Akko

Akko ist aus Sicht eines Postkartenverkäufers das Beste, was ihm passieren kann. Die Stadt bietet einfach eine sagenhafte Kulisse für Fotografen, vielleicht sogar für Produzenten von Seeräuberfilmen; hier könnte auch ein Piratennest sein.

Kommt man von Haifa aus und wählt die Zufahrt, die am Palm Beach vorbeiführt, hat man den schönsten Blick auf Akko. Eine weit ins Meer hineinragende Landzunge, umsäumt von einem Bollwerk von Mauer, das sich nahezu vollständig intakt gegen das türkisfarbige, glitzernde Meer abhebt. Hinter der Mauer ragen die grünen Kuppeln von Moscheen auf, Minarette, Kirchtürme und ein Uhrturm.

Zuletzt waren als imperiale Macht die Osmanen hier, die das Städtebild entscheidend geformt haben.Türkisches haben sie hinterlassen, ein Hamam, den Bazar und noch einiges mehr, aber das entdeckt der Besucher am besten bei einem Rundgang.

Über die Weizmann Street fahren wir direkt auf die Altstadt zu. Sie ist der Hauptgrund für die vielen Besucherbusse, die unübersehbar die Parkplätze einnehmen. Stilsicher übernachten wir im HI Hostel, das vor der Altstadt liegt. Erbaut im Stile eines schlichten Kastells, aus dem gleichen gelben Gemäuer, das als Leitmotiv auch die Farbpalette Alt Akkos bestimmt, bietet es moderne, gut eingerichtete Zimmer, die mehr an ein Hotel erinnern, als an eine Herberge. Kleine Überraschung für den Interessierten: Im Erdgeschoss finden sich noch alte Mauerreste, die baulich in das Gebäude integriert sind.

Gleich im Eingangsbereich zur Altstadt gibt es eine kleine Fressgasse mit traditionellen Restaurants, die schon seit vielen Jahren in Betrieb sind. Die Wirte haben sich abgesprochen, mit Sonnenuntergang wird kein Gast mehr verköstigt. Das ist im Prinzip nicht weiter schlimm, bedeutet aber in dieser Jahreszeit (wir haben November!), dass wir bereits ab 17.00 Uhr draußen bleiben müssen.

Die Besichtigung Akkos führt uns zuerst zum Hafen. Klein und übersichtlich ist er, mit einem Sammelsurium an Fischerbooten und einfachen Sportbooten, einige mit Kajüte. Das größte Schiff ist ein Ausflugsdampfer, der Touristen herumschippert.

Jetzt, ganz dicht an der Stadtmauer, sehen wir erst, wie dick dieser Wall überhaupt ist. Schätzungsweise 2,5 Meter Durchmesser haben die Mauern, damit lässt sich eine Stadt schon eine Weile gegen Angreifer von See her verteidigen. Genau das hat hier auch stattgefunden, Akko wurde gehalten, sogar als Napoleon sie belagerte. Nach 61 Tagen zog der damals erfolglos und frustriert von dannen.

In den Jahrhunderten zuvor waren Phönizier hier unterwegs, Kreuzritter und Araber. Nach der kurzen Episode mit Napoleon, der versucht hatte, Ägypten und das östliche Mittelmeer zu erobern, ergriffen die Osmanen Besitz von Akko, das aber erleben musste, wie seine strategische Bedeutung als Hafenstaat rapide schwand, weil sein Hafen für Größeres zu klein war.

Vieles ist intakt geblieben und wurde so instand gesetzt, dass Akko inzwischen auf der UNESCO Liste als Weltkulturerbe geführt ist. Eine Bilderbuchstadt, mit einem ansehnlichen, gut gefüllten Bazar, der die Einheimischen versorgt und den Touristen die Chance gibt, Souvenirs zu erwerben. Bis kurz vor Sonnenuntergang, dann wird auch hier abgeschlossen.

In Akko hat man sich überwiegend auf Tagestouristen eingestellt, die in großen Gruppen in Bussen angefahren werden. Um dem Besucher mehr zu bieten, bräuchte es vielleicht Impulse, damit die Einheimischen ihre Komfortzone verlassen und ihre Läden und Restaurants auch abends geöffnet halten. Bei aller Romantik, die Einsamkeit haben mag, wer bummelt schon gern durch einen Ort, wenn die Bürgersteige hochgerollt und die Rollläden herunter gelassen sind? Tatsächlich lassen sich geöffnete, hochpreisige Lokalitäten immer finden, alles andere gönnt sich Ruhezeiten.

Genießen wir noch einmal den Postkartenanblick, dann ziehen auch wir weiter. Immerhin wissen wir nun, dass wir uns in hervorragender Gesellschaft befinden, da nicht nur der Tourismus sich an Akko die Zähne ausbeisst, sondern bereits der große Napoleon hier ein vorgezogenes Waterloo erleben durfte.

Von Akko aus machen wir einen Ausflug in den Norden. An der Grenze zum Libanon liegt das spektakuläre Rosh Hanikra. Hauptattraktion ist die Steilküste aus weißem Kalkstein. Der Fels löchrig, mit Grotten durchsetzt, die sich besichtigen lassen. Zu den Grotten gelangt man von der israelischen Seite aus mit einer Seilbahn, die ebenfalls eine kleine Berühmtheit ist, da sie mit zu den steilsten ihrer Art zählt.

Wir gehen zu Fuß zum Berg, der gleichzeitig den Grenzübergang zum Libanon darstellt. Busladungen voller Schüler sind hier oben; klar, die Seilbahn lohnt natürlich einen Klassenausflug. Einen herrlichen Ausblick haben wir: Weißer Fels, türkisfarbiges Meer, blauer Himmel. Einige Fischer sind hier, ein paar Besucher machen ein Picknick, dort wo der Ausblick am schönsten ist.

Keine 20 km ist Rosh Hanikra von Akko entfernt, an der Küstenstraße zwischen den Orten finden sich viele Badegelegenheiten und ein Naturschutzgebiet.