Denpasar und Tanah Lot

Unsere erste Stadt auf Bali und dann auch gleich die Hauptstadt. Auffällig für uns zunächst war natürlich, alles lesen und sogar Worte identifizieren zu können, die wir aus dem Deutschen oder anderen uns bekannten Sprachen kennen. Das indonesische Idiom, als Instrument der Vereinigung eines Sprachraumes der an die 500 eigene Sprachen umfasst, wurde ja vor mehr als 100 Jahren auch von den Holländern, den damaligen Kolonialherren gepushed. Freilich aus anderen Gründen, als es die Bewohner dieser Inseln im Sinn hatten. Der Kampf um Unabhängigkeit war damals nicht einfacher, nur weil wir die Holländer heute als freundliche und liberale Nachbarn schätzen. Koloniale Herren neigen zu Grausamkeit, wenn sie ihre Herrschaft abgeben sollen. Dem Kampf um Freiheit hat man auch auf Bali ein eindrucksvolles Denkmal gewidmet, das wir uns unbedingt ansehen wollten.

Gut zu Fuß erreichbar waren zum einen das Denkmal und zum anderen einer der vielen schönen Tempel Balis, der Pura Agund Jagarinata, unser Ziel an unserem ersten Sonntag im Land. Obwohl hinduistisch geprägt, wird auch hier der Sonntag als Ruhetag begangen, an dem die meisten Geschäfte geschlossen bleiben. Die Straßen in der Hauptstadt wirken aufgeräumt, Fußgänger scheinen geduldet zu sein, jedenfalls sind Spaziergänge nicht ganz so abenteuerlich wie etwa in Indien. Mit etwas Fantasie lässt sich in den alten Straßen noch das Flair der holländischen Handelshäuser erspüren. Weniger aufdringlich als im Kernland des Hinduismus wirken die sakralen Elemente. Es gibt keine frei herumstrolchenden Kühe auf Bali, was das Risiko, bei einem Ausflug in einem Kuhfladen zu landen, gegen Null minimiert. Rudel von halbwilden Hunden? Fehlanzeige!

Die balinesische Kunst hat eigentlich wenig mit den Stilrichtungen zu tun, wie sie etwa in Indien oder Thailand/Laos/Kambodscha bekannt ist, obwohl es im Kern doch um die selben Inhalte geht, also Mythen und Figuren aus der Götterwelt des Hinduismus. Die vor jedem Tempel präsenten steinernen Wächter sind besonders typisch für Bali. Klein und eher korpulent aber verdammt muskulös und ausgestattet mit riesigen Glupschaugen. Eindrucksvoll wirken sie und wahrscheinlich will kein Gläubiger es sich mit diesen Kreaturen verderben, also werden sie milde gestimmt. Kleine Geschenke erhalten auch hier die Freundschaften.

Einer der Höhepunkte in der näheren Umgebung von Denpasar war für uns der Taman Ayun Tempel, auch Tempel des schwimmenden Gartens genant. Welche Schätze das Tempelinnere birgt, konnten wir leider nicht herausfinden, da der Zugang für Nicht-Hindus nicht gestattet ist.

Das absolute Highlight aber war der Besuch am späten Nachmittag der Tempelanlage von Tanah Lot.

Gut erreichbar mit dem Wagen, liegt Tanah Lot direkt an der Küste, dort wo sie besonders wild und zerklüftet ist. Im Meer tummeln sich Surfer, während die Pilger die heiligen Städten mit Opfergaben besuchen. Unterhalb des Tempels, der auf einem Felsen angelegt ist, soll es eine Höhle geben, in der heilige Schlangen leben, die von Priestern betreut werden. Nein, wir sind nicht hinunter gegangen, nein, wir haben nicht versucht, die Schlangengrotten zu finden. Vielleicht, weil uns die religiöse Inbrunst fehlt, die Menschen in die Nähe von unangenehmen Tieren treibt (ich sage nur: Rattentempel in Indien). Dafür haben wir uns lieber dem Sonnenuntergang hingegeben. Und es war ein schöner.

Was uns auffiel und wie wir hierher kamen.

Unser Tipp für Denpasar: Wir haben im Nakula Familiar Inn übernachtet.

Zweiter Besuch von Tanah Lot

Manche Orte besucht man mehrmals, vor allem, wenn sie viel mehr bergen, als man bei einer ersten Visite entdecken konnte. Die Tempelanlage Tanah Lot ist so ein Ort. Selbst harte Knochen, wie der Schreiber dieses Textes, können sich kaum der intensiven Atmosphäre entziehen, die dieser Tempel am Meer entwickelt.

Außerdem war da noch eine offene Rechnung: Die Geschichte mit den Seeschlangen. Der Legende nach, soll der Erbauer dieses Heiligtums ausgezeichnete Verbindungen zu diesen Reptilien gepflegt haben. Klar, wenn einer auf einer Kürbisschale einher kommt, weckt das auch den Respekt der Tiere. Wie auch immer, traditionell – so heißt es weiter – kümmern sich die Seeschlangen weiter um den Ort und das bis in unsere Gegenwart.

Beim zweiten Besuch, der bei Ebbe stattfand, war der Zugang zur Schlangengrotte einfach und vor allem trockenen Fußes zu erreichen. Die Grotte ist schon von weitem erkennbar durch ein Schild ULAR SUCI was soviel heißt wie HEILIGE SCHLANGE, tja so einfach ist balinesisch. Vor der Grotte und nicht übersehbar steht eine Kiste, die all die freiwilligen Spenden aufnimmt, von denen, die die Schlange genauer betrachten wollen. Natürlich werden Grotteneingang und Spendenkiste von einem Priester bewacht. Wer nicht freiwillig ins Portemonnaie greift hat Pech gehabt und muss draußen bleiben.

Drinnen ein weiterer klerikaler Wächter, der das Loch eskortiert, in dem zusammen geringelt das Reptil liegt. Da wir selbst keine ausgemachten Schlangenexperten sind, haben wir nach dem Ausschlussprinzip versucht herauszufinden, um was für eine Art es sich wohl handeln könnte. Nicht in Betracht kamen Blindschleichen (ja, keine richtige Schlange aber wir kennen welche), Kobras, Klapperschlangen, Pythons oder Anakondas. Hohe Wahrscheinlichkeit also, dass es sich um die giftige, schwarz-weiße Seeschlange handelte. Farbe, Form und Konsistenz, ja man darf sie mit dem Finger drücken, stimmten. Wie die meisten Besucher konzentrierten wir uns darauf, einen guten Schnappschuss aus der Grotte mitzubringen. Kein Selfie übrigens, wie die meist asiatischen Besucher es wollen, also Gesicht an Schlange heranbringen, mit den Fingern das Hasenzeichen formen und dann auf den Auslöser drücken.

Trotz missglücktem Sonnenuntergang, die Wolken waren diesen Abend stärker als die vielen hundert Besucher, war es ein hochatmosphärischer Besuch. Gekrönt mit einem schmackhaften balinesischen Abendessen, das selbstredend als Hommage an die heilige Schlange auch eine Beilage enthielt, die ihr auch munden dürfte: köstlich zubereitetes Huhn.