an fremden Kulturen meistens dann, wenn wir direkt vor einem Exponat stehen. Und so stellen wir Besucher mehr Fragen, als die Guides Antworten geben können. Wir gehen davon aus, dass die großen Museen in der Hauptstadt mehr Hintergrund vermitteln werden und nehmen uns erneut ganz fest vor, in Mexiko City ausreichend Zeit für den Besuch von Ausstellungen zu reservieren.

Wie auch bei vielen anderen Ruinen, haben auch hier die Spanier durch den Bau einer Kirche direkt auf einer der Tempel ihre Überlegenheit über die indigene Kultur und Traditionen herausgestellt.

Jetzt sind wir bereit für den Programmpunkt, der Höhepunkt des Tages werden soll. Leider verzögert sich die Weiterfahrt noch. Zeit für eine mexikanische Pause in einem Großlokal mit Menü. Nicht schlecht, Angebot und Ambiente, aber 15.15 Uhr ist nicht unsere Zeit für ein Mittagessen.

Hierve el Agua

Die Anfahrt ist nicht einfach. Das letzte Stück des Weges zu diesem Naturwunder ist einsam und holperig. Das Panorama, das sich auftut, ist atemberaubend. Berge und Wolken bilden tolle farbliche Kontraste, die Vegetation – Agaven, Kakteen und Palmen – wirkt fast surreal. Wir haben das Glück, bei idealem Wetter anzureisen. Irgendwo sind 60 Pesos Wegezoll und Eintritt pro Person fällig. Das erledigt der Fahrer, der vorher bereits diesen Obolus eingesammelt hat.

Unser Bus parkt und wir haben gute 90 Minuten Zeit, Hierve el Agua zu entdecken. Jetzt, am späten Nachmittag, ist jede Minute kostbar. Am Eingang greifen wir uns einen Guide, wir möchten ohne Verzögerung zur Hauptattraktion, dem steinernen Wasserfall. Natürlich geht es auch ohne Führung, die Wege sind gut erkennbar. Aber mit dem Führer ist es effektiver und wir freuen uns, dem jungen Einheimischen einen Job zu verschaffen. 

Hierve el Agua, das sind Kalkterrassen, die gerne mit dem türkischen Pamukkale verglichen und zusammen als einzigartig bezeichnet werden. Das stimmt nicht ganz. Touristisch, kulturell und vielleicht auch geologisch unterscheiden sich die mexikanischen von den türkischen Terrassen. Außerdem fehlt noch ein weiterer Ort, der mit Kalkterrassen aufwartet: Die kaum bekannten White Water Terraces bei Baishuitai in China.

Wir sind hier auf knapp 2.000 Metern Höhe und der Wind ist frisch. Für hier oben sollte man unbedingt eine Jacke im Daypack haben, und vielleicht noch eine Mütze, es kann kalt werden.

Zügig erreichen wir eine erste Terrasse, die bereits erkennen lässt, warum Hierve El Agua so besonders ist: Optisch wirken die Becken wie Infinity Pools, die direkt am Abhang abbrechen. Dahinter beginnt die Unendlichkeit der Sierra Madre mit tiefen Tälern und bis zum Horizont reichenden Bergketten. Von hier aus haben wir auch einen ersten Blick auf den beeindruckenden steinernen Wasserfall.

Über Treppen steigen wir tiefer in die Schlucht. Dieser Weg ist stabil und gut begehbar. Wir erreichen ein weiteres Becken, das direkt über dem versteinerten Wasserfall liegt. Eigentlich sind das mächtige Stalaktiten, aber der Vergleich mit einem Wasserfall ist stimmig. Der Weg führt direkt zum Fuß des „Wasserfalls“ und dort eröffnen sich weitere spektakuläre Perspektiven auf die steile Felswand.

Wir haben das Gefühl, zur besten Tageszeit hier zu sein. Die Sonne verschwindet gerade und wirft ihre letzten goldenen Strahlen über die weißen Steine. Der stahlblaue Himmel changiert bereits ins Asphaltgraue und in der eisigen Luft tritt jeder Stein und jeder Baum gestochen scharf hervor. Zufall? Glück? Egal, heute passt alles perfekt.

Fazit zur Tour

Alle Stationen dieses Tagesausflugs sind im Prinzip individuell erreichbar. Wahrscheinlich würden wir einiges auslassen. Problematisch wäre die Abstimmung der einzelnen Etappen mit Colectivos, denn da musst du immer warten, bis der Wagen voll ist. Schwer einschätzbar ist, ob der Rückweg geklappt hätte. Nach Sonnenuntergang in der Abgeschiedenheit des Hierve el Agua einen Wagen zu finden, halten wir für schwierig. Mit der Tour brauchten wir uns dazu keinen Kopf zu machen.

Monte Albán

In der Nähe von Oaxaca befindet sich ein Berg, der lange vor Ankunft der Spanier ein religiöses Zentrum der Zapoteken war. Seine Ruinen sind heute als Monte Albán berühmt. Die Kultstätte ist gut erreichbar mit einer Buslinie, die in der Stadt Oaxaca startet. Über maps.me finden wir die Haltestelle leicht, kaufen die Tickets und brauchen bis zur Abfahrt nicht lange zu warten, sie erfolgt immer zur halben Stunde. Fahrscheine kosten 60 Pesos pro Person und enthalten bereits den Preis für die Rückfahrt, die jeweils zur vollen Stunde stattfindet.

Für die Ausgrabungsstätte, wird ein Eintrittsgeld in Höhe von 80 Pesos fällig. Um es vorweg zu nehmen, der Besuch ist mehr als lohnenswert. Auf einer Fläche, die mehrere Fußballfelder groß ist, verteilen sich die Ruinen der Kult- und Wohnbauten. Um uns eine Übersicht zu verschaffen, besteigen wir als erstes eine hohe Pyramide, die dem Eingangsbereich am nächsten liegt. Ihr gegenüber liegt am anderen Endes des Areals eine weitere große Pyramide. Dazwischen auf den Seiten, einzelne, kleinere Strukturen.

Der Panoramablick über die Zapotekenstadt ist sicher jedem bekannt, der schon einmal einen Reisekatalog über Mexiko in den Händen hatte. Monte Albán ist eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten des Landes.

Nach dem Blick von oben besichtigen wir die einzelnen Bauten. Alle wirken recht gut restauriert. Welchem Zweck sie einst dienten, entnimmt man den Kurzbeschreibungen die davor platziert sind. Die 2 Stunden, die man wenigstens für den Rundgang dieses UNESCO-Weltkulturerbes einplanen sollte, vergehen wie im Fluge. Es sind Bilder, die sich einprägen. Ganz besonders auch der Ausblick von hier oben auf Oaxaca und die umliegenden Berge.

Um es nicht zu vergessen: Der Bus-Transfer zurück in die Stadt klappt hervoragend.

Unser Fazit zum Aufenthalt; die 4 Tage in Oaxaca und Umgebung haben sich voll gelohnt.

Mehr von unserem Mexiko findet Ihr hier: Yukatan, Palenque, San Cristobal, PueblaMexico-City, Puerto Escondido,Morelia, Guanajuato

 

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