Eilat

Eilat ist der erste Ort, den wir in Israel besuchen. Wie soll man objektiv bleiben, wenn man gerade erst das jordanische Aqaba, den Nachbarn am Roten Meer, hinter sich gelassen hat. Der Kopf vergleicht, aber ein Wettbewerb – auch im Kleinen- wird eigentlich keinem dieser Orte gerecht. Hier geht es also nur um Eilat.

Die Ankunft an einem Shabbat lässt sich nicht vermeiden. Das Straßenbild entspricht dem, was wir für diesen Tag erwartet haben, wenig Menschen sind unterwegs, fast keine PKW, jedenfalls in den Wohngebieten, durch die wir zu unserem Hotel fahren. Das Wetter ist schön.

Der Besitzer unseres Hotels, der – wie es scheint – kein Hardcore-Shabbat-Einhalter ist, gibt uns eine Mitfahrgelegenheit zum Zentrum. Gleich neben dem Flughafen, der eher wie ein normaler Bahnhof in die Stadt eingebettet ist, gelangen wir zum nördlichen Strand.

Man mag es mögen oder nicht, die Strandpromenade um die mächtigen Luxushotels wirkt mondän, mit allem, was zu so einer Glitzerwelt gehört. Läden, die meisten haben auch heute geöffnet, internationale Nobelmarken, gepflegte Wege, Brücken, die über Seitenkanäle führen, wo teure Jachten ankern. Das Ambiente ist durch und durch westlich. Bikini schlägt Burkini, letzterer scheint wirklich ein No-go zu sein in dieser Umgebung. Die Passanten wirken sehr westlich. Nicht europäisch, eher im amerikanischen Way-of-Life. Was in den Geschäften angeboten wird, ist teuer, auch ohne immer exquisit zu sein, aber die Kundschaft scheint das vorbehaltlos zu akzeptieren. Das Angebot trifft die Nachfrage und zwar genau ins Schwarze.

Für uns Reisende, die wir neu in Israel sind, bedeutet Eilat Umstellung. Schon bei der Buchung von Hotels fällt uns auf, dass Frühstück im Preis nicht enthalten ist, jedenfalls nicht in dem Segment, das wir uns leisten können. Dafür haben wir schnelles Internet, ein Zimmer, das einen Tick sauberer wirkt als anderswo in diesem Teil der Welt, und es gibt einen effizienten Service.

Auch ältere Traveller begreifen schnell: das Leben hier ist nicht preiswert. Wir reisen nach Budget und das ist in Eilat ohne weiteres kaum einzuhalten. Wir nehmen uns vor, dass wir lernen werden, günstige Nischen zu finden, denn wir haben ja noch andere israelische Städte vor uns. Eilat ist dafür unser erstes Trainingsfeld.

Die Stadt ist, was die Wege angeht, überschaubar. Es gibt keine Altertümer, die Umleitungen erzwingen, oder antike, verschwurbelte Gassen. Eilat ist modern, der Verkehr läuft ohne Staus und Drängeleien. Für Fußgänger besteht kaum Gefahr, beim Überqueren einer Straße die Gesundheit zu riskieren. Etwas zu sehr präsent sind die Radfahrer. Was auf den ersten Blick wie atemberaubender Hochleistungssport wirkt, nämlich Menschen die auf einem Zweirad mühelos und pfeilschnell den Berg hinaufgleiten, entpuppt sich als E-Bikes. Wir haben bisher keinen Ort gesehen, wo so viele davon im Einsatz sind.

Die Infrastruktur ist hervorragend. Wir wollen zu den Stränden außerhalb der Stadt und können dafür mit öffentlichen Bussen fahren. Unter anderem bedienen die Linien 15 und 16 diese Strecke. Der Fahrpreis ist mit 4,50 Schekel pro Fahrt moderat. Blöd ist nur, dass Fahrpläne und Haltestellenangaben ausschließlich auf hebräisch sind. Die Ansagen im Bus sind kaum zu verstehen; wir fragen also beim Fahrer, wann die Station Corall Beach wohl kommt. Der Strand gilt als eines der Highlights, ohne jedoch eines zu sein. Stolz ist der Eintrittspreis pro Person: 35 Schekel. Dafür gibt es nicht einmal Liegen, die werden für 12,50 extra gemietet, die Zahl der Sonnenschirme ist dürftig. Wir lassen uns den Eintritt zurückzahlen, gehen an der Strandstraße weiter, bis wir zum Migdalor Beach kommen. Freier Eintritt, Liegen, Stühle und Sonnenschirme gibt es gratis. Es gibt eine kleine Bar mit Bier und Härterem in diesem öffentlichen Resort und alles wirkt gemütlicher.

Auch hier ist Schnorchelgebiet. Niemand, ob jung, alt, dick oder dünn, geht ohne Taucherbrille mit Atemrohr ins Wasser. Es lohnt auch, denn hier auf der israelischen Seite des Roten Meeres sehen wir fast unmittelbar in Strandnähe sehr viele bunte, große Fische. Dafür sind drüben in Jordanien die vom Beach erreichbaren Korallenbänke schöner anzusehen.

Nach einigen Stunden gehts zurück. Schwierig genug, wenn man nicht hebräisch lesen kann, und neugierig ist, wann wohl der nächste Bus die Haltestelle anfahren wird. Übrigens, Verbotstafeln sind hier zweisprachig beschriftet, so dass auch der des Englischen mächtige Tourist sich daran halten kann.

Eilat bietet dem Unterhaltungssuchenden viel, wenn er bereit ist, viel dafür auszugeben oder die preiswerteren Varianten herauszufinden. Kultursuchende werden eher enttäuscht sein. Die wenigen modernistisch angehauchten Schöpfungen, etwa den Platz voller blaugefärbter Steine, mit den Fischmodellen, die dort wie Cocktailfähnchen eingesteckt sind, wirkt eher peinlich und dürfte keine Jahrhunderte überdauern. Aber das fällt den meisten Touristen hier wohl kaum auf.

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