Von Nebo ins Gelobte Land

Unterwegs von Jordanien nach Israel. Begleitet uns vom Berg Nebo nach Madaba, zur östlichen Wüste, ans Tote Meer, in Aqaba Grenzübertritt nach Eilat

Mit den zeitversetzten Blogbeiträgen ist das so eine Sache. Ganz tagesakuell zu sein, ist kaum zu schaffen. Wir berichten, wenn wir in einer stillen Stunde (oder mehr) die Muse haben, Gedanken zu sammeln, Notizen auszuwerten und alles, was wir erlebt haben, in Texte zu fassen. Aufwändiger als all das ist aber das Sortieren der Bilder. Vorbei die Zeiten, wo Reisende 5 Rollen Film in der Fototasche hatten, die irgendwo zum Entwickeln gegeben und ins Album geklebt wurden.

Wenn wir uns heute, gerade angekommen in Israel, daran setzen, die letzten Tage aufzuarbeiten, scheint alles bereits so weit zurückzuliegen. Viel erleben wir, die Eindrücke überschlagen sich. Gleichwohl macht es Sinn, die Gedanken zu sammeln und die letzten Etappen zu dokumentieren. Wenn nicht jetzt, wann dann?!

Chronologisch folgt auf unsere Fahrt nach dem Berg Nebo der Ort Madaba

Auf den ersten Blick ein Provinzstädtchen mit 80 Tsd. Einwohnern, entpuppt sich Madaba beim zweiten Blick als geschichtsträchtige Siedlung. Wenn die Steine erzählen könnten, wäre es wunderbar zu lauschen. Heute verraten uns die Relikte, die wir in Kirchen und Ruinen besichtigen, eine ganze Menge über die Region und ihre kulturhistorischen Höhen und Tiefen. Der Bericht über Madaba ist länger geworden als gedacht und ist unter “King’s Highway” eingefügt.

Madaba ist einige Tage unser Ausgangspunkt für weitere Exkursionen. Wir haben hier eine gutgelegegene Basis, um das Tote Meer noch ein wenig besser kennenzulernen; die Fahrt über die Bergstraßen ist immer wieder ein Erlebnis.

Auch der anderen Richtung gilt unser Interesse und zwar dem Gebiet, das über den östlichen Wüsten-Highway erreichbar ist

Man fährt einfach unterhalb von Amman Richtung Iraq und findet sich auf einem Weg, wo die sehenswerten Kastelle, wie die Perlen hintereinander aufgereiht sind. Natürlich haben wir diesen Zielen ebenfalls eine eigene Seite gewidmet.

Die Fahrten über die Highways Jordaniens sind für Fahrer und Beifahrer schon eine Herausforderung. Das liegt nicht etwa an einer schlechten Straßenqualität. Eher an einer besonderen Qualität der Fahrer, die stoisch bestimmte Einrichtungen moderner Fahrzeuge ignorieren, nämlich den Richtungsanzeiger und ansonsten Vorfahrtregeln immer recht eigenwillig interpretieren. Mal so, mal anders, eine stimmige Philosophie ist jedenfalls nicht erkennbar. Bis auf die, dass jeder Fahrer sich für den fleischgewordenen Nabel der Welt hält.

Die Fahrt nach Süden ist für uns eine Rückfahrt

Dort haben wir mit unserer Rundreise begonnen, dort geben wir den Wagen zurück. Wieder schwenken wir auf den Highway des Königs, den Weg der Panoramen verspricht und entspanntes Unterwegssein. An Marktagen ist letzteres eher die Ausnahme.

Dann setzen wir über auf den schnelleren Desert Highway, legen noch eine Stippvisite im Wadi Rum ein

Das Wetter wird schlecht, es sieht mehr nach Regen aus, als nach einem spektakulären Sonnenuntergang, wie wir ihn gerne noch erlebt hätten.

Ein Bahnhof liegt an der Strecke, kein historischer, ein moderner Bau. Aber die alte Lok mit den altmodisch wirkenden Waggons, die davor abgestellt sind, haben durchaus das Zeug, in einem Film über die arabische Rebellion, den osmanischen Zug zu spielen, den Lawrence mit den Beduinen überfallen hat.

Wir werden uns den Lawrence von Arabien Film besorgen, sobald wir zurück sind

Unsere anderen Reisen nachbereitend, haben wir ja bisher schon Tomb Raider (Angkor Wat) und James Bond’s Octopussy (Udaipur) angesehen. Um die Sache für Jordanien rund zu machen, wird es nach der Rückkehr noch einen Indiana Jones geben, der nämlich wurde gedreht in Petra.

Zurück zum Ausgang unserer Reise, erreichen wir Aqaba. Jordanien weint zu unserem Abschied

Ein massives Unwetter zieht über den Süden, es schüttet, donnert, blitzt, überschwemmt Straßen und befördert Schlamm. Die schlimmsten Gewitter, erfahren wir später, die es hier seit 30 Jahren gegeben hat. Wasser tropft von der Decke des Hotelzimmers, wir sind in der oberen Etage einquartiert, wechseln am morgen das Zimmer. Verheerend sieht es aus, in Aqaba. Trotzdem erlauben wir uns noch einen sonnigen Tag am Südstrand, dort haben die Regenfälle kaum Spuren hinterlassen. Und zum Wasserschippen haben wir gerade keine Lust.

Am nächsten Morgen geht’s nach Israel. Wir sind vorgewarnt

Bei der Einreise nach Israel wir hautnah kontrolliert, gefragt, geprüft, ob man ein Sicherheitsrisiko darstellt. Unsere Reise nach Syrien wollen wir nicht erwähnen, die Pässe sind danach erneuert worden, kein Grund, die Pferde scheu zu machen. Wir bewahren jordanisches Geld auf, jemand hat im Web geschrieben, dass beim Verlassen Jordaniens Ausreisesteuer fällig wird. Ein Gerücht, totaler Unsinn, jedenfalls bezogen auf den Übergang in Aqaba. Alles läuft geschmeidig, kurze Fahrt zum Grenzübergang und – das ist Pech – vor uns ein Reisebus mit chinesischen Touristen.

Die Ausreise klappt ohne weiteres, freundlich, wie wir sie kennen gelernt haben, verabschieden uns die Grenzposten.

Kurzer Weg zu Fuß übers Niemandsland und wir erreichen Israel

Der Sicherheitsposten auf israelischer Seite interessiert sich für mich. Fragt, wo wir zuletzt waren. „Damaskus“, antworte ich. So ein Blödsinn, ich war nie dort, mein Unterbewusstsein will mich foppen. Das erinnert an eine ähnlich peinliche Situation, die wir vor kurzem in Jordanien hatten. Ein Sicherheitscheck jordanischer Polizei auf dem Highway, Christiane begrüßt den Beamten mit einem fröhlichen “Shalom”. Zweimal hat unser Sprung ins Fettnäpfchen keine Folgen. Sowohl der jordanische Polizist als auch jetzt der israelische reagieren souverän und übersehen unsere faux pas.

Eine knappe Stunde brauchen wir für den Grenzwechsel, es wäre schneller gegangen, ohne die Busladung voller Chinesen. Egal, Zeit ist kein Problem. Shalom, wir sind in Israel! Allerdings an einem Shabbat, mal sehen, was das bedeutet.

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