Hpa-an

Wir sind in Hpa-an. Eine Hauptstadt und zwar der des Staates der Karen, einer tibeto-birmanischen Volksgruppe Myanmars. Die Langhalsfrauen gehören übrigens auch zu dieser Ethnie. In Wirklichkeit fühlt sich unser Aufenthalt an, als weilten wir in einem Provinzstädtchen. Das ist nicht negativ zu verstehen, im Gegenteil. Wir fühlen, ohne die alten Zeiten jemals kennengelernt zu haben, im alten Birma angekommen zu sein. Oder anders ausgedrückt, so wenig Leute verirren sich hierher, dass nicht mal Eintrittsgeld für die Pagode verlangt wird. Obwohl gerade diese Pagode, die Shweyinhmyaw (dreimal hingeguckt um diesen Namen abzuschreiben), eine wunderbare Lage am Fluss Thanlwin hat, wo wir an unserem ersten Abend einen tollen Sonnenuntergang beobachten.

Auch im Hotel merken wir, dass wir im Herzen Myanmars angekommen sind. Nicht mal der Hauch eines europäischen Frühstücks umschwebt uns morgens im Frühstücksraum, nur das Aroma von pikanter Nudelsuppe und Wassermelone. Unserer Stimmung schadet es nicht.

Hpa-an ist bekannt für seine Höhlen, ein knappes halbes Dutzend gibt es in erreichbarer Entfernung zum Ort. Wir sind mit dem Tuk-Tuk des Hotels unterwegs, beschränken uns darauf, exemplarisch 2 Höhlen aufzusuchen und obendrein noch eine besondere Lokalität. Weniger ist manchmal mehr; die Reise soll erholsam bleiben, nicht zum mechanischen Abarbeiten von Sehenswürdigkeiten ausarten, wie einige Reisegruppen es pflegen, die unsere Wege kreuzen.

Angenehm wie das gesamte Preisniveau in Hpa-an sind auch die Kosten für unsere kleine Tour mit dem Tuk-Tuk. Sie dauert gut 3 Stunden und kostet gerade mal 12 € für uns beide, einschließlich der bescheidenen Eintrittsgelder.

Die Landschaft hier erinnert stark an die Mekong-Region in Laos: Reisfelder, Wasserläufe und steil aufragende Karstberge.

Unsere Fahrt zu den Zielpunkten wird zu einem Augenschmaus. Vorbei an schmucken Häuschen, viele aus Bambus und Palmblättern errichtet, knattert unser Tuk-Tuk zur Kaw Goon Höhle. Sie gilt als eine der schönsten im Lande.

Der Reiz dieser Anlage ist die harmonische Verbindung natürlicher Felsformationen mit geschaffenen sakralen Artefakten. Die Höhle ist nicht einfach nur befüllt, sondern erscheint als ein Stück herausragender Natur. Selbst die Fresken an Decken und Wänden wirken, als ob sie aus dem Gestein herausgewachsen sind. Die ruhige Stimmung in dieser Pagode, weitab von störendem Straßenlärm tut das ihre, dass wir diesen Ort sofort mögen.

Unsere zweite Höhle ist nicht weit entfernt. Die Anfahrt führt durch dichte tropische Wälder, in denen noch immer kleine Dorfgemeinschaften eine Heimat haben. Ein Idyll. Freundliche Menschen winken uns durch, das Leben hier strahlt Friedlichkeit aus. Die Ya-The-Byan Höhle, auf die wir jetzt zufahren, ist schon von weitem erkennbar.

Höher ist sie und reicht tiefer in den Berg hinein. Um sie zu begehen, müssen wir einige Stufen nach oben steigen. Die Halle, die sich dann auftut, hat etwas von einer riesigen Kathedrale. Wäre der Name “Felsendom” nicht schon belegt, hier würde er perfekt passen. Die Einrichtung ist ähnlich wie in normalen Pagoden. Buddha-Figuren, ein Altar und schmückende Bilder. Auch hier ist es die harmonische Synthese von Natur und sakraler Kunst, die den Besucher fesselt. Dass hier auch Fauna stattfindet und die Höhle Lebensraum ist für einige Fledermausarten, wird Naturfreunde interessieren. Für uns heißt es aufpassen, unsere nackten Füsse verweigern halt den Kontakt mit Exkrementen, egal wie geschützt die Kreaturen sind, die ihn erzeugen.

Wie im Theater kommt heute der Höhepunkt zum Schluss unserer Exkursion. Nach weiteren 30 Minuten Fahrt erreichen wir einen Ort, der fotografisch sicher ebenso bekannt ist, wie der Golden Rock. Kyauk Ka Lat wird vielleicht als Name den meisten Menschen außerhalb Mynamars wenig geläufig sein. Ihr Bild aber werden viele kennen: Eine Pagode, die auf einen bewachsenen Nadelfelsen gebaut ist und mitten aus einem künstlichen See aufragt. Ein surrealer Anblick, wieder geht es um Balance, wieder erscheint da vor dem Auge ein fragiles Gebilde, von dem uns die Logik sagt, dass es so etwas eigentlich gar nicht geben kann. Das ist Myanmar pur.

Noch etwas erstaunt uns, hier wird von Ausländern kein Eintritt erhoben, alleine das ist schon ein kleines Wunder, finden wir. Wir genießen den Anblick noch bei einem Glas frisch gepresstem Zuckerrohr und lassen uns zurück nach Hpa-an fahren.

Neben seiner sehenswerten Umgebung bietet der Ort Hpa-an noch ein wenig mehr, was Touristen schätzen. Dazu gehören in erster Linie die Märkte, mit einem Überfluss von frischem Gemüse, Obst, Fleisch und natürlich Fisch. Es gibt mehrere Märkte im Stadtgebiet; wir empfehlen einen Besuch des Marktes am Nordrand der Stadt, der leicht zu finden ist, wenn man vom Uhrturm 10 Minuten die Straße zum Bootsanleger hinaufläuft.

Hpa-an möchte man wünschen, dass es so bleibt wie es sich uns heute darstellt. Einen Besuch dort sollte man sich gönnen.

Yangon, Kalaw und Pindaya, Inle See, Mandalay, Monywa, Bagan, Bago, Golden Rock,   Mawlamyine, Ye / Dawei / Maungmagan

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