Golden Rock / Kyaikhtiyo

„Gut zu reisen ist besser, als anzukommen.“ Buddha

Da mag er recht haben, der Erleuchtete. Aber wenn man zum Golden Rock will, entsteht an einem bestimmten Punkt wohl in jedem der Wunsch, einfach nur noch anzukommen. Aber lest selbst, wie wir den Weg hierher erlebt haben.

Er verbirgt sich lange, der Goldenen Felsen, auf der Fahrt zum Gipfel des Berges. Hinter Serpentinen und Hügeln macht sich der Anblick recht rar. Ob Buddhisten ein Stoßgebet gen Himmel schicken, wenn sie oben ankommen wissen wir nicht. Wir jedenfalls sind dankbar, es geschafft zu haben. Ein reges Treiben begrüßt uns, ausgelöst durch LKW-Ladungen von Besuchern, die fast im Minutentakt angeliefert werden. Kaum sind wir abgeladen, treten die üblichen Empfangskomitees in Aktion. Träger/-innen, tatsächlich bieten auch Frauen an, Lasten auf dem Rücken zu befördern, Sänftenträger, Kleinhändler.

Es wuselt, der Menschenstrom schiebt in Richtung der Verkaufsstände, die eine Gasse bilden, die jeder passieren muss. Eigentlich braucht niemand etwas heraufzubringen; alles, was der Pilger braucht, lässt sich hier oben kaufen. Textilien, Kleinkram und die unvermeidlichen Kalorienspender in Form von gebratenem Geflügel: klein wie Sperlinge oder groß wie Enten.

Als Übernachtungsgäste wollen wir zunächst unser Gepäck abstellen, Reise- gegen Besichtigungsklamotten tauschen und dann den Felsen aufsuchen. Innerhalb der Pagode herrschen strenge Bekleidungsvorschriften, heißt es. Die Realität ist wieder einmal pragmatischer als die orthodox formulierten Regeln. Frauen und Mädchen in Hosen werden nicht abgewiesen, auch Touristen in Shorts kommen aufs Gelände. Strikt natürlich ist nur das „shoe no“ Gesetz.

Auch hier oben entrichten wir Ausländer ein Eintrittsgeld, bekommen dafür ein weißes Kärtchen an rosa Band zum Umhängen, damit jeder uns schon von weitem identifizieren kann. Und ich dachte, Asiaten erkennen uns Westler an den langen Nasen.

Wir betreten den Pagodenbereich, endlich taucht er auf, der Felsen, der kippelig wirkt. Heute ganz in Gold, leider nicht funkelnd, die Sonne versteckt sich hinter Wolken. Eigentlich sind Wolken nichts ungewöhnliches in den Bergen, wir sind hier 1.200 Meter hoch. Trotzdem, 3 Wochen erleben wir strahlenden Sonnenschein und nun das. Wir beschließen, die Situation auszusitzen, Zeit haben wir, die Wolkendecke wirkt etwas löchrig, wir könnten Glück haben.

Natürlich ist der Fels das Zentrum aller Aufmerksamkeiten an diesem Ort. Als eine Laune der Natur würden wir im Westen diese Erscheinung bezeichnen. Aber hier ist sie ein Beleg für Mystik und abgefahrene Geschichten. Die kolportierten Erzählungen über die Herkunft des Golden Rock und warum er der Schwerkraft zu trotzen scheint, klingen so abgefahren, dass daneben die Mär von Hänsel und Gretel wie eine wissenschaftlich recherchierte Dokumentation erscheint.

Es ist keine introvertierte Andächtigkeit, die wir hier oben erleben, sondern eher das Gegenteil: Volksfeststimmung. Die Menschen, meist festlich und auffällig angezogen, heiter, aufgekratzt, gesellig im Umgang miteinander. Kinder spielen zwischen den Erwachsenen, Männer – nur die dürfen das – kleben unentwegt ihre Goldblättchen auf den Felsen. Wenn man nicht weiß, was sie da treiben, sieht es aus, als wollten sie gemeinschaftlich den Golden Rock von seinem Podest rollen. Kenner wissen natürlich, das ist nie zu schaffen. Ein Haar Buddhas hält den Felsen in seiner fragil aussehenden Lage. Für immer und ewig, so will es die Legende.

Viele der Ankommenden werden hier oben, auf dem Areal der Pagode, übernachten, tragen Schlafmatten und Decken mit sich, richten sich häuslich ein, mit Kochgeschirr und was sonst noch zum Campieren im Freien gehören mag, denn die wenigen Pilgerunterkünfte mit Dach reichen bei weitem nicht aus, alle die hier bleiben wollen, aufzunehmen.

Wir umkreisen den Felsen, mustern seine Erscheinung aus verschiedenen Perspektiven und füttern unsere Kamera mit diesen Bildern. Licht, Schatten, Konturen und Farben werden fotografisch festgehalten und natürlich auch die Menschen, die uns umgeben. Frontal bauen sie sich vor dem Monolithen auf, das Selfie ist hier der Renner schlechthin, verweist das Gruppenbild weit abgeschlagen auf Platz 2.

Mittagszeit, Sonnenuntergang und Eintritt des Abends erleben wir. Auch, dass sich immer mehr Menschen hier oben einfinden und kaum jemand wieder nach unten zu fahren scheint.

Mittagszeit, Sonnenuntergang und Eintritt des Abends erleben wir. Auch, dass sich immer mehr Menschen hier oben einfinden und kaum jemand wieder nach unten zu fahren scheint.

Als wir genug Eindrücke gesammelt haben, sehnen wir uns nur noch danach, unsere Füße unter die heiße Dusche im Hotel zu halten. „Shoe No“ so richtig aus dem Herzen zu schätzen, wird uns wohl nie gelingen. Die Eindrücke, die wir von hier mitnehmen, zusammen mit gefühlten 350 Fotos, werden uns noch lange begleiten. Diesen Besuch auszulassen, wäre undenkbar.

Noch ein Fazit zu guter Letzt: Der Golden Rock lässt sich ganz gut in wenigen Stunden erkunden. Eine Übernachtung ist fast schon dekadenter Luxus, berücksichtigt man die Preise in den Hotels auf dem Berg. Preis- und zeittechnisch lässt sich der Aufenthalt günstiger gestalten, wenn man abends den Berg wieder verlässt.

Falls Ihr auch zum Golden Rock fahren wollt, so sind wir hierher gekommen und hier haben wir übernachtet.

Yangon, Kalaw und Pindaya, Inle See, Mandalay, Monywa, Bagan, Bago, Hpa-an, Mawlamyine, Ye / Dawei / Maungmagan

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