The King’s Highway

Burg Shobak

Etwa eine Stunde mit dem Auto entfernt von Petra liegt die Ruine der Kreuzritterburg Shobak. Man verlässt den Kings Highway über eine Nebenstrasse und fährt ziemlich genau auf den Hügel zu, auf dessen Spitze die Überreste der Burg besichtigt werden können. Wir verzichten heute auf eine Begehung, das Äußere der Festungsanlage interessiert uns mehr als das Innere bzw. was davon übrig geblieben ist. Die Landstraße windet sich um die Burg herum, wir folgen ihr und bekommen von hier unten die schönsten Ausblicke auf das Gemäuer, das sich absetzt gegen den stahlblauen Himmel.

Sozusagen im Windschatten der Burg liegen kleine Dörfer; scheinbar sind die Häuser aus den gleichen Steinen errichtet, wie das Bauwerk der Kreuzritter. Oder kann es sein, dass der Schwund an Quadersteinen in der Burgmauer etwas zu tun hat mit der Entstehung der Steinhäuser der Bauern? Ein Schelm, der schlechtes denkt und meint, dass es da irgendeinen Zusammenhang geben könnte.

Dana

Nicht nur der Westen schützt seine Natur, auch Länder wie Jordanien engagieren sich. Das finden wir umso bemerkenswerter, da Umweltschutz zunächst einmal die Ausgabenseite einer Gesellschaft belastet. Dass sich langfristig Schutzmaßnahmen als intelligente Investition erweisen, die sogar Rendite bringen kann, sind Überlegungen, die wir Europäer bisher als westliche Erfindung für uns reklamiert haben.

Wir erleben dass Jordanien, die Wüste als Landschaftsform unter besonderen Schutz stellt und fahren wir weiter ins Land hinein, treffen wir auf weitere erfreuliche Beispiele. Das Gebiet um Dana etwa ist ein Biosphären-Reservat, das 1989 eingerichtet wurde. Es erstreckt sich über eine Fläche von 320 Quadratkilometern und reicht von 300 Metern am tiefsten Punkt bis hinauf auf 1.700 Meter an seiner Spitze. Dazwischen Berge, bizarre Felsformationen, kleine Täler, Plateaus sowie enge Schluchten. Zu den meisten Punkten kommt man nur zu Fuß und damit ist Dana ein ideales Wandergebiet.

Wir übernachten im Hotel Dana, das von einer Kooperative betrieben wird. Die Bungalows sind einfach gehalten, passend zur Landschaft, größtenteils aus Natursteinen errichtet. Zweckmäßige, aber pieksaubere Zimmer stehen uns zur Verfügung, preiswerter als anderswo, mit einer Top Verpflegung. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ausgesprochen fair, für Besucher und Betreiber. Was hier stattfindet, ist Ökotourismus in seiner besten Form.

Wir buchen einen Guide, für eine Wandertour. Mohammed, ein tougher, gutgelaunter sesshaft gewordener Beduine begleitet uns. Das ist gut so, alleine würden wir uns im Labyrinth der Felsenlandschaft durch Sheq-Al-Reesh (Federschlucht) verlieren. Wir finden prächtige Panoramen und steigen hinunter in eine Märchenwelt, die an Kappadokien erinnert. Weicher Sandstein formt hier seltsame Gebilde, die genetische Vielfalt der Pflanzenwelt überrascht uns.

Wacholderbäume und Steineichen gehören zu den höher wachsenden Pflanzen. Viele Kräuter spriessen hier in ihrer Wildform. Mohammed lässt uns immer wieder raten, was er abpflückt. Thymian, Oregano, Salbei duften intensiv; Absinth gibt es hier und vieles mehr. Dazwischen huschen Eidechsen. Die großen, blaugefärbten sehen wir heute nicht, aber Mohammed hat auf dem Handy Fotos von ihnen gespeichert. Andere Tiere sehen wir nicht, gleichwohl sollen hier Wolf, Streifenhyäne und Steinbock heimisch sein. Die haben hier natürlich genügend Möglichkeiten, sich unserem Blick zu entziehen und genau das tun sie.

Die Pause mit Mohammed darf natürlich in keinem Bericht fehlen. Nach 1,5 Stunden Abstieg entfacht er an einem schattigen Plätzchen ein kleines Lagerfeuer. Teekessel, Gläser und alle Zutaten hat er im Rucksack bei sich, wie fast alle Jordanier, die sich im Freien bewegen. Der Tee ist köstlich, wir bekommen Datteln, genießen die friedliche und entspannte Stimmung. Dann machen wir uns auf den Rückweg; wir sind noch vor Sonnenuntergang im Hotel und auch der Abend dort, bei gutem Essen und in fröhlicher Gesellschaft, macht Spaß.

Mount Nebo

Wenige Kilometer vor Madaba halten wir am Berg Nebo; er ist ca. 800 Meter hoch und bietet uns eine grandiose Aussicht auf das Tote Mehr und die umliegende Landschaft. Der Haltepunkt wirkt touristisch, Busse parken hier und viele PKW. Hier soll nach biblischer Überlieferung der allmächtige Spaßmacher dem Propheten Moses einen letzten Streich gespielt haben. Nachdem, wie auch immer, der greise Moses es geschafft hat, den Berg zu erklimmen, sagte Gott ihm, dass er von hier aus mal eben das „Gelobte“ Land sehen dürfe. Aber ätschibätschi, es betreten durfte er nicht mehr, denn er verstarb kurz darauf. Der Berg gilt seitdem als heiliger Ort. Vor allem Christen haben sich dieser Stelle bemächtigt und schon früh, Ende des 4. Jh., dort eine Kirche gebaut. Heute gehört das, was davon noch übrig geblieben ist, den Franziskanern.

Der Orden hat vorbildliches geleistet, eine sehr ästhetisch wirkende Kirche auf den alten Ruinen errichtet, die so gar nichts sakrales ausstrahlt. Viele Gläubige pilgern hierher. Das interessante für uns säkulare Besucher sind die fantastisch erhaltenen Mosaike, die in der Kirche zu bestaunen sind. Der Boden der Kapelle ist mit einem der besterhaltenen Mosaike aus dem 6. Jh. bedeckt, das wir jemals gesehen haben, und weiß Gott, das war schon eine ganze Menge. Dabei haben wir großes Glück; die Kirche ist nämlich – nachdem sie 8 Jahre für das Publikum geschlossen war – erst seit einer Woche wieder zugänglich.

Tatsächlich hat man von hier oben einen fantastischen Ausblick Richtung Israel und auf einer Schautafel ist genau eingraviert, wohin man schauen muss, um bestimmte Orte zu finden. Anders als Moses haben wir uns nicht vorgenommen, gerade hier über den Jordan zu gehen. Wenn alles wie geplant verläuft, werden wir in ein paar Tagen Israel betreten.

Wie wir hierher fanden, lässt sich im Blog nachlesen.

Madaba

Zentrum einer Region, die vor alttestamentarischen Bezügen nur so strotzt, gehörte Madaba im Altertum zum Reich der Moabiter. Stilgerecht kommen wir deswegen im Hotel “Moab Land” unter, direkt gegenüber der St. Georges Kirche. Schon beim ersten lockeren Bummel durch die Nachbarschaft fällt uns auf, wie viele Läden im Bazarviertel von Christen betrieben werden, Muslime würden kaum Kruzifixe und Ikonen im Angebot führen.

Mehrere Kirchen gibt es in der Stadt, oft auf byzantinischen Ruinen neu errichtet. Diese Gemäuer besaßen nämlich etwas, was heute vor allem westliche Besucher interessiert: Mosaike, von künstlerisch hoher Qualität. Viele dieser Steinbilder konnten die stürmischen Zeiten, denen Bilderstürmer aller Konfessionen wüteten, nur überdauern, weil sie unter anderen Schichten verborgen wurden, die erst in der Moderne wieder freigelegt wurden. Und was lag näher, als die wiederentdeckten, sakralen Werke gleich mit einem Kirchenneubau zu umgeben? Nun gut, Museen hätten es auch getan, aber der Glaube hat hier bisher eben ein stabileres Standing als der Unglaube.

Nach dem verheerenden Erdbeben im 8. Jh. versinkt Madaba in eine lange währende Bedeutungslosigkeit, bis es Ende des 19. Jh. von Christen aus Karak wiederbesiedelt wird. Heute hat es rund 80 000 Einwohner und steht wieder einmal vor einem Kollaps: Der Straßenverkehr überfordert die alten Strukturen und belastet Umwelt und Menschen. Nur gut, dass die meisten Besichtigungspunkte gut zu Fuß erreichbar sind, hier mit dem Taxi oder unserem Mietwagen herumzukurven, hätte uns kaum Spaß gemacht.

Wir besichtigen zuerst St. Georges, wo eines der berühmtesten Mosaiken im Original zu sehen ist, eine Landkarte der Region aus der Antike, mit allen damals bedeutenden Orten. Wie alle Kirchen, die wir hier besuchen, kostet uns der Eintritt 1 JOD pro Person.

Die zweite Kirche ist größer. Klar, wer ist schon der Heilige Georg neben einem biblischen Superstar wie Johannes dem Täufer! Der “Shrine of the Beheading of Saint John the Baptist Patron of Madaba and Jordan” trägt nicht nur den längsten Namen, er thront zudem auf einem der prominentesten Hügel der Stadt und besitzt einen imposanten Kirchturm.

Letzteren besteigen wir und erleben synchron zwei Phobien auf einen Streich: Platz- und Höhenangst! Hätte dann noch jemand die Glocken läuten lassen, während wir daran vorbeikriechen, wäre es um unseren mentalen Zustand wohl völlig geschehen gewesen. So aber kommen wir wieder heil im Erdgeschoss an, um in die Keller unter dem Kirchenschiff zu klettern. Auch dieses Gewölbe beeindruckt und ist selbstverständlich dem Täuferthema gewidmet. In einer Kammer, die auch ein Dungeon sein könnte, ist die Szene mit dem abgeschnittenen Täuferhaupt auf dem Tablett realistisch nachgestaltet. Man muss es nicht erwähnen, auch diese Kirche besitzt prächtige Mosaiken und einen Angestellten, der einem alles was man wissen muss, erklärt.

Glück, kurz vor der Weiterfahrt entdecken wir die Kirche der Apostel. Dort gibt es ein besonders schönes und bekanntes Mosaik, das wir unbedingt auch noch gesehen haben wollten.

Mujib Panorama

Von den Bergen ist die Aussicht eine wunderbare. Schon Moses hat das ja bestaunt, auf dem Berg Nebo. Wir fahren weiter südlich zum Wadi Mujib. Den unteren Ausfluss haben wir bereits gesehen; dort werden Wildwassertouren angeboten. Wir schlängeln uns in die abenteuerliche Bergwelt hinein, auf guten Straßen. Tatsächlich gibt es den im Reiseführer beschriebenen Aussichtspunkt. Allerdings ist der Kiosk, wo wir uns Tee erhofft haben, unbesetzt. Macht nichts, der Blick ist atemberaubend, auch ohne Teein. Weiter geht es über die Straße auf dem Staudamm, winden uns einige Serpentinen hoch und halten vor einem kleinen Café.

Der Besitzer, Sami, begrüßt uns herzlichst, obwohl wir uns heute zum ersten Mal begegnen. Den besten Kaffee im Wadi Mujib braut er, sagt uns die dezente Werbetafel. Stimmt. Und außerdem haben wir hier ein tolles Panorama, das von einem Polstersofa und einem gemütlichen Ohrensessel aus betrachten können. Für die Atmosphäre in seinem kleinen Ausschank geben wir Semi 5 Sterne.

Über Karak geht die Strecke über den Highway des Monarchen weiter. Karak ist ohne Zweifel ein imposantes Kastell, hoch über dem Straßenverkehr. Es in seiner majestätischen Optik für uns festzuhalten genügt heute; wir haben noch einen langen Weg vor uns.

Der Highway des Königs bietet noch viele Meilensteine, wo es für Touristen lohnt, anzuhalten. Alles zu besuchen, erfordert einen Aufenthalt mindestens zehnmal länger als den unseren und würde, wollte man alles akribisch beschreiben, ein voluminöses Buch füllen.

Aber wir wollen ja nur Anregungen geben, nicht als Universalforscher in irgendwelche Annalen eingehen. Wer weiß, vielleicht fühlt sich jemand von uns inspiriert, eine Fahrt über den Highway selbst einmal anzugehen. Wir würden uns freuen, davon zu hören.

Amman  –  Jerash  –  Aqaba  –  Wadi Rum  –  Petra  –  Totes Meer  –  Östliche Wüste

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