Brügge

Brügge an einem Tag oder es sehen, ohne zu sterben

Bevor wir unsere Reisetipps Brügge überhaupt aufschreiben, halten wir fest: Wir sind hier, weil wir es so wollen. Also spätestens, seit wir den Film “Brügge sehen … und sterben?” mit Colin Farell kennen. Und noch bevor wir die Stadt betreten erinnern wir Dialoge und Szenen und nehmen uns vor, zuhause den ganzen Film noch mal anzusehen.

Ken: „Er hat gesagt, dieser ganze Trip, die ganze Sache, der Aufenthalt in Brügge ist nur, damit du noch ein letztes schönes Erlebnis vor deinem Tod hast.“ Ray: „In Brügge? Auf den Bahamas vielleicht! Wieso das beschissene Brügge?” – Ken: „Ich schätz mal, das ist billiger.“

Nun, sterben wollen wir nach unserem Besuch nicht und billiger ist Brügge im Vergleich zu den übrigen Stationen unserer Reise keinesfalls. Eher im Gegenteil, wir richten uns auf einen Tag ein, der unser normales Budget sprengt. Und wir finden unsere ganz eigenen Reisetipps für Brügge. Fremdenverkehr boomt, treibt das den Preis. Um nicht ganz der Hotellerie Brügges ausgeliefert zu sein, reisen wir für einen Tagesbesuch aus dem französischen Dunkerque an. Dort lässt es sich gut und günstig übernachten und der Strand dort ist unglaublich schön.

Über die mautfreie Autobahn brauchen wir gerade 45 Minuten um hier zu sein.

Achtung, so eine Fahrt kann teurer werden, die Strecke ist quasi gesäumt von Blitzern.

Eine gute Vorbereitung ist immer die halbe Miete. In unserem Fall die Entdeckung der günstigen Parkplätze, direkt hinter dem Bahnhof in Brügge. Sagenhafte 2,50 € bezahlen wir für den ganzen Tag. Im Stadtbereich, ist es um ein vielfaches kostspieliger. Es dauert übrigens keine 10 Minuten, um zu Fuß das historische Zentrum zu erreichen. Und im Vorübergehen nehmen wir aus der Touristen-Info im Bahnhof gleich einen Stadtplan mit.

12 Stationen empfehlen sich als Meilensteine des Stadtrundgangs

Dazwischen liegen einige hundert Jahre Bau- und Kunstgeschichte, über 80 Schokoladenläden und die Chance, 1.400 Biersorten kennenzulernen. Um zu verstehen, was wir besichtigen, macht es Sinn, einige Fakten aufzurufen. Die Blütezeit Brügges war im Spätmittelalter. Günstige politische und geografische Konstellationen machten die Stadt zu einem der wichtigsten Handelszentren Flanderns. Hierher fanden alle Waren, die der europäische Markt begehrte. Englisches Tuch, italienische Gewürze, Pelze aus Russland, Wein aus Frankreich. Die Infrastruktur aus Flüssen und Kanälen war ideal für die Logistik. Das brachte Wohlstand und einen Bauboom auf den ein bedeutungsloser Stillstand folgte. Das Alte blieb und weder Großbrände noch Kriege zerstörten es. Im Ergebnis verdanken wir dieser Periode des Nichts eine der besterhaltenen mittelalterlichen Städte. Unverbaut und nahezu authentisch konserviert.

Besichtigen sollte man Brügge entweder zu Fuß oder bei einer Fahrt durch die Kanäle

Wenn die Zeit es zulässt, gönnt man sich sich beide Perspektiven. 4 – 5 Stunden reichen fast. Unsere Reisetipps für Brügge beschreiben beides. Wer es intensiver will und Kondition mitbringt, verlängert nach Gusto.

Der kurze Weg durch den Poertorenpark führt zum Powder Tower, bei der Brücke zum Minnewatersee. Von hier haben wir einen schönen Blick auf das alte Brügge. Ein wahres Postkartenmotiv. Wie an allen Hotspots Brügges braucht es Geduld, bis man die optimale Position erwischt. Aber wir sind flink, schieben uns an den Besucherpulks vorbei, die immer nur so schnell sind, wie der Langsamste in der Gruppe.

Am Beginenhof

Etwas weiter, entlang am See vor dem Minnewaterpark, stößt man direkt auf den Komplex des Beginenhofes, der Wohnanlage eines katholischen Frauenordens. Der Hof ist immer noch bewohnt. Allerdings nicht mehr von Nonnen, denn die letzte Beginin starb 1971. Eintritt wird übrigens nicht verlangt. Alle Gebäude, die kein Museum beherbergen, lassen sich unentgeltlich besichtigen.

Anfangs versuchen wir noch, alle Sehenswürdigkeiten systematisch in unseren Rundgang einzubeziehen. Aber bald verlassen wir die Standardroute und erkunden spontan, was sich gerade als nächstes vor uns auftut. In Brügge funktioniert das gut, weil man nie das Gefühl hat, etwas zu versäumen. Vor allem aber hat man immer die Chance, ausgelassene Hotspots nachzuholen.

Burgplatz und weitere Sehenswürdigkeiten

Auf diese Weise passieren wir den Burgplatz, an den gleich mehrere prächtige Bauwerke grenzen, nämlich die Heilig-Blut-Basilika, das Rathaus und die Alte Zivilkanzlei. Glückes Geschick, das Wetter ist uns wohl gesonnen. Aber selbst in der grauen Jahreszeit kommen Besucher auf ihre Kosten. Der Brügge-sehn-und-sterben-Film, der sicher auch ein Grund für den Besucherandrang ist und im Winter spielt, liefert dafür recht beeindruckende Ansichten.

Der Markt ist eine Hauptattraktion bei jeder Besichtigungund gehört zu allen Reisetipps für Brügge. Er lockt mit den Stadthallen sowie dem 83 Meter hohen Belfried-Turm. Der ist übrigens kein sakrales Bauwerk, sondern Symbol des Bürgertums und war früher Sitz für eine Brandwache. Hat ja im Prinzip funktioniert. Brügge erlebte zwar einige Brände, aber niemals alles vernichtende Feuersbrünste.

Die Brücke von St. Bonifacius

An einem weniger spektakulären Ort, der gleichwohl stark von Besuchern frequentiert wird, legen wir eine Rast ein. Dazu suchen und finden wir die Brücke von “St. Bonifacius”, die kleinste Kanalüberquerung Brügges. Diese bauliche Kleinod wirkt herrlich idyllisch und der populäre Beiname “Lovers-Bridge” ist wahrlich berechtigt. Hin kommt man am besten von der Liebfrauenkirche, über den schmalen Durchgang zum Kanal, der zum Hof Ahrents führt.

Hunger und Durst muss niemand leiden, der Brügge besucht und ein Portemonnaie dabei hat. Zwischenverpflegung gibt es an jeder Ecke, in jeder Preisklasse und für jeden Geschmack. Dafür sind wir in Belgien! Entweder wird es deftig, vielleicht irgendwas mit Pommes und Bier, oder süß, also eine Waffelkreation, mit Sahne und Obst.

Durch die Kanäle

Zur Abrundung der Fußbesichtigung empfehlen wir eine Fahrt durch die Kanäle. Die 10 € pro Person sind gut angelegt. Brügge aus der Perspektive dieser kleinen flachen Motorkähne, garniert mit den Kommentaren der Schiffer ist gar nicht mal so abgedroschen, wie es klingen mag. Uns macht es Spaß.

Keine Frage, Brügge ist überlaufen. Etwa 5 Millionen Touristen besichtigen jedes Jahr die altertümlichen Kulissen. Viele davon kommen in Bussen an, formieren sich zu Rudeln geballter Neugier und bewegen sich hinter dem erigierten Regenschirm eines Guides durch die Quartiere. Sich das alles wegzuwünschen klappt nicht. Aber mit Geduld und der Entschlossenheit, die Stadt sozusagen gegen den Besucherstrom zu entdecken, ist auch so eine Situation zu schaffen.

Brügge spezial

Positiv fällt uns auf, dass Brügge auch für Leute mit Spezialinteressen einiges bereit hält. Da gibt es Kunstsammlungen flämischer Meister oder moderner Künstler, Museen zur Stadtgeschichte, Tourangebote, etwa zu den Schwerpunktthemen Schokolade und Bier, klerikale Ausstellungen und Kuriositäten, wie das Foltermuseum. All das entweder geführt, mit all-inclusive Angeboten oder auf eigene Faust.

Was wir von Brügge sehen ist imponierend. Der Besuch war fällig, schon um zu wissen, ob Ray (der junge Gangster im Brügge-Film) richtig liegt, als er sagt:

Wenn ich auf einem Bauernhof aufgewachsen und geistig zurückgeblieben wär, würde mich Brügge vielleicht beeindrucken, aber das bin ich nicht, also tut’s das nicht.“

Also, hat Ray recht? Ehrlich, wir wissen es heute noch nicht.Dafür haben wir aber ein paar gute Reisetipps für Brüssel gesammelt.

Übrigens, Brügge ist auch nur ein Teil Europas

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