Lumbini

Gute 5 Stunden Fahrt über Land entfernt von Kathmandu liegt fast in der Mitte Nepals, nahe der indischen Grenze, der Ort Lumbini. Man kann auch gut von Pokhara oder Kathmandu anreisen – oder wie wir – über die „spirituelle Achse“ aus Varanasi, der heiligen Stadt der Hindus am Ganges. Wer schon einmal die besondere Atmosphäre Varanasis erlebt hat, wird uns zustimmen, die direkte Weiterfahrt zu einem quasi buddhistischen Mekka oder Vatikan ist schon ein spezieller Trip. Es gibt von Varanasi eine Bahnverbindung oder Busse bis Gorakhpur und Sunauli; von dort aus lässt sich der Grenzübergang nach Nepal leicht erreichen. Keine Angst, der Grenzübertritt läuft hier recht geschmeidig, wir hatten weniger Wartezeit als bei der Einreise über den internationalen Flughafen in Kathmandu.

Lumbini ist nach der buddhistischer Vorstellung der Geburtsort von Siddharta Gautama, der später als Buddha Religionsstifter sein sollte. Geboren 623 vor Christus, dort wo heute Maya-Devi-Tempel steht. Eine Steinplatte bezeichnet den genauen Ort, an dem Buddha zur Welt gekommen sein soll. Neben dem Tempel findet sich eine Säule, die der indische König Ashoka im Jahr 249 vor Christus bauen ließ, wo bezeugt wird, dass eben hier der Geburtsort Buddhas liege.

Die Legenden haben tatsächlich einen realen historischen Kern. Ausgrabungen in Lumbini haben Reste eines aus Ziegeln gemauerten Tempels zu Tage gefördert, der auf die Zeit vor Ashoka datiert ist und der auf einem noch älteren Heiligtum aus Holz erbaut wurde. Archäologen vermuten, dass die Funde sogar aus der Zeit direkt nach Buddhas Leben stammen. Dies hat selbst die Unesco überzeugt, Lumbini zum Weltkulturerbe zu erklären. Auf jeden Fall also ein guter Anlass, diesem Ort einen Besuch zu widmen, vor allem für die zigtausenden von buddhistischen Pilgern aus aller Welt, die jedes Jahr hierher finden.

Die Stadt selbst, an die Lumbini sich anschließt, ist nicht besonders überwältigend: Hotels, Restaurants, ein paar Läden und Wohnhäuser, mehr oder weniger aufgereiht an der Straße gegenüber der großen buddhistischen Pilgerstätte. Die aber ist in der Tat sehenswert.

Das Gelände, eigentlich ein großer Wald, durchzogen von Kanälen, künstliche Seen, langen Alleen, beschattet von großen Bäumen sowie grüne Versammlungsflächen, wirkt wie ein großer Erlebnispark. Jedes buddhistische Land hat hier sozusagen seine spirituelle Vertretung und präsentiert sich mit seinem ganz speziellen Tempel; jeweils errichtet im Stil des jeweiligen Landes.

Um das alles zuerst einmal kennenzulernen, lässt man sich am besten per Fahrradrikscha herbringen und herumfahren. Natürlich bieten sich auch lange Spaziergänge an, Fahrradfahrten oder Rundläufe, für die sportlichen Besucher. Zentraler Ausgangspunkt ist in aller Regel der Maya-Devi-Tempel. Das „Allerheiligste“ ist von einer dicken Glasplatte abgedeckt; dort ist Fotografieren streng verboten. Die Ziegelmauer und die verehrten Statuen Buddhas haben die buddhistischen Pilger in mehreren Schichten mit Blattgold bedeckt. Der goldene Schimmer vermittelt hier einen ganz besonderen Eindruck, in dem ansonsten wenig atmosphärischen Tempel-Überbau.

Wie immer sind es aber auch die Menschen, die einem Ort das Gesicht geben. Hier in Lumbini die buddhistischen Pilger aus allen Ländern Asiens, darunter viele Mönche und Nonnen, gekleidet in farbige Gewänder, alle lächelnd und freundlich, so wie es einem Ort des Friedens gebührt. Eineinhalb Tage hatten wir hier, mit wunderschönen, stimmungsvollen Eindrücken – was will man mehr.

Unser Tipp für Lumbini: Wir haben im Hotel Peace Palace übernachtet!