Kathmandu

… Katmandu, I’ll soon be seein‘ you
and your strange bewilderin‘ time
will keep me home …

Diese Zeilen aus einem Song von Cat Stevens über die Stadt, die vor 50 Jahren – Mann, wie die Zeit vergeht – Magnet für die Hippies war, kamen mir in den Sinn, als wir zum ersten Mal nach Nepal reisten. Wir sollten Kathmandu noch oft sehen, aus der Luft, bei der Anreise mit dem Langstreckenflieger, oder aus einem Fenster von Yeti Airlines, oder als Passagiere von Bussen, die sich durch den Vorstadtverkehr ins überquellende Zentrum quälten. Zuletzt auch zu Fuß, im Gewaltmarsch nach dem großen Erdbeben.

Die Zerstörungen vom April 2015 sind nicht die ersten, die die Stadt überlebt hat. Schließlich haben es die Nepalesen immer wieder geschafft, sich aufzurappeln und ihre Hauptstadt zu restaurieren.

Kathmandu, die dicht bebaute, überquellende, laute und verkehrschaotische Stadt, wirkt auf den Besucher immer einladend und bietet kulturelle Höhepunkte, wie kaum ein anderer Ort. Selbst wenn die „Freak Street“, seinerzeit Anlaufpunkt der Hippies, wie heutzutage die Khao San Road in Bangkok für Backpacker, nur noch ein unbedeutender Abklatsch dessen ist, was früher hier abging.

Nun ist es Thamel, wo die Globetrotter sich einfinden. Wir haben gerade hier jederzeit gute Unterkünfte für uns selbst gefunden, günstig, sauber mit stimmigem Preis-/Leistungsverhältnis und mittendrin in den bunten Gassen. Es macht Spaß, sich hier durchs Gedränge zu schieben. Vorbei an Läden, die alles bieten, was das Herz des Travellers begehrt: Andenkenkitsch und Kunsthandwerk, Ausrüstung und Textilien aller Art fürs Trekking oder Lebensmittel für die Selbstversorger. Dazwischen Touranbieter, Geldwechsler, Gasthäuser und Restaurants, von tibetisch, bis indisch vegan, fast alles ist vertreten. Und natürlich die Straßenhändler, manche einem zuraunend, dass sie Cannabis im Angebot hätten.

Obwohl Thamel zunächst unüberschaubar wirkt, klappte es tatsächlich mit der Orientierung. Wir hatten den Einstieg damit geschafft, uns per Fahrradrikscha zum Ziel bringen zu lassen, um danach den Rückweg zu Fuß zu wagen. Irgendwann stellte sich die Übersicht ein, wurde unser Radius größer.

Den Durbar Square, seit einigen Jahren höchst sehenswertes Weltkulturerbe, konnten wir von Thamel aus zu Fuß erreichen. Schon auf dem Weg dorthin trifft man auf Kleinode buddhistischer oder hinduistischer Tempelkunst; die Zeit zur Besichtigung sollte man sich einfach nehmen. Am Durbar Square ballt sich das Ganze schließlich zu einer musealen Ansammlung von Tempeln, Pagoden und Palästen. Der Bezirk darf eigentlich nur nach Erwerb eines Besuchertickets betreten werden, obwohl die Zugänge teilweise so offen sind, dass man nicht immer weiss, ob man noch im öffentlichen Bereich oder schon im Innenbezirk ist. Egal, bequemer ist es, sich gleich den Ausweis für mehrtägige Besuche ausstellen zu lassen. Dafür genügt es, das Ticket, den Pass und ein Passbild vorzulegen.

Für den Durbar Square sollte man, wenn möglich, einige Stunden einplanen und sich der Atmosphäre hingeben. Hier trifft man auch auf die pittoresk ausstaffierten heiligen Männer, die Sadhus. Figuren, die abenteuerlich auftreten, oftmals an einem überdimensionierten Chillum paffend, sich ihre Haschrationen verabreichend, mit Lungenzügen, wo einem selbst als trainiertem Menschen der Atem stockt.

Den Bezirk Thamel in die andere Richtung verlassend kommt man, nach kaum 5 Minuten Fußweg zum „Garden of Dreams“, ein kleines Paradies mitten in der Stadt. Der Garten, ein gepflegter Park, mit Brunnen, Blumen, liebevollen Dekorationen und kleinen, palastartigen Gebäuden, lädt ein zum Entspannen. Der Eintritt lohnt, schon wegen des kleinen Cafés, das Kuchen und Tee oder Kaffee anbietet und tatsächlich den Straßenlärm vergessen lässt.

Gut sichtbar über Kathmandu liegt auf einem Berg der Swayambhunath; eine der ältesten, buddhistischen Tempelanlagen der Welt. Über 365 Treppenstufen lässt sich der Hügel erklimmen, vorbei an Händlern, Pilgern und Affen. Oben, auf dem Tempelkomplex, thront zwischen Tempeln, Schreinen, kleinen Läden und Statuen ein buddhistischer Stupa, der von zwei hinduistischen Türmen flankiert wird. Dazwischen turnen ungeniert Affen, die sich offensichtlich wohl fühlen zwischen Besuchern, die manchmal freigiebig Obst und Kekse verteilen. Kein Wunder also, dass aufgrund der Vielzahl von Affen, die hier wohnen, Swayambhunath auch Affentempel genannt wird. Wer von hier aus die Aussicht über Kathmandu genießen will, kann das aus einem angeschlossenen kleinen Restaurant tun, am besten bei einem leckeren Lassi.

Zum Pflichtprogramm der Besichtigung gehört der schöne Pashputinat Tempel, wohl das bedeutendste hinduistische Heiligtum, in Kathmandu. Die großflächige Anlage ist leider nicht vollständig für Besucher geöffnet; der Goldene Tempel beispielsweise, darf ausschließlich von Hindus betreten werden. Aber auch das, was für den Nichtgläubigen zu sehen ist, ist überwältigend. Die Anlage ist kein Museum, sondern aktiver Teil des hinduistischen Alltags und in den Ghats finden regelmäßig Leichenverbrennungen statt. Nicht etwa im Verborgenen, sondern öffentlich. Gegen Abend, wenn die Tickethäuschen bereits geschlossen haben, lässt sich die Anlage übrigens auch betreten.

Den Besuch von Pashupatinath kann man gut mit der Besichtigung von Bodnath verbinden und auf einem schönen Weg ganz einfach in 30 Minuten von einem heiligen Orten zum anderen wandern. Bodnath, ein riesiger Stupa, mit einem dreizehnstufigen Turm mit goldenem Dach, ist seit Jahrhunderten einer der bedeutendsten Pilgerorte im Kathmandutal für buddhistische Pilger aus Nepal und Tibet. Die Augen des Buddha und das dritte Auge sind an den vier Seiten des Turms weithin sichtbar. Das Heiligtum liegt in einem Ring von Häusern, die den Tempel quasi gegen die Außenwelt abschirmen. Viele Tibeter haben sich hier angesiedelt; es gibt buddhistische Klöster, Läden, Gaststätten und sogar Hotels. Um den Stupa wälzt sich über den ganzen Tag im Uhrzeigersinn ein Besucherstrom aus Pilgern, Mönchen und Touristen, drehen die Gebetsmühlen und murmeln dabei ständig das Mantra „Om mani padme hum“. Für Bodnath sollte man sich viel Zeit nehmen und in aller Ruhe die vielen Eindrücke auf sich wirken lassen. Besonders schön ist es auch, sich auf die Dachterrasse des Stupa View Cafés zu setzen und von dort aus das Treiben rund um diesen magischen Ort zu verfolgen. In den Nebenstraßen des Tempels finden sich Werkstätten, Ateliers und weitere kleine Verkaufsläden für Kunsthandwerk, die durchaus interessante Waren anbieten und sogar verschicken. Wir haben es ausprobiert und es klappte tatsächlich schnell und sehr zuverlässig mit der Zustellung.

Ein Besuch Kathmandus wäre nicht vollständig, ohne einen Besuch von Budhanilkantha, im Zentrum des Bezirks Narayantham. Zu empfehlen ist, sich dafür mit dem Taxi hinfahren zu lassen, obwohl Hardcore Besucher dorthin auch den Weg mit dem Fahrrad zurücklegen können. Zur Belohnung gibt es dort eine Vishnu Statue zu besichtigen, aus einem einzigen Felsblock, der schon vor 1.500 Jahre geschaffen worden sein soll. Der schwarze, liegende Vishnu wird jeden Tag mit Milch gesäubert und mit bunten Blumen geschmückt.

Alles das hatten wir nacheinander bei mehreren Reisen erkundet. Aufenthalte über mehrere, zusammenhängende Tage oder gar Wochen haben wir eher versucht zu vermeiden, da die extrem hohe Luftverschmutzung der Stadt es schwierig macht, länger hier zu sein. Gleichwohl Kathmandu ist eine tolle Stadt und ist immer einen Besuch wert.

Bhaktapur, Pokhara, LumbiniChitwan Nationalpark, W.E.G. Trekking in Nepal,