Dolomiten Rundfahrt

Die Dolomiten sind zu interessant, um sie einfach nur peripher als Vorbeifahr-Station abzuhaken. Wir erkunden sie, um einen Überblick und ein Feeling für die Region zu bekommen mit dem Auto, bevor wir unser Ferienziel in Trentino ansteuern. Und wir nehmen uns vor, für einen speziellen Anlass noch einen weiteren Stopp einzulegen, bevor wir zurückfahren.

Gleich zu Beginn der Dolomitentour halten wir beim Pragser Wildsee. Wir parken auf einer der großen Stellflächen, die für PKWs reserviert sind, ahnen bereits, dass hier ein Besuchermagnet sein muss. Schließlich können sich zigtausende von Menschen, die bereit sind, für einen Parkplatz 6,00 € auszugeben, nicht irren. Der See ist in der Tat eine Sehenswürdigkeit, die wie selbstverständlich touristisch ausgebeutet wird. Jenseits der Parkplätze tummeln sich die Besucher, hier gibt es auch Kioske und kleine Läden. Essen, Souvenirs kaufen und Ferien machen, das bildet in Italien eine untrennbare Einheit.

Wir lassen das Gewimmel hinter uns, passieren den Eingangsbereich und erblicken den See in all seiner Pracht. Tiefblau funkelnd das kristallklare Wasser, umrahmt von saftiggrüner Vegetation, dahinter türmt sich Dolomitengestein, schroffe Felsen, vor stahlblauem Himmel. Fast möchte man meinen, am Meer zu sein. Auf den schmalen, sandigen Streifen am Rande des Sees sind Handtücher und Matten ausgelegt. Leute in Badekleidung sonnen sich, Kinder spielen und wagen sich ins Wasser. Über den See ziehen einige Ruderboote.

Tatsächlich ist hier ein Urlauberparadies, das nicht einmal überfüllt wirkt, denn wunderbarerweise verlieren sich die Massen von Besuchern an den weitläufigen Ufern. Wir beschließen, den See einmal zu Fuß zu umrunden. Das ist ein gemütlicher Spaziergang, der knapp eine Stunde dauert. Wir lassen uns Zeit, erleben dieses Stück Natur aus allen Perspektiven.

Am Ende unsere kleinen Tour, der Giro del Lago, schließt sich für uns ein Kreis. Nicht nur der um den See sondern zu einem Thema, das man hier gar nicht vermutet. Das einzige Hotel hier am See, das „Grand Hotel Pragser Wildsee“, hat nämlich eine Geschichte zu erzählen, die nach Indien führt. Genauer gesagt, nach Rishikesh, wo vor vielen Jahren Yogi Maharishi seinen prominenten Jüngern – darunter die Beatles – östliche Philosophie näher brachte. Bizarres wird über ihn berichtet, aber eines muss man ihm lassen, er besaß ein Gespür für besondere Orte. Den Pragser See schätzte er als Kraftort für seine Philosophie und wiederholt hielt er genau hier in den 1960er Jahren Transzendentale Meditationskurse für seine Anhänger ab.

Wir beschließen weiter zu fahren, über gemütliche Landstraßen, die wunderschöne Blicke auf die Felsformationen der Dolomiten erlauben. Wir machen unzählige Fotos, viele aus dem fahrenden Auto, ohne anzuhalten.

Voran geht es über den Kreuzbergpass, 1.600 Meter hoch, zu beiden Seiten der Straße erstreckt sich ein Meer aus Wald und Wiesen. Im Vorbeifahren sehen wir unzählige bunte Blumen, ein wahrer Augenschmaus. Immer dabei in dieser Gegend sind die wilden Gipfel der Dolomiten, nackter grauer Fels, zerhackt, hochaufragend in ungestümen Formen.

Oben am Pass haben wir einen tollen Panoramablick über die Region. Von hier oben aus lassen sich auch Wanderungen starten, sogar über familiengerechte Pfade, denken wir uns, angesichts der vielen Familien, die hier mit Kindern unterwegs sind.

Wer durch die Landschaft fährt wird immer wieder die auf Seen stoßen, die wie Edelsteine zwischen den Bergen und Wäldern hervorglitzern. Saubere, eisige Gewässer, wie der Lago di Landro oder der Lago di Misurina, die auf unserem Weg liegen und zum Naturpark Drei Zinnen gehören. Die weltberühmten Drei Zinnen faszinieren uns sehr und wenn alles klappt, werden wir nach unserem Aufenthalt im Trentino genau hierher zurück kommen, um diese Formation einmal zu Fuß zu umwandern.

Die Dolomitenstraße führt uns weiter nach Cortina d’Ampezzo, das wir umrunden und von oben einsehen können.

Fast jede Straßenbiegung offenbart weitere Höhepunkte im besten Sinne dieses Begriffs. Fahrten über diverse Pässe wie das Grödner Joch oder den Passo Falzarego sind aufregend, nicht nur wegen der vielen Haarnadelkurven, die unser betagtes Fahrzeug mit Bravour meistert, sondern auch wegen der Ausblicke über die Feriengebiete Tirols, mit Seilbahnen, Pisten, prächtigen Hotels und eindrucksvollen alten Gehöften. Über den letzten Höhenweg, den Passo Pordoi, verlassen wir die Region.

Unser Fazit: Auch wer in Eile ist, vielleicht weil er zu anderen Urlaubs-Zielen in Italien unterwegs ist und schnell ankommen will, sollte sich die Zeit nehmen, wenigstens in einer kleinen Rundfahrt die Dolomitenregion anzuschauen. Denn, dass dieses Gebiet im UNESCO Weltkulturerbe gelistet wurde, ist wahrlich kein Zufall.

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Wie wir hierher gekommen sind und was uns sonst noch aufgefallen ist.

Val di Non/TrentinoDolomiten Rundfahrt, Trekking in Italien

4 Gedanken zu „Dolomiten Rundfahrt

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