Der Hamburger Dom

Wildes Schreien, Fetzen von Musik, hinter mir ein Peterwagen, vor mir die Feuerwehr. Ein gallopierendes Schwein sitzt mir im Nacken und schräg vor mir zieht ein mächtiger Schwan seine Bahn. Wo ich bin ist klar, in einem Kinderkarussell auf dem Hamburger Dom.

Auf dem Hamburger Dom

Dieses Bild kommt uns in den Sinn, wenn wir über den Hamburger Dom schlendern. Ein Volksfest in Hamburg, das dreimal jährlich auf dem Heiligengeistfeld abgehalten wird und Jung und Alt, Kind und Kegel anzieht (Achtung: Hunde sind nicht erlaubt!)

Das Gelände liegt zentral in der Stadt, dort, wo im Mittelalter ein Klosterkrankenhaus seinen Platz hatte, das sich dem „Heiligen Geist“ – Gott hab‘ ihn selig – verschrieben hatte und den Armen und den Pilgern, den Mühseligen und Beladenen, Unterkunft und Pflege bot.

Im Umfeld des Domes, also dem kirchlichen Bauwerk, das nicht ganz so imposant war wie der in Köln, wurden immer schon Märkte abgehalten, die Händler, Schausteller und Gaukler anzogen. Das blieb auch so, als die Kirche abgerissen wurde und nichts als der Name übrig blieb. Das Areal ging im Laufe der Zeit aus dem klerikalen Besitz über in den öffentlichen und wurde bereits ab Ende des 19. Jahrhunderts für Amüsierzwecke genutzt. Heute ist es das, was das Oktoberfest für München oder der Wasen für Stuttgart ist: Kirmes, Rummel Volksvergnügen.

Wir sind von der Reeperbahn kommend am Millerntor ins Gewimmel eingestiegen. Dort ist das Riesenrad platziert; ein Blickfang, gerade in der Dämmerung und nachts; es ist schon toll, was Elektrizität in Verbindung mit modernen Leuchtkörpern an optischen Effekten zaubern kann. Vor der Kulisse eines dramatisch wirkenden Himmels; das gibt es öfter in Hamburg, entsteht natürlich sofort eine ganz besondere Stimmung.

Wie früher, wir kennen die Veranstaltung bereits seit Jahrzehnten, ist das Treiben in der Budenstadt des Schaustellergewerbes aufregend. Eigentlich hat sich hier nicht viel verändert. Die Fischbrötchen, Lebkuchenherzen, Liebesäpfel, gebrannten Mandeln und Zuckerwatte werden wohl immer noch nach den alten Rezepten hergestellt; jedenfalls riecht es so. Und selbst die Losbuden, mit ihren kitschigen, plüschigen Hauptgewinnen sehen fast wie früher aus.

Es gibt sie noch, die Geisterbahnen, Kettenkarussells, Achterbahnen, Spiegelkabinette, Irrgärten und Losverkäufer.

Sogar die Autoscooter, die irgendwie altmodisch wirken und noch genauso aussehen wie früher, gibt es noch, die nach wie vor eine ganz bestimmte Kundschaft anlocken. Junge Männer und Mädchen, die sich gegenseitig „anbumsen“, dazwischen Diskomusik und die Schaustellergehilfen. Alles ist in Bewegung und gehorcht der dominanten Stimme des Ansagers, der aus seiner Kabine heraus die Stimmung am brodeln hält.

Neu sind die Hightech-Fahrgeschäfte. Thematisch zwar den Geräten nachempfunden, die wir aus der Vergangenheit schon bestaunt haben, aber heute schneller, gewaltiger und extremer. Das Ziel ist immer noch das gleiche, nämlich gegen Zahlung eines Obolusses sich in ein körperliches Erleben versetzen zu lassen, das man als durchaus Stress bezeichnen darf. Wir bekommen so etwas manchmal auf unseren Reisen übrigens ganz umsonst. Unterwegs im Flugzeug gehören in einigen Flugregionen solche Rüttel- und Schüttelpartien mit Absackern über hunderte von Metern fast schon zum Standard. Selbst Billigflieger berechnen dafür übrigens keine Zuschläge.

Ein Dombesuch gehört zu jedem Besuchsprogramm in der Hansestadt, wenn man zur richtigen Zeit in Hamburg weilt. Die Chancen sind gut, denn neben dem ursprünglichen Winterdom gibt es inzwischen einen Sommer- (Hummelfest) und Frühjahrsdom (Frühlingsfest). Die Veranstaltungen dauern jeweils 4 Wochen. Damit ist der Dom Rekordinhaber als das größte Volksfest des Nordens und die längste Kirmes Deutschlands.

Wer nach den 2 bis 3 Sunden, solange sollte man sich für einen Besuch schon nehmen, noch unternehmenslustig ist, kann das mit einem Spaziergang über den nahen Kiez (Reeperbahn) oder einem Gang durch die Speicherstadt abschließen. Das eine (Kiez) ist fußläufig, das andere (Speicherstadt) per U-Bahn gut erreichbar.

Wer weiterlesen möchte:

Hamburg an einem TagDurch die Speicherstadt, HafenCity, Hafen,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.