Lüneburg

Ungefähr 50 Kilometer südöstlich der Hansestadt im Norden, mit den Kirchen St. Michaelis, St. Nicolai und St. Johannis, namens Hamburg, liegt eine weitere Hansestadt mit den Kirchen St. Michaelis, St. Nicolai und St. Johannis, namens Lüneburg.

Das Stadt und Umgebung prägende „Lüne“ kann als Anspielung auf das lateinische „Luna“ verstanden werden, was Lüneburg zur Mondstadt erklären würde und es gibt ja tatsächlich Symbole in der Stadt, die das unterstreichen. Lueneburg, auf den Mond trifft man hier oftEher wird wohl das zutreffen, was uns Historiker, sagen, wonach der Name abgeleitet ist aus dem langobardischen „Hliuni“. Das heißt soviel wie Zufluchtsort und das war diese Stadt seit ihrer ersten Besiedlung im 10. Jahrhundert tatsächlich. Die Menschen haben sich gut und sicher eingerichtet, am Unterlauf der Ilmenau, die weiter nördlich mit der Elbe zusammenfließt und sich damit auch an die schiffbaren Handelswege der späteren Hanse angliederte. Das brachte bald Geld in die Kassen. Lüneburg liegt über einem Salzstock und Salz war, als Kühltruhen uns Konserven noch nicht in Mode waren, das Konservierungsmittel schlechthin. Vor allem für die Massen an Fisch, den die Flotten der Hansestädte aus der Ostsee zogen.

Salzhandel hat vielen Kulturen Wohlstand verpasst; uns fiel spontan Mustang, Nepal und Tibet ein, wo Salzproduzenten auf ihre Weise den Salzhandel für die Mehrung von Reichtum nutzten.

Darüber, dass man mit Lüneburg tatsächlich ein Hansestadt besucht, informieren stolz die Ortsschilder an den Stadtgrenzen. Welcher Wohlstand sich über die Jahre ansammeln konnte, zeigen uns die prächtigen Häuser im historischen Kern der Stadt, den wir, wie fast jeder Besucher, zuerst zielstrebig ansteuern. Tatsächlich hat Lüneburg Glück gehabt und konnte sich nahezu unzerstört durch den Zweiten Weltkrieg retten und damit seine historische Bausubstanz erhalten. Häuser im Stil mittelalterlicher Backsteingotik, gekrönt mit historischen Giebeln. Alle im Norden üblichen Formen sind zu sehen, vom hanseatischen Treppengiebel bis hin zu klassizistischen Dreiecksgiebel. Viele Gebäude sind zweckmäßig mit Flaschenzügen ausgestattet, wie man sie bei vielen wirtschaftlich genutzten Häusern dieser Epoche finden kann. Der Wohlstand der Eigentümer war und ist an den zum Teil aufwändigen Dekorationen noch immer gut erkennbar.  

Das Rathaus zählt heute zu den herausragendsten mittelalterlichen Baudenkmälern ganz Norddeutschlands. Intuitiv, aber auch weil das Gebäude sehr akzentuiert aus dem Umfeld der kleinen Fachwerkhäuser herausragt, werden die meisten Besucher ihren Stadtrundgang hier beginnen.

Für uns kein Zufall, wir haben für unseren Besuch ganz bewusst einen Tag gewählt an dem hier der Markt stattfindet. Beim Gang über den Marktfallen einem zuerst die bunten, schmucken Stände auf, die hier mittwochs und samstags vor dem Rathaus aufgebaut werden.

„Buy local“ at it’s best. Voll mit Waren aus der Region, aber durchaus – Konkurrenz belebt das Geschäft – mit exotischen Angeboten aus aller Welt. In den Adventswochen findet hier übrigens traditionell der Weihnachtsmarkt statt, sehr passend zu der stimmungsvollen Kulisse der Altstadt.

Wer die Stadt nicht zu Fuß ergründen will, kann am Rathaus in eine Kutsche einsteigen, gezogen von schweren Kaltblütlern, die manche vielleicht noch als Brauereipferde kennen.

Unsere Vorlieben entfalten sich beim Schlendern auf eigenen Beinen besser. So kommen wir auch durch engere Gassen und kleine Straßen, die für Fußgänger reserviert sind, dicht an die kleinen Boutiquen und Läden, die meist in stilvollen Gebäuden untergebracht sind. Sehr angenehm, wir stoßen nicht nur auf die großen Handels-Ketten, die überall die Innenstädte dominiere; in Lüneburg gibt es sie noch, die Einzelhändler im wahren Sinn des Wortes.

Die Übersicht verliert man beim Spaziergang zwischen den alten, fein restaurierten Häusern kaum. An den Giebeln sind Jahreszahlen erkennbar, die davon erzählen, dass vor 300 bis 400 Jahren ein Bauboom stattgefunden haben muss; die Mehrzahl der Häuser datieren aus dem 17. Jahrhundert. Und der Denkmalschutz leistet offenbar hervorragende Dienste; immer wieder entdecken wir neue architektonische Schätze, alle gepflegt und von außen gut in Schuss.

Im Bereich des alten Hafens, einer ganz besonders authentischen Ecke der Stadt, sticht der Alte Kran, als Wahrzeichen heraus, eine mittelalterliche Konstruktion aus Holz, zum Be- und Entladen der Handelskähne, die auf der Ilmenau die Stadt anliefen. Im Hafenbecken, ein großes Wort für eine heute eher klein wirkende Anlage, liegen zwei der historischen Lastkähne, erkennbar meisterlich restauriert.

Besichtigen macht hungrig und Lüneburg bietet jede Menge kulinarische Verführung für seine Besucher. Wir entscheiden uns für eine Bäckerei/Konditorei in der Straße am Sande. Warum Backwaren ist klar: hier wird noch authentisch gebacken.

Etwa 15 Minuten entfernt vom Stadtkern liegt ein anderes kulturhistorisches Kleinod, das in diesem Teil Deutschlands eher seltener vorkommt. Das Kloster Lüne (klar, wie sollte es sonst heißen), das bereits 1172 gegründet wurde und den Benediktinern zugerechnet wird.

Die Nonnen haben es sich – heute noch gut erkennbar – heimisch gemacht in dieser Anlage. Klostergärten gibt es hier, mit Gewürz- und Heilkräutern, satte Blumenbeete, Brunnen und gemütlichen Wohntrakten. Dazwischen thront die Klosterkirche, die im Inneren ein Bild aus der Werkstatt Lukas Cranachs beherbergt, neben kunstvollen Schnitzereien und Wandmalereien. Fotografieren im Inneren ist, wie in manch hinduistischen oder buddhistischen Heiligtümern, untersagt. Auf das nichts verboten publiziert werde; da sind sich die Kleriker aller Richtungen einig, auch wenn sie sonst gerne die Konkurrenz verteufeln.

Die kleine Hansestadt macht Spaß. Sie ist übrigens nicht nur über die Straße sondern auch über die Schiene gut zu erreichen, was heutzutage ja nicht mehr selbstverständlich ist. Der Metronom fährt Lüneburg regelmäßig an, aber am besten schaut ihr selbst, was das Streckennetz bietet.

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