Kalaw und Pindaya

Für uns die Pforte zum weiteren Einstieg in Myanamar: Kalaw. Ein Städtchen mit rund 30.000 Einwohnern auf dem 1.300 Meter hoch gelegenen Shan-Plateau im Osten des Landes. Es heißt, die Briten haben hier früher eine Hillstation gehabt. Tatsächlich liegen auf den bewaldeten Hügeln des Ortes, teils verträumte oder einfach nur repräsentative Villen, die diese Vermutung bestätigen.

Dass hier oben moderate Kühle herrscht, wenn der heiße Sommer das Leben in den tiefer gelegenen Regionen schwer erträglich macht, will einleuchten. Jetzt, im Januar, erleben wir wohl temperierte Tage aber ausgesprochen kühle Nächte, beim Schlafen sind Doppeldecken angesagt. Der Ort wirkt freundlich, gut aufgeräumt, ein jeder kehrt hier vor seiner Tür und sicher noch ein wenig weiter. Eine Eigenschaft, die das Reisen hier angenehm macht.

Die Infrastruktur Kalaws kommt dem Reisenden entgegen, mit vielen Hotels aller Preislagen, Agenturen, die Bustickets vermitteln, Trekkingbüros, Banken mit ATM, vor allem aber vielen kleine Läden und einem ansehnlichen Markt und – wir sind im essbegeisterten Myanmar – Garküchen und Restaurants.

Kalaw ist auch wegen seiner Lage beliebtes Ziel für Touristen. Von hier aus lassen sich gut Trekkingtouren beginnen, etwa zum Inle See, wie wir es vorhaben.

Vor dem großen Wandern steht das Besichtigen. Nicht weit von Kalaw liegt Pindaya, das fast ein Pflichtbesuch ist, wenn man schon mal hier ist. Bevor wir beschreiben, was es dort zu erleben gibt, sei uns ein kleines Gedankenspiel erlaubt. Stellt Euch einfach einmal eine große Naturhöhle vor. Und jetzt überlegt einmal, wie so ein Höhle wirkt, wenn sie mit abertausenden von Jesussen und Kruzifixen gefüllt ist? Nun, etwas Ähnliches erwartet den Besucher der Pindaya Caves, nur dass dort keine Jessuse sondern Buddha-Statuen die Höhlen bevölkern.

Für die Fahrt nach Pindaya mieten wir uns ein Taxi. Die Fahrt führt uns durch sanfte Hügellandschaften, mit Feldern, Weiden und Bäumen. Dörfer durchfahren wir, proper wirkend und sympathisch. In der Landschaft glitzern immer wieder goldfarbige Stupas auf. Nichts Spektakuläres, aber sehr Bezeichnendes: Der Buddhismus ist ein ganz fester Bestandteil im Alltag der Menschen. Auch die Freundlichkeit, die uns Fremden hier zuteil wird, hat hier ihre Basis.

Nach etwa 90 Minuten erreichen wir die Pindaya Caves. Hoch gelegen in den Felsen, sind sie schon von weitem erkennbar. Eine lange Treppe führt hinauf zu einem prächtigen kleinen Tempel. Stufen haben uns noch nie geschreckt, im Gegenteil, wir nutzen den Aufgang. Wer es bequemer haben will, lässt sich zum höher gelegenen Parkplatz chauffieren, von dort aus ist die letzte Etappe sogar per Lift möglich.

Der Eingangsbereich ist märchenhaft kitschig dekoriert, mit eine riesigen Spinne, die der Legende nach hier gehaust haben soll und natürlich dem Prinzen, der das Untier erlegt und die gefangenen Prinzessinnen befreit hat. Und wenn sie nicht gestorben sind … aber die Geschichte interessiert uns weniger, als der Anblick der Höhlen selbst.

Für Ausländer ist Eintritt fällig, das Äquivalent vermuten wir zu den Spenden der buddhistischen Besucher, die sich hier nie knauserig zeigen. Dann tut sich die Wunderwelt der goldenen Buddha-Statuen vor uns auf.

Buddhas gibt sie hier in allen Größen und vielen Variationen. Um die 8.000 oder mehr. Viele der Statuen sind gestiftet, die Namen der Spender sind auf Schildern am Sockel der Buddhas vermerkt. Namen aus aller Herren Länder, nicht nur buddhistischen. Wir entdecken viele europäische Namen, auch Organisationen spendieren Buddhas, etwa die thailändische Anti-Drogen-Behörde. Hätten wir jetzt eine kleine Statue dabei und etwas Sekundenkleber… wir verwerfen den Gedanken, Sakrileg.

Tatsächlich ist die Tour durch das Gewirr von Gängen und separaten Höhlenabschnitten, ein außergewöhnliches Labyrinth von Buddhas, einfach faszinierend. Lange sind wir in der Höhle unterwegs, aber wir können nicht behaupten, alles gesehen zu haben.

Vor unserer Rückfahrt besuchen wir eine Schirmmanufaktur. In Indien sind es die Teppichfabriken, zu denen Besucher gefahren werden, in der Türkei die Onyxateliers und anderswo die Kupferschmiede. Nach dem Overload der Buddha-Skulpturen kommt uns diese kleine weltliche Ablenkung ganz gelegen. Und wieder einmal lernen wir etwas, nämlich wie simpel und schwierig zugleich die Herstellung eines Papierschirmes aus natürlichen Materialien sein kann. Eines dieser Schirmchen wird uns nach Deutschland begleiten.

Um unsere nächste Station, den Inle See, zu besuchen, können wir auf die Dienste der Busagenturen Kalaws verzichten. Wir wandern die Strecke.

Yangon, Inle See, Mandalay, Monywa, Bagan, Bago, Golden Rock,   Hpa-an, Mawlamyine, Ye / Dawei / Maungmagan

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