McLeod Ganj

Der Ort, eigentlich aus zwei Ortsteilen bestehend, hatte es uns angetan. Ursprünglich von den Engländern als Hill-Station angelegt, ist McLeod Ganj heute vor allem bekannt als Wohnsitz im Exil des Dalai Lama. Und weil das Oberhaupt der tibetischen Gelbmützen nicht der einzige Tibeter ist, der mit den Chinesen seine Probleme hat, haben sich dort nach ihrer Flucht etliche Tausend Tibeter niedergelassen. Sie haben den oberen Teil des Ortes Dharamsala so stark geprägt, dass er inzwischen „Little Lhasa“ genannt wird.

Wir waren dort zum ersten Mal aus kommend Shimla Shimlaeingetroffen, nach einer langen, beschwerlichen Busfahrt, mit einem diabolischen Zwerg am Lenkrad, der wohl das Hobby hatte, aus seinen Passagieren alles herauszuholen, was ein Magen enthält. Ist halt so in Indien, vor der Belohnung kommt das Leiden.

Der steile Anstieg über Kurven und enge Straßen aus dem unteren Dharamsala nach McLeod Ganj, fiel danach fast nicht mehr ins Gewicht.

McLeod ist vollgestopft mit allem, was dem Handel dient: Läden und Buden mit tibetischen Waren, Bildern, Schmuck, Textilien, Gebetsfahnen und auch mit allem, was der Unterbringung und Versorgung von Besuchern dient. Natürlich ist der Sitz des Dalai Lama ein Magnet, der tausende von Tibetern anzieht, die weit über Indien verteilt leben oder aus dem Ausland kommen. Und – erstaunlich zunächst – mit vielen indischen Besuchern, nicht nur Buddhisten sondern auch Hindus und Sikhs. Dazwischen tummeln sich westliche Touristen aus aller Herren Länder, viele selbst mit einer großen Affinität zum Buddhismus.

Günstige Hotels zu finden ist nicht schwer. Passende, die von Tibetern betrieben werden gibt es ebenfalls und wer möchte, kann sogar in Klostern unterkommen, die saubere und preiswerte Schlafkammern anbieten.

Der Ort ist schnell erkundet: 2 Parallelstrassen, verbunden durch einige Querverbindungen, ein kleiner Taxibahnhof, das Kloster des Dalai Lama und einigeHotel Tibet, Dampfnudel und Thukpa kleinere Tempel. Wer länger in Indien unterwegs war, schätzt die Möglichkeit, sich Original tibetisch versorgen zu lassen. Mit leckeren Momos, kräftigen Suppen, Nudelgerichten, die nicht aus einer chinesischen Tüte hervor gezaubert werden, und einer Art Dampfnudeln, die als Brot zur Mahlzeit gereicht werden. Dazu gibt’s Bier. Übrigens auch für die Mönche! Die beste Lokalität, nach unserem Geschmack, war und blieb das Hotel Tibet. Wo die Exil-Mönche einkehren und essen, da kann es nicht schlecht schmecken.

Die Lage im Bergland ist ideal für Ausflüge und Wanderungen. Empfehlenswert der nahegelegene Wasserfall in der nahegelegenen Backpacker-Enklave Baksu oder die schöne Tageswanderung zum Triund (2.994 m) in der Dhauladar-Gebirgskette. Die Strecke lässt sich von McLeod ohne Guide finden und bewältigen, auch wenn es ganz am Ende etwas steiler und unwegsamer wird. Aber die Ausblicke sind göttlich, sofern die Wolken es erlauben.

Mcleod Ganj pflegt die traditionellen tibetischen Traditionen und Handwerkskünste. Dem Ort angeschlossen ist eine Kunstakadamie, wo junge Tibeter den Umgang mit Metall und Holz lernen und natürlich die Kunst, Thangkas zu malen.

Wer so einen Thangka mitnehmen möchte, kein Problem. Die Werke der Studenten wirken meisterlich, sind ihre Preise allemal wert und authentisch. Das Transportproblem ist pfiffig gelöst: die Bilder werden in abgeschnittene Wasserrohre gewickelt und überstehen sogar die Reise im Rucksack. Wir haben dort einige Bilder gekauft und sicher nach Hause gebracht, wo sie heute einige Wände schmücken.

Mcleod Ganj: Für uns immer wieder, vielleicht treffen wir dort auch mal den Dalai Lama.

Unser Tipp für McLeod Ganj: Wir haben im Green Hotel übernachtet!