Hamburg an einem Tag

Hamburg – „unsere“ Stadt. Hier haben wir jahrelang gelebt, bevor wir ein paar Kilometer südlich, vor die Tore Hamburgs, zogen. Aber mit Hamburg verbindet uns nach wie vor sehr viel und es vergeht kaum eine Woche, ohne dass wir dort sind. Da ist es nur ganz natürlich, dass wir unsere erste Fahrt mit dem Blauen nach Hamburg unternehmen, um Euch unsere Stadt vorzustellen.

Unser spezielles Programm, konzipiert für liebe Freunde aus Australien, die nur einen Tag Zeit hatten, passt natürlich für jeden Besucher der Hansestadt Hamburg (so der offizielle Name). Und wer will, widmet den hier vorgestellten Zielen einfach mehr Zeit. Ganz nach Lust und Laune und ganz nach Wetter. Letzteres, besonders wenn es wieder mal schlecht ausfällt, ist immer ein Thema für den Hamburger. Deswegen gilt es, unbedingt HH-taugliche Kleidung dabei zu haben, vorzugsweise das, was hierzulande „Friesennerz“ genannt wird, also eine wirklich wasserdichte Regenjacke oder den Regenponcho, ignorierend, dass der jeden Wanderer wie den Großonkel von Zwerg Nase aussehen lässt.

Unsere Tour haben wir so konzipiert, dass sich dabei möglichst die öffentlichen Verkehrsmittel einbeziehen lassen. Warum? Nun, sie bedienen das ganze Stadtgebiet und decken sogar Fahrten mit regulären Fähren über die Elbe ab, ohne Zuzahlung! Über die besten Tarife geben die Infostände des HVV – das ist der regionale Verkehrsverbund der Hansestadt – Auskunft. Davon gibt es auf jeden Fall einen im Hauptbahnhof. Für Abenteuerlustige: Schwarzfahren kann in Ausnahmefällen funktionieren; wir raten gleichwohl davon ab, das erzeugt nur unnötigen Stress. Klar, es gibt auch Hopp-On/Off-Touren die durchaus empfehlenswert sind oder die Hamburg Card des Verkehrsverbundes.

Wir beginnen unsere Tour am Hauptbahnhof. Von dort aus schlendern wir durch zwei der bekanntesten Einkaufsstraßen, die Spitalerstraße und de Mönckebergstraße.

Vorbei an der Petrikirche (der Turm ist besteigbar) weiter geradeaus, um schließlich vor dem Rathaus anzukommen. Der prächtige Sandsteinbau mit Kupferbedachung im Stil der norddeutschen Neurenaissance, der trotz seiner einnehmenden Fassade nicht großkotzig wirkt, ist typisch für das architektonische Understatement der Hamburger Kaufleute. Sie zogen es vor, ihren Reichtum lieber dezent zu geniessen, als damit zu protzen. Das alte Rathaus wurde 1842 gesprengt, um die Feuersbrunst einzudämmen, die damals nahezu die gesamt Altstadt zerstört hatte. Der Wiederaufbau des neuen Rathauses zog sich über ein halbes Jahrhundert hin und wurde erst 1897 abgeschlossen. Politische und wirtschaftliche Krisen, sowie die verheerende Choleraepidemie von 1892 hatten immer wieder zu Verzögerungen geführt. Das Rathaus kann besichtigt werden, war und ist aber kein Museum, sondern das politische Zentrum der Stadt: Sitz des Senates (der Regierung) und der Bürgerschaft (des Landesparlaments) der Hansestadt.

Vom Rathausmarkt gehen wir weiter zu den Alsterarkaden. Die befinden sich nur einen Steinwurf entfernt, unter den weißen Häusern im venetianischen Stil, direkt am Alsterfleet, das rechts am Rathaus vorbeiführt. Innerhalb der Arkaden findet man die älteste Shopping Mall der Stadt, die Mellin Passage, wo noch Original Ausmalungen im Jugendstil zu bewundern sind. Kleine Läden, Boutiquen und Cafés laden zum Bummeln und zum Verweilen ein. Vielleicht auch zu einer Tasse Kaffee und einem kleinen Frühstück. Spazierengehen verbraucht ja mehr Kalorien, als man sich vorstellen mag; hier lässt es sich gut zwischentanken. Auch die Alsterarkaden waren als Nachbrandarchitektur Teil des städtebaulichen Konzepts zur Neugestaltung der Innenstadt nach der Feuersbrunst von 1842.

Von den Alsterarkaden ist es nur ein kurzer Weg zum Jungfernstieg, direkt an der Binnenalster. Die Alster, ein gut 56 km langer Nebenfluss der Elbe, schlängelt sich in die Stadt hinein, um dort im Alster-See, besagter Binnenalster, aufgestaut zu werden. Dieser Bereich ist für viele Hamburger und seine Besucher das eigentliche Herz der Stadt, die „gute Stube“. Vor langer Zeit, als das Flanieren noch in Mode war, fanden sich Familien hier zum Sonntagsspaziergang ein, um ihre unverheirateten Töchter, die „Jungfern“ vorzustellen. Heute ist der Jungfernstieg wegen der nahegelegenen, noblen Einkaufszentren und natürlich wegen der Alster immer noch ein Anziehungspunkt, für Jungfern, wie Ehefrauen und selbstverständlich auch die Männer.

Hier, an der Wasserseite des Jungfernstiegs, finden wir auch den Bootsanleger, von dem aus die weiße Alsterflotte startet. Einen guten Eindruck, wie weit sich die Alster und ihre vielen Seitenarme und Kanäle durch Hamburg erstrecken, bekommt man, wenn man eine Bootstour mitmacht. Abfahrtszeiten für eine große oder kleine Tour täglich zwischen 10 – 18 Uhr, halbstündlich. Zu sehen bekommt man wunderbare Grünanlagen, prächtige Villen und natürlich Wasser, Wasser, Wasser mit vielen Segel-/Ruder- und Tretboote, die hier unterwegs sind. Preisfrage an dieser Stelle: Welche Stadt in Europa besitzt die meisten Brücken? Antwort: Hamburg! 2.300 sollen es sein, mehr als in London, Amsterdam und Venedig zusammen. Die Alsterrundfahrt lässt uns einige davon passieren. Toll auch vom Boot zu sehen ist das faszinierende Panorama der Stadt mit den vielen Kirchtürmen, Hochhäusern und dem Fernsehturm.

Zurück am Jungfernstieg, wo ein unterirdischer Verkehrsknotenpunkt ist, an dem sich verschiedene U-Bahn- und S-Bahn Linien kreuzen, geht es über- oder unterirdisch zur verbundenen Station Rathaus und  dort weiter mit der gelben Linie der U-Bahn, Richtung Landungsbücken. Die Fahrt dauert nicht lange und führt nach einer kurzen Strecke durch den Untergrund (aha, das „U“ der Metro) überirdisch weiter in den Hafenbereich. Wer so schlau ist, sich einen der Fensterplätze in Fahrtrichtung links zu sichern, wird belohnt mit einem Blick auf die historische Speicherstadt, weltweit größter, noch intakter Lagerhauskomplex und Kontorviertel, unter Denkmalschutz stehend und seit 2015 in der Liste des UNESCO-Welterbes. Die Speicherstadt besteht aus Backsteinhäusern, die auf Eichenpfählen gegründet sind, auf der einen Seite angebunden ans Wasser und gegenüber an die Straße.

Jetzt, nach langer Bauzeit (fast) vollendet, kann man auch die Elb-Philharmonie sehen, eine ambitionerte Konzerthalle und neues Wahrzeichen für Hamburg, das 2017 offiziell eröffnet werden soll. Die Konstruktion auf dem bestehenden, backsteinernen Kaispeicher A hatte immer wieder zu heftige Diskussionen in der Hansestadt geführt, da die geplanten Kosten irgendwann explodierten und Baumängel auftauchten, die langwierig nachzubessern waren. Wie auch immer, der Bau ist nun ein Hingucker und für die Konzertbesucher, die es bald geben wird, hoffentlich auch ein Ohrenschmaus. Die Akustik heißt es, soll fantastisch sein.

An der Station Landungsbrücken, die direkt vor den Schiffsanlegern liegt, verlassen wir die U-Bahn. Wer wieder oder neu hungrig ist, sollte an einer der Buden am Wasser unbedingt eine Hamburger Spezialität versuchen: Fischbrötchen! Frisch belegt und als Zwischenmahlzeit immer wieder köstlich.

Vom Anleger nehmen wir eines der Schiffe, die für den regelmäßigen Fährbetrieb auf der Elbe eingesetzt werden, diese Linien sind Teil des Verkehrsverbundes und dürfen mit dem normalen Tagesticket benutzt werden. Da Hamburg noch etwa 100 km von der Küste entfernt liegt, ist die Elbe, die in der Tschechischen Republik entspringt und über Dresden nach Hamburg fließt, die Seeverbindung in die Nordsee für den (nach Rotterdam) zweitgrößten Hafen Europas. Rund 13.000 Schiffe steuern den Hamburger Hafen jährlich an, unsere kleinen Fähren natürlich nicht mitgezählt. Von der Fähre eröffnen sich prächtige Blicke, nicht nur auf den Hafen, sondern auch auf typische Vororte. Zuerst die citynahen Arbeiterklassenbezirke und später auf die luxuriösen Residenzen der Wohlhabenden. Wir verlassen die Fähre am Anleger Övelgönne, wo auch ein kleiner Museumshafen liegt, als letzter Ankerplatz für einige wunderschön restaurierte, historische Schiffe. Entlang am Strand gehen wir zu unserem Lieblingslokal, der Strandperle. Hier lässt es sich gut Pause machen, bei einem Snack oder einem Getränk, mit Blick auf den Strom und die im Hintergrund immer noch sichtbare Stadt.

Ein Spaziergang auf der Uferpromenade führt uns dann durch ein idyllisches Viertel, die früheren Kapitänshäuser, zurück nach Hamburg. Mit Bus und S-Bahn geht es wieder zurück zur Station Landungsbrücken, um von dort aus das Hafenviertel weiter zu erforschen. Natürlich gehört dazu eines der wohl bekanntesten Wahrzeichen der Stadt, der Hamburger Michel, wie die St. Michaelis Kirche hier genannt wird. Der Michel ist gut zu Fuß erreich- und – durch seine überragende Höhe von 132 m – natürlich auffindbar. Die evangelische Hauptkirche gilt als bedeutendste Barockkirche Norddeutschlands. Ursprünglich erbaut im Jahr 1647, musste sie nach einem verheerenden Brand, verursacht durch Blitzschlag (die schützende Hand Gottes hatte wohl gerade anderes zu tun) 1750 völlig neu errichtet werden, bis sie 1906 wieder durch ein Feuer vernichtet wurde und danach, stärker und stabiler denn je zum 3. Mal erbaut wurde und sogar die Bomben des 2. Weltkrieges überstand. Der Kircheninnenraum ist sehenswert, der Blick von der Turmplattform göttlich.

Nicht weit entfernt vom Michel befinden sich die Kramer Amtsstuben, Fachwerkhäusern aus dem 17.Jahrhundert, die vormals als Wohnungen für die Witwen von Mitgliedern der Krämerzunft dienten. Heute beherbergen die Amtsstuben Läden, Galerien, Restaurants und eine als Museum genutzte Wohnung. Die Bauweise der Amtsstuben, dicht zusammenstehende Häuser entlang eines schmalen Durchgangs, prägten früher diese Region, ein labyrinthartiges Gängeviertel, Wohnort für die ärmeren Bevölkerungsschichten Hamburgs. Hier wütete 1892 die Cholera am heftigsten. Schade, in der Folge wurde mehr mit der Abbruchbirne, als mit dem Willen zur Sanierung gearbeitet, es gibt leider nur noch wenige erhaltene Gebäude aus dieser Zeit.

Inzwischen ist der Tag fast zu Ende. Keine Frage, ein gutes Besichtigungsprogramm verdient ein gutes Essen. Und das finden wir in einem der gemütliche Restaurants in der Deichstraße, eine der wenigen erhaltenen, jetzt sorgfältig restaurierten historischen Straßen aus dem 17. Jahrhundert. Vom Michel ist diese Lokalität in etwa 10 Minuten zu Fuß erreichbar.

Von der nächstgelegenen U-Bahn Station Rödingsmarkt lässt sich dann gut ein Zug Richtung Hauptbahnhof erwischen, wo unsere Tour durch Hamburg enden könnte.

Aber es ist kein Geheimnis, Hamburg ist auch nachts ein Erlebnis. Und wo man dann am sinnvollsten auftaucht, weiß man in Deutschland bereits seit der Blonde Hans (Albers) mit seinem „….auf der Reeperbahn nachts um halbeins ..“ den Bezirk berühmt machte, um den es geht: St. Pauli, in Hamburg gerne auch als „Kiez“ bezeichnet. Die Zeiten haben sich geändert, gemütliche, plüscherne Hafenbar-Atmosphäre mit Bilderbuchmatrosen und „Freudenmädchen“ wird man eher nicht finden. Das Geschäft in den Vergnügungsvierteln dieser Welt ist härter geworden:

Wenn jemals Romantik im Spiel war, dann ist sie, jedenfalls was das Seemannsleben angeht, dem Containerumschlag (das beschreiben wir im Hafenbericht) und knallhartem Profitstreben gewichen. Keine Angst, der Kunde wird höchstens ausgenommen, nicht eliminiert und wer nur mal Schauen möchte, ist auf dem Kiez sicher.

Bester Ausgangspunkt sind entweder die U-Bahn-Station St. Pauli oder die S-Bahn Haltestelle Reeperbahn. Und dann geht es zu Fuß über die Meile. Grelle Lichter, knackige Reklame, optische Action jeder Art und der dazu gehörige Soundtrack aus Lallen, Singen, Juchzen, Brummeln und manchmal auch Grölen definieren die Kulisse. Es ist eigentlich immer voll hier. Als Fußgänger lässt man sich treiben oder treibt die Vorderleute. Vorbei an Bars, Spielhallen, Discos und Tanzschuppen, Kiosken, Trinkhallen und Videobars. Es ist alles vertreten. Zielpunkte sollten vor allem die Davidswache sein, Deutschlands wohl berühmteste Polizeiwache, und am anderen Ende gegenüber die „Große Freiheit“ die zweitbekannteste (?) Nebenstraße der Reeperbahn. Nummer 1 könnte die Herbertstraße sein, eine Gasse, die ausschließlich als Bordell betrieben wird.

Beim Schlendern über den Kiez wird man garantiert auf eindrucksvolle Transgender treffen, die alle aussehen wie Olivia Jones. Die reale Olivia, die sicher noch irgendwo ihre Einnahmen zählt, ist hier inzwischen ein Markenzeichen. Eine Ikone, die ihren Look als Franchise-Modell vermarktet und dafür Lizenzgebühren einstreicht.

Je nachdem wie intensiv sich der Besucher dem St. Pauli-Bummel hingibt, lassen sich dafür 45 Minuten bis mehrere Stunden ansetzen. Für Verpflegung ist hier immer gesorgt und natürlich muss niemand Durst leiden. Kleiner Tipp: Waffen bitte zuhause lassen, es gibt extra unübersehbare Schilder, die das Waffenverbot ausdrücklich in Wort und Bild verkünden. Also Hals- und Beinbruch und nicht vergessen In Hamburg sagt man Tschüss und auf St. Pauli sagt man Digga…

Es versteht sich von selbst, dass eine Stadt wie Hamburg nicht komplett an einem Tag besichtigt werden kann. Hier gibt noch so viele schöne und interessante Ecken und Stadtteile, über die wir im Laufe der Zeit berichten werden. Hier zum Beispiel ein Tipp für schöne Spaziergänge in Hamburg, oder die Abenteuerfahrt durch die Elbmetropole auf dem motorisierten Stehroller.

Wer weiterlesen möchte:

Der Hamburger Dom, Durch die Speicherstadt, HafenCity,  Hafen,

Ausflugsziel: Lüneburger Heide

Weil Deutschland nicht vor den Toren Hamburgs endet, lohnen sich Ausflüge, etwa nach Nordfriesland

6 Gedanken zu „Hamburg an einem Tag

  1. Wow, ein ganz toller Bericht, oder besser gesagt Reiseführer über Hamburg. Euren Bericht hätte ich damals gebraucht. Hamburg ist eine Stadt, da hat Langeweile keine Chance. Ich war mal vor ein paar Jahren in Hamburg und das witzigste war, ich bin mit einer Reisegruppe im Dollhouse gelandet und musste einen Tabledance mitmachen :-D.
    LG Tanja (Travelday)

    • Hallo Tanja,

      … und es wird immer besser in dieser Stadt. HH geht mit der Zeit, entwickelt sich rasant. Ähh, Bilder um den Dollhouseauftritt zu illustrieren hast Du nicht zufällig zur Hand? Hier hättest Du ein großartiges Publikum. Irgendwo müssen Showbizz-Karrieren ja beginnen!

      Gruss
      Christiane & Aras

      ps: den Link zu Deiner Seite erlauben wir uns hier zu posten: https://travelday.jimdo.com

  2. Hallo,

    vielen Dank für den schönen Tourenvorschlag. Ich verstehe nur noch nicht, wie man mit der gelben U-Bahnlinie vom Jungfernstieg zu den Landungsbrücken kommt. Lt. HVV fährt hier nur die S1 und S3 ?

    • So gehts:

      Die Stationen Jungfernstieg und Rathaus gehen ineinander über. Kurzer Fussweg, der sogar unterirdisch möglich ist vom Jungfernstieg zur Station Rathaus(markt), dort in die gelbe Linie einsteigen, die über die sehenswerte Hochroute führt.

      Viele Grüsse und viel Spass

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