Jerash

Etwa 40 km nördlich von Amman im Norden Jordaniens liegt Jerash. In der Antike gehörte diese Stadt zu Gruppe der Dekapolis, den 10 Städten zwischen Philadelphia und dem See Genezareth, die von Alexander dem Großen und seinen Nachfolgern nach griechischem Vorbild gegründet wurden. Was nicht jeder weiß, aber ein Besucher Jordaniens wissen sollte, Philadelphia war der antike Name Ammans. Heute leben etwa 40.000 Menschen in Jerash und der antike Teil, jedenfalls das, was davon noch sichtbar ist, liegt mittendrin.

Das Jerash, das zu besichtigen wir uns aufgemacht haben, ist im 1. Jahrhundert v. Chr. erbaut worden und gehörte knapp 100 Jahre nach seiner Entstehung zur römischen Provinz Syrien. Diese Ausrichtungen, erst hellenistisch, dann römisch, hat sich natürlich in der Anlage der Stadt niedergeschlagen, genauso wie die spätere Übernahme durch das Christentum.

Die Anfahrt haben wir zusammen mit einer australischen Familie organisiert, mit dem nicht unwillkommenen Nebeneffekt, dass sich damit unsere Wegekosten halbiert haben. Eintritt brauchten wir, dank Jordan-Pass, nicht mehr zu bezahlen. Erfreulich ist in Jordanien, dass die Betreiber keinerlei Berührungsängste haben mit der Fotografierlust der Besucher. Weder haben wir Bilderverbote bemerkt, noch werden Extragebühren für Kameras verlangt.

Wir haben ehrlicherweise vor unserem Besuch in Jordanien keinen Schimmer gehabt, dass es Jerash überhaupt gibt. Vor allem hatten wir keine Vorstellung, welche Dimension es heute noch hat. Die Jahrhunderte haben natürlich Spuren hinterlassen; Erdbeben und Kriege haben viel zerstört. Doch die Archäologen waren fleißig und das antike Jerash, wie wir es heute sehen, ist immer noch eine der besterhaltensten römischen Städte der Welt.

Die Struktur der gesamten Anlage ist deutlich zu erkennen, viele Säulen ragen noch in den Himmel, lassen ahnen, welche Ausmaße die Tempel gehabt haben müssen und in einigen Teilen sind noch ganze Alleen außerordentlich gut erhalten, mit gepflasterten Wegen, Säulengängen und kleinen Tempelnischen.

Das erste, worauf Besucher treffen, die Jerash besichtigen, ist eine Vorhalle, in der Andenkenhändler und das übliche Kleingewerbe, das sich bei Ausgrabungsstätten einfindet, ihre Stände haben. Aber auch hier herrscht jordanische Gelassenheit; man wird in Ruhe gelassen, wenn man keine Lust hat zu kaufen.

Am Eingang vom Süden her treffen wir auf das riesige Hadriantor. Gut erhalten, steht es immer noch beeindruckend in der Landschaft; ein Bild für die Götter, vor strahlend blauem Himmel.

Das Gelände, das sich dahinter auftut ist groß, so dass sich die Besucher verstreuen. Nirgends entsteht Stau oder Gedränge. Das gibt Gelegenheit, sich nach seinem eigenen Tempo mit den Ruinen zu beschäftigen. Wie immer gibt es auch hier Fremdenführer, die einen begleiten wollen. Auch das ist Geschmackssache, wir selbst handhaben es so, dass wir uns persönlich über Reisebücher oder das Internet ins Thema einlesen.

Jerash hat viel zu bieten. Tempel, ein Hippodrom, Kirchengemäuer, Säulen, gepflasterte Wege und zwei ausgesprochen gut erhaltene oder instand gesetzte Theater.

Diese Bausubstanz ist so reichhaltig, dass es sogar genügend schattige Plätze gibt, um zwischendurch mal auszuruhen. Wasserverkäufer versorgen die Besucher mit Trinkbarem und in einigen Tempeln wird sogar mobil Tee gekocht oder ein Mokka gebrüht. Das alles unaufdringlich, ohne den Besucher zu nerven.

Für die Besichtigung sollte man min. 2 – 3 Stunden einplanen; sich die Zeit nehmen und auch die Ruhe und Ausstrahlung der Anlage genießen. Wann kommt man schon mal wieder her.

Nach ihrer Blüte, die um die Zeit des Besuches von Hadrian im Jahre 130 n. Chr. gewesen ist, nahm die Bedeutung der Stadt kontinuierlich ab. Entscheidende Einschnitte waren auch die Erdbeben im 7. und 8 Jahrhundert, die für die gesamte Region verheerende Folgen hatten. Bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts war Jerash völlig verlassen. Die Wiederentdeckung und damit die neuzeitliche Wiederbesiedlung datiert auf das Ende des 19. Jahrhunderts, als hier Tscherkessen angesiedelt wurden.

Der Rest ist moderne Archäologie, die auch im Königreich Jordanien gefördert wird, und uns diesen Schatz beschert sowie einen Tagesausflug, der sich in jedem Fall gelohnt hat.

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