Drei Zinnen – Dolomiten

Es gibt Orte auf diesem Globus, die ins Portefeuille jedes Reisenden gehören, weil sie eine ganz besondere Magie besitzen. Orte, für deren Besuch man sogar ohne nachzudenken Mühen und Umwege auf sich nimmt. Die Bergformation der Drei Zinnen gehört dazu. Vielleicht, weil sie das charakteristische, natürliche Wahrzeichen einer Region und auf ihre Weise unverwechselbar ist. Aber auch, weil sich der weibliche Part unseres Teams schon seit vielen Jahren gewünscht hat, endlich einmal um diese faszinierende Gipfelgruppe herum zu wandern.

Schon während der Anreise nach Norditalien verfestigt sich diese Idee. Dafür verlängern wir unseren Rückweg und werden prompt geprüft, wie ernst es uns mit diesem Vorhaben ist. Kaum angekommen im Naturpark Drei Zinnen regnet es heftig, ein unangenehmer Wind tobt über den Misurina See. Kleidungstechnisch haben wir solchen Unbillen kaum etwas entgegenzusetzen, wir sind auf Sommerurlaub eingestellt.

Wenigstens haben wir mit unserem Hotel „Dolomiti des Alpes“ eine strategisch günstige Unterkunft direkt an der Zufahrtsstraße zum Berg. Einfach, eher spartanisch eingerichtet, mit freundlichem Service und verträglichen Preisen für die bürgerlichen Gerichte auf der Speisekarte. Aber es ist die Hoffnung, dass der nächste Tag besser wird, die uns motiviert, einen langen Nachmittag, wartend im Zimmer ohne Aussicht zu ertragen.

Gegen Abend lassen die Niederschläge nach. Wir nutzen die Regenpause für eine Umrundung des Sees, der nur knapp 100 Meter entfernt ist, versuchen Blicke auf die Drei Zinnen einzufangen. Leider verhindern Wolken einen dramatischen Sonnenuntergang. Aber jetzt erst recht versprechen wir uns: Egal welches Wetter uns erwartet, wir werden die Zinnen am nächsten Tag umrunden.

Wartezeiten lassen sich gut nutzen, mehr Informationen über unser Zielgebiet nachzulesen. Der höchste Punkt, die Grosse Zinne in der Mitte der Gruppe, misst 2.999 Meter, die Westliche Zinne 2.973 Meter und die Kleine Zinne 2.857 Meter. Im nahen Umfeld gibt es noch weitere Gipfel, die Punta di Frida und als schmächtigsten Gipfel der Gruppe, den Preussturm. Ein Schelm, der bei dieser Namensgebung an Satire denkt. Eine Frida, die einen Preussen überragt, das ist sicher purer Zufall.

Trotz innerer Spannung schlafen wir gut. Der Morgen präsentiert eine tolle Überraschung: Sonne und kaum Wolken. Was für ein Glück.

Sofort nach dem Frühstück fahren wir in den Berg und sind kurz vor 9.00 Uhr wanderbereit. Unser Gepäck deponieren wir im Hotel. Im Nachhinein eine überflüssige Vorsichtsmaßnahme, es ist wenig wahrscheinlich, dass auf den Parkplätzen, die von allen Seiten einsehbar sind, Autos geknackt werden. Außerdem gehört unser Wagen nicht zur Kategorie der Luxuskarossen.

Die kleine Bergstrasse bis zu den höher gelegenen Parkzonen und zum Rifiugio Auronzo ist etwa 7 km lang. Wir passieren eine Mautstelle, wo Eintritt und Weggebühr in Form eines Parkscheines kassiert werden. 25 € kostet das wir für uns beide.

Nur ein kurzes Stück ist es bis zum Einstieg in den Rundweg. Start ist am Rifugio Auronzo auf 2.320 Meter Höhe. Wir gehen die Route 101 und zwar gegen den Uhrzeigersinn. Die Wahl erweist sich als gut, die Dramaturgie der Annäherung an die Zinnen entfaltet sich so besser. Auch einen guten praktischen Grund gibt es: Einige Abschnitte mit Steigungen und lockerem Gerölluntergrund lassen sich in diese Richtung leichter bewältigen. Aber insgesamt überwiegen die leichten Passagen deutlich. Viele Wege sind breit und eher flach. Barrierefrei würde man das in anderer Umgebung nennen und vermuten, dass sogar begleitete Wanderer mit Rollator sie schaffen könnten.

Je früher, desto besser. Dieses eherne Prinzip für Bergwanderungen passt heute hervorragend. Die Besuchermassen haben sich noch nicht eingefunden und das Wetter ist perfekt. Später wird es sich verschlechtern, aber dann werden wir die Runde schon hinter uns haben. Hinter einer Kurve taucht linker Hand eine kleine Kapelle auf, rechtsseitig öffnen sich weite Blicke ins Tal.

Die Luft ist klar, erlaubt kilometerweite Aussichten, ein willkommener Nebeneffekt der Gewitter vom Vortag. Bald treffen wir auf die Rifugio Lavaredo, die nur wenig höher liegt als unser Ausgangspunkt. Hier trennt sich der Weg, wir wählen den steileren, schmaleren Pfad, der links in die Wand hineinführt.

Auch diese Passage ist gut zu bewältigen und führt zum Paternsattel (Forcella Lavaredo), einem Pass und klassischen Aussichtspunkt auf 2.454 Meter Höhe. Hier genießen wir weitere Panoramasichten auf die Felsblöcke der Drei Zinnen und weiter entfernte Bergformationen, die sich markant gegen den klaren Horizont absetzen. In unserer Zeit kaum vorstellbar, diese Region war im Ersten Weltkrieg hart umkämpft, hier lagen sich Soldaten auf Schussweite gegenüber und zermürbten sich in monatelangen Stellungsschlachten.

Der Weg 101 senkt sich jetzt, wir folgen dem weiten Zirkel, immer die Drei Zinnen im Blick. Endlich nähern wir uns dem Halbzeitpunkt, der Rifugio Locatelli (Dreizinnenhütte), ein massiver Hüttenkomplex, 2.405 Meter überm Meerrsspiegel. Es gibt hier Übernachtungsmöglichkeiten, allerdings in so geringer Kapazität, das lange Vormerkzeiten nötig sind. Knapp 1 Stunde 30 Minuten sind wir jetzt unterwegs. Das Wetter hält noch. Wir nutzen die Konstellation, laufen ein wenig weiter über den Hügel mit dem Kruzifix. Dort liegen im Grund der grünen Alm zwei kleine, glitzernde Seen, wie Spiegel, in denen sich der Himmel spiegelt.

Bevor wir die zweite Hälfte unseres Rundganges angehen, fotografieren wir ausgiebig unser Lieblingsmotiv, die Zinnengruppe. Alles passt, vor allem laufen einem um diese Zeit nur wenig Mitwanderer ins Bild.

Für den Rückmarsch wählen wir Weg 102, der uns in zig Serpentinen abwärts führt und etwas später in die Route 105 übergeht. Hier weiden Kühe auf der Alm, viele mit Glocken um den Hals. Das stimmungsvolle Geläut begleitet uns eine lange Zeit. Ein unvergessliches Szenario, alles ist perfekt aufeinander abgestimmt. Bis auf die Temperaturen, die langsam sinken, da nun mehr Wolken aufziehen. Schatten hier oben bedeutet ja immer auch Abkühlung. Das mag an bullig heißen Hochsommertagen erfrischen, aber dem Wetter ist heute nicht danach, uns schwitzen zu lassen

Wir steigen hinab bis zur Sohle der Hochalm, folgen danach dem Weg, der wieder ansteigt. Der Untergrund ist etwas locker. Hinauf lässt sich das gut begehen, aber abwärts ist es an diesen Stellen rutschiger. Im weiten Bogen haben wir jetzt die Drei Zinnen umrundet und sind wieder auf dem oberen Rundweg mit bombastischen Ausblicken.

Bleibt noch die kurze Reststrecke zum Parkplatz. Wanderer kommen uns entgegen, die jetzt erst mit ihrer Tour starten. Es wird unangenehmer werden die nächsten Stunden, der Himmel zieht sich zu. Gute Schuhe, ein dichter Anorak und etwas Warmes zum drunter ziehen sind jetzt obligatorisch.

Wir sind hochzufrieden, können wir doch eine reiche Ausbeute an Bildern im Kopf und in der Kamera mitnehmen. Vor allem: Wir haben unsere Drei-Zinnen-Runde gemacht. Gesamtzeit, einschließlich aller Unterbrechungen 3 Stunden 15 Minuten. Ein lohnenswerter Tag.

Die wichtigsten Angaben zu dieser Tour noch einmal auf einen Blick:

Gesamtdauer, Brutto, mit Pausen: 3 Stunden 15 Minuten
Distanz: ca 10 km
Höhenunterschiede: +/- 200 Meter
Schwierigkeitsgrad: überwiegend leicht, passagenweise mittel
Erlebnisfaktor: hoch (Die Drei Zinnen eben)

 

Val di Non/TrentinoDolomiten Rundfahrt, Trekking in Italien

 

6 Gedanken zu „Drei Zinnen – Dolomiten

  1. Vor vielen Jahren habe ich auch die Zinnen umwandert. Deine wunderschönen Bilder lassen gerade die Erinnerung daran wieder erwachen. Ein traumhafter Ort, den man gesehen haben sollte.
    Liebe Grüße Sigrid

  2. Hätte ich mich nicht am Knie verletzt, wäre ich im Juli auch in den Dolomiten gewesen.
    Eure Bilder und die Reise.. einfach fantastisch!
    Meinst du es gibt da die ein oder andere Wandermöglichkeit für ‚Beeinträchtigte‘? 😀

    Liebe Grüße
    Cindy

    • ja, Cindy, gibt es – schau mal unseren Val di Non Bericht an, da sind zwei Leichttouren, die trotz der geringen Anforderung Spass machen. Und Val di Non ist, weil Du ja auch budgetbewusst unterwegs bist, viel kostengünstiger als das benachbarte Tirol.

      Gruss an die http://www.eintausendmeilen.de/

  3. Die Felsformationen ist ja super und das Panorama dort ist wirklich traumhaft. Ich bin ja nicht so die Wanderin, aber 3 Stunden würde ich auch durchhalten um mir dieses Naturschaupiel mal anzuschauen 🙂

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