Kuala Lumpur

Reisetipps Kuala Lumpur oder: Früher war hier Dschungel

Wie bereitet man sich auf den Besuch einer Stadt vor, die ein Konstrukt der Neuzeit ist, keine antiken Denkmäler vorweist aber zu groß ist, um sie zu ignorieren? Die Rede ist von Kuala Lumpur, gerne auch KL genannt, Hauptstadt von Malaysia und markanter Meilenstein auf unserer Route in den Süden.

Die Metropole boomt. In der relativ kurzen Zeit ihres Bestehens ist sie auf 1,5 Millionen Einwohner gewachsen und die Entwicklung geht weiter. KL gilt hinter Singapur als Stadt mit der höchsten Lebensqualität in Südostasien und zieht jährlich mehr als 11 Millionen Touristen an. Stolze Zahlen. Ob wir herausfinden können, was so viele Menschen anlockt? Allerdings haben wir dafür nur 2 Tage. Mehr passt nicht in unseren Reiseplan.

Wir erreichen Kuala Lumpur mit der Bahn und sind damit sofort im Zentrum des Geschehens. Anders als bei Flughäfen. Die setzen den Reisenden in aller Regel so weit außerhalb ab, dass eine gewisse Inkubationszeit bleibt, sich auf sein Ziel einzustellen. Wir stehen nun am KL Sentral, dem größten Bahnhof der Stadt.

Gerade erst haben wir aus einer der unteren Ebenen in den Ankunftsbereich gefunden, wo auch Taxis zu bekommen sind. Zwar wäre es auch möglich, mit der Stadtbahn wegzukommen, aber dazu kennen wir die Verhältnisse noch nicht gut genug.

Unterwegs in der Metropole

Erster Tipp für Neuankömmlinge: Einfach ein Taxi ranwinken und wegfahren funktioniert nicht. Der Besucher muss zunächst zu einem Schalter und sich einen Beförderungsschein besorgen. Vielleicht ist das gar nicht so daneben, denn es hält Fahrer ab, die es mit Fremden nicht so gut meinen. Diese Prepaid-Methode schützt vor Abzockern. Endlich im Taxi unterwegs merken wir, in was für einer Dimension wir uns bewegen. Denn obwohl unser Hotel nach Stadtplan gar nicht so weit entfernt scheint, wollen die Straßen nicht enden. Wie schon gesagt, das ist kein Umweg an dem der Taxifahrer verdient. KL ist groß und kleckert nicht sondern klotzt.

Diese beeindruckende Metropole langsam und mit größer werdenden Radius zu Fuß zu erschließen schaffen wir nicht. Stattdessen bietet sich eine sogenannte “Hop-on hop-off ” Besichtigungstour an. Zum einen, weil die Streckenführung wohl durchdacht an den wichtigsten urbanen Highlights entlang führt. Zum anderen, weil wir überall aussteigen können, um die Umgebung näher zu erkunden.

Außerdem erlauben die eingesetzten Doppeldecker Busse uns Perspektiven, wie sie sonst nur eine Drohne hat. Es gibt zwei separate Runden. Die grüne Linie der Garden Route und die rote City Route. Vorteil unseres Standortes in Bukit Bintag: Der Startpunkt der Sightseeing-Busse ist fußnah zu erreichen. Dort bekommen wir auch unsere Tickets, die pro Person 55 Ringgit kosten. Buchen kann man übrigens auch Online. Unsere Verkäufer im Ticketkiosk sind großzügig und setzen die Startzeit so, dass wir etwas länger als die offiziellen 24 Stunden mit den Bussen fahren dürfen.

Sightseeing entlang der Garden Route

Wir beginnen am frühen Vormittag mit der Rundfahrt, um uns ein regenfreies Zeitfenster zu sichern. Schließlich wollen wir auf dem Aussichtsdeck sitzen, ohne uns in Pellerinen hüllen zu müssen. Das klappt tatsächlich und hat auch den Vorteil, dass wir nicht frieren. Die Busse sind nämlich beinhart nach unten temperiert, so wie Asiaten es mögen. Vom Bus herab schießen wir unsere Fotos und betrachten die Stadtviertel, durch die wir cruisen. Uns begeistert, dass Kuala Lumpur enorm viele bauliche Kontraste hat. Einerseits die bunten chinesischen Geschäfts- und Wohnhäuser aus der Gründerzeit, zum anderen modernste Konstruktionen und Hochhäuser.

Anhand des Routenplanes wissen wir, wo man aussteigen sollte. Wir müssen selektieren und wählen zunächst den Central Market und Pasar Seni. Das Gebäude im Art-Deco Stil ist fast 100 Jahre alt, aber äußerst gepflegt. Wer einkaufen oder nur bummeln und schöne Waren sehen will, ist hier genau richtig. Kunsthandwerk und Textilien finden wir hier und einige leckere Restaurants, uns zu stärken. Unsere Empfehlung: Genügend Zeit reservieren. Die braucht es schon, den gesamten Markt einigermaßen zu überblicken, immerhin verteilen sich die Geschäfte über 2 Etagen.

Ein weitere Haltepunkt, auf den wir uns einlassen ist Little India, oder Brickfields. Hier ist noch nicht alles mondän und modern sondern wirkt authentischer. Die Gebäude, nicht annähernd so hoch wie in der City, präsentieren sich bunt. Mitunter mit schrillen Fassaden und Werbetafeln die so auch in Delhi oder irgendeiner Stadt in Rajasthan hängen könnten. Es wuselt hier von Menschen und alle Sinne vermitteln dieses typisch indische Lebensgefühl aus Curry-Aromen, speziellen Gerüchen sowie aufdringlicheren Geräuschen. Auch hier macht es Sinn, sich einfach treiben zu lassen, teilzuhaben an kaum gebremster Lebensfreude.

Irgendwann, wenn sich Neugier in Strapaze verwandelt, suchen wir den nächsten Hop-On Punkt und fahren davon.

Wir wechseln auf die City Route

Nach einer Unterbrechung starten wir zur Tour durch die modernen Viertel. Hier lassen sich Eindrücke sammeln, wie eine Stadt sich entwickelt, die Städteplanern offenbar keine Restriktionen vorgibt. Wer moderne Architektur mag, sich begeistern kann an urbanen Panoramen, ist hier richtig. Wie jeder Besucher in unserem Bus, lauern auch wir auf den einen Moment, in dem die Petronas Twin Towers auftauchen. Sie scheinen das Wahrzeichen von KL zu sein. Nicht als allerhöchste Gebäude Südostasiens, aber sicher als die attraktivsten. Keine Frage, wenn der Bus am großen Platz vor den Zwillingstürmen ankommt, steigen die meisten Passagiere aus. Wir übrigens ebenso. Wie erwartet, ist das Vorfeld der Türme gefüllt mit Touristen. Die meisten in einer Haltung, die bald in Nackenschmerz endet. Also Kopf zurückgeworfen, Blick in die Höhe, Kamera oder Mobilphone aufs Objekt der Begierde gerichtet. Auch die Straßenhändler sind perfekt auf diesen Hype eingestellt. Meist gehandeltes Produkt sind Aufstecklinsen, um die hochaufragenden Bauten ungeschnitten ins Bild zu bekommen.

Übrigens, die City Line ist nicht ganz unhistorisch. Am Ende der Route wartet mit Chinatown ein Stadtviertel, das immer gut ist für aufregende Eindrücke und Besichtigungsgänge.

Beide Touren bieten dem Besucher den wohl besten Einstieg, um eine Stadt zu erkunden, die in jeder Beziehung selbstbewusstes Zentrum des Landes ist. Kultur, Wirtschaft, politische Macht, die Vielfalt der Religionen mit Tempeln, Pagoden, Moscheen und Kirchen, alles ballt sich hier. Und die ethnische Vielfalt scheint gut zu funktionieren. Verordnete Uniformität sehen wir nirgends, dafür aber Menschen, die sich offen zu ihren Wurzeln bekennen: Inder, Chinesen, Malaien, Menschen aus dem mittleren Osten. Muslime, Hindus, Buddhisten und Christen.

Ein nächtliches Sightseeing

Der Besichtigungstag endet nicht mit Einbruch der Dunkelheit. Wir haben noch ein besonderes Ziel. Wieder die Petrona Twin Towers. Die besondere Bauweise dieses Gebäudekomplexes lässt ahnen, dass Abends sehr spezielle Lichteffekte zu sehen sind. Bilder kennen wir bereits, aber es geht nichts über ein eigenes Erleben. Und es gibt einen Tipp, den wir probieren müssen.

Ein perfekter Ort, um abends die Twin Towers einzufangen heißt es, ist die Sky Bar im Traders Hotel. Der Zugang ist auch für Nichthotelgäste möglich. Tatsächlich erweist sich der Tipp als goldrichtig. Hoch aus der Sky Bar ist die Perspektive genial. Die Türme und ihr Umfeld passen haargenau auf das Display von Kamera und Smartphone. Ein Grund zum Feiern, bei Cocktails und in entspannter Umgebung. Es ist nicht voll und wir erwischen einen Platz mit geöffneten Fenster. Aber jeder Cocktail hat ein Ende und der Abend ist lang. Schon einmal hier, nutzen wir die Gelegenheit zu einem Spaziergang um das Panorama noch einmal aus der Froschperspektive zu betrachten. Auch das ein Augenschmaus.

Zu den Höhlen der Hindus

Eine weltbekannte Sehenswürdigkeit, die wohl keiner der 11 Millionen Besucher Kuala Lumpurs auslässt, sind die Batu Caves. In der Hoffnung, vielleicht einen Tag zu erwischen, der nicht der besucherreichste in der Geschichte dieser Anlage ist, machen wir uns auf. Die Höhlentempel liegen etwa 15 km außerhalb der Stadt. Da wir uns keiner organisierten Besichtigungstour anschließen, stellt sich die Frage, wie wir hinkommen. Es gibt Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit Bussen und Bahnen. Die Stationen befinden sich sogar in unmittelbarer Nähe zum Haupteingang. Aber wir experimentieren gerade mit der Grap App und sind tatsächlich erfolgreich. Für Hin- und nachher die Rückfahrt finden sich immer Wagen, die uns schnell, sauber, kostengünstig und zuverlässig befördern.

Keine Angst. Wir beschreiben jetzt nicht, was mindestens 150 Reiseführern und wenigstens 500 Blogs bereits dokumentieren. Alles, was sich zum Aufbau der Tempelanlage, Funktion und Bedeutung der einzelnen Höhlen bis hin zu den transzendentalen Empfindungen von Gelegenheitsbesuchern sagen lässt, könnt Ihr mühelos finden. Begleitet uns einfach. Wir kommentieren spartanisch und lassen Bilder sprechen.

Bei unserer Ankunft sind bereits massig Besucher vorhanden. Viele reisen mit großen Bussen an und minütlich erreichen neue Gruppen das Gelände. Um den Vorplatz gruppieren sich Läden für Last-Minute-Opfergaben und Tempel. Blickfänger ist natürlich die gigantische Statue des Gottes Murugan und die Treppe, die steil hinauf zum Höhlenkomplex führt. Irgendwie treffen die Hindus immer wieder den Geschmack von Hippies. Bestes Beispiel sind die Farben der Stufen und des Höhleneingangs, die wirken einfach psychedelisch.

Der Aufstieg über die Stairway zum Hindu-Heaven

Hier braucht es keine Eintrittskarten, wer etwas für sein Karma tun will, spendet. Oder er lässt es bleiben, alles ist freiwillig. Die steilen Treppen sind gut befüllt mit Besuchern. Kaum einer lässt sich von den 230 Stufen abschrecken. Wir natürlich auch nicht, haben wir doch vor kurzem die 1.237 Stufen zum Tiger Cave Temple bezwungen. Das eigentliche Erlebnis auf den Treppen sind aber die Begegnungen mit den eigentlichen Herren dieser Anlage. Den Affen. Die Frechlinge wissen, dass es hier etwas zu holen gibt und belagern regelrecht die Besucher. Also Obacht: Keine verlockenden Tüten in die äußeren Rucksacktaschen stecken oder mit einem Eisbecher in der Hand unterwegs sein. Scheu kennt das Volk Hanumans nicht und sie sind flink.

Affen tollen auch im Eingangsbereich der großen Höhle. Aber natürlich haben wir dort nur noch Augen für die Dekoration des Gewölbes. Ein wahres Disneyland des Hinduismus entfaltet sich hier. Da sind sie wieder, die mystischen Figuren, Götter und Halbgötter die wir aus Indien kennen. Und natürlich nehmen wir uns genügend Zeit, alles zu beäugen. Unser Fazit: Trubel, Farben, Stimmung lohnen einen Besuch, selbst wenn es nicht Altertümer sind, die wir hier sehen.

Unser Eindruck von KL

Kuala Lumpur mit seiner kurzen Geschichte hat auf jeden Fall eine sehr vitale Gegenwart. Sicher ist die Stadt kein Ort für einen Langzeitaufenthalt. Aber sie ist immer gut um einige Tage Spaß zu haben. Und ist es nicht gerade das, was wir Reisenden unterwegs auch ab und zu gerne mitnehmen?

George Town, Ipoh, Cameron Highlands, Malakka

Und wenn Ihr noch mehr zu den Batu Caves und anderen Sehenswürdigkeiten in Kuala Lumpur lesen wollt, schaut mal bei Scenic World vorbei.

oder zur Insel Pulau Langkawi

in 2 Wochen durch Malaysia

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