Mt. Merapi

In fremden Ländern unterwegs sein, heißt für uns immer auch, möglichst neben der Kultur, den Menschen und natürlich auch viel über die Natur zu erfahren. Oft erwandern wir uns dazu unsere Umgebung, per Pedes bekommt man mehr Details mit als im Mercedes.

Java bietet in dieser Hinsicht etwas ganz Besonderes, nämlich Vulkanwanderungen. Um einen der berüchtigsten Vulkane nicht nur Indonesiens, sondern der ganzen Welt kennenzulernen, machten wir uns auf zum Mount Merapi, der imposante 2914 m hoch ist. Ausgangspunkt war das Dorf Kaliurang, von dem aus das Gebiet gut zu erreichen ist. Für unsere Zwecke war das ideal, wir hatten ja nicht die Absicht, bis zur Spitze oder den Kraterrand vorzudringen. Eine schwierige Angelegenheit übrigens, da die letze Etappe auf dem Berg durch lockeres Geröll recht steil nach oben führt und schon manche, gut trainierten Trekker verzweifeln ließ.

Der Merapi zählt zu den 65 gefährlichsten Vulkanen Indonesiens. Seine verheerenden Aktivitäten, terrorisieren nachweislich seit über 1.000 Jahren immer wieder die Insel. In der Neuzeit wurden die Zyklen der Ausbrüche systematisch dokumentiert und wissenschaftlich bewertet. Bekannt ist, dass der Merapi etwa alle 5 Jahre überkocht und sich alle 10 Jahre Ausbrüche mit katastrophalen Folgen für Land und Leute ereignen. Zerstörung von Dörfern, Städten, Landschaften mitunter mit vielen Todesopfern gehören zu diesem Berg, der gefürchtet und angebetet wird.

Die Tour hatten wir bei „Vogel’s“ gebucht, wo einer der bekanntesten Ranger Indonesiens, Christian Awuy, die Ausflüge organisiert und überwacht. Christian ist inzwischen 71 Jahre alt und hat sein Leben dem Merapi gewidmet. Es gibt kaum eine Person, die so gut mit dieser Region vertraut ist, wie er. Christian ist der Zeitzeuge schlechthin.

Die Tour, die wir zusammen mit vier weiteren Besuchern machen wollten, sollte früh beginnen. Aufstehen kurz vor 4:00 Uhr in der Früh, nicht die Zeit in der der Schreiber dieses Berichts zur Hochform findet. Nach dem frühen Frühstück klärt Christian die Gruppe über den Merapi auf. Zahlen, Daten, Fakten trägt er vor, die einem schon Respekt einflößen. Dazu gibt es Filmmaterial, vom letzten großen Ausbruch im Jahr 2010. Trotz groß angelegter Evakuierungen gab es damals viele Todesopfer, auch deswegen, weil den Wissenschaftlern, die Eruptionen vorhergesagt hatten, weniger Glauben geschenkt wurde als Priestern, die meinten, mit Gebeten das schlimmste Unheil abwenden zu können.

Mit einem etwas mulmigen Gefühl brachen wir auf, geführt von Christians Sohn Aldrin. Auch er ein Guide mit der höchsten Lizenz, was uns erlauben sollte, auch die Teile im Vulkangebiet zu betreten, die für normale Touristen gesperrt sind: die Todeszone hinter der roten Linie.

Der Marsch führte zunächst durch immer dichter werdenden Urwald, über steile Pfade, dorniges Gestrüpp, vorbei an allen möglichen Pflanzen, die hier ungehemmt sprießen. Wie Christian es gesagt hatte: der Lavaboden ist so fruchtbar, dass du eine Erdnuss auf den Boden werfen kannst und schon wächst daraus ein Baum.

Erste Rast war wie geplant zum Sonnenaufgang, an einem Punkt mit freier Sicht zum Horizont. Dann ging es weiter durch dichten Dschungel, im Gänsemarsch, Platz für mehrere Personen nebeneinander gab’s nicht. Und es fing an schweissig und dreckig zu werden.

Vegetation und Ansichten variierten. Bald erreichten wir eine Art Freilichtmuseum, wo Gegenstände aufbewahrt werden, die den Ascheregen und die Lavafeuer überstanden hatten. Auch ein ausgebrannter PKW, in dem zwei Helfer des Roten Kreuzes geröstet wurden. Kein erfreulicher Anblick, sondern einer der nachdenklich macht. Asche, die vom Himmel fällt und Lavaströme, 1.000 Grad heiß und mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern den Berg hinunter rasen, will niemand erleben.

Am Übergang von der normalen Besucherzone zur Todeszone trafen wir auf eine markante, tiefe Schlucht, in der gerade Lavagestein und Sand abgebaut wird. Die Ränder der Schlucht sind weich und bröckelig. Dort mussten wir hinunter zur Talsohle und auf der anderen Seite wieder hochklettern. Unterwegs in so einem Abhang merkt man schnell, dass alles was man sieht und für massiv gehalten hat, tatsächlich höchst beweglich ist. Es gibt kaum fixe Punkte, sich festzuhalten. Eine riskante Kletterpartie, die wir allesamt fast nur auf dem Hosenboden bewältigen konnten und den Aufstieg gegenüber im Vierfüßlergang. Das war großes Kino für die Lava-Arbeiter, die unsere Klettertour verfolgten und mit lautem Lachen begleiteten. Klar, vier europäische Frauen und dazu zwei Männer im grotesken Versuch, möglichst heil anzukommen, war wahrhaftig eine Abwechslung vom öden Arbeitsalltag.

In der Todeszone brachte uns unser Guide so nahe als möglich an den Berg. Wir hatten Glück und gute Sicht, die großen Wolken zogen an diesem Tag erst später auf. So konnten wir den zerklüfteten Krater gut erkennen, der seit dem letzten Ausbruch typisch ist für den Merapi, als mit ungeheurer Gewalt ein großes Teil heraus gesprengt wurde. Dort sind auch Spuren von erkalteter Lava auszumachen, die sich beim letzten großen Ausbruch eine Bahn ins Tal brachen und über 15 km eine Schneise der Zerstörung hinterließen.

Unsere Tour dauerte insgesamt 7 Stunden, war anspruchsvoll, beinhart und informativ zugleich. Jeder war reichlich geschafft, bei der Rückkehr ins „Vogels“. Ein guter Anlass natürlich, die erfolgreiche Wanderung zünftig mit einem würzigen Bier zu begießen.

Eines haben wir uns versprochen, wenn esMt Merapi, Aras und Christian Awuy, der Merapi-Fachmann schlechthin irgendwann mal wieder zu einem Vulkanausbruch in Indonesien kommt, was wohl bald am Merapi der Fall kann, werden wir die Geschehnisse sehr aufmerksam verfolgen und hoffen, dass die Bevölkerung dann die Hinweise der Vulkanforscher ernster nimmt.

Unser Tipp für die Übernachtung und geführte Tour zum Merapi: Vogel’s Hostel in Kaliurang!

Kawa Ijen, Yogyakarta, Prambanan, BorobudurMt. Bromo, Jakarta

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