Mexiko-Tagebuch Teil 1

Die Vorbereitung

Noch in der Adventszeit bereiten wir uns auf die Reise nach Mexiko vor. Myanmar liegt erst kurz zurück. Einiges ist jetzt anders. Zum einen brauchen wir kein Visum um einzureisen. Zum anderen müssen wir beachten, dass Mexiko die Einfuhr von Lebensmitteln streng verbietet. Konkret heißt das: Weder Gummibärchen noch unsere eigene Marmelade dürfen uns begleiten. Dafür brauchen wir Adapter für die Elektronik.

Die Flüge verlaufen ereignislos. Aber die Pechsträhne mit Brüllkindern an Bord scheint beendet und die mexikanische Airline ist mindestens so gut wie ihre europäische Konkurrenz. Unser Zielflughafen ist Cancun, die Einreise erfolgt über Mexiko City. Eigentlich kein Problem so ein Transit, wäre da nicht die Unsicherheit, was mit unserem Aufgabegepäck passiert. Beim Check-In wurde nämlich angedeutet, dass wir unsere Gepäckstücke bereits beim Zwischenstopp in Mexiko City empfangen und danach wieder aufgeben müssten.

Ankunft in Mexiko

Tatsächlich sind Passkontrolle und Immigration recht geschmeidig abgewickelt. Wir bekommen eine Aufenthaltsgenehmigung für 180 Tage, aber keine Auskunft über die Transitformalitäten. Niemand der Englisch versteht! Kein Informationsschalter! Keine klärenden Hinweisschilder! Also warten wir vorsichtshalber an der Gepäckausgabe. Gefühlt vergehen Stunden, währenddessen wird alles Handgepäck von Hunden abgeschnüffelt. Lebensmittelkontrolle! Wer erwischt wird, muss den Proviant abgeben.

In homöopathischen Mengen tröpfeln die Gepäckstücke ein. Dann macht ein Gerücht die Runde, dass das Gepäck zum Zielflughafen durchgereicht wird. Wir irren durch das Flughafen-Chaos, bis wir den Anschlussflug finden.

In Cancun

Ein Flughafen übersichtlicher als der in der Hauptstadt. Schnell geht es ins Büro unseres renommierten Autovermieters. Ehrlich, das einzige Mal, dass wir uns in Yukatan so richtig abgezogen fühlen ist dort. Den Wagen haben wir über Expedia gebucht und bezahlt. Doch der Vermieter eröffnet uns, dass im Mietpreis zwar Kaskoleistungen, aber keine Haftpflicht inkludiert sei. Die müsse gesondert gebucht werden. Klar, wir könnten ja darauf verzichten, aber … . Das klingt rhetorisch abgegrifffen, hilft aber nicht weiter. Expedia ist natürlich nicht kontaktierbar, es ist Weihnachten in der christlichen Welt und in Deutschland arbeitet jetzt garantiert niemand. Aus der Liste der Zusatzversicherungen, die zusammen den Mietwagenpreis verdoppeln würden, wählen wir die billigste Variante. Immerhin 13 US$ pro Tag. Entschlossen, diese Wegelagerei vorerst zu vergessen, brausen wir von dannen.

Der Roadtrip beginnt

Von Cancun, wo wir stoppen, um eine Simkarte von Telcel zu kaufen, geht es schnurstracks zum ersten Übernachtungsort Valladolid. Unser Einstieg in das typische Mexiko. Alles, was wir dort und in den anderen Städten erleben, die wir auf unserer Route besuchen, haben wir in einem speziellen Bericht notiert. Den Link findet Ihr am Ende dieses Textes, natürlich mit Tipps und einer Menge Bildern.

Die einzelnen Stationen unserer Rundreise durch Yukatan auf einen Blick:

Valladolid. Ein bemerkenswert authentischer kleiner Ort, von dem aus wir die ersten Cenoten besuchen und Abstecher zu bedeutenden Maya-Kultstätten machen. Alles dazu ist thematisch zusammengefasst in gesonderten Berichten. Die Links dazu findet Ihr am Seitenende.

Rio Lagartos. Den kleinen Fischerort erreichen wir über die Ruta Flamingos. Vor Ort sehen wir bei einer Bootstour viel mehr von diesen Vögeln, auch Pelikane und Krokodile. Und wir besuchen Las Coloradas sowie den fantastischen Pink Lake.

Izamal. Die gelbe Stadt könnte Weltkulturerbe sein, so schön präsentiert sie sich dem Besucher. Zwar hat sie dieses Prädikat (noch) nicht bekommen, dafür war einmal ein Papst dort, dem sie wohl ihre Farbe verdankt.

Merida. Hauptstadt des Bundesstaates Yukatan und Ort eines denkwürdigen persönlichen Ereignisses, nämlich der Erwerb des ersten Panamahutes in der Geschichte unserer kleinen Familie. Das schöne Merida ist auch Ausgangspunkt für einen Ausflug nach Celestun und den Maya-Ruinen von Uxmal.

Campeche. Immerhin Weltkulturerbe mit seiner pittoresken Altstadt und das zu Recht. Wer sich überzeugen will, dass knalligfarbige Häuser verdammt gut aussehen können, muss einmal hierher. Übrigens, die berühmte Tempelanlage Uxmal lässt sich auch gut von Campeche erreichen.

Xpujil. Eigentlich nur ein schlichter Übernachtungsort, der an jeder Ecke aufmerksam macht, dass er im Dunstkreis von Calakmul liegt, der bedeutenden Maya-Kultstätte im Dschungel. Dabei hat Xpujil noch viele weitere archäologische Stätten zu bieten, z.B. den gleichnamigen Tempel am Stadtrand und die wundervolle Anlage bei Becan, die nur 8 km entfernt ist.

Bacalar. So fantastisch die Lage an der Lagune der 7 Farben auch ist, zum perfekten Urlaubsort reicht es nicht ganz. Wo viel Sonne ist, gibt es eben auch viele Schatten.

Mahahual. Am Ende einer endlosen, öden Straße tut sich das kleine Touristen-Dorada am karibischen Meer auf. Im Meer dümpeln riesige Kreuzfahrtschiffe, spucken Massen von Besuchern aus. Wir ziehen es vor, außerhalb des Ortes unterzukommen, im Ökohotel direkt am Strand. Zu erreichen über die wohl schlaglochreichste Piste Mexikos.

Tulum. Eine Durchgangsstraße, an der eine Stadt liegt. Die Einwohner haben daraus das Beste gemacht, ein langgestrecktes urbanes Areal, an dem so ziemlich jedes Geschäft oder Restaurant Tulums liegt. Weil es keinerlei Orientierungsprobleme gibt, macht Bummeln entlang der Autobahn 307 tatsächlich Spaß. Wer sich losreißt, macht das nur für den Besuch der Ruinen von Tulum oder zum Baden an einem der Karibikstrände. Vielleicht geht’s auch zu einer der vielen nahen Cenoten.

Fazit der Rundreise

So ein Roadtrip ist eigentlich ein perfekter Einstieg in ein fremdes Land. Ja, wir brauchen ein wenig, bis sich unsere Zuneigung für Mexiko entwickelt und wir besser verstehen, was uns erst spanisch vorkommt. Um echten mexikanischen Alltag zu erleben, lassen wir den sozialen Ausnahmezustand zwischen Weihnachten und Neujahr hinter uns und legen viele Kilometer zurück. Dann, auf der Straße spürst Du, dass Mexiko sechsmal so groß ist wie Deutschland. Nämlich bei schier endlosen Fahrten durch monotones Grün immer schnurgeradaus.

Irgendwann fällt dir auch die dünne Besiedlung auf, weil Du nur noch durch schläfrige Miniorte steuerst und menschenleere Haziendas passierst. Jetzt bist Du im Land angekommen.

Alles, was Du wissen musst, lernst Du auf der Straße. Etwa den Umgang mit Obstakeln, wenn du wieder mal auf eine der 15,78 Millionen Bodenschwellen triffst, die fiesen Topes. Aus dem Nichts erscheinen sie, um dich abrupt abzubremsen oder werden genüsslich durch ein Verkehrsschild angekündigt. Du bremst ab und denkst, hoffentlich schwappt diese Plage niemals nie in unser Land herüber!

Du lernst wieder neugierig, wie ein Kind zu sein, weil hier an jeder Ecke ein betagter VW-Käfer steht: total zerschunden aber fahrbereit, oder liebevoll gepflegt und gehegt und manchmal stylisch aufgepimpt.

Du freust dich an den einfachen Dingen, wie den kleinen, bescheidenen Maya-Häuschen, die sich in die Landschaft ducken und so viel über das Land und seine Menschen erzählen.

Oder Du verzweifelst, weil auch nach 10 Überholverbotsschildern in Folge, immer noch jeder Wagen hinter dir wild blinkt, um links an dir vorbei zu ziehen.

All das macht uns fitter für unsere nächste Etappe in Mexiko: Unterwegs mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Das haben wir uns für die nächsten Wochen vorgenommen.

Den Mietwagen geben wir zurück in Cancun. Wir verlassen jetzt Yukatan, wissend, dass 3 Wochen gut für eine Rundreise reichen, bei der man die wichtigsten Orte und Sehenswürdigkeiten der Halbinsel erlebt. Wir denken, dass sich das durchaus selbst organisieren lässt, ohne Tourveranstalter.

Unsere Reise setzen wir fort mit dem Flieger Richtung Villahermosa/Palenque, im Bundesstaat Chiapas.

Hier geht es zu unseren ausführlichen Berichten: Städte in Yukatan / Cenoten in Yukatan / Maya-Kultstätten in Yukatan

Yukatan

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