Puri, Ausflüge

In Puri, um Puri und um Puri herum gibt es lohnenswerte Ziele, die der Besucher nicht auslassen sollte. Wir haben ausreichend Zeit, da wir den richtigen Startpunkt abwarten müssen, für die Tribal Tour, die Fahrt zu den ethnischen Minderheiten. Davon gibt es immerhin 60 in der Region, eine Auswahl zu besuchen, ist unser Plan.

Tatsächlich ist eine trennungsscharfe Abgrenzung der urbanen Region Puri sowie der Siedlungsgebiete gar nicht möglich. Wirtschaftliche und soziale Faktoren bringen Veränderungen, so dass die Welt im heutigen Odisha eine andere ist, als noch vor wenigen Jahrzehnten. Wer zu welcher Ethnie gehört, können wir nicht feststellen, da uns die sprachlichen Voraussetzungen fehlen, zwischen Hindi und örtlichen Dialekten zu differenzieren. Wir gehen davon aus, dass uns bereits die Ausflüge in die Umgebung mit Stammesbevölkerung zusammen gebracht haben, ohne dass wir einen Schimmer haben. Aber wenigstens im Künstlerdorf Raghurajpur treffen wir auf Zeugnisse ihrer Kunst.

Neben dem Sonnentempel in Konark, dem wir als Weltkulturerbe einen eigenen Bericht widmen, besuchen wir den großen Bracksee Chilika und das Künstlerdorf Raghurajpur.

Chilika Lake

Die Fahrt nach Chilika und zurück, einschließlich Wartezeit des Fahrers vor Ort, bekommen wir für ungerechnet 20 €, das fühlt sich fair an. Für die 60 km brauchen wir jeweils etwa 80 Minuten. Die Fahrt führt uns wie schon so oft in Odisha durch eine wunderschöne Landschaft, vorbei an kleinen, ärmlichen Dörfern, Tempeln und Seen.

Um die Hauptattraktion am See zu erleben, nämlich hunderttausende von Zugvögeln, die aus Sibirien, dem Iran und sonst woher kommend, sich versammeln, ist es noch zu früh. Wir fahren dennoch, in der Hoffnung, Flussdelfine sehen zu können. Außerdem haben wir bisher noch nie so viel Brackwasser in natura erlebt.

Am Chilika See mieten wir bei der Kooperative ein Boot für die 90 Minuten-Tour, das kostet knapp 23 €. Das Wetter ist diesig, der Horizont verschmilzt mit dem Gelb des Sees. Das Brackwasser, eine Mischung aus Süß- und Salzwasser, wirkt alles andere als einladend. Eher wie die Brühe, die aus einem Putzlappen gedrückt wird, der eine Woche für das Aufwischen eines Kneipenklos benutzt wurde. Tatsächlich sind nur wenig Seevögel zu sehen, aber wir hoffen natürlich auf Delfine und zwar die seltenen der Irrawaddy Art. Unser Bootsführer weiß das, alle Besucher wollen Delfine sichten. Ab und zu springt er theatralisch auf, zeigt mit dem Finger in eine Richtung: „Da, da war einer!“ Schauspielerisch nicht unbegabt, rennt er einmal sogar zum Bug, zeigt uns, was nicht herzeigbar ist, weil es wahrscheinlich ein Phantom ist.

Wir resignieren, immerhin haben wir eine schöne Bootsfahrt in einem gigantischen Eimer mit gebrauchtem Putzwasser gehabt. Und dann sehen wir sie selbst. Irrawaddy Delfine, deutlich zu erkennen an der speziellen Kopfform. Kurz auftauchend, um im eleganten Bogen wieder unterzutauchen, nach 20 Metern wieder ein Auftauchen. Wir versuchen eine Prognose, wo der nächste Sichtungspunkt sein könnte, um wenigstens einen Schnappschuss mitzunehmen. Das muss eine kleine Delfinfamilie sein. Mutter mit Kalb, ganz synchron und eng zusammen, dazu ein einzelner Delfin, der Vater (?), der in kleinem Abstand sein eigenes Ding macht.

Dass wir die Tiere gesichtet haben, zaubert ein feistes Lächeln aufs Gesicht unseres Bootsführers und generiert einen Mechanismus, den wir kennen. Seine Hand fährt aus, die Geste ist eindeutig, er will einen Bonus. Hätten wir vorher über eine Erfolgsbeteiligung verhandelt, mit gleichmäßig verteilten Risiken, dass etwa bei Nichtsichtung ein Teil des Fahrpreises erstattet wird, würden wir zahlen. Aber so bleibt es beim Fixpreis.

Am Ufer sehen wir bereits unseren Fahrer warten, wir sind pünktlich zurück.

Ob sich die Tour zum Chilika Lake lohnt, muss jeder selbst entscheiden. Leeres Brackwasser zu sehen, ist kaum der Mühe wert, aber gefüllt mit einigen hunderttausend Vögeln ist das natürlich anders zu beurteilen.

Künstlerdorf Raghurajpur

Der kürzeste Ausflug führt ins Künstlerdorf Raghurajpur, Entfernung 16 km. Die Reiseliteratur empfiehlt, den Bus, dann solle man ab dem Abzweig nach Raghurajpur „den letzten Kilometer“ zu Fuß zurückzulegen. Da unser Urvertrauen in Reiseführer in diesen Tagen schwer gelitten hat, chartern wir ein Tuktuk. Hin und zurück inklusive Wartezeit bekommen wir für reelle 6,70 €, dazu die Gewissheit, richtig anzukommen, ohne Pfadfinder spielen zu müssen. Unsere Intuition erweist sich als richtig, der „letzte Kilometer“ zum Dorf erweist sich als Distanz von 5 km…

Ankommen, aussteigen und von „Fans“ umlagert werden, so ist es, im Künstlerdorf einzutreffen. Die „Fans“ sind durchweg Verkäufer, die uns wild schnatternd umringen. Das Dorf besteht aus zwei parallelen Gassen, gesäumt von über 100 kleinen Häuschen, die Wohnung sind und Verkaufsraum zugleich. Die Meute der Verkäufer, oder Künstler bildet einen Pulk aus Leibern um uns, so bewegen wir uns in Richtung Dorfende

Hübsch und sehr kunstvoll mit mythologischen Szenen bemalt sind die kleine Backsteinhäuser, die wir passieren. Die Künstler genießen ein hohes Ansehen und werden auch für die Dekorationen im Inneren des Jagannath-Tempels angestellt. Schade, dass wir von den Verkäufern so bedrängt werden, dass wir nicht die Ruhe finden, diese Malereien an den Hauswänden ausführlich zu besichtigen.

Jedes Haus – so die Erwartung – sollen wir besuchen und Kunst anschauen. Kaufen müssten wir nichts, tatsächlich geht es um nichts anderes. Die Kunst, die uns präsentiert wird, ein Sammelsurium aus hinduistischen Miniaturen, Malereien mit Motiven der örtlichen Stämme, Figuren und Gegenständen, die bunt bemalt sind, ist gar nicht so übel. Viele Materialien werden hier verarbeitet, Palmblätter, Kokos- und Betelnüsse, Marmor, ja sogar Weinflaschen. Das Rätsel, wo hier Wein nicht als Kunst- sondern als Genussmittel zu bekommen ist, können wir nicht klären.

Dekorativ ist das alles und ausgesprochen indisch, gerade was das Verständnis für die bildlichen Darstellungen der diversen Gottheiten angeht, wozu uns spezielle Kenntnisse fehlen. Aber darauf kommt es wohl gar nicht an, Expertisen über die Objekte bekommen wir ohnehin nicht. Wichtig ist, ob es den eigenen Geschmack trifft. Obwohl die Preise vertretbar sind, kaufen wir zur Enttäuschung unserer Begleiter nur Kleinigkeiten. Für uns ein Erfolg, wer hätte gedacht, hier mit so wenig Tribut wieder herauszukommen. Zusammenfassend ist für uns die Schönheit dieses faszinierenden Dorfes am Beeindruckendsten.

Uns schwirrt der Kopf, die Fahrt zurück in der Knatterrickshaw ist die reinste Erholung.

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