Du weisst, dass Du in Italia bist…

Eine gute Woche ist es her, dass wir im Süden Europas sind. Genau dort, wo die Reise hingehen sollte, in Italien. Die Nachrichten aus dem Land im Norden, hinter den Bergen bestätigen: Es war eine gute Entscheidung, uns abzusetzen. Von Unwettern ist die Rede, Wasser stürzt wohl gerade wieder vom Himmel auf Deutschland herab. Das gibt uns immerhin die Gewissheit, dass unser Garten noch in Form sein wird, wenn wir ihn wieder sehen.

Hier in Norditalien leben wir uns ein. So eng die europäischen Länder auch miteinander verflochten sein mögen, es gibt sie noch, die regionalen Besonderheiten – und das ist gut so. Heißt aber auch, dass wir adaptieren, wie unsere neuen Nachbarn leben und natürlich ist unsere Aufmerksamkeit geschärft, denn „When in Rome, do as the Romans do“ …

Was uns auffällt, wollen wir nicht für uns behalten, schließlich muss nicht jeder Italien-Urlauber das Rad neu erfinden. Deswegen hier unser kleines Brevier, als praktischer Begleiter für den Alltag in dieser Region.

Du weißt, dass Du in Bella Italia bist, wenn ….

  • Du auf der Strada den Richtungshinweisen zu deinem Zielort folgst und genau diese Ortsangabe an der nächsten Kreuzung verschwunden ist.  Oder Du im Kreisverkehr Runde um Runde drehst, bis Du auf der Straßenkarte endlich Dein Ziel markierst, um selbst den richtigen Weg zu finden. Es scheint, dass Orientierung im Straßennetz hier anderen Gesetzen unterliegt. Deswegen erlauben wir uns ein spontanes „Hochlebe das Navi“; hier ist es uns ein unverzichtbarer Begleiter.

  • Dich gelüstet, im Dorfladen einzukaufen und das Schild an der Tür uns sagt: „Zwischen 12.00 und 16.00 Uhr haben wir geschlossen.“ Klar, das macht Sinn, warum sollten die schönsten Stunden des Tages mit schnödem Tausch von Geld gegen Waren verdaddelt werden.

 

  • Du um halb Acht vor der Bäckerei stehst, Dich aber noch 30 Minuten gedulden musst, bis Du an den Korb mit den frischen Panini kommst. Ja, wir sollten endlich begreifen, dass das Glück des Tages nicht davon abhängt, beim ersten Hahnenschrei in Aktivismus zu verfallen.

 

  • Du mit Deinem Auto einen Bergpass hinauf tuckerst, aber die Geschwindigkeit Deines PKW nicht ausreizen kannst, weil die voranfahrenden Radfahrer eine unüberholbare Mauer bilden. Dennoch, Hochachtung vor den Radlern, die in den Bergen alles geben. Serpentinen und einschüchternde Steigungen bewältigen sie stoisch und heroisch zugleich, um anschließend mit mörderischem Tempo wieder hinunter zu fahren. Oft sind das sehnige, alte Haudegen, austrainiert. Gesichter, die an antike Ledertaschen erinnern unterm Helm, und Körperformen wie fitte Mittzwanziger. Nicht nur Signores, auch die Signorinas.

  • auf einem Wanderweg, dessen wilde Schönheit Dir den Atem raubt und Du eigentlich nur still genießen möchtest, was die Natur bietet, banalste Unterhaltungen, geführt mit größtmöglicher Lautstärke, Dein Ohr erreichen, den Zauber des Moments zu vernichten. Vielleicht unterschätzen wir im Norden die energetischen Kräfte stimmgewaltiger Nonsense-Palaver und müssten unsere Werte einmal neu sortieren.

  • im Supermarkt riesige Pakete mit eingeschweisstem Hartkäse zu supergünstigen Preisen angeboten werden, obwohl Dir außer Pizza und Spaghetti nicht einfallen will, wie man solche Mengen in überschaubaren Zeiträumen verbrauchen könnte. Tatsächlich macht das Einkaufen noch Spaß, wenn dem globalen Einheitswarenangebot von lokalen Marken Kontra gegeben wird. Es gibt sie noch, die einheimischen Spezialitäten… fein, dass die Italiener sich das nicht wegnehmen lassen.

 

  • in Deinem Dorf, dort wo die Mitte ist, immer eine Kirche steht, schön bemalt, mit einem Platz davor, mit Bänken an der Sonnenseite, auf dem die Alten sitzen, schauend und schwätzend. Das ist das schön gemütliche, soziale Italien. Eine Welt, die heil und beschaulich wirkt, die hoffentlich noch lang erhalten bleibt.

All dies ist Italien und noch viel mehr. Was uns noch auffällt, wird Stoff für eine Nachbetrachtung.

3 Gedanken zu „Du weisst, dass Du in Italia bist…

  1. haha ja das mit den plötzlich verschwindenden Richtungsangaben kenn ich nur zu gut aus ganz unterschiedlichen Ländern. Ist im Urlaub aber meist nicht so schlimm, Zeit sollte da ja nicht ganz so knapp bemessen sein. 🙂

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