Morelia

Die 2.000 Meter über dem Meeresspiegel liegende Stadt, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt und gleichzeitig als   prämiert ist, erreichen wir spät am Tag. Zu wenig Zeit, um gleich das perfekte Lokal zu finden. Wir behelfen uns beim ersten, neugierigen Rundgang mit einem frugalen Abendessen auf Streetfood-Niveau, das wir übrigens schadlos überstehen, obwohl Anblick und Geschmack sehr speziell sind. Tatsächlich finden wir bald eine tolle Lokalität, aber dazu später mehr.

Zunächst verschaffen wir uns den üblichen ersten Eindruck, der kein schlechter ist. Wir starten beim Mercado de Dulces, dem Süßigkeitenmarkt ganz in der Nähe unserer Unterkunft und versorgen uns mit zuckrigen Spezialitäten der Region. Darunter einer, die nach der Stadt als Morelia bezeichnet wird, eine Art leichter Teigoblate, die wegen ihrer Zartheit in einzelne Umhüllungen gelegt werden. Schmeckt gut, aber die Konkurrenzprodukte aus Puebla munden uns ein wenig mehr.

Wo andere Städte mit einem zentralen Zocalo und einer Hauptkirche aufwarten, hält Morelia mit einem touristischen Superlativ dagegen: Die Kathedrale gilt als die schönste ganz Mexikos und das will bei der Konkurrenz im Lande schon etwas bedeuten. Die Zwillingstürme sind um die 70 Meter hoch und abends, wenn sie angestrahlt werden, ein wahrhaft göttlicher Anblick.

Morelia verfügt über eine ganze Reihe großzügiger klassizistischer Bauten, die immer noch der städtischen Verwaltung, der Justiz und sogar der Finanzbehörde als repräsentativer Sitz dienen oder als Museen genutzt werden. Tatsächlich ist nahezu die gesamte Innenstadt eine Ansammlung stolzer Steinhäuser mit prachtvollen Fassaden und Arkaden.

Um in Bewegung zu bleiben und noch weitere Sehenswürdigkeiten zu entdecken, machen wir uns auf den langen Weg entlang der Av. Francisco I. Madero. Die erstreckt sich über fast 2 km bis zum Aquädukt, das noch bis zum Jahr 1910 für die Wasserversorgung der Stadt praktisch in Gebrauch war. Heute reduziert sich der Nutzen darauf, Motiv zu sein für Fotografen. Mal etwas anderes als ein Sakralbau.

Der Spaziergang ist abwechslungsreich, es geht meist entlang gut erhaltener historischer Fronten, bis man einen Platz erreicht, von dem eine Allee abgeht, eingefaßt mit niedrigen Mauern, über glattes Kopfsteinpflaster, beschattet von hohen Bäumen. Sie führt uns geradewegs hin zum „Santuario de Guadalupe“, einer Franziskanerkirche aus dem 18. Jahrhundert.

Von außen eher bescheiden wirkend, ist sie allerdings ein echtes kunsthistorisches Schatzkästlein: Das Innere ist opulent geschmückt. An den Wänden hängen riesige Bilder, die wie ein mächtiger Comicstrip die katholische Sicht der Christianisierung wiedergeben. Der Narrativ ist immer gleich: Preiset uns, denn wir befreiten Euch von den heidnischen Dienern Satans. Was auf dem Bild allerdings nicht zu sehen ist, sind die Scheiterhaufen auf denen Ketzer hingerichtet wurden und alle, die sich der neuen Religion verweigerten. Ihre Zahl ging in die Millionen.

Die Stadt ist schön, die Stadt ist interessant, wirklich ein Juwel das touristisch viel bietet. Aber wie ist es mit dem kulinarischem Faktor, die hochpreisigen Lokale um den Zocalo müssen es ja nicht sein.

Rechtzeitig entdecken wir die Restaurants im kleinen Quartier „Jardin de las Rosas“. Cafés gibt es hier und Lokale, die heimische und internationale Küche auf der Karte haben, mit Heizstrahlern im Außenbereich und fairen Preisen. Das Essen schmeckt gut, die Promotionswoche unter dem Motto: bestell 1 Bier und bekomme dafür 2 zum Preis von einem mögen wir und überhaupt, die Atmosphäre ist viel gemütlicher als rund um den großen zentralen Platz. 

Apropos Gemütlichkeit. Ein Ausflug in die Umgebung konfrontiert uns genau damit. Wir fahren nach Patzcuaro.

Patzcuaro

Wie kommt man hin? Der einfachste, aber auch teuerste Weg ist, sich einer Tour anzuschließen. Eine Option, die wir in anderen Situationen durchaus erwogen haben, obwohl wir uns immer viel lieber allein auf den Weg machen. Hier ist alles ganz einfach. Nach Patzcuaro kommt man unkompliziert mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zurück ist genauso einfach. Mit dem Taxi fahren wir zur Haltestelle der Colectivos, dafür bezahlen wir 60 Pesos. Fürs Colectivo kommen noch einmal 55 Pesos pro Person dazu. Insgesamt sind wir nur eine knappe Stunde unterwegs. Der Ort, den wir erreichen, fühlt sich an wie eine Hillstation, obwohl wir – was die Höhe über dem Meeresspiegel angeht – fast auf dem gleichen Level bleiben wie Morelia.

Patzcuaro ist eine rundum tolle Kleinstadt, in der man durchaus einige Tage verbringen könnte. Der Ort ist auch wieder ein Pueblo Magico und in der Tat, er ist magisch schön mit seinen gepflasterten Straßen, den einheitlich rotweiß gestrichenen Lehmhäusern mit den roten Ziegeldächern und seinem kolonialen Charme.

Das historische Zentrum liegt rund um die beiden schönen Plätze Plaza Vasco de Quiroga (Plaza Grande) und Plaza de Gertrudis Bocanegra (Plaza Chica). Hier gibt es schöne Straßencafé und Lokale. Alles nett und nicht abgehoben, zugeschnitten auf die Einheimischen. Man sieht es, alle scheinen sich hier sehr wohl zu fühlen und Hektik ist ein Begriff, den es hier in keiner Sprache gibt.

Und dann sind da noch die bunten Märkte, gerade groß genug, um ausgiebig zu bummeln und alles zu finden, was wir brauchen: Frischwaren und Nonfood, alles zu örtlichen Preisen ohne Touristenzuschlag.

Natürlich besuchen wir auch die berühmte Kirche, die Basilica de Nuestra Senora de Salud, die gleichzeitig ein bekannter Pilgerort ist, und berühren einmal das Gewand der Marienstatue.

Das muss ja nicht schaden, auch wenn damit kein spontaner Lottogewinn verbunden ist, um den die Madonna ausdrücklich gebeten wurde. 

Ein Ausflug vom Ausflugsort

Von Patzcuaro aus bietet sich eine Exkursion zum Patzcuaro-See an, einem der am höchsten gelegenen Seen Mexikos auf knapp 2.200 m und einer zusätzlichen touristischen Attraktion. Hin kommen wir mit einem der vielen Colectivos, die in der Stadt starten. Das Ziel „Lago“ an der Windschutzscheibe zeigt, wir sitzen im richtigen Kleinbus. Der volksnahe Fahrpreis beträgt eine Handvoll Pesos. Am Lago, vor der Promenade, werden wir abgesetzt. Die vielleicht 300 Meter zum Ankerplatz der Fährboote sind schnell zurückgelegt. Es geht zu einer Insel im See, Hin- und Rückfahrt kosten zusammen 70 Pesos. Ein praktischer Tipp: Auf dem Boot sollte man Kleingeld dabei haben. Keine Fahrt findet ohne Mariachis statt. Die Männer gehören zur Ausstattung wie die Ankerkette oder Rettungswesten. Bei Letzteren sind wir allerdings nicht sicher, ob immer welche an Bord sind. Wie auch immer, Mariachis machen das, was Mariachis tun müssen: Sie spielen auf und sammeln ihr Honorar bei den Fahrgästen ein.

Unser Ziel ist bald zu erkennen, die Insel mit dem Monumentalstandbild. Die Insel als Sockel nutzend, thront auf der Spitze eine 40 Meter hohe Figur des Volkshelden José Maria Morelos. Richtig, der, nachdem unsere Ausgangsposition, die Stadt Morelia, benannt ist.

Jeder, der auf der Insel ankommt, scheint nur ein Ziel zu haben, nämlich die Spitze zu erklimmen. Vorbei an Läden und Restaurants geht es über gewundene Wegs bergauf. Ob alle Passagiere oben ankommen, wissen wir nicht. Einen gewissen Schwund wird es geben, viele Stufen sind rutschig und nicht Jedermanns Sache. Zurück gehts übrigens ganz einfach: Hin zum Anleger, in das nächste Boot, das zum Festland fährt. Tickets haben wir schon und die Mariachis warten bereits.

Der Weg nach Morelia klappt wunderbarerweise ebenso geschmeidig. Ein Colectivo setzt uns an der Straße ab, wo die Fernbusse verkehren. Und tatsächlich winken wir schnell einen Reisebus heran, der uns mitnimmt. Alles ganz unkompliziert, in Mexiko.

Fazit:

2 bzw. 3 Tage Aufenthalt in Morelia reichen völlig aus. Was wir durchaus empfehlen können ist, in Patzcuaro zu übernachten und dort ein paar gemütliche Tage zu verbringen. Es gibt dort und in der schönen Umgebung viel zu entdecken

Auf die teure, sehr kommerzielle Tour zu den Schmetterlingen vom Reserva Mariposa Monarca, die sich nur über einen privaten Anbieter organisieren lässt, haben wir bewusst verzichtet. Die Touren scheinen uns überteuert zu sein und der Erlebniswert relativiert sich angesichts der extrem langen Anfahrtszeiten.

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